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	<title>Herbert Marcuse &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Die befreite Sexualität machte glücklicher</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Aug 2024 01:00:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Befreiung der Sexualität in den freizügigen 1960er Jahren sei, so Herbert Marcuse, ein Kontrollmechanismus gewesen, der Menschen glücklicher, sogar sexuell erfüllter machte. Stuart Jeffries erklärt: „Eine Voraussetzung dieses größeren Glücks und der sexuellen Erfüllung ist allerdings größere Angepasstheit.“ Das erste Opfer dieser zunehmenden Konformität und das unglückliche Bewusstsein, insbesondere der Künstler, der aufgrund seines Unglücks und seines Unbehagens in seinem Werk die repressive Gewalt der bestehenden Welt der Befriedigung erhellt. Für Herbert Marcuse gab es in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften nach wie vor Repression, allerdings zunehmend keine Sublimierung mehr: Erste&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Befreiung der Sexualität in den freizügigen 1960er Jahren sei, so Herbert Marcuse, ein Kontrollmechanismus gewesen, der Menschen glücklicher, sogar sexuell erfüllter machte. Stuart Jeffries erklärt: „Eine Voraussetzung dieses größeren Glücks und der sexuellen Erfüllung ist allerdings größere Angepasstheit.“ Das erste Opfer dieser zunehmenden Konformität und das unglückliche Bewusstsein, insbesondere der Künstler, der aufgrund seines Unglücks und seines Unbehagens in seinem Werk die repressive Gewalt der bestehenden Welt der Befriedigung erhellt. Für Herbert Marcuse gab es in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften nach wie vor Repression, allerdings zunehmend keine Sublimierung mehr: Erste verlangt von den Menschen, dass sie sich der herrschenden Ordnung beugen; letztere hingegen erfordert ein gewisses Maß an Eigenständigkeit und Verstehen. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-5573"></span></p>
<p><strong>Es gibt heute keine Sublimierung mehr</strong></p>
<p>Für Herbert Marcuse wurde Sublimierung in der Form vollendeter Kunst zu jenem wertvollen, wenn auch paradoxen Phänomen – einer Macht, die fähig war, Unterdrückung zu besiegen, indem sie sich beugte. Stuart Jeffries erläutert: „Allerdings gibt es heute keine Sublimierung mehr. Um das zu verdeutlichen, vergleicht Marcuse, wie Künstler der Nachkriegsära und deren Vorgänger Sex darstellten und dramatisierten.“ In Charles Baudelaires „Les Fleurs du Mal“ oder Leo Tolstois „Anna Karenina“ wird sexuelle Lust eher sublimiert als erfüllt.</p>
<p>Vielleicht ist das beste Beispiel dieser sublimierten Sexualität ein Werk, das Herbert Marcuse nicht erwähnt: Richard Wagners „Tristan und Isolde“, in welchem Sex und Tod, Eros und Thanatos in ewiger Umarmung umschlugen sind. Stuart Jeffries ergänzt: „In solcherart sublimierten Kunstwerken ist nach Marcuse Erfüllung jenseits von Gut und Böse, jenseits gesellschaftlicher Moral und bleibt so jenseits der Reichweite des bestehenden Realitätsprinzips.“</p>
<p><strong>In der Industriegesellschaft ist die Sexualität schamlos</strong></p>
<p>Und Herbert Marcuse führt als Vergleichspunkt die Art und Weise an, wie Sexualität in Werken der fortgeschrittenen Industriegesellschaft dargestellt wird. Zum Beispiel ist die in Vladimir Nabokovs „Lolita“ dargestellte Sexualität in den Augen Herbert Marcuses unendlich realistischer, gewagter, hemmungsloser als in der klassischen oder romantischen Literatur. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Sie ist entsublimiert, unablässig präsent in ihrer banalen Ausdrücklichkeit, uninteressant und schamlos, nichts anderes als das, was sie ist. </p>
<p>Und was zwischen diesen beiden Literaturepochen verloren ging, war die Negation. Die frühere Epoche hatte Bilder, in denen die darin dargestellte Gesellschaft negiert wurde; die spätere hat diese Bilder nicht mehr. Jedenfalls war das laut Stuart Jeffries die Argumentation Herbert Marcuses. In der klassischen Literatur kommen Charaktere wie Prostituierte, Teufel, Verrückte, rebellierende Dichter vor – Charaktere, welche die bestehende Ordnung stören. In der Literatur der fortgeschrittenen Industriegesellschaft sind sie keine Bilder einer anderen Lebensweise mehr, sondern eher Launen und Typen desselben Lebens, die mehr als Affirmation denn als Negation der bestehenden Ordnung dienen. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Unglück ist leichter zu erfahren als Glück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 May 2024 01:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[In „Das Unbehagen in der Kultur“ hält Sigmund Freud fest: „Man möchte sagen, die Absicht, dass der Mensch „glücklich“ sei, ist im Plan der „Schöpfung“ nicht enthalten. Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur episodischen Phänomenen möglich … wir sind so eingerichtet, dass wir nur den Kontrast intensiv genießen können, den Zustand nur sehr wenig. Somit sind unsere Glücksmöglichkeiten schon durch unsere Konstitution beschränkt. Weit weniger Schwierigkeiten hat es, Unglück zu erfahren.