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	<title>Kultur &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Es fehlt an Empathie mit der Welt der Natur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Jan 2025 02:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Wirklich berührt wird der Mensch nur von etwas, zu dem er in Resonanz kommen kann, von etwas, mit dem er in Beziehung steht, von etwas, das er fühlt. Joachim Bauer erklärt: „Daher wird der Appell zur ökologischen Wende, wenn er sich in einer repetitiven Belehrung über die – ohne jede Frage katastrophalen – Zahlen über ... <a title="Es fehlt an Empathie mit der Welt der Natur" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/es-fehlt-an-empathie-mit-der-welt-der-natur.html" aria-label="Mehr Informationen über Es fehlt an Empathie mit der Welt der Natur">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wirklich berührt wird der Mensch nur von etwas, zu dem er in Resonanz kommen kann, von etwas, mit dem er in Beziehung steht, von etwas, das er fühlt. Joachim Bauer erklärt: „Daher wird der Appell zur ökologischen Wende, wenn er sich in einer repetitiven Belehrung über die – ohne jede Frage katastrophalen – Zahlen über den ökologischen Absturz unseres Planeten erschöpft, keinen Elan erzeugen.“ Die Reaktionsträgheit, die man seit Jahren beobachtet – und die Greta Thunberg und die Ihren mit Recht so wütend macht –, hat ihren Grund in der zivilisatorischen Entfremdung des Menschen von seinen Gefühlen, von der Verbundenheit mit seinen Mitmenschen und von der Empathie mit der Welt der Natur. Nicht nur Ressourcen und Produkte, unser gesamtes Leben wurde, wie die renommierte Philosophin Martha Nussbaum es ausdrückte, dem ökonomischen Kalkül unterworfen. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt. <span id="more-5864"></span></p>
<p><strong>Die Welt der Kultur betrachtet den Menschen nicht als Objekt</strong></p>
<p>Weil alles nur noch berechnenden Kosten-Nutzen-Kalkülen unterworfen ist, hat sich dem auch die Selbst- und Fremdwahrnehmung des Menschen angepasst. Joachim Bauer stellt fest: „Zu bewerten und bewertet zu werden hat sich zu einer zivilisatorischen Obsession entwickelt, von der Erziehung bis zur Arbeitswelt, vom Small Talk bis zu den Foren des Internets.“ Die Folgen sind ein schlechtes Lebensgefühl, Angst, Zynismus, Depression und Störungen der seelischen und körperlichen Gesundheit.</p>
<p>Ohne es zu wollen, hat man die Klimadebatte mit einem gefühlslosen Modus der Kommunikation infiziert. Wie soll sich vor einem derartigen Hintergrund ein von Empathie und Liebe zu Welt der Natur getragenes Momentum entwickeln? Joachim Bauer weiß: „Der Gegenentwurf zu einer Welt, in der Menschen zu Objekten gemacht, bewertet und manipuliert werden, ist die Welt der Kultur. Was die kulturellen Möglichkeiten eines Landes ausmacht, sind Feiern, alle Formen von Musik, Sport, Tanz, Theater, Kino, Oper, Museen und Ausstellungen und sicher noch manch anderes.“</p>
<p><strong>Die Kultur kann den entleerten Innenraum des Menschen füllen</strong></p>
<p>Zur Kultur zählen auch die Kochkunst und – nicht zu vergessen – die Bildungseinrichtungen eines Landes. Joachim Bauer fügt hinzu: „Die Kultur macht den Menschen zum Subjekt, sie lässt ihn sein, wie er oder sie ist. Sie gibt ihm die Möglichkeit, seinem Denken oder Mitdenken, seinem Fühlen oder Mitfühlen, seiner Phantasie, auch durch sein Tun im Sinne von Mitmachen Ausdruck zu verleihen.“ Es ist die Kultur, die den durch zivilisatorischen Stress entleerten Innenraum des Menschen füllen kann. </p>
<p>Wenn die innere Leere des Subjekts, wie es Daniele Giglioli ausdrückte, durch kein Objekt gefüllt werden kann: Kultur kann es! Joachim Bauer erläutert: „Sie ist die Ressource, sie ist der Stoff, aus dem gemacht wird, was wir Selbst und Identität nennen. Kultur bringt Menschen physisch zusammen, sie lässt den Menschen auch dann Gemeinschaft fühlen, wenn er ganz für sich alleine Kunstprodukte genießt.“ Quelle: „Fühlen, was die Welt fühlt“ von Joachim Bauer </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>In der Natur geschieht alles unmittelbar</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 Jul 2022 01:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[Die psychoanalytische Kulturtheorie á la Sigmund Freud ist eine des Glücks oder, besser, des verbotenen Glücks. Im Jahr 1930 erscheint sein Essay „Das Unbehagen in der Kultur“. Peter Trawny weiß: „Diese steht kurz davor, weltweit abgeschafft zu werden.