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	<title>Moral &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Der Wunsch nach Anerkennung ist groß</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 Oct 2025 01:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Anerkennung]]></category>
		<category><![CDATA[Fähigkeiten]]></category>
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					<description><![CDATA[Armin Falk schreibt: „Der Mensch möchte geliebt werden. Und geachtet, gelobt und anerkannt. Von seinen Mitmenschen und sich selbst. Dieser Wunsch nach Anerkennung kann der guten Tat Flügel verleihen.“ Aber kann das Bedürfnis nach Anerkennung auch das Gegenteil bewirken? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, auf welche Art und Weise ein Mensch ein ... <a title="Der Wunsch nach Anerkennung ist groß" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/armin-falk-anerkennung.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Wunsch nach Anerkennung ist groß">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Armin Falk schreibt: „Der Mensch möchte geliebt werden. Und geachtet, gelobt und anerkannt. Von seinen Mitmenschen und sich selbst. Dieser Wunsch nach Anerkennung kann der guten Tat Flügel verleihen.“ Aber kann das Bedürfnis nach Anerkennung auch das Gegenteil bewirken? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, auf welche Art und Weise ein Mensch ein gutes Selbstbild gewinnt. Zweifellos spielt ein moralisch untadeliges Verhalten dabei eine große Rolle. Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, was Wissenschaftler im Innersten antreibt, wovon sie träumen, worauf sie inständig hoffen. Häufig ist es der Wunsch, eine große Entdeckung zu machen. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. <span id="more-6305"></span></p>
<p><strong>Menschen empfinden Freude an den eigenen Fähigkeiten</strong></p>
<p>Manche Forscher hoffen eine große Idee zu formulieren, welche die Welt verändert, sei es um Krankheiten zu besiegen, Frieden und Wohlstand zu mehren, den komplexen sozialen oder physikalischen Gesetzmäßigkeiten auf den Grund zu gehen oder einfach die Menschen über sich selbst aufzuklären. Die Tatsache, dass es uns Freude bereitet, uns als fähig und als jemand zu sehen, der seinen „Job gut macht“, wurde bereits vom englischen Philosophen Jeremy Bentham beobachtet.</p>
<p>In seiner bekannten Liste von „14 Pleasures“ hat er als „Pleasure of Skill“ – Freude an der eigenen Fähigkeit – beschrieben und meint damit die Freude, die damit verbunden ist, etwas zu erreichen und sicher seiner Fähigkeiten zu versichern. Oder wie es der Ökonom Alfred Marshall schlicht nannte: das „mastery motive“. Armin Falk stellt fest: „Beide Motive, moralisch anständig zu sein und brillieren zu wollen, sind für sich genommen wichtige und produktive Treiber menschlichen Verhaltens.“</p>
<p><strong>Menschen kann man leicht zu falschen Tun motivieren</strong></p>
<p>Was aber bedeutet es für die Moral, wenn beide in Konflikt miteinander geraten? Diesen Konflikt möchte Armin Falk anhand eines Experiments illustrieren, das untersucht, ob und wie leicht der Wunsch nach einem positiven Selbstbild moralische Werte korrumpieren kann. Für einen Test dieser Hypothese benötigt man ein Entscheidungsumfeld, bei dem man sich entweder gut oder böse verhalten kann. Zum anderen muss man die Möglichkeit variieren, dass die Teilnehmer sich selbst ihre Fähigkeit beweisen, damit sie daraus „Pleasures of Skill“ ziehen können.</p>
<p>Die Entscheidung in diesem Experiment war sehr ungewöhnlich, dass es im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod ging, und zwar von Mäusen. Armin Falk kam die Idee, dass man Probanden vor die Wahl stellen könnte, entweder (a) das Leben eines Tieres zu retten oder (b) Geld zu erhalten und damit den Tod eines Tieres zu besiegeln. Geld oder Leben. Ein Entscheidungskonflikt, der die Moral-Definition ziemlich genau widerspiegelt. Dabei kam es zu folgendem Ergebnis: Erstaunlich, wie leicht es ist, Menschen zum falschen Tun zu motivieren, beziehungsweise wie schwer es offenbar fällt, sich moralisch zu verhalten. Quelle: „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“ von Armin Falk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Moral besitzt eine emotionale Sprengkraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 14 Jun 2025 01:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kränkung]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[Die emotionale Sprengkraft der Moral entlädt sich deshalb so leicht, weil sie bloß, wenn man es juristisch ausdrücken wollte, über eine „dezentrale“ Form der Durchsetzung verfügt. Alexander Somek erläutert: „Die Moral ist „subjektiv“ in dem Sinne, als letztlich die verletzte Person selbst bestimmt, unter welchen Bedingungen sie sich für verletzt erachtet. Das schließ nicht aus, ... <a title="Die Moral besitzt eine emotionale Sprengkraft" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/die-moral-besitzt-eine-emotionale-sprengkraft.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Moral besitzt eine emotionale Sprengkraft">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die emotionale Sprengkraft der Moral entlädt sich deshalb so leicht, weil sie bloß, wenn man es juristisch ausdrücken wollte, über eine „dezentrale“ Form der Durchsetzung verfügt. Alexander Somek erläutert: „Die Moral ist „subjektiv“ in dem Sinne, als letztlich die verletzte Person selbst bestimmt, unter welchen Bedingungen sie sich für verletzt erachtet. Das schließ nicht aus, dass die von „wohlmeinenden“ anderen dazu angestachelt wird.“ Wenn man solcherart zum Adressaten moralischer Vorwürfe wird und diese für unbegründet oder unsinnig hält, ist es am klügsten, den Kontakt mit der urteilenden Person abzubrechen. Schwieriger ist es dann, wenn man eine Beziehung weiterführen will oder muss. Alexander Somek ist seit 2015 Professor für Rechtsphilosophie und juristische Methodenlehre an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. <span id="more-6033"></span></p>