“ Stuart Jeffries weiß: „Marcuse&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In „Das Unbehagen in der Kultur“ hält Sigmund Freud fest: „Man möchte sagen, die Absicht, dass der Mensch „glücklich“ sei, ist im Plan der „Schöpfung“ nicht enthalten. Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur episodischen Phänomenen möglich … wir sind so eingerichtet, dass wir nur den Kontrast intensiv genießen können, den Zustand nur sehr wenig. Somit sind unsere Glücksmöglichkeiten schon durch unsere Konstitution beschränkt. Weit weniger Schwierigkeiten hat es, Unglück zu erfahren.“ Stuart Jeffries weiß: „Marcuse feilte diese freudschen Gedanken in marxistischen Begriffen aus, indem er nahelegte, dass es eine grundlegende und eine überschüssige Unterdrückung geben müsste – erstere ist notwendig für Kultur, letztere ist ein Herrschaftsinstrument der fortgeschrittenen Industriegesellschaft.“ Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-5426"></span></p>
<p><strong>Die Sublimierung in der Kunst steht der Ordnung fremd gegenüber</strong></p>
<p>Sublimierung hingegen ist nicht so sehr die Abschiebung von Trieben ins Unbewusste, sondern ihre Umlenkung in andere Aktivitäten, die für die Kultur angeblich wertvoll sind. In „Das Unbehagen in der Kultur“, dem Buch, das Herbert Marcuses Überlegungen in „Eros und Civilisation“ und „Der eindimensionale Mensch“ befeuerte, bemerkt Sigmund Freud über Sublimierung: „Sie macht es möglich, dass höhere psychische Tätigkeiten, wissenschaftliche, künstlerische, ideologische, eine so bedeutende Rolle im Kulturleben spielen.“</p>
<p>Stuart Jeffries stellt fest: „Herbert Marcuses radikaler Zugriff auf Sigmund Freuds Gedanken besteht darin, dass solche Sublimierung in der Kunst, dem Gebiet menschlicher Aktivität, dem er in „Der eindimensionale Mensch“ die größte Aufmerksamkeit widmet, nicht nur eine gesellschaftlich anerkannte Möglichkeit ist, libidinöse Triebe zum Ausdruck zu bringen, nicht nur eine Art psychisches Sicherheitsventil, das ein besseres Funktionieren der existierenden Ordnung garantiert, sondern dass es darüber hinaus dieser Ordnung fremd gegenübersteht.“</p>
<p><strong>Die Dichtung erschafft einen imaginären Raum</strong></p>
<p>Dennoch bedroht so verstandene Kunst die Ordnung nicht. Für Herbert Marcuse stellte der Künstler, zumindest der große Künstler, ein unglückliches Bewusstsein dar, das Zeugnis für vereitelte Möglichkeiten ablegt, für unerfüllte Hoffnungen und verratene Versprechungen. Stuart Jeffries erklärt: „Was Marcuse ganz ungeniert als „höhere Kultur“ bezeichnet, existiert als eine Art inoffiziellen Opposition zur bestehenden Ordnung – eine Mahnung für die Realität und ihre Widerlegung.“</p>
<p>Herbert Marcuse schreibt: „Die beiden antagonistischen Sphären der Gesellschaft haben immer nebeneinander bestanden; die höhere Kultur passte sich stets an, während die Wirklichkeit durch ihre Ideale und ihre Wahrheit selten gestört wurde.“ Marcuse scheint sich die höhere, zweidimensionale Kultur und ihr Funktionieren als eine Art halb autonomen Bereich vorzustellen, denn eine ernsthafte Bedrohung der herrschenden Wirklichkeit ist sie nicht. Insofern hat Wystan Hugh Auden recht: Dichtung verändert nichts, sie erschafft vielmehr einen imaginären Raum, in dem die Wirklichkeit als das gesehen werden kann, was sie ist, wo sie fiktiv angeklagt und fiktiv bestraft werden kann. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt eine nichtrepressive Kultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jun 2022 01:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem Buch „Eros und Kultur“ zieht Herbert Marcuse Sigmund Freuds pessimistische Vision dessen heran, was Kultur mit sich brachte, um eben jene Möglichkeit zu umreißen, die Sigmund Freud ausgeschlossen hatte: nämlich eine nichtrepressive Kultur. Stuart Jeffries erklärt: „Das klingt sehr stark nach neofreudianischem Revisionismus. Sein Buch aber endet mit einem Epilog, der mit „Kritik des Neo-Freudianischen Revisionismus“ überschrieben ist.“ Er beschuldigt darin mehrere berühmte Psychoanalytiker, Sigmund Freuds Werk so verändert zu haben, dass dessen kritische Implikationen weggefallen seien. Zu denen, die ins Visier Marcuses geraten, gehört ein weiteres Mal&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Buch „Eros und Kultur“ zieht Herbert Marcuse Sigmund Freuds pessimistische Vision dessen heran, was Kultur mit sich brachte, um eben jene Möglichkeit zu umreißen, die Sigmund Freud ausgeschlossen hatte: nämlich eine nichtrepressive Kultur. Stuart Jeffries erklärt: „Das klingt sehr stark nach neofreudianischem Revisionismus. Sein Buch aber endet mit einem Epilog, der mit „Kritik des Neo-Freudianischen Revisionismus“ überschrieben ist.“ Er beschuldigt darin mehrere berühmte Psychoanalytiker, Sigmund Freuds Werk so verändert zu haben, dass dessen kritische Implikationen weggefallen seien. Zu denen, die ins Visier Marcuses geraten, gehört ein weiteres Mal auch Erich Fromm. Marcuse war der Meinung, Fromm und die anderen Neofreudianer hätten sich von bestimmten entscheidenden Erkenntnissen Freuds getrennt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3698"></span></p>
<p><strong>Herbert Marcuse kritisiert Erich Fromm</strong></p>