“ Was hatte die böse Kultur denn getan? Das Pendant zur Kultur war die Natur. In der Natur ... <a title="In der Natur geschieht alles unmittelbar" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/peter-trawny-sigmund-freud-und-das-glueck.html" aria-label="Mehr Informationen über In der Natur geschieht alles unmittelbar">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die psychoanalytische Kulturtheorie á la Sigmund Freud ist eine des Glücks oder, besser, des verbotenen Glücks. Im Jahr 1930 erscheint sein  Essay „Das Unbehagen in der Kultur“. Peter Trawny weiß: „Diese steht kurz davor, weltweit abgeschafft zu werden.“ Was hatte die böse Kultur denn getan? Das Pendant zur Kultur war die Natur. In der Natur geschieht alles unmittelbar, will sagen, ohne dass die natürlichen Vorgänge von einem nachdenkenden und zögernden Filter unterbrochen würden. Heutzutage haben viele Menschen die Natur – beinahe – ganz verlassen und leben in kultivierten Verhältnissen. Beinahe – denn noch besitzen sie etwas, was sie mit natürlichen Prozessen verbindet, das selbst noch natürlichen, will sagen, besinnungslosen Vorgängen ausgesetzt ist: den Körper. Peter Trawny gründete 2012 das Matin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, dessen Leitung er seitdem innehat. <span id="more-3744"></span></p>
<p><strong>Der Geschlechtsakt verbindet den Menschen mit der Natur</strong></p>
<p>Wie? Was denn im Körper geschieht besinnungslos? Mehr oder weniger alles: Niemand kann seine Verdauungsvorgänge oder seinen Blutkreislauf bewusst organisieren. Zwar sind die Menschen medizinisch in der Lage, die organischen Prozesse im Körper zu beeinflussen. Doch selbst der geistigste Mensch hat es noch nicht geschafft, sich kraft des unmittelbaren Einsatzes seines Denkens vom Krebs zu befreien. Für Sigmund Freud scheint nun das zentrale Geschehen, dass die Menschen noch mit der Natur verbindet, der Geschlechtsakt zu sein.</p>
<p>Sigmund Freud schreibt in jenem Essay: „Die heutige Kultur gibt deutlich zu erkennen, dass sie sexuelle Beziehungen nur aufgrund einer einmaligen, unauflösbaren Bindung eines Mannes an ein Weib gestatten will, dass sie die Sexualität als selbstständige Lustquelle nicht mag und sie nur als bisher unersetzte Quelle für die Vermehrung des Menschen zu dulden gesinnt ist.“ Irgendwann ging der Mensch dazu über, in monogamen Familienverhältnissen zu leben. </p>
<p><strong>Die Liebe soll über den Tod siegen</strong></p>
<p>Peter Trawny erklärt: „Dann befand sich der Mensch in geordneten Verhältnissen und begann, die Sexualität als selbstständige Lustquelle zu vermissen.“ Warum? Weil nach Sigmund Freud Sexualität nichts anderes als „Glück im strengsten Sinne“ ist, anders gesagt, dass „die geschlechtliche Liebe eigentlich das Vorbild für alles Glück“ darstellt. Der Geschlechtsakt bringt „Triebbefriedigung“, die glücklich macht, der unbefriedigte Trieb bleibt unglücklich. </p>
<p>Also geht es darum, die freie Liebe auszurufen? Nein, die „völlige Befreiung des Sexuallebens“, weiß Sigmund Freud, beseitige „die Familie, die Keimzelle der Kultur“. Der Psychoanalytiker will jedoch alles andere, als die Kultur zu beseitigen. Er will den Liebenden die Notwendigkeit und die Möglichkeit der Sublimation zeigen. Zwar soll der zeugende Eros über den zerstörenden Thanatos, die Liebe über den Tod siegen. Doch dieser Sieg soll ein Sieg der Kultur sein. Quelle: „Philosophie der Liebe“ von Peter Trawny</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt eine nichtrepressive Kultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Jun 2022 01:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm]]></category>
		<category><![CDATA[Eros]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem Buch „Eros und Kultur“ zieht Herbert Marcuse Sigmund Freuds pessimistische Vision dessen heran, was Kultur mit sich brachte, um eben jene Möglichkeit zu umreißen, die Sigmund Freud ausgeschlossen hatte: nämlich eine nichtrepressive Kultur. Stuart Jeffries erklärt: „Das klingt sehr stark nach neofreudianischem Revisionismus. Sein Buch aber endet mit einem Epilog, der mit „Kritik ... <a title="Es gibt eine nichtrepressive Kultur" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/stuart-jeffries-eros-und-kultur-2.html" aria-label="Mehr Informationen über Es gibt eine nichtrepressive Kultur">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In seinem Buch „Eros und Kultur“ zieht Herbert Marcuse Sigmund Freuds pessimistische Vision dessen heran, was Kultur mit sich brachte, um eben jene Möglichkeit zu umreißen, die Sigmund Freud ausgeschlossen hatte: nämlich eine nichtrepressive Kultur. Stuart Jeffries erklärt: „Das klingt sehr stark nach neofreudianischem Revisionismus. Sein Buch aber endet mit einem Epilog, der mit „Kritik des Neo-Freudianischen Revisionismus“ überschrieben ist.“ Er beschuldigt darin mehrere berühmte Psychoanalytiker, Sigmund Freuds Werk so verändert zu haben, dass dessen kritische Implikationen weggefallen seien. Zu denen, die ins Visier Marcuses geraten, gehört ein weiteres Mal auch Erich Fromm. Marcuse war der Meinung, Fromm und die anderen Neofreudianer hätten sich von bestimmten entscheidenden Erkenntnissen Freuds getrennt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3698"></span></p>
