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	<title>Eros &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Eros und Thanatos sind ewige Gegenspieler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Feb 2024 02:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Eros]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud registriert die Eskalation von Feindseligkeit und Nationalismus ebenso wie das Erstarken des Antisemitismus in Europa. Diese Aggressionsformen sind nicht mit Lust oder der zugehörigen Befriedigung verbunden. Sigmund Freud schreibt: „Dieser Aggressionstrieb ist der Abkömmling und Hauptvertreter des Todestriebes, den wir neben dem Eros gefunden haben, der sich mit ihm in die Weltherrschaft teilt.“ ... <a title="Eros und Thanatos sind ewige Gegenspieler" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-das-unbehagen-in-der-kultur.html" aria-label="Mehr Informationen über Eros und Thanatos sind ewige Gegenspieler">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud registriert die Eskalation von Feindseligkeit und Nationalismus ebenso wie das Erstarken des Antisemitismus in Europa. Diese Aggressionsformen sind nicht mit Lust oder der zugehörigen Befriedigung verbunden. Sigmund Freud schreibt: „Dieser Aggressionstrieb ist der Abkömmling und Hauptvertreter des Todestriebes, den wir neben dem Eros gefunden haben, der sich mit ihm in die Weltherrschaft teilt.“ Judith Butler ergänzt: „Was Freud nun „Eros“ und „Thanatos“ nennt, erscheint zwar in der Regel nicht voneinander getrennt, aber beide verfolgen gegensätzliche Ziele.“ Eros strebt die Zusammenführung getrennter Einheiten in der Gesellschaft an. Er führt Individuen zu Gruppen und Gruppen untereinander im Dienst umfassenderer gesellschaftlicher und politischer Formationen zusammen. Thanatos spaltet diese Einheiten und jede Einheit in sich. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5242"></span></p>
<p><strong>Die Liebe selbst ist ambivalent</strong></p>
<p>So existiert in jedem Aufbau einer sozialen Bindung zugleich eine Gegentendenz, die diese Bindung aufzulösen sucht. Judith Butler nennt ein Beispiel: „Ich liebe dich, ich hasse dich; ich kann ohne dich nicht leben, ich sterbe, wenn ich weiter mit dir lebe.“ Sigmund Freud geht dieses Problem in Bezug auf die Liebe auf zweierlei Weise an. Einerseits betont er in seinem ganzen Werk die konstitutive Ambivalenz aller Liebesbeziehungen. Das wird im Kapitel „Das Tabu und die Ambivalenz der Gefühlsregungen“ in „Totem und Tabu“ (1913) deutlich.</p>
<p>Aber auch in „Trauer und Melancholie“ (1917), wo der Verlust des geliebten Menschen mit Aggressionen verbunden ist, ist dies unverkennbar. Nach diesem Modell ist die Liebe selbst ambivalent. Judith Butler fügt hinzu: „Andererseits bezeichnet „Liebe“ – ein anderer Begriff für „Eros“ – nur den einen Pol dieser emotionalen Ambivalenz. Es gibt die Liebe und es gibt den Hass. Liebe meint also entweder die ambivalente Konstellation von Liebe und Hass oder sie bezeichnet nur einen Pol einer bipolaren Struktur.</p>
<p><strong>Destruktivität geht mit einer Schwächung der Kritikfähigkeit einher</strong></p>
<p>Sigmund Freuds Position selbst scheint ambivalent, was vielleicht auf rhetorischer Ebene seine Behauptung untermauern soll. Tatsächlich löst er diese Paradoxie in seinem Werk nie ganz auf. Symptomatisch tritt sie in seinem Spätwerk zutage. Liebe bindet eine Person an eine andere, aber kraft ihrer inneren Ambivalenz birgt sie auch das Potenzial zur Zerstörung sozialer Bindungen. Und wenn es nicht die Liebe ist, die diese Bindungen zerstört, gibt es zumindest eine destruktive Kraft in ihr.</p>