<p>Als Beispiele nennt Herbert Marcuse die Libidotheorie, den Todestrieb, den Ödipuskomplex und die Hordentheorie, welcher zufolge ein dominanter Mann wegen seiner sexuellen Rechte über die Frauen in prähistorischer Zeit getötet wurde, was eine Schuld erzeugte, die durch die menschliche Geschichte hindurch weitergegeben wurde. Erich Fromm hatte eine marxistische Kritik an Sigmund Freud formuliert, die derjenigen von Herbert Marcuse in dessen Buch „Eros und Kultur“ nicht unähnlich war. </p>
<p>Stuart Jeffries erläutert: „Erich Fromm bezweifelte, dass der ödipale Kampf die ewige Wahrheit über Vater-Sohn-Beziehungen wäre, sah in ihm vielmehr eine Auseinandersetzung, die durch die Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaft begünstigt wurde.“ Herbert Marcuse geht allerdings mit seinem Vorwurf des Revisionismus gegenüber Fromm noch weiter. Er meint, sein ehemaliger Kollege habe sich von der Triebbasis der menschlichen Persönlichkeit entfernt und stattdessen ein „positives Denken“ übernommen. Er richte sein Augenmerk auf „Oberflächenerscheinungen“ und kritisiere die „Marktwirtschaft und ihre Ideologie“. </p>
<p><strong>Erich Fromm und Herbert Marcuse blieben nach dem Krieg im Exil</strong></p>
<p>Marcuse behauptet, Fromms Unterscheidungen zwischen gut und schlecht, zwischen produktiv und unproduktiv würden aus eben jener kapitalistischen Ideologie stammen, die er angeblich kritisiert hat. Und schlimmer noch: Er beschuldigt Fromm, dem konformistischen Slogan „Betone das Positive“ zu huldigen. Stuart Jeffries fragt: „Ist das fair gegenüber Fromm?“ Wie Marcuse so hatte auch Fromm beschlossen, nach dem Krieg im Land seines Exils zu bleiben.  </p>
<p>Von allen Gelehrten der Frankfurter Schule war Erich Fromm derjenige, der sich in Amerika am wohlsten fühlte. Er lernte schneller Englisch und schrieb später auch in dieser Sprache auch mit größerer Gewandtheit und Leichtigkeit, und das nicht nur im Vergleich mit seinen deutschen Kollegen, sondern auch mit vielen Muttersprachlern. Zudem integrierte er sich mit größerer Bereitwilligkeit in die US-Gesellschaft. Das heißt jedoch nicht, dass er dieser Gesellschaft gegenüber unkritisch gewesen wäre. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sigmund Freud definiert den Eros</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2022 01:00:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Herbert Marcuses repressionsfreie libidinöse Revolution kann nicht ganz ohne Arbeit zustande kommen. Immerhin hat Sigmund Freud Eros als das Streben definiert, „die Substanz zu immer größeren Einheiten zu formen, auf das das Leben verlängert und auf eine höhere Entwicklungsstufe gebracht werden kann“. Das hört sich nach Arbeit an, und Herbert Marcuse erkennt das auch durchaus an. Stuart Jeffries erklärt: „Die Freisetzung des Lustprinzips, die er vorschlägt, würde zwar die Art der Arbeit verändern, aber es ist und bleibt doch Arbeit.“ Herbert Marcuse schreibt: „Das erotische Ziel, den gesamten Körper als&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Herbert Marcuses repressionsfreie libidinöse Revolution kann nicht ganz ohne Arbeit zustande kommen. Immerhin hat Sigmund Freud Eros als das Streben definiert, „die Substanz zu immer größeren Einheiten zu formen, auf das das Leben verlängert und auf eine höhere Entwicklungsstufe gebracht werden kann“. Das hört sich nach Arbeit an, und Herbert Marcuse erkennt das auch durchaus an. Stuart Jeffries erklärt: „Die Freisetzung des Lustprinzips, die er vorschlägt, würde zwar die Art der Arbeit verändern, aber es ist und bleibt doch Arbeit.“ Herbert Marcuse schreibt: „Das erotische Ziel, den gesamten Körper als Subjekt / Objekt der Lust zu erhalten, verlangt eine kontinuierliche Revolution des Organismus.“ Was Herbert Marcuse als kontinuierliche Revolution bezeichnet, klingt stark nach Sisyphusarbeit.  Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3618"></span></p>
<p><strong>Der Mensch muss sich mit der Natur wiedervereinigen</strong></p>
<p>Entscheidend ist jedoch, dass diese Arbeit eben keine entfremdete, repressive Arbeit ist, die das Leistungsprinzip aufrechterhält. Sondern sie ähnelt eher der Arbeit von zwei anderen klassischen mythologischen Gestalten, die Herbert Marcuse anführt: Orpheus und Narziss. Orpheus widersetzt sich repressiver Sexualität und sucht die Vereinigung mit dem Objekt seines Begehrens, während Narziss erotische Impulse hat, die seine gesamte Persönlichkeit durchfluten.</p>
<p>Herbert Marcuse befindet auch als bemerkenswert, dass Narziss nicht von der Natur getrennt, sondern Teil von ihr sei und es als lustvoll empfinde, sich in ihr gespiegelt zu sehen. Dieser Teil von Marcuses Analyse hat einen klaren Bezug zu Theodor W. Adornos und Max Horkheimers Kritik an der Ausbeutung der Natur in der „Dialektik der Aufklärung“. Für alle drei musste jede wünschbare Veränderung mit einer Wiedervereinigung der Menschen mit der Natur einhergehen. Die Natur sollte nicht länger, wie es seit Francis Bacon geschah, lediglich als zu beherrschende und auszubeutende Sphäre verstanden werden.</p>
<p><strong>Eine nichtrepressive Gesellschaft ist möglich</strong></p>