<p><strong>Herbert Marcuse kritisiert Erich Fromm</strong></p>
<p>Als Beispiele nennt Herbert Marcuse die Libidotheorie, den Todestrieb, den Ödipuskomplex und die Hordentheorie, welcher zufolge ein dominanter Mann wegen seiner sexuellen Rechte über die Frauen in prähistorischer Zeit getötet wurde, was eine Schuld erzeugte, die durch die menschliche Geschichte hindurch weitergegeben wurde. Erich Fromm hatte eine marxistische Kritik an Sigmund Freud formuliert, die derjenigen von Herbert Marcuse in dessen Buch „Eros und Kultur“ nicht unähnlich war. </p>
<p>Stuart Jeffries erläutert: „Erich Fromm bezweifelte, dass der ödipale Kampf die ewige Wahrheit über Vater-Sohn-Beziehungen wäre, sah in ihm vielmehr eine Auseinandersetzung, die durch die Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaft begünstigt wurde.“ Herbert Marcuse geht allerdings mit seinem Vorwurf des Revisionismus gegenüber Fromm noch weiter. Er meint, sein ehemaliger Kollege habe sich von der Triebbasis der menschlichen Persönlichkeit entfernt und stattdessen ein „positives Denken“ übernommen. Er richte sein Augenmerk auf „Oberflächenerscheinungen“ und kritisiere die „Marktwirtschaft und ihre Ideologie“. </p>
<p><strong>Erich Fromm und Herbert Marcuse blieben nach dem Krieg im Exil</strong></p>
<p>Marcuse behauptet, Fromms Unterscheidungen zwischen gut und schlecht, zwischen produktiv und unproduktiv würden aus eben jener kapitalistischen Ideologie stammen, die er angeblich kritisiert hat. Und schlimmer noch: Er beschuldigt Fromm, dem konformistischen Slogan „Betone das Positive“ zu huldigen. Stuart Jeffries fragt: „Ist das fair gegenüber Fromm?“ Wie Marcuse so hatte auch Fromm beschlossen, nach dem Krieg im Land seines Exils zu bleiben.  </p>
<p>Von allen Gelehrten der Frankfurter Schule war Erich Fromm derjenige, der sich in Amerika am wohlsten fühlte. Er lernte schneller Englisch und schrieb später auch in dieser Sprache auch mit größerer Gewandtheit und Leichtigkeit, und das nicht nur im Vergleich mit seinen deutschen Kollegen, sondern auch mit vielen Muttersprachlern. Zudem integrierte er sich mit größerer Bereitwilligkeit in die US-Gesellschaft. Das heißt jedoch nicht, dass er dieser Gesellschaft gegenüber unkritisch gewesen wäre. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Unbehagen an der Kultur wächst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Feb 2022 02:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Anforderungen an den Einzelnen durch die Kultur werden immer größer. Denn er muss ständig entsprechende Gruppennormen erfüllen. Der Preis des kulturellen Fortschritts besteht dann laut Sigmund Freud darin, dass der Mensch den hohen und differenzierten Anforderungen einer solchen Kultur nicht gerecht werden kann. Deshalb muss er Schuldgefühle entwickeln, die auf anderem Wege zu kompensieren ... <a title="Das Unbehagen an der Kultur wächst" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-unbehagen-an-der-kultur-waechst.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Unbehagen an der Kultur wächst">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Anforderungen an den Einzelnen durch die Kultur werden immer größer. Denn er muss ständig entsprechende Gruppennormen erfüllen. Der Preis des kulturellen Fortschritts besteht dann laut Sigmund Freud darin, dass der Mensch den hohen und differenzierten Anforderungen einer solchen Kultur nicht gerecht werden kann. Deshalb muss er Schuldgefühle entwickeln, die auf anderem Wege zu kompensieren sind. Armin Nassehi ergänzt: „Die Kulturentwicklung verlangt mit zunehmender Komplexität mehr Normenerfüllung und überfordert den Einzelnen dadurch, dass er gewissermaßen haltlos wird.“ Forderungen der Zugehörigkeit entwickeln sich damit zu Problem und Lösung zugleich. Sie sind Lösung, weil sie dem Einzelnen Anerkennung versprechen. Sie sind das Problem, weil sie letztlich so eine starke Selbstkontrolle verlangen, die Sigmund Freud für geradezu widernatürlich hält. Armin Nassehi ist Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. <span id="more-3342"></span></p>