<p><strong>Bei der Gegenverletzung muss übertrieben werden</strong></p>
<p>Wenn man gutmütig veranlagt ist, mag man in einem solchen Fall sogar bereit sein, etwas auf sich zu nehmen – selbst dann, wenn man unschuldig ist. Alexander Somek weiß: „Das moralische Urteil wird entweder von den Verletzten oder von mitfühlenden Dritten ausgesprochen. Es ist ein performativer Akt, der selbst moralisch richtig oder falsch sein kann.“ Wenn die betroffene Person über ein Urteil Unmut verspürt, wird sie geneigt sein, sich über das Verdikt zu rächen.</p>
<p>Denn die Moral ist ja so beschaffen, dass jeder die Sühne seiner moralischen Kränkung selbst in die Hand nehmen muss. Alexander Somek stellt fest: „Aufgrund des Prinzips der Selbsthilfe kann die Rache nur dann angemessen sein, wenn sie gleichzeitig unangemessen ist. Wer sich rächt, ist zwar um Ausgleich bemüht, aber der Ausgleich vermag nur zu gelingen, wenn er unausgeglichen und unausgewogen ist.“ Bei der Gegenverletzung muss übertrieben werden.</p>
<p><strong>Es gibt einen Kreislauf der Rache</strong></p>
<p>Denn nur durch die Unverhältnismäßigkeit eines Racheakts kann der ursprünglich verletzenden Partei vorgeführt werden, wie beleidigend eine ursprüngliche Kränkung war. Alexander Somek nennt ein Beispiel: „Unvermutet wird einem Geld gestohlen. Die Wegnahme derselben Summe vom Täter würde nicht die Gegenseitigkeit wiederherstellen, denn der finanzielle Ausgleich ist ja das Mindeste, was der Geschädigt erwarten darf.“ Die im überraschenden Angriff liegende Beleidigung würde damit aber nicht kompensiert.</p>
<p>Etwas Unerwartetes muss also hinzukommen. Aus heiterem Himmel muss eine erneute Verletzung stattfinden. Alexander Somek erklärt: „Deswegen gibt es den Kreislauf der Rache. Und natürlich will, wer sich rächt, dem Anderen einen Denkzettel verpassen und andeuten, was noch folgen könnte, wenn es weiterginge.“ Die Moral, die jeder selbst in die Hand nimmt, besteht aus einer Verkettung von moralischen Verletzungen, deren Glieder mit der Zeit immer größer werden. Das fanatische moralische Urteil geht dabei in Heuchelei über. Quelle: „Moral als Bosheit“ von Alexander Somek</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Wahrnehmung kann verzerrt sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Nov 2024 02:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Urteilsverzerrung]]></category>
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					<description><![CDATA[Es kann zu Urteilsverzerrungen bei einem Menschen durch selektive Wahrnehmung kommen. Philipp Hübl erklärt: „Oft haben wir unser Wissen einfach nicht aktualisiert. Vor wenigen Jahrzehnten hatten tatsächlich deutlich weniger Menschen einen Stromanschluss im Haus als heutzutage, und Kinder waren deutlich seltener geimpft. Unsere Annahmen über die Weltlage sind also in gewisser Weise korrekt, nur gelten ... <a title="Die Wahrnehmung kann verzerrt sein" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/die-wahrnehmung-eines-urteils-kann-verzerrt-sein.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Wahrnehmung kann verzerrt sein">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es kann zu Urteilsverzerrungen bei einem Menschen durch selektive Wahrnehmung kommen. Philipp Hübl erklärt: „Oft haben wir unser Wissen einfach nicht aktualisiert. Vor wenigen Jahrzehnten hatten tatsächlich deutlich weniger Menschen einen Stromanschluss im Haus als heutzutage, und Kinder waren deutlich seltener geimpft. Unsere Annahmen über die Weltlage sind also in gewisser Weise korrekt, nur gelten sie für eine längst vergangene Zeit.“ Da sich die Welt schnell ändert, kommen Menschen mit den Updates ihres Wissens nicht immer hinterher. Für Negatives sind Menschen besonders sensibilisiert. Diese Einschätzung hat in der Forschung sogar einen Namen, nämlich Negativverzerrung – negativity bias. Sie ist ein Grund, warum viele Menschen glauben, dass alles schlechter wird. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012). <span id="more-5748"></span></p>
<p><strong>Übertreibung ist besser als Nichtbeachtung</strong></p>
<p>Viele der menschlichen Emotionen funktionieren wie Feuermelder. Sie haben sich in der Evolution entwickelt, weil sie das Leben unserer Vorfahren schützten, indem sie verlässlich auf Gefahren ansprangen. Philipp Hübl fügt hinzu: „Und sie sind bis heute hypersensibel eingestellt. Angst beispielsweise schützt uns vor Gefahren. Beim Anblick von Schlangen und Spinnen zu erschrecken, ist sogar angeboren.“ Angst und andere Emotionen sind die Feuermelder des Körpers, die den Menschen signalisieren: „Achtung Gefahr!“</p>