<p>Orpheus und Narziss waren für Herbert Marcuse „Urbilder der Großen Weigerung“, der Weigerung, die Trennung vom libidinösen Objekt oder Subjekt zu ertragen. Stuart Jeffries erläutert: „Die Weigerung zielte auf Befreiung ab – auf die Wiedervereinigung dessen, was getrennt wurde. Eros war vom Logos abgeschnitten und unterworfen worden. Die Menschheit hatte sich von der Natur getrennt und sie unter ihre Herrschaft gebracht.“ Die Arten der Wiedervereinigung, die Herbert Marcuse anstrebte, waren natürlich mit Arbeit verbunden.</p>
<p>Allerdings mit der Art von selbstverwirklichender Arbeit, die Erich Fromm in seinem Buch „Marx’s Concept of Man“ aus dem Jahr 1961 beschreibt. Mit seinem Werk „Eros und Kultur“ dachte Herbert Marcuse den Marxismus neu. Für ihn stellte sich im Jahr 1955 die Geschichte aller bislang existierenden Gesellschaften nicht lediglich als Geschichte von Klassenkämpfen dar. Es war auch ein Kampf um die Unterdrückung der menschlichen Triebe. Im Unterschied zu Horkheimers und Adornos Philosophie war diejenige von Marcuse jedoch optimistisch. Denn er ging davon aus, dass eine nichtrepressive Gesellschaft möglich war und dass „eine neue grundlegende Daseinserfahrung die menschliche Existenz in ihrer Ganzheit verändern wird.“ Quelle: „Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sex dient nicht mehr nur der Fortpflanzung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2022 02:00:17 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
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					<description><![CDATA[Stuart Jeffries erklärt: „Eine der Institutionen, die dem Ende repressiver Kultur und der Freisetzung libidinöser Energie zum Opfer fallen würden, so die verlockende Verheißung Herbert Marcuses, wäre die SSKleinfamilie, die in Amerika der 1950er Jahre geradezu Kultstatus hatte.“ Herber Marcuse schreibt: „Der Körper in seiner Gesamtheit würde ein Objekt der Besetzung, ein Ding, dessen man sich erfreuen kann – ein Instrument der Lust.“ Laut Herbert Marcuse würde diese Veränderung im Wert und im Ausmaß der libidinösen Beziehungen zu einer Auflösung der Institutionen führen, in denen die privaten zwischenmenschlichen Beziehungen organisiert&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Stuart Jeffries erklärt: „Eine der Institutionen, die dem Ende repressiver Kultur und der Freisetzung libidinöser Energie zum Opfer fallen würden, so die verlockende Verheißung Herbert Marcuses, wäre die SSKleinfamilie, die in Amerika der 1950er Jahre geradezu Kultstatus hatte.“ Herber Marcuse schreibt: „Der Körper in seiner Gesamtheit würde ein Objekt der Besetzung, ein Ding, dessen man sich erfreuen kann – ein Instrument der Lust.“ Laut Herbert Marcuse würde diese Veränderung im Wert und im Ausmaß der libidinösen Beziehungen zu einer Auflösung der Institutionen führen, in denen die privaten zwischenmenschlichen Beziehungen organisiert waren, besonders betroffen wäre die monogame und patriarchale Familie. Sex stünde hinfort nicht mehr „im Dienst der Fortpflanzung,“ sondern hätte die „Funktion der Lustgewinnung aus Körperzonen“. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3406"></span></p>
<p><strong>Erich Fromm stellt das Ideal eines „produktiven Menschen“ vor</strong></p>
<p>Und damit nicht genug: Nicht nur der gesamte Körper würde erotisiert, sondern auch alles, was man tue – soziale Beziehungen, Arbeit, Kulturschaffen. Noch verblüffender ist, was Herbert Marcuses nichtrepressive Kultur für die Begriffe Produktion und erfüllende Arbeit bedeutet. Für Georg Wilhelm Friedrich Hegel hatte der Mensch seine Identität durch produktive Tätigkeit, durch Leistung verwirklicht, indem „er sich aus der Nacht der Möglichkeit in den Tag der Gegenwart übersetzt“. Und auch Karl Marx hatte betont, dass zur Selbstverwirklichung als Mensch die Herstellung von etwas gehöre. </p>
<p>Schließlich hatte Erich Fromm das Ideal eines „produktiven Menschen“ vorgestellt, einen normativen Charakter, der in dem Ausmaß lebendig ist, wie er „seine spezifisch menschlichen Kräfte zum Ausdruck bringt“. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Für Herbert Marcuse hingegen verstärkte diese Betonung der Produktion die kapitalistische Arbeitsethik und das Leistungsprinzip. Sein Argument zeigt, wie weit sich die Kritische Theorie von der marxistischen Orthodoxie entfernt hatte. </p>
<p><strong>Die Trennung von Arbeit und Spiel muss überwunden werden</strong></p>
<p>Karl Marx wurde hier tatsächlich als Philosoph dargestellt, der sich der kapitalistischen Ideologie annäherte, indem er sich für Selbstverwirklichung durch Arbeit aussprach. Das eigentliche Angriffsziel Herbert Marcuses war jedoch nicht Karl Marx, sondern Erich Fromm. Marcuse war der Meinung, Fromm hätte in seine Kritik des kapitalistischen Systems kapitalistische Werte hineingeschmuggelt – ein Punkt, den er später im Zuge eines erbitterten Streits zwischen den beiden Männern noch weiter ausformulierte.  </p>