<p><strong>Die natürliche Ethik bietet nur eine narzisstische Befriedigung</strong></p>
<p>Die Kultur verspricht also Belohnung für etwas, was die Menschen von selbst nicht einhalten können. Das führt dann zu Destruktion und Autoaggression, vor allem wenn die normativen Forderungen zu stark und zu abstrakt sind. Sigmund Freud spricht von „unpsychologischen Vorgehen des Kultur-Über-Ichs“, vor allem in der Forderung „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“. Diese ist letztlich nicht einzuhalten – umso weniger, je höher sich die moralischen Forderungen erweisen. </p>
<p>Sigmund Freud schreibt: „Die sogenannte natürliche Ethik hat hier nichts zu bieten außer der narzisstischen Befriedigung, sich für besser halten zu dürfen, als die anderen sind.“ Das Unbehagen, von dem hier die Rede ist, ist ein Unbehagen, das die Positionierung des Einzelnen in seinen sozialen Bezügen meint. Es ist eine Asymmetrie zwischen den Ansprüchen der „Kultur“ und den individuellen Ressourcen und Möglichkeiten. In seiner Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ geht Sigmund Freud letztlich so weit, die Passung zwischen dem Menschen und der menschlichen Vergesellschaftung generell in Zweifel zu ziehen.</p>
<p><strong>Die kulturellen Ansprüche überfordern das Individuum</strong></p>
<p>Armin Nassehi stellt fest: „Es ist eine Kritik an der Kultur – im angelsächsischen Sinne würde man von Zivilisation sprechen –, die prinzipiell nicht lösbar erscheint.“  Sigmund Freuds ganze kultur- bzw. zivilisationskritische Perspektive zielt auf Überforderung – kulturelle Ansprüche, die der Mensch letztlich nicht erfüllen kann. Bei aller hehren Form der Moral und der kulturellen, moralischen und religiösen Ansprüche mündet dies fast zwangsläufig in autoritäre Strukturen, um diese Spannung zu bearbeiten.</p>
<p>Das Bezugsproblem bleibt laut Armin Nassehi die Frage der gesellschaftlichen Kohäsion als Gruppenkohäsion. Moderne Vergesellschaftung sieht aus wie eine Vergesellschaftung in Großgruppen. Diese haben hohe Ansprüche an starke Gruppenbindung, an die Bedingungen der Zugehörigkeit, an gemeinsame Werte und normative Vorgaben. Hierin gipfelt die klassische Selbstbeschreibung der gesellschaftliche Moderne, sich in zumeist politischen Begriffen als Kollektivität darzustellen. Quelle: „Unbehagen“ von Armin Nassehi</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jan 2022 02:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Eros]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
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					<description><![CDATA[Herbert Marcuse scheibt: „Gerade der Fortschritt der Kultur und Zivilisation unter dem Leistungsprinzip hat einen Stand der Produktivität mit sich gebracht, angesichts dessen die Ansprüche der Gesellschaft auf Verausgabung von Triebenergie in entfremdeter Arbeit um ein Beträchtliches vermindert werden könnten.“ Sigmund Freuds Argument der Knappheit mag für vergangene Zeiten Gültigkeit besessen haben, doch heutzutage dient ... <a title="Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/stuart-jeffries-eros-und-kultur.html" aria-label="Mehr Informationen über Ein Teil der Arbeit ist nicht mehr notwendig">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Herbert Marcuse scheibt: „Gerade der Fortschritt der Kultur und Zivilisation unter dem Leistungsprinzip hat einen Stand der Produktivität mit sich gebracht, angesichts dessen die Ansprüche der Gesellschaft auf Verausgabung von Triebenergie in entfremdeter Arbeit um ein Beträchtliches vermindert werden könnten.“ Sigmund Freuds Argument der Knappheit mag für vergangene Zeiten Gültigkeit besessen haben, doch heutzutage dient scheinbare Knappheit ideologisch dazu, die Menschen weiterarbeiten zu lassen, auch wenn ein Teil dieser Arbeit nicht mehr notwendig ist, um die Bedürfnisse zu erfüllen. Stuart Jeffries ergänzt: „Dieser Teil bildet mithin einen Überschuss, der die Herrschaft der Kapitalisten über die Arbeiter stützt.“ Die ideologische Funktion harter Arbeit gibt es wohl nach wie vor. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-3283"></span></p>
<p><strong>Die Arbeitsbedingungen sind trostlos und ungerecht</strong></p>
<p>Was Herbert Marcuse als „Trostlosigkeit und Ungerechtigkeit der Arbeitsbedingungen“ und als die „friedliche Unterordnung der Arbeiter unter das Gesellschaftssystem der bürgerlichen Welt“ bezeichnete, gilt heute nicht weniger als vor sechzig Jahren. Stuart Jeffries stellt fest: „Allerding kritisierte Marcuse in „Eros und Kultur“ nicht Bullshit-Jobs als solche; er führt vielmehr an, dass eine durch entfremdete Arbeit erreichte erhöhte Produktivität die Knappheit beseitigt habe, die es erforderlich gemacht habe, dass wir hart arbeiten.“ </p>