<p>Sie helfen den Menschen, all das zu schützen, was einen Wert für sie hat, zum Beispiel ihr Leben, ihre Gesundheit und ihre Kinder. Die Parallele zur Moral liegt für Philipp Hübl auf der Hand: „Moralische Regeln sollen uns ebenfalls vor Gefahren und Schaden bewahren. Und so wie die Emotionen sind unsere moralischen Detektoren fein justiert, denn auch hier gilt: Übertreibung ist besser als Nichtbeachtung. Wir halten die Weltlage für schlimmer, als sie ist, weil nicht nur die Nachrichten, sondern wir selbst ganz automatisch den Fokus auf Nöte und Gefahren lenken und uns dabei selten die Mühe machen, unser Bauchgefühl mit den statistischen Daten abzugleichen. </p>
<p><strong>Menschen haben einen universellen Gerechtigkeitssinn</strong></p>
<p>In den letzten Jahrzehnten sind die Ansprüche vieler Menschen noch schneller gestiegen als der moralische Fortschritt. Das ist ein weiterer Grund für das Moralparadox, den Alexis de Tocqueville schon Mitte des 19. Jahrhunderts beschrieben hat. Philipp Hübl weiß: „Der französische Politikwissenschaftler hat 1831 in den Vereinigten Staaten ein Jahr lang die damals junge Demokratie beobachtet, in der es zumindest unter den freien Bürgern – die Sklaverei war noch nicht abgeschafft – keine Ständeunterschiede mehr gab, im Gegensatz zu vielen Ländern Europas.“</p>
<p>Alexis de Tocqueville stellte fest, dass Menschen einen universellen Gerechtigkeitssinn haben, der unter den richtigen Bedingungen zu moralischem Fortschritt führt. Er schrieb: „Der Hass der Menschen gegen das Privileg wird umso größer, je seltener und unbedeutender die Privilegien werden. Sind alle gesellschaftlichen Bedingungen ungleich, so verletzt keine noch so große Ungleichheit den Blick des Betrachters; inmitten allseitiger Gleichförmigkeit dagegen wirkt die kleinste Verschiedenheit anstößig; der Anblick wird umso unerträglicher, je weiter die Gleichförmigkeit fortgeschritten ist.“ Quelle: „Moralspektakel“ von Philipp Hübl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Keiner hat ein Recht auf schnelles Glück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Apr 2024 01:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Tugend]]></category>
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					<description><![CDATA[Würde jeder Mensch „eudaimonia“ – sprich Glückseligkeit – statt schnelles Glück anpeilen, gäbe es weniger Neid, weniger Streit, weniger Hass, weniger tödliche Waffen, weniger Unglück. Langsames Glück würde sich konstant vermehren, bis hin zum Weltfrieden. Rebekka Reinhard weiß: „So verlockend diese Aussicht ist, so schwer fällt es dem Menschen, ihr zu folgen. Denn der Mensch ... <a title="Keiner hat ein Recht auf schnelles Glück" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/keiner-hat-ein-recht-auf-schnelles-glueck.html" aria-label="Mehr Informationen über Keiner hat ein Recht auf schnelles Glück">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Würde jeder Mensch „eudaimonia“ – sprich Glückseligkeit – statt schnelles Glück anpeilen, gäbe es weniger Neid, weniger Streit, weniger Hass, weniger tödliche Waffen, weniger Unglück. Langsames Glück würde sich konstant vermehren, bis hin zum Weltfrieden. Rebekka Reinhard weiß: „So verlockend diese Aussicht ist, so schwer fällt es dem Menschen, ihr zu folgen. Denn der Mensch ist ungeduldig. Und ziemlich borniert. Seit den Punischen Kriegen hat er wenig dazugelernt.“ Der Mensch glaubt allen Ernstes, er habe ein Recht auf schnelles Glück – und könne zwischendurch mal eben so tun, als sei er tugendhaft. Wenn es die Konventionen erfordern, vor allem aber dann, wenn es ihm selbst in den Kram passt. Rebekka Reinhard ist Chefredakteurin des Magazins „human“ über Mensch und KI. Unter anderem ist sie bekannt durch den Podcast „Was sagen Sie dazu?“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wbg. <span id="more-5381"></span></p>
<p><strong>Jeder kann für fünf Minuten ein guter Mensch sein</strong></p>
<p>Vortäuschen und Antäuschen von Tugendhaftigkeit ist überaus beliebt. Rebekka Reinhard ergänzt: „Moralheucheln geht schnell, spart Kosten, dient dem Ego und bauchpinselt die eigene Schwäche. Auf Instagram und LinkedIn ist jeder ein moralischer Held.“ Jeder hat eine zielgruppenspezifisch angepasst singuläre Haltung, die sie mitsamt wirkmächtigen Hashtags lautstark nach außen trägt. Wenn alle so „gut“ sind, warum ist die Welt dann so „schlecht“? Die effektvoll gestreute, nach Marketingkriterien genormte Proklamation moralischer Werte macht noch keine Ethik.</p>
<p>Im Gegenteil. Zwischen echter Güte und „Virtue Signalling“ –, sprich Tugendprotzerei – zwischen Tun und Sagen klafft ein Abgrund, so tief und weit wie der Grand Canyon. Es ist kinderleicht für fünf Minuten ein guter Mensch zu sein. Rebekka Reinhard nennt ein Beispiel: „Als nach Beginn des Angriffskriegs auf die Ukraine Hunderttausende nach Deutschland flüchteten, halfen alle mit Sachspenden oder gar Unterbringung in den eigenen vier Wänden. Wenige Monate später war die Euphorie verflogen.“</p>
<p><strong>Das langsame Glück ist nur Zentimeter von jedem Menschen entfernt</strong></p>