<p>Stuart Jeffries stellt fest: „Allerdings war Marcuse nicht lediglich ein Hedonist, der sich dafür aussprach, dass wir lieber spielen als arbeiten sollen. Er forderte vielmehr, dass die Trennung von Arbeit und Spiel überwunden werden müsse.“ In der Nachfolge von Friedrich Schiller stand er für Spiel und Kunst als emanzipatorische Aktivitäten ein, die das Potential haben, Menschen zu verwandeln, und die vor allem ihre Beziehung zur Arbeit verändern können. In einer nichtrepressiven Gesellschaft könnten erotische Energien in sexuelle Befriedigung, Spiel und kreative Arbeit fließen. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2022 02:00:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Herbert Marcuse scheibt: „Gerade der Fortschritt der Kultur und Zivilisation unter dem Leistungsprinzip hat einen Stand der Produktivität mit sich gebracht, angesichts dessen die Ansprüche der Gesellschaft auf Verausgabung von Triebenergie in entfremdeter Arbeit um ein Beträchtliches vermindert werden könnten.“ Sigmund Freuds Argument der Knappheit mag für vergangene Zeiten Gültigkeit besessen haben, doch heutzutage dient scheinbare Knappheit ideologisch dazu, die Menschen weiterarbeiten zu lassen, auch wenn ein Teil dieser Arbeit nicht mehr notwendig ist, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Stuart Jeffries ergänzt: „Dieser Teil bildet mithin einen Überschuss, der die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Herbert Marcuse scheibt: „Gerade der Fortschritt der Kultur und Zivilisation unter dem Leistungsprinzip hat einen Stand der Produktivität mit sich gebracht, angesichts dessen die Ansprüche der Gesellschaft auf Verausgabung von Triebenergie in entfremdeter Arbeit um ein Beträchtliches vermindert werden könnten.“ Sigmund Freuds Argument der Knappheit mag für vergangene Zeiten Gültigkeit besessen haben, doch heutzutage dient scheinbare Knappheit ideologisch dazu, die Menschen weiterarbeiten zu lassen, auch wenn ein Teil dieser Arbeit nicht mehr notwendig ist, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Stuart Jeffries ergänzt: „Dieser Teil bildet mithin einen Überschuss, der die Herrschaft der Kapitalisten über die Arbeiter stützt.“ Die ideologische Funktion harter Arbeit gibt es wohl nach wie vor. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3283"></span></p>
<p><strong>Die Arbeitsbedingungen sind trostlos und ungerecht</strong></p>
<p>Was Herbert Marcuse als „Trostlosigkeit und Ungerechtigkeit der Arbeitsbedingungen“ und als die „friedliche Unterordnung der Arbeiter unter das Gesellschaftssystem der bürgerlichen Welt“ bezeichnete, gilt heute nicht weniger als vor sechzig Jahren. Stuart Jeffries stellt fest: „Allerding kritisierte Marcuse in „Eros und Kultur“ nicht Bullshit-Jobs als solche; er führt vielmehr an, dass eine durch entfremdete Arbeit erreichte erhöhte Produktivität die Knappheit beseitigt habe, die es erforderlich gemacht habe, dass wir hart arbeiten.“ </p>
<p>Das Problem in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften ist somit heute nicht mehr Knappheit, sondern das Fehlen einer gerechten, angemessenen Verteilung der Ressourcen. Herbert Marcuses optimistische Vision besteht darin, dass der Arbeitstag verkürzt wird, dass die Bedürfnisse aller Menschen durch eine bessere Verteilung von Gütern und Dienstleistungen und eine bessere Aufteilung der Arbeit erfüllt werden und dass infolgedessen erotische Energien freigesetzt werden können. </p>
<p><strong>Der Eros wird vom Logos unterdrückt</strong></p>
<p>Erotische Energien auf diese Weise freizusetzen, so Herbert Marcuse, würde die Menschen von der Art genitaler Fixierung befreien, die er bei Wilhelm Reich bemängelt. Stuart Jeffries erläutert: „Der Körper, der nicht mehr lediglich als Arbeitsinstrument funktionieren muss, könne resexualisiert werden.“ Herbert Marcuse weist darauf hin, dass die Philosophie über zu lange Zeit das „Sein“ als reines, abstraktes Bewusstsein behandelt habe. Der Eros wird vom Logos unterdrückt. </p>
<p>Auch der Kapitalismus schränkt den Eros ein, indem er ihn unter genitale Vorherrschaft zwingt und in den Dienst der Monogamie und Fortpflanzung stellt. Es wird jedoch nicht ganz klar, wie sich die Sexualpraktiken verändern würden, wenn der Eros befreit ist. Herbert Marcuse verdammt zwar beispielsweise Koprophilie und Homosexualität nicht, aber er bemerkt, dass sie in einer nichtdepressiven Gesellschaft „mit einem Fortschritt zu höheren Formen kultureller Freiheit vereinbar sind“. Damit wollte Herbert Marcuse andeuten, dass sich Sexualpraktiken von ihrem derzeitigen Zustand weiterentwickeln. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Nov 2021 02:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Eros]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Neurose]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Freuden des Nachmittags, so Theodor W. Adorno würden als Belohnungen oder Kompensation für die Arbeit des Vormittags angesehen. Allerdings seien die Freuden des Nachmittags nur zu rechtfertigen, wen sie letztlich dem „verborgenen Zweck von Erfolg und Selbstoptimierung“ dienten. Stuart Jeffries erklärt: „Infolgedessen werden Vergnügen, Genuss und Lust selbst zu einer Pflicht, einer Art von Arbeit. Was aussieht wie nachmittägliches Vergnügen nach einem Morgen der Arbeit, ist alles andere als das. Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen.“ Statt der Freisetzung des Lustprinzips hatte diese Teilung die Funktion, das Diktat&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Freuden des Nachmittags, so Theodor W. Adorno würden als Belohnungen oder Kompensation für die Arbeit des Vormittags angesehen. Allerdings seien die Freuden des Nachmittags nur zu rechtfertigen, wen sie letztlich dem „verborgenen Zweck von Erfolg und Selbstoptimierung“ dienten. Stuart Jeffries erklärt: „Infolgedessen werden Vergnügen, Genuss und Lust selbst zu einer Pflicht, einer Art von Arbeit. Was aussieht wie nachmittägliches Vergnügen nach einem Morgen der Arbeit, ist alles andere als das. Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen.“ Statt der Freisetzung des Lustprinzips hatte diese Teilung die Funktion, das Diktat des Realitätsprinzips über jeden einzelnen Aspekt des Lebens auszudehnen. Was in der Psychoanalyse als biphasisches Verhalten bezeichnet wird, sei ein Symptom von Zwangsneurose, so Theodor W. Adorno. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3128"></span></p>