<p>Diese bewegt die Menschen zu Zerstörung und Selbstzerstörung, einschließlich der Zerstörung dessen, was sie am meisten lieben. Was in der Psyche wendet sich gegen diese Auflösung sozialer Bindungen? Judith Butler erläutert: „In Freuds Sicht können Gruppen entweder ihre inneren Bindungen zerstören oder ihre Destruktivität gegen andere Gruppen richten. Beide Formen der Destruktivität, befürchtet er, gehen mit einer Schwächung der Kritikfähigkeit einher.“ Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt eine nichtrepressive Kultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jun 2022 01:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem Buch „Eros und Kultur“ zieht Herbert Marcuse Sigmund Freuds pessimistische Vision dessen heran, was Kultur mit sich brachte, um eben jene Möglichkeit zu umreißen, die Sigmund Freud ausgeschlossen hatte: nämlich eine nichtrepressive Kultur. Stuart Jeffries erklärt: „Das klingt sehr stark nach neofreudianischem Revisionismus. Sein Buch aber endet mit einem Epilog, der mit „Kritik ... <a title="Es gibt eine nichtrepressive Kultur" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/stuart-jeffries-eros-und-kultur-2.html" aria-label="Mehr Informationen über Es gibt eine nichtrepressive Kultur">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Buch „Eros und Kultur“ zieht Herbert Marcuse Sigmund Freuds pessimistische Vision dessen heran, was Kultur mit sich brachte, um eben jene Möglichkeit zu umreißen, die Sigmund Freud ausgeschlossen hatte: nämlich eine nichtrepressive Kultur. Stuart Jeffries erklärt: „Das klingt sehr stark nach neofreudianischem Revisionismus. Sein Buch aber endet mit einem Epilog, der mit „Kritik des Neo-Freudianischen Revisionismus“ überschrieben ist.“ Er beschuldigt darin mehrere berühmte Psychoanalytiker, Sigmund Freuds Werk so verändert zu haben, dass dessen kritische Implikationen weggefallen seien. Zu denen, die ins Visier Marcuses geraten, gehört ein weiteres Mal auch Erich Fromm. Marcuse war der Meinung, Fromm und die anderen Neofreudianer hätten sich von bestimmten entscheidenden Erkenntnissen Freuds getrennt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3698"></span></p>
<p><strong>Herbert Marcuse kritisiert Erich Fromm</strong></p>
<p>Als Beispiele nennt Herbert Marcuse die Libidotheorie, den Todestrieb, den Ödipuskomplex und die Hordentheorie, welcher zufolge ein dominanter Mann wegen seiner sexuellen Rechte über die Frauen in prähistorischer Zeit getötet wurde, was eine Schuld erzeugte, die durch die menschliche Geschichte hindurch weitergegeben wurde. Erich Fromm hatte eine marxistische Kritik an Sigmund Freud formuliert, die derjenigen von Herbert Marcuse in dessen Buch „Eros und Kultur“ nicht unähnlich war. </p>
<p>Stuart Jeffries erläutert: „Erich Fromm bezweifelte, dass der ödipale Kampf die ewige Wahrheit über Vater-Sohn-Beziehungen wäre, sah in ihm vielmehr eine Auseinandersetzung, die durch die Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaft begünstigt wurde.“ Herbert Marcuse geht allerdings mit seinem Vorwurf des Revisionismus gegenüber Fromm noch weiter. Er meint, sein ehemaliger Kollege habe sich von der Triebbasis der menschlichen Persönlichkeit entfernt und stattdessen ein „positives Denken“ übernommen. Er richte sein Augenmerk auf „Oberflächenerscheinungen“ und kritisiere die „Marktwirtschaft und ihre Ideologie“. </p>
<p><strong>Erich Fromm und Herbert Marcuse blieben nach dem Krieg im Exil</strong></p>
<p>Marcuse behauptet, Fromms Unterscheidungen zwischen gut und schlecht, zwischen produktiv und unproduktiv würden aus eben jener kapitalistischen Ideologie stammen, die er angeblich kritisiert hat. Und schlimmer noch: Er beschuldigt Fromm, dem konformistischen Slogan „Betone das Positive“ zu huldigen. Stuart Jeffries fragt: „Ist das fair gegenüber Fromm?“ Wie Marcuse so hatte auch Fromm beschlossen, nach dem Krieg im Land seines Exils zu bleiben.  </p>