<p>Dass Helfen schnelles Glück erzeugt, weil es das Belohnungssystem des Gehirns anspricht, weil Dopamin, Serotonin und Oxytocin freigesetzt werden, darauf weist die Neurobiologie hin. Rebekka Reinhard fügt hinzu: „Dass individuelle Sorgen schnell mal das universelle humanitäre Commitment verdrängen können ist auch wahr.“ Wirkung: schlechte Laune, Verlust des schnellen Glücks, Vergessen des langsamen Glücks. Das langsame Glück ist nur Zentimeter von jedem Menschen entfernt.</p>
<p>Sie sehen es allerdings nur im Zustand absoluter Konzentration. Nur wenn sie aufhören, tausend Dinge gleichzeitig zu bedenken und durch Denken kontrollieren zu wollen. Der Fokus auf das Hier und Jetzt ist entscheidend. Er lässt diese Glücksart in ihrer ganzen Pracht erstrahlen, so sehr, dass niemand mehr sie ignorieren kann. Das wahrhaft Gute ist banal. Alltäglich. Immer schon da. Rebekka Reinhard betont: „Ich glaube, das Gute besteht in der Kunst zu handeln, bevor man eine Situation rational verstehen kann.“ Quelle: „Die Kunst gut zu sein“ von Rebekka Reinhard </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Selbst die Empathie birgt tiefe Abgründe</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/selbst-die-empathie-birgt-tiefe-abgruende.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Feb 2024 02:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Empathie, der man in der Gegenwart wieder ein so hoher Stellenwert zumisst, trägt bei aller Progressivität auch ein problematisches Potenzial in sich. Svenja Flaßpöhler betont: „Es ist richtig und wichtig, das Leiden von Betroffenen nachzuempfinden, mit ihnen mitzufühlen. Nur so erfährt erlittenes Unrecht Anerkennung. Doch ist die reine Empfindung noch keine Moral.“ Nichts kann ... <a title="Selbst die Empathie birgt tiefe Abgründe" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/selbst-die-empathie-birgt-tiefe-abgruende.html" aria-label="Mehr Informationen über Selbst die Empathie birgt tiefe Abgründe">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Empathie, der man in der Gegenwart wieder ein so hoher Stellenwert zumisst, trägt bei aller Progressivität auch ein problematisches Potenzial in sich. Svenja Flaßpöhler betont: „Es ist richtig und wichtig, das Leiden von Betroffenen nachzuempfinden, mit ihnen mitzufühlen. Nur so erfährt erlittenes Unrecht Anerkennung. Doch ist die reine Empfindung noch keine Moral.“ Nichts kann einen Menschen von der Notwendigkeit des Urteils und der damit einhergehenden Distanzierung entbinden. Denn nicht alles, was man nachempfinden kann, verdient Solidarität und Anerkennung. Als Gefühl birgt die Empathie selbst tiefe Abgründe. Ihre dunkle Seite ist der Lustgewinn, der sich aus fremdem Leid ziehen lässt. Diese Seite zeigt sich auch dann, wenn man Menschen regelrecht in Opferpositionen gefangen hält. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazin“. <span id="more-5254"></span></p>
<p><strong>Empathie vermag sogar Gewalt entfachen</strong></p>
<p>Svenja Flaßpöhler erläutert: „Etwa, indem man paternalistisch für andere spricht, sich schützend vor sie stellt und an ihrer statt sagt, welche Begriffe sie diskriminieren. Oder indem man Frauen auf hilflose Wesen reduziert.“ Die dunkle Seite der Empathie offenbart sich überdies in der Gewalt, die sie zu entfachen vermag. Gefühlsansteckungen entfesseln, mobilisieren Massen – im Guten wie im Schlechten. Bezweifelbar ist insofern die These des Evolutionsbiologen Steven Pinker, „dass die Gewalt im Lauf der Geschichte tatsächlich abgenommen hat“. </p>
<p>Die destruktiven Affekte des Menschen verschwinden ja nicht einfach. Vielmehr sind die aufgehoben in einem empathischen Sadismus, der immer subtilere Formen findet. Fritz Breithaupt nennt das Strafen und viele leider alltägliche Verhaltensformen wie das Demütigen, Herabsetzen und Bloßstellen. Die Glorifizierung der Empathie birgt ein weiteres Problem. Svenja Flaßpöhler erklärt: „So beraubt sich das Gattungswesen Mensch entscheidender Selbstschutz- und Abwehrpotenziale, wenn es die Ambivalenz der Gefühle verwirft.“</p>
<p><strong>Jeder Krieg ist grausam und schonungslos</strong></p>
<p>Pointierter: Was, wenn das Geheimnis der menschlichen Resilienz in einem archaischen Lebensdrang läge? In einer unbewussten, an die menschliche Urgeschichte mahnenden Triebkraft, die in Momenten größter Ohnmacht eine drohende Vernichtung verhindert? Svenja Flaßpöhler begibt sich ins Jahr 1915. Wenige Monate zuvor war der Erste Weltkrieg ausgebrochen, der zwanzig Millionen Menschen das Leben kosten wird. Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, ist zu diesem Zeitpunkt fast sechzig Jahre alt. </p>