<p><strong>Herbert Marcuse hofft auf eine Befreiung des Lustprinzips</strong></p>
<p>Die Autoren von Horoskopkolumnen schienen ihren Lesern Mittel an die Hand zu geben, mit den Widersprüchen des Alltags fertig zu werden. In Wahrheit machten sie sie zu Zwangsneurotikern, die diese Widersprüche internalisierten, statt ihnen die Stirn zu bieten. Theodor W. Adorno sah in dieser zwangsneurotischen Teilung in Vormittag und Nachmittag ein typisches Zeichen der amerikanischen Massenkultur. Statt dass sich die Bürger mit den Widersprüchlichkeiten der Gesellschaft auseinandersetzten, verinnerlichten sie sie auf neurotische Weise. </p>
<p>Indem sie die Tage in Arbeit und Vergnügen unterteilten, wurde ihr Leben nicht erfüllter, sondern entfremdet. Was Theodor W. Adorno an den amerikanischen Horoskopkolumnen diagnostizierte, verallgemeinerte Herbert Marcuse auf die amerikanische, ja auf jede fortgeschrittene Industriegesellschaft. Er formuliert in „Eros und Kultur“ seine Hoffnung auf eine radikale Veränderung dieser Gesellschaften, auf eine Befreiung des Lustprinzips aus der Diktatur des Leistungsprinzips, auf Menschen, die wieder erotisiert seien – die zur Ganzheit, Erfüllung und Freiheit finden würden. </p>
<p><strong>Kulturen müssen Freiheit gegen Sicherheit eintauschen</strong></p>
<p>Sigmund Freud hatte festgestellt, diese Art von Umgestaltung sei unmöglich: Kulturen müssen Freiheit gegen Sicherheit eintauschen. Stuart Jeffries stellt fest: „Die Vereinigten Staaten der 1950er Jahre waren offensichtlich eine Kultur, die sich in Richtung Sicherheit, weg von der Freiheit bewegte, während ihre Rhetorik das Gegenteil annehmen ließ.“ Die amerikanische Gesellschaft, ja in dieser Hinsicht jede andere zivilisierte Gesellschaft, die sich in den 1950er als frei und wohlhabend darstellte, steckte in der Zwangsjacke der Konformität. </p>
<p>Die entscheidende Aussage von Sigmund Freuds „Unbehagen in der Kultur“ lautet, dass der vordergründige Fortschritt der Kultur mit einer Unterdrückung einhergehe, vor der es kein Entkommen gebe. Herber Marcuse widersprach diesem Pessimismus. Er merkte an, in fortgeschrittenen Industriegesellschaften wie den Vereinigten Staaten spiele die Knappheit der Ressourcen, die Sigmund Freud als einen Grund dafür angeführt hatte, warum das Lustprinzip vom Realitätsprinzip eingeschränkt werden müsse, keine Rolle mehr. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der Arbeiter wird manipuliert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Oct 2021 01:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Horoskop]]></category>
		<category><![CDATA[Masse]]></category>
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					<description><![CDATA[Herbert Marcuse stellte eine Verbindung zwischen freudscher Verdrängung und dem marxistischen Entfremdungsbegriff her. Der Arbeiter wird dergestalt manipuliert, dass die Einschränkungen seiner Libido als vernünftige Gesetze erscheinen, die dann internalisiert werden. Stuart Jeffries erklärt: „Das Unnatürliche – dass es unsere vorherbestimmte Funktion sein soll, Waren und Gewinn für den Kapitalisten zu produzieren – wird für uns natürlich, zur zweiten Natur. Das Individuum definiert sich also in Übereinstimmung mit dem Apparat.“ Herbert Marcuse schrieb im Amerika der 1950er Jahre, zu einer Zeit, da, wie er annahm, Werbung, Verbrauchermentalität, Massenkultur und Ideologie&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Herbert Marcuse stellte eine Verbindung zwischen freudscher Verdrängung und dem marxistischen Entfremdungsbegriff her. Der Arbeiter wird dergestalt manipuliert, dass die Einschränkungen seiner Libido als vernünftige Gesetze erscheinen, die dann internalisiert werden. Stuart Jeffries erklärt: „Das Unnatürliche – dass es unsere vorherbestimmte Funktion sein soll, Waren und Gewinn für den Kapitalisten zu produzieren – wird für uns natürlich, zur zweiten Natur. Das Individuum definiert sich also in Übereinstimmung mit dem Apparat.“ Herbert Marcuse schrieb im Amerika der 1950er Jahre, zu einer Zeit, da, wie er annahm, Werbung, Verbrauchermentalität, Massenkultur und Ideologie die Amerikaner in eine friedliche Unterwerfung unter das Gesellschaftssystem der bürgerlichen Welt einbänden. Die amerikanischen Konsumenten wünschten sich Dinge, die sie eigentlich nicht brauchten. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-2994"></span></p>
<p><strong>Die Massenkultur und die faschistische Propaganda ähneln sich</strong></p>