<p>Das Problem in den fortgeschrittenen Industriegesellschaften ist somit heute nicht mehr Knappheit, sondern das Fehlen einer gerechten, angemessenen Verteilung der Ressourcen. Herbert Marcuses optimistische Vision besteht darin, dass der Arbeitstag verkürzt wird, dass die Bedürfnisse aller Menschen durch eine bessere Verteilung von Gütern und Dienstleistungen und eine bessere Aufteilung der Arbeit erfüllt werden und dass infolgedessen erotische Energien freigesetzt werden können. </p>
<p><strong>Der Eros wird vom Logos unterdrückt</strong></p>
<p>Erotische Energien auf diese Weise freizusetzen, so Herbert Marcuse, würde die Menschen von der Art genitaler Fixierung befreien, die er bei Wilhelm Reich bemängelt. Stuart Jeffries erläutert: „Der Körper, der nicht mehr lediglich als Arbeitsinstrument funktionieren muss, könne resexualisiert werden.“ Herbert Marcuse weist darauf hin, dass die Philosophie über zu lange Zeit das „Sein“ als reines, abstraktes Bewusstsein behandelt habe. Der Eros wird vom Logos unterdrückt. </p>
<p>Auch der Kapitalismus schränkt den Eros ein, indem er ihn unter genitale Vorherrschaft zwingt und in den Dienst der Monogamie und Fortpflanzung stellt. Es wird jedoch nicht ganz klar, wie sich die Sexualpraktiken verändern würden, wenn der Eros befreit ist. Herbert Marcuse verdammt zwar beispielsweise Koprophilie und Homosexualität nicht, aber er bemerkt, dass sie in einer nichtdepressiven Gesellschaft „mit einem Fortschritt zu höheren Formen kultureller Freiheit vereinbar sind“. Damit wollte Herbert Marcuse andeuten, dass sich Sexualpraktiken von ihrem derzeitigen Zustand weiterentwickeln. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Kultur durchdringt die Lebensführung</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/andreas-reckwitz-selbstverwirklichung-2.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2021 02:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensstil]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstverwirklichung]]></category>
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					<description><![CDATA[In der heutigen Zeit soll die Arbeit nicht nur mehr dem Gelderwerb dienen, sondern auch intrinsisch motiviert sein, soll Sinn stiften und Freude machen. Außerdem werden aktuell Partnerschaften nicht mehr aus bloßer sozialer Verpflichtung eingegangen, Ehen geschlossen oder Familien gegründet, sondern in der Erwartung, sich dadurch als Individuum weiterzuentwickeln, seine Freizeit auf befriedigende Weise gemeinsam ... <a title="Die Kultur durchdringt die Lebensführung" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/andreas-reckwitz-selbstverwirklichung-2.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Kultur durchdringt die Lebensführung">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der heutigen Zeit soll die Arbeit nicht nur mehr dem Gelderwerb dienen, sondern auch intrinsisch motiviert sein, soll Sinn stiften und Freude machen. Außerdem werden aktuell Partnerschaften nicht mehr aus bloßer sozialer Verpflichtung eingegangen, Ehen geschlossen oder Familien gegründet, sondern in der Erwartung, sich dadurch als Individuum weiterzuentwickeln, seine Freizeit auf befriedigende Weise gemeinsam zu gestalten und „neue Erfahrungen“ etwa auch mit den Kindern zu machen. Andreas Reckwitz fügt hinzu: „Man isst nicht nur, um satt zu werden, sondern das, was richtig, gut und gesund ist. Und weil man etwas Besonderes sehen und erleben will, macht man keinen „Urlaub von der Stange“, sondern verreist etc. etc.&#8220; Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder. <span id="more-3144"></span></p>
<p><strong>Das spätmoderne Subjekt strebt nach Authentischem</strong></p>
<p>Im Zuge dieser konsequenten Durchkulturalisierung des Alltags kristallisiert sich ein Muster heraus, nämlich das einer Lebensführung als Kultur – eines Lebensstils, dessen sämtliche Bestandteile zur Kultur, also von eigenem Wert werden. Diese Kulturalisierung des Alltags ist für Andreas Reckwitz zugleich Singularisierungsarbeit: „Man sucht nach dem Einzigartigen oder ist bestrebt, etwas durch eigene Gestaltung zu etwas Singulärem, das heißt ausgestattet mit erheblicher Eigenkomplexität, zu machen.“</p>