<p>Von allen Gelehrten der Frankfurter Schule war Erich Fromm derjenige, der sich in Amerika am wohlsten fühlte. Er lernte schneller Englisch und schrieb später auch in dieser Sprache auch mit größerer Gewandtheit und Leichtigkeit, und das nicht nur im Vergleich mit seinen deutschen Kollegen, sondern auch mit vielen Muttersprachlern. Zudem integrierte er sich mit größerer Bereitwilligkeit in die US-Gesellschaft. Das heißt jedoch nicht, dass er dieser Gesellschaft gegenüber unkritisch gewesen wäre. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sigmund Freud definiert den Eros</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2022 01:00:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Herbert Marcuses repressionsfreie libidinöse Revolution kann nicht ganz ohne Arbeit zustande kommen. Immerhin hat Sigmund Freud Eros als das Streben definiert, „die Substanz zu immer größeren Einheiten zu formen, auf das das Leben verlängert und auf eine höhere Entwicklungsstufe gebracht werden kann“. Das hört sich nach Arbeit an, und Herbert Marcuse erkennt das auch durchaus ... <a title="Sigmund Freud definiert den Eros" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/stuart-jeffries-herbert-marcuse-3.html" aria-label="Mehr Informationen über Sigmund Freud definiert den Eros">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Herbert Marcuses repressionsfreie libidinöse Revolution kann nicht ganz ohne Arbeit zustande kommen. Immerhin hat Sigmund Freud Eros als das Streben definiert, „die Substanz zu immer größeren Einheiten zu formen, auf das das Leben verlängert und auf eine höhere Entwicklungsstufe gebracht werden kann“. Das hört sich nach Arbeit an, und Herbert Marcuse erkennt das auch durchaus an. Stuart Jeffries erklärt: „Die Freisetzung des Lustprinzips, die er vorschlägt, würde zwar die Art der Arbeit verändern, aber es ist und bleibt doch Arbeit.“ Herbert Marcuse schreibt: „Das erotische Ziel, den gesamten Körper als Subjekt / Objekt der Lust zu erhalten, verlangt eine kontinuierliche Revolution des Organismus.“ Was Herbert Marcuse als kontinuierliche Revolution bezeichnet, klingt stark nach Sisyphusarbeit.  Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3618"></span></p>
<p><strong>Der Mensch muss sich mit der Natur wiedervereinigen</strong></p>
<p>Entscheidend ist jedoch, dass diese Arbeit eben keine entfremdete, repressive Arbeit ist, die das Leistungsprinzip aufrechterhält. Sondern sie ähnelt eher der Arbeit von zwei anderen klassischen mythologischen Gestalten, die Herbert Marcuse anführt: Orpheus und Narziss. Orpheus widersetzt sich repressiver Sexualität und sucht die Vereinigung mit dem Objekt seines Begehrens, während Narziss erotische Impulse hat, die seine gesamte Persönlichkeit durchfluten.</p>
<p>Herbert Marcuse befindet auch als bemerkenswert, dass Narziss nicht von der Natur getrennt, sondern Teil von ihr sei und es als lustvoll empfinde, sich in ihr gespiegelt zu sehen. Dieser Teil von Marcuses Analyse hat einen klaren Bezug zu Theodor W. Adornos und Max Horkheimers Kritik an der Ausbeutung der Natur in der „Dialektik der Aufklärung“. Für alle drei musste jede wünschbare Veränderung mit einer Wiedervereinigung der Menschen mit der Natur einhergehen. Die Natur sollte nicht länger, wie es seit Francis Bacon geschah, lediglich als zu beherrschende und auszubeutende Sphäre verstanden werden.</p>
<p><strong>Eine nichtrepressive Gesellschaft ist möglich</strong></p>
<p>Orpheus und Narziss waren für Herbert Marcuse „Urbilder der Großen Weigerung“, der Weigerung, die Trennung vom libidinösen Objekt oder Subjekt zu ertragen. Stuart Jeffries erläutert: „Die Weigerung zielte auf Befreiung ab – auf die Wiedervereinigung dessen, was getrennt wurde. Eros war vom Logos abgeschnitten und unterworfen worden. Die Menschheit hatte sich von der Natur getrennt und sie unter ihre Herrschaft gebracht.“ Die Arten der Wiedervereinigung, die Herbert Marcuse anstrebte, waren natürlich mit Arbeit verbunden.</p>
<p>Allerdings mit der Art von selbstverwirklichender Arbeit, die Erich Fromm in seinem Buch „Marx’s Concept of Man“ aus dem Jahr 1961 beschreibt. Mit seinem Werk „Eros und Kultur“ dachte Herbert Marcuse den Marxismus neu. Für ihn stellte sich im Jahr 1955 die Geschichte aller bislang existierenden Gesellschaften nicht lediglich als Geschichte von Klassenkämpfen dar. Es war auch ein Kampf um die Unterdrückung der menschlichen Triebe. Im Unterschied zu Horkheimers und Adornos Philosophie war diejenige von Marcuse jedoch optimistisch. Denn er ging davon aus, dass eine nichtrepressive Gesellschaft möglich war und dass „eine neue grundlegende Daseinserfahrung die menschliche Existenz in ihrer Ganzheit verändern wird.