<p>Er lebt in Wien und verfasst unter dem Eindruck der erschütternden Ereignisse zwei Essays, die unter dem Titel „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“ erscheinen. Ein weitaus jüngerer, neuzehnjähriger Deutscher befindet sich an der Front in Frankreich. Sein Name: Ernst Jünger. Sigmund Freud schreibt ein paar Monate nach Kriegsbeginn: „Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus, und er brachte die – Enttäuschung. Er ist nicht nur blutiger und verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mächtig vervollkommneten Waffen des Angriffs, sondern ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie irgendein früherer.“ Quelle: „Sensibel“ von Svenja Flaßpöhler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Moralisches Verhalten ist nicht beliebt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jan 2024 02:00:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Handlung]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Verhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[Ähnlich wie die Strategie zur Vermeidung von Informationen funktioniert auch das Kalkül des Verzichts von Handlungsoptionen. Die Vermeidungsstrategie setzt darauf, einen moralischen Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen. Sie vermeidet absichtsvoll moralisch relevante Entscheidungssituationen. Man weicht dabei nicht nur einer Information aus, sondern gleichsam einer „Prüfung“. Armin Falk weiß: „Die Strategie funktioniert aber nur ... <a title="Moralisches Verhalten ist nicht beliebt" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/moralisches-verhalten-ist-nicht-beliebt.html" aria-label="Mehr Informationen über Moralisches Verhalten ist nicht beliebt">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ähnlich wie die Strategie zur Vermeidung von Informationen funktioniert auch das Kalkül des Verzichts von Handlungsoptionen. Die Vermeidungsstrategie setzt darauf, einen moralischen Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen. Sie vermeidet absichtsvoll moralisch relevante Entscheidungssituationen. Man weicht dabei nicht nur einer Information aus, sondern gleichsam einer „Prüfung“. Armin Falk weiß: „Die Strategie funktioniert aber nur als Selbstbetrug.“ Unter kontrollieren, wissenschaftlichen Bedingungen studierte man die Vermeidung von Handlungsoptionen. Menschen sind bereit, Kosten auf sich zu nehmen mit dem Ziel, Situationen zu vermeiden, in denen sie aufgefordert sein könnten, sich moralisch zu verhalten. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. <span id="more-5180"></span></p>
<p><strong>Unwissen schützt vor unmoralischen Handlungen</strong></p>
<p>Es ist auch wirklich unangenehm, wenn ein Mensch wohltätig sein soll. Der Wunsch nach einem positiven Image hat für die Fragestellung – warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein – eine doppelte Bedeutung. Armin Falk erläutert: „Zum einen motiviert uns das Streben nach einer positiven Selbst- und Fremdwahrnehmung dazu, Gutes zu tun. Wir suchen die Anerkennung und das Lob und verhalten uns deshalb im Sinne der gültigen Moralvorstellungen.“ </p>
<p>Das gleiche Motiv erklärt aber auch, warum man es häufig nicht so genau wissen will, wieso man sich „dumm“ stellt, wieso man wegschaut und die Augen verschließt. Und es erklärt, warum man sich aktiv Situationen entzieht, in denen man moralisch gefordert ist. Dies alles im Versuch, ein gutes Image aufrechtzuerhalten, obwohl man in diesem Moment effektiv unmoralisch handelt. Armin Falk erklärt: „Wir können uns dann hinter unserem Unwissen oder der Tatsache verbergen, dass wir ja gar keine unmoralische Handlung begangen haben.“ </p>
<p><strong>Das Böse lockt mit allerlei Versuchungen</strong></p>
<p>Armin Falk stellt fest: „Wir schirmen uns ab und reden uns ein, eigentlich anständig zu sein. Und etwas Bestimmtes hilft uns dabei: die Fähigkeit, zu vergessen.“ Menschen sind Weltmeister im Geschichtenerzählen. Und Geschichten ermöglichen es ihnen, ein kleines Wunder zu vollbringen: etwas Falsches zu tun, ohne das gute Selbstbild zu gefährden. Immer ringt das Gute mit dem Bösen in einem Menschen. Einerseits möchte man vor sich selbst und anderen als guter Mensch dastehen.</p>
<p>Andererseits aber lockt das Böse mit allerlei Versuchungen, mit Geld oder materiellen Vorteilen, mit Privilegien am Arbeitsplatz, gesellschaftlichem Prestige oder sonstigen Annehmlichkeiten. Armin Falk betont: „Die Kosten des Anstands und der Moral bestehen genau darin, auf diese Vorteile zu verzichten.“ Aber ist es so ganz eindeutig, worin das Richtige, das Anständige, das Moralische besteht? Diese kleine Unsicherheit birgt ein teuflisches Potenzial. Es ist die Stunde der Narrative, der Deutungen und Umdeutungen. Quelle: „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“ von Armin Falk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Ausrede des Unwissens zieht oft nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 02:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbild]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Vehikel, wie Menschen ihr Selbstbild vor moralischen Selbstzweifeln schützen können, ist die Behauptung oder Überzeugung, dass sie etwas nicht gewusst haben. Armin Falk erläutert: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Eine tolle Geschichte, die wir uns und anderen immer wieder von Neuem erzählen. Und die wir ebenso oft von anderen hören.“ Und ... <a title="Die Ausrede des Unwissens zieht oft nicht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/armin-falk-schutz-des-selbstbildes.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Ausrede des Unwissens zieht oft nicht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Vehikel, wie Menschen ihr Selbstbild vor moralischen Selbstzweifeln schützen können, ist die Behauptung oder Überzeugung, dass sie etwas nicht gewusst haben. Armin Falk erläutert: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Eine tolle Geschichte, die wir uns und anderen immer wieder von Neuem erzählen. Und die wir ebenso oft von anderen hören.“ Und es stimmt ja auch; Wie kann man jemanden für etwas verantwortlich machen, wenn der Betroffene nichts wissen konnte? Das Problem für die Moral ist, dass diese Ausrede oft nicht zieht. Die exkulpierende Wirkmacht des Unwissens erklärt die Strategie, warum Menschen wegsehen und nicht wissen wollen. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. <span id="more-4998"></span></p>