<p>Herbert Marcuse unterrichtete an amerikanischen Universitäten und hielt einen engen Kontakt mit seinen früheren Kollegen Theodor W. Adorno und Max Horkheimer in Frankfurt am Main aufrecht. In wesentlichen Punkten ähnelten sich ihre Kritikansätze. Für alle drei war der holzschnittartige Individualismus der US-Gesellschaft, der während des Kalten Krieges rhetorisch gegen den Kollektivismus des Sowjetsystems ausgespielt wurde, ein Mythos. Denn die Amerikaner seien infantilisierte, unterdrückte Pseudoindividuen. </p>
<p>So verbrachte etwa Theodor W. Adorno während der Jahre 1952 und 1953 zehn Monaten in Kalifornien und analysierte Astrologiekolumnen in Zeitungen, im Radio ausgestrahlte Soap Operas und das neue Medium Fernsehen. Und was er dazu zu sagen hatte, war dem, was Herbert Marcuse in „Eros und Civilisation“ schrieb, durchaus verwandt. Theodor W. Adorno stellte für alle diese Formen der Massenkultur Parallelen zur faschistischen Propaganda fest. Beide würden die Abhängigkeitsbedürfnisse des pseudoindividuellen Charakters ansprechen und manipulieren.</p>
<p><strong>Das Leben stellt widersprüchliche Anforderungen</strong></p>
<p>Die Massenkultur und die faschistische Propaganda fördern konventionelle, konformistische und zufriedene Haltungen. War man selbst Amerikaner, dann muss einem das ungeheuerlich herablassend vorgekommen sein. Stuart Jeffries weiß: „Theodor W. Adorno lobte aber immerhin die Verfasser von Horoskopen für ihren Einfallsreichtum. Ihre Leser waren ja nicht völlig ahnungslos: Sie wussten aus ihrem eigenen Leben, dass nicht alles so rund läuft, wie die Kolumne es zu suggerieren scheint, und nicht alles erledigt sich von allein.“  </p>
<p>Die Leser machten vielmehr durchaus die Erfahrung, dass das Leben widersprüchliche Anforderungen an sie stellte. Auf eine Art, die derjenigen der Nazipropagandisten vergleichbar ist, muss die Kolumne diese Widersprüche aufgreifen, wenn sie daran interessiert ist, dass die Leser bei der Stange bleiben. Eine Methode, wie die Verfasser von Horoskopen dies zustande brachten, war, dass sie für unterschiedliche Tageszeiten unterschiedlich Aktivitäten empfahlen: Der Vormittag gehöre der Arbeit, der Realität und dem Ich-Prinzip; der Nachmittag demzufolge den triebgesteuerten Antrieben des Lustprinzips. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Soziale Zwänge sind notwendig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 25 Jul 2021 01:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Lust]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Zwang]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ aus dem Jahr 1930 hatte Sigmund Freud ausgeführt, dass Kultur die Unterdrückung von Glück und sexuellem Vergnügen unter Arbeit, Monogamie und soziale Zurückhaltung erfordere. Sigmund Freud zufolge sind soziale Zwänge notwendig, damit die menschliche Gesellschaft sich entwickeln kann. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Das ungehemmte Schwelgen in den physischen und psychischen Bedürfnissen des Menschen – im Sinn des von Freud sogenannten Lustprinzips – beeinträchtigt die Freiheit anderer und muss daher mit Hilfe von Regeln und Disziplin – dem, was Freud das Realitätsprinzip nannte&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ aus dem Jahr 1930 hatte Sigmund Freud ausgeführt, dass Kultur die Unterdrückung von Glück und sexuellem Vergnügen unter Arbeit, Monogamie und soziale Zurückhaltung erfordere. Sigmund Freud zufolge sind soziale Zwänge notwendig, damit die menschliche Gesellschaft sich entwickeln kann. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Das ungehemmte Schwelgen in den physischen und psychischen Bedürfnissen des Menschen – im Sinn des von Freud sogenannten Lustprinzips – beeinträchtigt die Freiheit anderer und muss daher mit Hilfe von Regeln und Disziplin – dem, was Freud das Realitätsprinzip nannte – eingeschränkt werden.“ Sigmund Freud hat ein Narrativ entwickelt, wie Individuen ihre Bedürfnisse unterdrücken und sublimieren. Zuerst treiben die Triebe – bei Freud das Es – die Menschen dazu, Lust zu suchen und Schmerz zu vermeiden. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-2842"></span></p>
<p><strong>Für Sigmund Freud sind Triebe unveränderlich</strong></p>
<p>Im Zuge seiner Entwicklung geht jedoch dem Individuum die traumatische Erkenntnis auf, „dass völlige und schmerzlose Befriedigung der Bedürfnisse unmöglich ist“ – so die Formulierung Herbert Marcuses. Und nun kommt also das Realitätsprinzip – in der Psyche des Individuums repräsentiert durch das Ich – zum Tragen und vermittelt dem Individuum, was sozial zulässig ist. In diesem Prozess ist dann das Individuum nicht mehr länger nur auf Lust fixiert. </p>
<p>Sondern der Mensch entwickelt sich zu einem bewussten, denkenden Subjekt, das auf eine ihm von außen auferlegte Rationalität ausgerichtet ist. Sigmund Freud war davon ausgegangen, dass diese Triebe unveränderlich seien. Herbert Marcuse hingegen argumentierte, dass Triebe, wenn sie unterdrückt werden können, nicht unveränderlich seien; und wichtiger noch: Die spezifische Ausprägung der Gesellschaft, in der sich ein Individuum zu einem bewussten, denkenden Subjekt entwickelt, spielt bei der Ausprägung der Triebe eine Rolle. </p>
<p><strong>Die Menschen leben nicht ihr eigenes Leben</strong></p>