<p>Das gilt für die Arbeit ebenso wie für die Partnerschaft, das Essen und das Verreisen. Die geschmackliche Dichte des Essens, die Vielseitigkeit eines Reiseziels, die Besonderheit des Kindes mit all seinen Begabungen, die ästhetische Gestaltung der eigenen Wohnung – überall geht es um Originalität und Interessantheit, Vielseitigkeit und Andersheit. Die Singularisierung und Aufwertung der Alltagswelt ist ein Projekt der Authentifizierung des Lebens. Generell strebt das spätmoderne Subjekt im Umgang mit der Welt nach Erfahrungen des Authentischen. </p>
<p><strong>Der Wert der Authentizität stammt aus der Romantik</strong></p>
<p>Kurz gesagt gilt nun laut Andreas Reckwitz: „Wenn etwas gut ist, muss es authentisch sein, und wenn es authentisch ist, dann ist es gut.“ Der Wert der Authentizität stammt aus der kulturellen Tradition der Romantik und verweist auf das Kriterium „Echtheit“. Dagegen bezeichnet das Unauthentische das Unechte, Gekünstelte und Vorgebliche, auch das Kommerzielle und Standardisierte. Als authentisch aber wird etwas erlebt und bewertet, wenn man es als singulär erkennt und seinen Eigenkomplexität begreifbar und spürbar ist.  </p>
<p>Man erkennt an dieser Stelle, wie damit über den Weg der Kulturalisierung und Singularisierung des Alltagslebens das spätmoderne Subjekt sich selbst kulturalisiert und singularisiert. Andreas Reckwitz betont: „Es kreiert sich damit selbst als Wertvolles.“ Zu sagen, es strebe unmittelbar nach Einzigartigkeit, es woll originell sein, wäre jedoch zu einfach. Vielmehr will das Selbstverwirklichungssubjekt sein Leben mit Praktiken bevölkern, in denen Objekte, Orte, Ereignisse, Kollektive oder andere Subjekte als einzigartige erfahren, in ihrer Singularität geschätzt und genossen werden können. Quelle: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die anderen Menschen zählen nicht</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/daniel-goeudevert-die-authentizitaetsfalle.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jun 2021 01:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
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					<description><![CDATA[Dass jeder vor allem an sich selbst denkt, propagiert und ins Extreme gewendet durch den sogenannten Neoliberalismus, ist seit Jahren, was man den „Geist der Zeiten“ nennen könnte. Daniel Goeudevert klagt an: „Und dieser Geist hat das gesellschaftliche Klima ebenso geschädigt wie die CO2-Emissionen das meteorologische. Extreme Wetterlagen hier wie dort.“ Überhaupt: Unterm Strich zählen ... <a title="Die anderen Menschen zählen nicht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/daniel-goeudevert-die-authentizitaetsfalle.html" aria-label="Mehr Informationen über Die anderen Menschen zählen nicht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dass jeder vor allem an sich selbst denkt, propagiert und ins Extreme gewendet durch den sogenannten Neoliberalismus, ist seit Jahren, was man den „Geist der Zeiten“ nennen könnte. Daniel Goeudevert klagt an: „Und dieser Geist hat das gesellschaftliche Klima ebenso geschädigt wie die CO2-Emissionen das meteorologische. Extreme Wetterlagen hier wie dort.“ Überhaupt: Unterm Strich zählen die anderen nicht. Man gibt und zeigt sich heute wie man sich gerade so fühlt. Man will aus seinem Herzen, wie es so schön heißt, keine Mördergrube mehr machen. Also ist man, je nach Tagesstimmung, laut oder leise, missmutig oder gut gelaunt, sauer oder freundlich, immer unverstellt eben. Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW. <span id="more-2783"></span></p>
<p><strong>Der Mensch ist auf Empathie angewiesen</strong></p>
<p>Dabei bemerkt man jedoch gar nicht, dass man damit unversehens die Gruppe jener „Arschlöcher“ vergrößert, die einem selbst im Alltag gehörig auf die Nerven gehen. Man zeigt eben, wer und wie man ist, und kehrt sein Inneres, sein vermutlich unverfälschtes Sosein nach außen. Seht her, das bin ich! Und ich bin es leid, mich um euretwillen zu verbiegen. Daniel Goeudevert stellt fest: „Ein verdrießlicherer und gefährlicherer Unsinn ist kaum denkbar.“ </p>
<p>Dem ganzen Gerede von authentischen, mit sich selbst identischen Personen liegt nichts als eine wirre Idee zugrunde. Authentizität wäre solchem Verständnis nach das Gegenteil von Kultur. Also davon, was den Menschen, der von Geburt an auf ein soziales Miteinander, auf Übereinkünfte, Rücksichtnahme und Empathie angewiesen ist, vom Naturwesen unterscheidet. Das Sozialwesen Mensch könnte ohne ein halbwegs friedliches Miteinander, ergo ohne „cultura“, die auf Veredelung, Pflege und „Verstellung“ beruht, nicht bestehen.</p>
<p><strong>Die Höflichkeit ist verloren gegangen</strong></p>