<p><strong>Viele verschließen die Augen vor den Konsequenzen ihres Handelns</strong></p>
<p>Armin Falk stellt fest: „Oft könnten wir sehr leicht mehr wissen über die moralisch bedenklichen Folgen unseres Handelns. Aber wir ziehen es vor, die Augen zu verschließen, uns von den Fakten abzuwenden.“ Obwohl sie sehr leicht wissen könnten, was passiert, tauchen viele Menschen in ein selbsterschaffenes Faktenvakuum ein, um vor sich selbst und anderen behaupten zu können, es ja nicht gewusst zu haben. Aber wie funktioniert das? Kann man sich wirklich erst selbst entscheiden wegzusehen und sich dann mit der Ausrede trösten, nichts gewusst zu haben?</p>
<p>Was bedeutet dieses Nicht-wissen-wollen? Es zeigt, dass man manchmal absichtlich die Augen vor den Konsequenzen des eigenen Verhaltens verschließt. Das ermöglicht einem Menschen, den eigenen Vorteil zu maximieren und trotzdem ein gutes Image aufrechtzuerhalten. Denn schließlich ist ja nicht klar, ob eigennütziges Verhalten für den anderen ein Nachteil war. Wird schon gut gehen. Augen zu und durch. Eine besonders eindrückliche Form des angeblichen Nichtwissens war die kollektive Vergewisserung nach dem Zweiten Weltkrieg, von den Gräueltaten der Nazis nichts gewusst zu haben. </p>
<p><strong>Widerstandskämpfer stellten sich gegen die Diktatur</strong></p>
<p>Dass sie von der Judenverfolgung keine Ahnung hatten, ist eine der wichtigsten Entlastungsgeschichten, die sich eine ganze Generation von Zeitzeugen erzählt hat. Armin Falk weiß: „Dabei gilt heute als erwiesen, dass ein großer Teil der Zivilbevölkerung sehr wohl Bescheid wissen konnte. Zahllose Briefe und Augenzeugenberichte legen darüber unmissverständliches Zeugnis ab.“ Die Tatsache, dass nicht jedes Detail bekannt war, ermöglicht den kleinen Raum von Unsicherheit und Plausibilität, um die Augen zu verschließen.</p>
<p>Die Aufarbeitung des Holocaust vollzog sich in Deutschland auch deshalb zunächst so schleppend, weil dies die kollektiv erzählte Geschichte von der Unschuld durch Unwissenheit zu zerstören drohte. Armin Falk betont: „Wenn klar wird, dass man sehr wohl Bescheid wusste oder Bescheid wissen konnte, stellt sich die Frage nach der eigenen Verantwortung sehr viel drängender als hinter dem Schleier der vermeintlichen Ignoranz.“ Widerstandskämpfer werden und wurden auch deshalb von so vielen gehasst: weil sie Zeugnis davon ablegten, dass man sehr wohl wusste, was der Fall war und dass es sehr wohl die Option gab, sich dagegenzustellen. Quelle: „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“ von Armin Falk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Manchmal ist Heuchelei unumgänglich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Oct 2023 01:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Heuchelei]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[Zur Heuchelei zu greifen, ist aus Gründen der Klugheit unumgänglich, wenn die moralischen Standards formal und unbestimmt sind. Die aufgeklärte Moral unterminiert sich selbst. Sie wird zu einem System, in dessen Kontext sich das Urteil des einen die Furcht vor dem Urteil des anderen spiegelt. Alexander Somek fügt hinzu: „Darüber hinaus unterwandert die heuchlerische Moralität ... <a title="Manchmal ist Heuchelei unumgänglich" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/alexander-somek-heuchelei.html" aria-label="Mehr Informationen über Manchmal ist Heuchelei unumgänglich">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Heuchelei zu greifen, ist aus Gründen der Klugheit unumgänglich, wenn die moralischen Standards formal und unbestimmt sind. Die aufgeklärte Moral unterminiert sich selbst. Sie wird zu einem System, in dessen Kontext sich das Urteil des einen die Furcht vor dem Urteil des anderen spiegelt. Alexander Somek fügt hinzu: „Darüber hinaus unterwandert die heuchlerische Moralität auch die Legalität des Verhaltens.“ Sie tut dies auf zweierlei Weise. Erstens beginnt das Rechtssystem, die Adressaten zu erziehen. Es kommt daher auch nicht von ungefähr, dass die Bekämpfung von sexueller Belästigung nicht so sehr auf die legale Befolgung von Regeln vertraut, sondern auf eine Abrichtung durch Training. Alexander Somek ist seit 2015 Professor für Rechtsphilosophie und juristische Methodenlehre an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien. <span id="more-4926"></span></p>
<p><strong>Erziehung führt zu freiwilligen Handlungen</strong></p>
<p>Zweitens verdrängt in diesem Zusammenhang die moralisch inhaltliche Dimension die Relation von Kompetenz und Eingriffsgrenze. Die Moral hat keine Geduld mit Changierendem oder mit der Zweideutigkeit. Das soziale Leben der Menschen ist allerdings damit durchsetzt. Es verleiht ihm eine gewisse Süße. Auch gibt es echte oder vermeintliche Fehlleistungen und Akte, über die objektiv unklar ist, ob sie einen sexuellen Subtext kommunizieren.</p>