<p>Stuart Jeffries stellt fest: „Faktisch historisierte Herbert Marcuse Sigmund Freud von einer marxistischen Warte aus und behauptete, die von Freud vergegenständlichten Triebe seien unter dem Einfluss des Gesellschaftssystems veränderlich.“ Das wurde klar, als Herbert Marcuse eine grundlegende Unterscheidung zwischen notwendiger und überschüssiger Unterdrückung einführte. Erstere ist die Art von Triebunterdrückung, die, so Marcuse, „für das Fortbestehen der Gattung Mensch in der Kultur“ notwendig sei. </p>
<p>Letztere hingegen, die Surplus-Unterdrückung, ziele darauf, die Triebe in Übereinstimmung mit dem „Leistungsprinzip“ zu bringen. In den Augen Herbert Marcuses handelt es sich dabei um die vorherrschende Form des Realitätsprinzips. Er war der Meinung, dass das Realitätsprinzip im Kapitalismus in eine neuere Form mutiere. In „Eros und Kultur“ schreibt er: „Die Menschen leben nicht ihr eigenes Leben, sondern erfüllen schon vorher festgelegte Funktionen. Während sie arbeiten, befriedigen sie damit nicht ihre eigenen Bedürfnisse und Fähigkeiten, sondern arbeiten entfremdet.“ Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Sexuelle hat subversives Potential</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 01:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred Kinsey]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[In den Jahren 1950 und 1951 hielt Herbert Marcuse ans der Washington School of Psychiatry eine Reihe von Vorträgen. Damit kehrte er zur Philosophie und zum Schreiben zurück. Vorher hatte er über längere Zeit die amerikanische Regierung in ihrem Kampf gegen den Nationalsozialismus unterstützt. Stuart Jeffries weiß: „Die Vorträge markierten den Moment, da die Kritische Theorie sich aufspaltete. Nämlich in die pessimistische Frankfurter Version von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno auf der einen Seite. Auf der anderen Seite in die hoffnungsfroheren amerikanischen Varianten von Herbert Marcuse und Erich Fromm,&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In den Jahren 1950 und 1951 hielt Herbert Marcuse ans der Washington School of Psychiatry eine Reihe von Vorträgen. Damit kehrte er zur Philosophie und zum Schreiben zurück. Vorher hatte er über längere Zeit die amerikanische Regierung in ihrem Kampf gegen den Nationalsozialismus unterstützt. Stuart Jeffries weiß: „Die Vorträge markierten den Moment, da die Kritische Theorie sich aufspaltete. Nämlich in die pessimistische Frankfurter Version von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno auf der einen Seite. Auf der anderen Seite in die hoffnungsfroheren amerikanischen Varianten von Herbert Marcuse und Erich Fromm, die beide auf der anderen Seite des Atlantiks blieben.“ Max Horkheimer und Theodor W. Adorno schätzen die Möglichkeiten düster ein, die Gesellschaft in Deutschland radial zu verändern. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-2572"></span></p>
<p><strong>Die Arbeitsverhältnisse waren trostlos</strong></p>
<p>Herbert Marcuse hingegen erklärte in seinen Vorträgen, dass eine solche Veränderung möglich sei. Dabei thematisierte er unter anderem einen Komplex, der in Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Philosophie nicht vorzukommen schien. Dabei handelte es sich um das subversive Potential sexuellen Begehrens. Die Vorträge bildeten die Grundlage für Herbert Marcuses 1955 erschienenes Buch „Eros and Civilisation: A Philosophical Inquiry into Freud“.</p>
<p>In diesen Jahren unterrichtete Herbert Marcuse Politische Philosophie, zuerst an der Columbia University, später dann in Harvard. Das subversive Potential sexuellen Begehrens war kein neues Thema. Schon 1938 hatte er in seinem Essay „Zur Kritik des Hedonismus“ darüber geschrieben: „Die unverklärte, unrationalisierte Freigabe der sexuellen Beziehungen wäre die stärkste Freigabe des Genusses als solchen und die totale Entwertung der Arbeit um der Arbeit willen.“ Die Trostlosigkeit und Ungerechtigkeit der Arbeitsverhältnisse würden eklatant das Bewusstsein der Individuen durchdringen.</p>
<p><strong>Das Nachkriegsamerika war vom Thema Sex besessen</strong></p>
<p>Dies würde ihre friedliche Einordnung in das gesellschaftliche System der bürgerlichen Welt unmöglich machen. Diese Vorstellungen bedeuteten eine Herausforderung sowohl der freudschen Lehre als auch des klassischen Marxismus. Letzt genannten war die Idee fremd, sexuelle Befreiung könne das Gesellschaftssystem der bürgerlichen Welt erschüttern. In „Eros and Civilisation“ ging Herbert Marcuse allerdings noch einen Schritt weiter. Vor allem setzt er sich mit Sigmund Freuds pessimistischem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ auseinander.</p>
<p>Er nutzt dessen Leitideen für seine befreienden, hoffnungsvollen Schlussfolgerungen. Der Moment, die Möglichkeiten sexueller Befreiung zu thematisieren, war günstig. Das Nachkriegsamerika war vom Thema Sex geradezu besessen. Alfred Kinsey hatte 1947 an der Indiana University das Institute for Sex Research gegründet. Seine beiden Bücher „Sexual Behaviour in the Human Male“ (1948) und „Sexual Behaviour in the Human Female (1953) machten ihn weltberühmt. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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