<p>Menschen leben von Beginn an bis zu unserem Ende in Beziehungen. Und dieses Zusammenleben wäre ohne Regeln und Konventionen, ohne Rücksichtnahme und Höflichkeit wohl nur schwer erträglich, wenn nicht gar unmöglich. Und dass es rauer wird da draußen, ruppiger, rücksichtsloser und manchmal tatsächlich schon schwer zu ertragen, ist wohl kaum zu bestreiten. Ein bedauerliches, frühes Opfer dieser Entwicklung ist übrigens die Höflichkeit.</p>
<p>Daniel Goeudevert ist zwar selbst auch gern einmal direkt, aber immer bestrebt, gewissermaßen die Form zu wahren. Es geht ihm dabei um weit mehr als um Fragen des guten Geschmacks. Und es geht ihm schon gar nicht um so etwas wie Sitte und Anstand, deren Verlust man gern, sei es bedauernd oder beglückt, umstandslos den neuen Medien zuschreibt. Das ist jedoch eigentümlich kurz gesprungen. Denn die egoistisch-aggressiven Impulse gehen eindeutig von den „Usern“ aus und nicht vom Handy oder Provider. Quelle: „Sackgasse“ von Daniel Goeudevert</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das soziale Unbewusste ist ein Teil der Kultur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Jun 2019 05:27:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Neurose]]></category>
		<category><![CDATA[Unterbewusstsein]]></category>
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					<description><![CDATA[Viele Überzeugungen eines Menschen liegen in einer weitgehend undefinierten Form vor, die Terry Eagleton als soziales Unbewusstes bezeichnet. Dabei handelt es sich um jenen riesigen Bestand an Instinkten, Vorurteilen, religiösen Einstellungen, Empfindungen, halb ausgeformten Meinungen und spontanen Annahmen, die das Substrat der das Substrat der alltäglichen Verhaltensweisen bilden und die man selten in Frage stellt. ... <a title="Das soziale Unbewusste ist ein Teil der Kultur" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-soziale-unbewusste-ist-ein-teil-der-kultur.html" aria-label="Mehr Informationen über Das soziale Unbewusste ist ein Teil der Kultur">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Überzeugungen eines Menschen liegen in einer weitgehend undefinierten Form vor, die Terry Eagleton als soziales Unbewusstes bezeichnet. Dabei handelt es sich um jenen riesigen Bestand an Instinkten, Vorurteilen, religiösen Einstellungen, Empfindungen, halb ausgeformten Meinungen und spontanen Annahmen, die das Substrat der das Substrat der alltäglichen Verhaltensweisen bilden und die man selten in Frage stellt. Terry Eagleton ergänzt: „Tatsächlich sind einige dieser Annahmen so tief verwurzelt, dass wir sie vermutlich nur in Zweifel ziehen könnten, wenn es zu einer weitreichenden Veränderung unsere Lebensweise käme, die sie uns zum ersten Mal deutlich zu Bewusstsein brächt.“ Dieses soziale Unbewusste ist ein Aspekt dessen, was man unter Kultur versteht. Der Literaturwissenschaftler und Kulturtheoretiker Terry Eagleton ist Professor für Englische Literatur an der University of Manchester und Fellow der British Academy. <span id="more-2026"></span></p>
<p><strong>In der Sexualität sind die Menschen am babyhaftesten</strong></p>
<p>Darin liegt eine gewisse Ironie, weil Kultur im Sinne von Kunst und geistigen Hervorbringungen zu den erlesensten Bewusstseinsinhalten menschlicher Tätigkeit gehört. So betrachtet, wäre uns Kultur einerseits bewusster als die meisten anderen Dinge, die man tut, und andererseits erheblich unbewusster. In der zweiten Bedeutung bildet sie die unsichtbare Grundfärbung der Alltagsexistenz, ihre fraglos hingenommene Textur, das, was Jacques Lacan „das Andere“ nennt, den nie ganz erfassbaren Kontext, in dem all das Sprechen und Verhalten eines Menschen einen Sinn erhält.</p>
<p>In ähnlicher Weise ist für Sigmund Freud das Ich notwendigerweise blind für vieles, was es ausmacht. Das, was zu seiner Bildung beiträgt, kann nicht Teil des Ichs sein. Es entsteht nur durch eine schmerzliche Verdrängung der Prozesse, die es konstituieren – ein Trauma, von dem es sich nie ganz erholen wird. Niemanden gelingt es, die Urkatastrophe ganz zu überwinden, die man als frühe Kindheit bezeichnet. Das liegt unter anderem daran, dass Menschen sexuelle Tiere sind, und in der Sexualität sind sie am babyhaftesten, nicht am reifsten.</p>
<p><strong>Alle Menschen sind bis zu einem gewissen Grad von einer Neurose betroffen</strong></p>