<p>Alexander Somek betont: „Der Schutz vor sexueller Belästigung zielt darauf ab, dass die Männer den Frauen mit einer respektvollen Haltung begegnen.“ Andere dazu zu bewegen, gute Haltungen auszubilden, bedeutet nichts anderes, als sie zu erziehen. Diese Erziehung funktioniert umso besser, je tiefer die Unsicherheit über die Verhängung einer Sanktion und der damit verbundenen sozialen Ächtung den Zöglingen ein Über-Ich einsetzt, das sie zur Selbstzensur zwingt. Nach Aristoteles ist die Erziehung der Prozess, wodurch man sich an Handlungen gewöhnt und damit die Einstellung annimmt, aufgrund derer man diese Handlungen freiwillig ausführt. </p>
<p><strong>Das Recht soll Menschen innerlich tugendhaft machen</strong></p>
<p>Da Erziehung nicht notwendig wäre, wenn es ausreichte, an die Einsicht der Zöglinge zu appellieren, bedarf sie der Unterstützung durch Sanktionen und Anreize. Alexander Somek ergänzt: „Das äußerliche Einwirken auf den Handelnden ist für die Erziehung essenziell. Das Recht verleiht den äußeren Mitteln, mit denen Kinder erzogen werden eine über die Kindheit hinausgehende Relevanz.“ Dabei ist es einerlei ob das Recht konventionell auf traditionelle Tugenden oder postkonventionell auf die Haltung universellen Respekts abzielt.</p>
<p>Denn in seiner erzieherischen Funktion zielt das Recht darauf ab, die Menschen durch die äußerliche Veranlassung innerlich tugendhaft zu machen. Wie bei der familiären Erziehung sollen durch Strafe und Anreize gelungene Menschen geschaffen werden. Alexander Somek erklärt: „Dem Recht eine solche Funktion zuzubilligen, ist sinnvoll, wenn man meint, dass das gedeihliche menschliche Zusammenleben moralisch gute Menschen voraussetzt. Das war von der Antike bis ins Mittelalter eine allseits gemachte Unterstellung.“ Quelle: „Moral als Bosheit“ von Alexander Somek</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Moral ist in den Gefühlen verankert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Aug 2023 01:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[David Hume beginnt ab 1743 mit der Abfassung seines dreiteiligen Werks „Ein Traktat über die menschliche Natur“. Svenja Flaßpöhler erklärt: „Grundlegend für diese Schrift ist Humes strenger Empirismus, dem zufolge nichts – und also auch nicht die Moral – ohne sinnliche Basis, ohne Erfahrung existiert.“ Mit anderen Worten: Die Moral muss in der Natur eines ... <a title="Die Moral ist in den Gefühlen verankert" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/svenja-flasspoehler-david-hume-und-die-gefuehle.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Moral ist in den Gefühlen verankert">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>David Hume beginnt ab 1743 mit der Abfassung seines dreiteiligen Werks „Ein Traktat über die menschliche Natur“. Svenja Flaßpöhler erklärt: „Grundlegend für diese Schrift ist Humes strenger Empirismus, dem zufolge nichts – und also auch nicht die Moral – ohne sinnliche Basis, ohne Erfahrung existiert.“ Mit anderen Worten: Die Moral muss in der Natur eines Menschen, in seinen Gefühlen verankert sein. In seinem Traktat stellt sich David Hume die Aufgabe, diese Verwurzelung zu verstehen: „Wie kommt es, dass wir mit anderen Menschen mitfühlen?“ Das geschieht zunächst einmal ganz einfach deshalb, so Hume, weil Menschen sich bei allen Unterschieden doch grundsätzlich ähnlich sind. Svenja Flaßpöhler fasst zusammen: „Wir fühlen, was andere fühlen, weil wir alle Menschen sind.“  Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“. <span id="more-4817"></span></p>
<p><strong>Das Mitfühlen ist etwas geradezu Reflexhaftes</strong></p>
<p>Und je mehr Menschen miteinander teilen, eine Sprache oder die Herkunft etwa, desto stärker die Empathie. Unauflöslich sind das Mitfühlen und der revolutionäre Wert der Gleichheit miteinander verschaltet. Zwar mögen die Menschen sich in Geschlecht, Aussehen, Alter et cetera unterscheiden, doch, so David Hume, eine wesentliche Gemeinsamkeit bleibt: das Menschsein. Die Gleichheit ist damit aber eben nicht eine abstrakte Größe und vor aller Erfahrung einfach gegeben, sondern man erfährt sie im Akt des Mitfühlens.</p>
<p>Das Mitfühlen hat nach David Hume etwas geradezu Reflexhaftes und Virales an sich. Svenja Flaßpöhler fügt hinzu: „Aufgrund des geteilten Menschseins springen Gefühle, ob positive oder negative, regelrecht vom einen zum anderen über. Wobei, wie Hume betont, zusätzliche Ähnlichkeiten wie Herkunft oder Geschlecht die Ansteckung noch steigern.“ Je homogener die Gruppen, desto stärker die Übertragung. Fast zweihundert Jahre nach Erscheinen des „Traktats“ wird der Philosoph Max Scheler diesen Gedanken aufgreifen und, anders als David Hume, die „Gefühlsansteckung“ vom Mitfühlen und Mitleiden scharf trennen.</p>
<p><strong>Das Gefühl erkennt gute oder schlechte Handlungen</strong></p>
<p>Die Ansteckung, so Max Scheler, habe mit Sensibilität für andere Gemütszustände im Grunde nichts zu tun, sondern sei schlicht reaktiv. Max Scheler schreibt: „Weder besteht hier eine Gefühls-Intention auf die Freude oder das Leid des anderen, noch irgendein Teilnehmen an seinem Erleben. Vielmehr ist es charakteristisch für die Ansteckung, dass sie lediglich zwischen Gefühlszuständen stattfindet, und dass sie ein Wissen um die fremde Freude überhaupt nicht voraussetzt.“ </p>