“ Quelle: „Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2022 02:00:42 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Herbert Marcuse scheibt: „Gerade der Fortschritt der Kultur und Zivilisation unter dem Leistungsprinzip hat einen Stand der Produktivität mit sich gebracht, angesichts dessen die Ansprüche der Gesellschaft auf Verausgabung von Triebenergie in entfremdeter Arbeit um ein Beträchtliches vermindert werden könnten.“ Sigmund Freuds Argument der Knappheit mag für vergangene Zeiten Gültigkeit besessen haben, doch heutzutage dient ... <a title="Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/stuart-jeffries-eros-und-kultur.html" aria-label="Mehr Informationen über Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Herbert Marcuse scheibt: „Gerade der Fortschritt der Kultur und Zivilisation unter dem Leistungsprinzip hat einen Stand der Produktivität mit sich gebracht, angesichts dessen die Ansprüche der Gesellschaft auf Verausgabung von Triebenergie in entfremdeter Arbeit um ein Beträchtliches vermindert werden könnten.“ Sigmund Freuds Argument der Knappheit mag für vergangene Zeiten Gültigkeit besessen haben, doch heutzutage dient scheinbare Knappheit ideologisch dazu, die Menschen weiterarbeiten zu lassen, auch wenn ein Teil dieser Arbeit nicht mehr notwendig ist, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Stuart Jeffries ergänzt: „Dieser Teil bildet mithin einen Überschuss, der die Herrschaft der Kapitalisten über die Arbeiter stützt.“ Die ideologische Funktion harter Arbeit gibt es wohl nach wie vor. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3283"></span></p>
<p><strong>Die Arbeitsbedingungen sind trostlos und ungerecht</strong></p>
<p>Was Herbert Marcuse als „Trostlosigkeit und Ungerechtigkeit der Arbeitsbedingungen“ und als die „friedliche Unterordnung der Arbeiter unter das Gesellschaftssystem der bürgerlichen Welt“ bezeichnete, gilt heute nicht weniger als vor sechzig Jahren. Stuart Jeffries stellt fest: „Allerding kritisierte Marcuse in „Eros und Kultur“ nicht Bullshit-Jobs als solche; er führt vielmehr an, dass eine durch entfremdete Arbeit erreichte erhöhte Produktivität die Knappheit beseitigt habe, die es erforderlich gemacht habe, dass wir hart arbeiten.“ </p>
<p>Das Problem in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften ist somit heute nicht mehr Knappheit, sondern das Fehlen einer gerechten, angemessenen Verteilung der Ressourcen. Herbert Marcuses optimistische Vision besteht darin, dass der Arbeitstag verkürzt wird, dass die Bedürfnisse aller Menschen durch eine bessere Verteilung von Gütern und Dienstleistungen und eine bessere Aufteilung der Arbeit erfüllt werden und dass infolgedessen erotische Energien freigesetzt werden können. </p>
<p><strong>Der Eros wird vom Logos unterdrückt</strong></p>
<p>Erotische Energien auf diese Weise freizusetzen, so Herbert Marcuse, würde die Menschen von der Art genitaler Fixierung befreien, die er bei Wilhelm Reich bemängelt. Stuart Jeffries erläutert: „Der Körper, der nicht mehr lediglich als Arbeitsinstrument funktionieren muss, könne resexualisiert werden.“ Herbert Marcuse weist darauf hin, dass die Philosophie über zu lange Zeit das „Sein“ als reines, abstraktes Bewusstsein behandelt habe. Der Eros wird vom Logos unterdrückt. </p>
<p>Auch der Kapitalismus schränkt den Eros ein, indem er ihn unter genitale Vorherrschaft zwingt und in den Dienst der Monogamie und Fortpflanzung stellt. Es wird jedoch nicht ganz klar, wie sich die Sexualpraktiken verändern würden, wenn der Eros befreit ist. Herbert Marcuse verdammt zwar beispielsweise Koprophilie und Homosexualität nicht, aber er bemerkt, dass sie in einer nichtdepressiven Gesellschaft „mit einem Fortschritt zu höheren Formen kultureller Freiheit vereinbar sind“. Damit wollte Herbert Marcuse andeuten, dass sich Sexualpraktiken von ihrem derzeitigen Zustand weiterentwickeln. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Liebe verwandelt sich in Traurigkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Dec 2021 02:00:08 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Beim Eros handelt es sich um die begehrende Liebe, die an den Mangel geknüpft ist. Philia ist die freundschaftliche Liebe, die eine Wahl einschließt und auf Gegenseitigkeit beruht. Die sich schenkende und völlig selbstlose Liebe nennt man agape. Diese drei sind ziemlich oft eng miteinander verknüpft, daher kommt dann auch die Komplexität und Mehrdeutigkeit von ... <a title="Die Liebe verwandelt sich in Traurigkeit" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/frederic-lenoir-liebesbeziehungen.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Liebe verwandelt sich in Traurigkeit">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Beim Eros handelt es sich um die begehrende Liebe, die an den Mangel geknüpft ist. Philia ist die freundschaftliche Liebe, die eine Wahl einschließt und auf Gegenseitigkeit beruht. Die sich schenkende und völlig selbstlose Liebe nennt man agape. Diese drei sind ziemlich oft eng miteinander verknüpft, daher kommt dann auch die Komplexität und Mehrdeutigkeit von Liebesbeziehungen. Es ist also wichtig, das man lernt, sich selbst zu erkennen und die eigenen wahren Beweggründe zu durchschauen. Frédéric Lenoir warnt: „Man hat das Recht, eine Leidenschaft auszuleben, aber man sollte dabei auch wissen, dass man jede Form von Realismus verliert! – In jedem Fall verlieren wir jegliche Objektivität.“ Und man sollte auch verstehen, dass man nur allzu oft seine eigenen Defizite, Erwartungen und Bedürfnisse auf den anderen projiziert. Frédéric Lenoir ist Philosoph, Religionswissenschaftler, Soziologe und Schriftsteller. <span id="more-3167"></span></p>
<p><strong>Manchmal wird aus Liebe sogar Hass</strong></p>
<p>Baruch de Spinoza hat das perfekt analysiert. Er definiert die Liebe bündig und sehr treffend als „Lust, verbunden mit der Idee einer äußeren Ursache“. Das trifft für Frédéric Lenoir genau zu: Denn Lust bzw. Freude empfindet man nicht durch die Ursache, sondern durch die Vorstellung, die man sich von ihr macht. Diese Vorstellung kann angemessen oder unangemessen, wahr oder falsch sein. Baruch de Spinoza sagt, dass sich die Liebe früher oder später – wenn die Illusion verflogen ist – in Traurigkeit verwandelt.</p>
<p>Und manchmal verwandelt sich die Liebe sogar in Hass. Dann wirft man dem anderen vor, einen getäuscht oder verraten zu haben. Frédéric Lenoir stellt weiß: „Dieser destruktive Charakter der Liebe ist im Übrigen nicht ausschließlich an die leidenschaftliche Liebe geknüpft.“ Er kann auch in einer Freundschaft oder in einer Eltern-Kind-Beziehung zum Vorschein kommen. Nämlich wenn diese eher auf den Mangel gegründet ist und auf die daraus folgende Vereinnahmung des anderen.</p>
<p><strong>Das Kind soll die Leere der Eltern füllen</strong></p>
<p>Das ist der klassische Fall der Eltern, die ihr Kind nur unter bestimmten Bedingungen lieben. Sie haben ein starkes Besitzgefühl und den Wunsch, dass das Kind das verwirklicht, was sie sich wünschen. So möchten sie über ihre Nachkommenschaft verwirklichen, was ihnen selbst nicht gelungen ist. Wenn ihr Kind versucht, ihrem Einfluss zu entkommen, dann werden sie böse und können sogar die Beziehung vollständig abbrechen. Sie werfen dem Kind vor, dass es sie unglücklich mache und Verrat übe.</p>
<p>Das Kind ist, oft ohne dass die Eltern sich dessen bewusst sind, dazu da, eine Leere oder einen Mangel zu füllen. Frédéric Lenoir erklärt: „Versucht es, der Macht dieser Zuschreibung zu entkommen, wird es zum Verräter.“ Wenn Liebe sich richtig, dauerhaft und tief entfalten soll, braucht man ein Bewusstsein seiner selbst, Erkenntnis, Wohlwollen und Freigiebigkeit. Ob es um den Ehegatten, die Freundin oder um das Kind geht. Immer sollte man dabei im Kopf behalten, dass einem dieser andere nicht gehört. Quelle: „Weisheit“ von Frédéric Lenoir</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 26 Nov 2021 02:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Eros]]></category>