<p>Eine These von David Hume lautet: „Der Verstand kann uns nicht sagen, ob eine Handlung gut oder schlecht ist. Einzig das Gefühl, das uns erfasst, wenn wir bestimmte Handlungen betrachten, gibt uns einen Fingerzeig.“ Man muss den Eindruck, den die Tugend hervorbringt, angenehm und den, der vom Laster ausgeht, unangenehm nennen.“ Die Erfahrung eines jeden Augenblicks muss einen Menschen davon überzeugen. David Hume schreibt: „Es gibt kein lieblicheres uns schöneres Schauspiel als eine großmütige Tat, und keines, das einem Menschen mehr Abscheu einflößt als eine grausame und verräterische.“ Quelle: „Sensibel“ von Svenja Flaßpöhler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Kosten und Nutzen spielen immer eine Rolle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Feb 2023 02:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Altruismus]]></category>
		<category><![CDATA[Eigennutz]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
		<category><![CDATA[Verhalten]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Entscheidung, entweder 100 Euro zu erhalten oder ein Menschenleben zu retten, repräsentiert exakt, worum es bei altruistischem beziehungsweise moralischem Handeln immer geht. Nämlich den Nutzen der „guten Tat“ mit den damit verbundenen Kosten abzuwägen. Alle moralisch relevanten Handlungen folgen diesem Muster. Aber was ist gemeint mit „Kosten“ und „Nutzen“? Armin Falk erklärt: „Verhaltensökonomen wollen ... <a title="Kosten und Nutzen spielen immer eine Rolle" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/armin-falk-moral-versus-eigennutz.html" aria-label="Mehr Informationen über Kosten und Nutzen spielen immer eine Rolle">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Entscheidung, entweder 100 Euro zu erhalten oder ein Menschenleben zu retten, repräsentiert exakt, worum es bei altruistischem beziehungsweise moralischem Handeln immer geht. Nämlich den Nutzen der „guten Tat“ mit den damit verbundenen Kosten abzuwägen. Alle moralisch relevanten Handlungen folgen diesem Muster. Aber was ist gemeint mit „Kosten“ und „Nutzen“? Armin Falk erklärt: „Verhaltensökonomen wollen verstehen, wie sich Menschen verhalten, warum wir also aus verschiedenen Handlungsoptionen eine bestimmte Option auswählen. Hierbei wird unterstellt, dass wir bei unseren Entscheidungen den Nutzen einer Handlungsoption mit den Kosten vergleichen. Dass also letztlich diese Abwägung darüber bestimmt, wie wir uns in einer konkreten Situation entscheiden.“ Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn. <span id="more-4343"></span></p>
<p><strong>Altruismus sorgt für ein gutes Selbstbild</strong></p>
<p>Bei den meisten alltäglichen Konsumentscheidungen geht es dabei in erster Linie um die Kosten und Nutzen, die für einen selbst entstehen. Bei altruistischen oder moralisch relevanten Handlungen kommt noch etwas Entscheidendes hinzu: der Nutzen für andere Menschen oder Lebewesen. Eine altruistische Handlung stiftet nicht nur Nutzen für einen selbst, etwa in Form eines guten Selbstbilds, sondern vor allem einen Nutzen für andere. Moralisches oder altruistisches Verhalten unterscheidet sich daher grundsätzlich von Konsum- oder Freizeitentscheidungen, bei denen der Nutznießer der Handlung das handelnde Individuum selbst ist.</p>
<p>Armin Falk erläutert: „Wenn ich das Theater besuche, mir ein neues Handy kaufe oder meiner Gesundheit zuliebe joggen gehe, dann geschieht das um meiner selbst willen. Ich handle so, weil ich meinen eigenen Nutzen mehren will, nicht den von anderen Menschen.“ Da der moralische, also prosoziale, Akt sich auf die Lebensverhältnisse anderer Menschen auswirkt, nennt man die Ergebnisfolgen moralischen Handels auch „externe Effekte“. Wer zum Beispiel einem anderen Menschen das Leben rettet, übt einen „positiven externen Effekt“ auf ihn aus.</p>
<p><strong>Jede Handlung ist mit Kosten verbunden</strong></p>
<p>Von negativen externen Effekten spricht man hingegen, wenn man einem anderen Lebewesen Leid oder Schaden zufügt. Der Nutzen der guten Tat bemisst sich folglich im Umfang der positiven, das Unmoralische am Ausmaß der negativen externen Effekte. Es herrscht jedoch kein allgemeinverbindlicher Konsens darüber, welches Verhalten zugleich korrekt und universell als moralisch richtiges Verhalten zu gelten hat – und welches nicht. Moralisch richtiges Verhalten gegenständlich zu definieren, erscheint Armin Falk weder möglich noch zweckmäßig.</p>
<p>Nach der abstrakten Arbeits-Definition bemisst sich moralisches oder altruistisches Verhalten anhand der externen Effekte. Sie deckt sich mit dem in der Philosophie erreichten Minimalkonsens. Demnach hat es als unmoralisch zu gelten, jemand anderem absichtsvoll und aus niedrigen Motiven einen Schmerz oder Schaden zuzufügen. Oder aber als moralisch, anderen einen Nutzen zu stiften. Jede moralische oder altruistische Handlung ist allerdings mit Kosten für den Handelnden verbunden. Quelle: „Warum es so schwer ist, ein guter Mensch zu sein“ von Armin Falk </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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