		<category><![CDATA[Freiheit]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Neurose]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Theodor W. Adorno]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Freuden des Nachmittags, so Theodor W. Adorno würden als Belohnungen oder Kompensation für die Arbeit des Vormittags angesehen. Allerdings seien die Freuden des Nachmittags nur zu rechtfertigen, wen sie letztlich dem „verborgenen Zweck von Erfolg und Selbstoptimierung“ dienten. Stuart Jeffries erklärt: „Infolgedessen werden Vergnügen, Genuss und Lust selbst zu einer Pflicht, einer Art von ... <a title="Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/eros-hatte-sich-dem-logos-zu-unterwerfen.html" aria-label="Mehr Informationen über Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Freuden des Nachmittags, so Theodor W. Adorno würden als Belohnungen oder Kompensation für die Arbeit des Vormittags angesehen. Allerdings seien die Freuden des Nachmittags nur zu rechtfertigen, wen sie letztlich dem „verborgenen Zweck von Erfolg und Selbstoptimierung“ dienten. Stuart Jeffries erklärt: „Infolgedessen werden Vergnügen, Genuss und Lust selbst zu einer Pflicht, einer Art von Arbeit. Was aussieht wie nachmittägliches Vergnügen nach einem Morgen der Arbeit, ist alles andere als das. Eros hatte sich dem Logos zu unterwerfen.“ Statt der Freisetzung des Lustprinzips hatte diese Teilung die Funktion, das Diktat des Realitätsprinzips über jeden einzelnen Aspekt des Lebens auszudehnen. Was in der Psychoanalyse als biphasisches Verhalten bezeichnet wird, sei ein Symptom von Zwangsneurose, so Theodor W. Adorno. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3128"></span></p>
<p><strong>Herbert Marcuse hofft auf eine Befreiung des Lustprinzips</strong></p>
<p>Die Autoren von Horoskopkolumnen schienen ihren Lesern Mittel an die Hand zu geben, mit den Widersprüchen des Alltags fertig zu werden. In Wahrheit machten sie sie zu Zwangsneurotikern, die diese Widersprüche internalisierten, statt ihnen die Stirn zu bieten. Theodor W. Adorno sah in dieser zwangsneurotischen Teilung in Vormittag und Nachmittag ein typisches Zeichen der amerikanischen Massenkultur. Statt dass sich die Bürger mit den Widersprüchlichkeiten der Gesellschaft auseinandersetzten, verinnerlichten sie sie auf neurotische Weise. </p>
<p>Indem sie die Tage in Arbeit und Vergnügen unterteilten, wurde ihr Leben nicht erfüllter, sondern entfremdet. Was Theodor W. Adorno an den amerikanischen Horoskopkolumnen diagnostizierte, verallgemeinerte Herbert Marcuse auf die amerikanische, ja auf jede fortgeschrittene Industriegesellschaft. Er formuliert in „Eros und Kultur“ seine Hoffnung auf eine radikale Veränderung dieser Gesellschaften, auf eine Befreiung des Lustprinzips aus der Diktatur des Leistungsprinzips, auf Menschen, die wieder erotisiert seien – die zur Ganzheit, Erfüllung und Freiheit finden würden. </p>
<p><strong>Kulturen müssen Freiheit gegen Sicherheit eintauschen</strong></p>
<p>Sigmund Freud hatte festgestellt, diese Art von Umgestaltung sei unmöglich: Kulturen müssen Freiheit gegen Sicherheit eintauschen. Stuart Jeffries stellt fest: „Die Vereinigten Staaten der 1950er Jahre waren offensichtlich eine Kultur, die sich in Richtung Sicherheit, weg von der Freiheit bewegte, während ihre Rhetorik das Gegenteil annehmen ließ.“ Die amerikanische Gesellschaft, ja in dieser Hinsicht jede andere zivilisierte Gesellschaft, die sich in den 1950er als frei und wohlhabend darstellte, steckte in der Zwangsjacke der Konformität. </p>
<p>Die entscheidende Aussage von Sigmund Freuds „Unbehagen in der Kultur“ lautet, dass der vordergründige Fortschritt der Kultur mit einer Unterdrückung einhergehe, vor der es kein Entkommen gebe. Herber Marcuse widersprach diesem Pessimismus. Er merkte an, in fortgeschrittenen Industriegesellschaften wie den Vereinigten Staaten spiele die Knappheit der Ressourcen, die Sigmund Freud als einen Grund dafür angeführt hatte, warum das Lustprinzip vom Realitätsprinzip eingeschränkt werden müsse, keine Rolle mehr. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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