<p>Terry Eagleton schreibt: „Paradoxerweise ist also ein gewisses Maß an Verdrängung gut für uns. Selbstblindheit und etwas barmherzige Amnesie sind nach Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud die Voraussetzung dafür, dass wir uns überhaupt entwickeln können.“ Sicher, bei zu viel Verdrängung ist die Gefahr groß, dass man krank wird, krank durch unbefriedigtes Begehren – Sigmund Freuds Neurose, von der alle Menschen bis zu einem gewissen Grad betroffen sind. Für Sigmund Freud ist das menschliche Tier das kranke Tier.</p>
<p>Allerdings sind Menschen auf eine Weise krank, die sie nicht nur schwächt, sondern auch Produktivität freisetzt. Sicher, Menschen haben die Möglichkeit zur Selbstreflexion. Sie können eine Situation überdenken – das ist eine der Verbindungen, die sie zur Welt unterhalten. Doch nach Sigmund Freuds Auffassung reicht diese Selbstreflexion nicht aus, um einen Menschen zu retten. Noch niemand wurde von seiner Neurose geheilt, nur weil er intelligent genug war, seine seelische Situation zu reflektieren. Quelle: „Kultur“ von Terry Eagleton</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der kulturelle Wandel hat die Menschen materialistischer gemacht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Oct 2017 06:44:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Moral]]></category>
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					<description><![CDATA[Der kulturelle Wandel in den modernen Staaten des Westens hat die Menschen verändert. Zunächst einmal hat er sie materialistischer gemacht. David Brooks nennt ein Beispiel: „Studenten legen heute mehr Wert auf Geld und beruflichen Erfolg.“ Im Jahr 1966 sagten 80 Prozent der amerikanischen Erstsemester, sie seien in einem hohen Maße motiviert, eine sinnvolle Lebensanschauung zu ... <a title="Der kulturelle Wandel hat die Menschen materialistischer gemacht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/der-kulturelle-wandel-hat-die-menschen-materialistischer-gemacht.html" aria-label="Mehr Informationen über Der kulturelle Wandel hat die Menschen materialistischer gemacht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der kulturelle Wandel in den modernen Staaten des Westens hat die Menschen verändert. Zunächst einmal hat er sie materialistischer gemacht. David Brooks nennt ein Beispiel: „Studenten legen heute mehr Wert auf Geld und beruflichen Erfolg.“ Im Jahr 1966 sagten 80 Prozent der amerikanischen Erstsemester, sie seien in einem hohen Maße motiviert, eine sinnvolle Lebensanschauung zu entwickeln. Heute sagen das weniger als die Hälfte von ihnen. Finanzielle Sicherheit dagegen, die ehedem als ein mittlerer Wert angesehen wurde, ist heute das oberste Ziel von Studenten. Die Gesellschaft von heute ist wesentlich individualistischer als diejenige des Jahres 1966. Wer glaubt, seine Schwächen nicht aus eigener Kraft überwinden zu können, ist bereit demütig Hilfe von außen anzunehmen. David Brooks arbeitet als Kommentator und Kolumnist bei der New York Times. Sein Buch „Das soziale Tier“ (2012) wurde ein internationaler Bestseller. <span id="more-1739"></span></p>
<p><strong>Jedes Individuum muss seine eigene Weltsicht entwickeln</strong></p>
<p>Aber wenn man selbstbewusst glaubt, die wahren Antworten ließen sich in dem wirklichen Selbst, der inneren Stimme, finden, dann lässt man sich tendenziell nicht so bereitwillig auf andere ein. Außerdem ist der Wunsch nach inniger Vertrautheit mit anderen verschwunden. Gleichzeitig ist das soziale Vertrauen verschwunden. Auch das Einfühlungsvermögen hat abgenommen – oder zumindest beschreiben sich Menschen selbst als weniger einfühlsam. Die öffentliche Sprache ist ebenfalls „entmoralisiert“ worden. </p>
<p>David Brooks stellt fest: „In diesem Zeitalter moralischer Selbstbestimmung wird von jedem Individuum erwartet, seine eigene Weltsicht zu entwickeln. Wenn man Aristoteles heißt, bringt man das vielleicht fertig. Wenn nicht, kann man das wahrscheinlich nicht.“ Wenn man glaubt, das letztgültige Orakel sei das Wahre Selbst im Innern, wird man zu einem Emotivisten – man trifft moralische Urteile auf der Grundlage der Gefühle, die in einer bestimmten Situation auftreten. Natürlich wird man dann auch zu einem Relativisten.</p>
<p><strong>Die Moral wurde durch die Nützlichkeit ersetzt</strong></p>
<p>Ein Wahres Selbst hat keine Grundlage, um mit einem anderen Wahren Selbst zu argumentieren oder es zu beurteilen. Natürlich wird man dann auch zu einem Individualisten, da der letztendliche Schiedsrichter das authentische Selbst im Innern und kein gesellschaftlicher Maßstab oder Bedeutungshorizont im Außen ist. Natürlich verliert man auch den Kontakt zu dem moralischen Vokabular, das man benötigt, um über Fragen der Moral nachzudenken. Zudem wird das Innenleben flacher. Der mentale Raum, der ehedem von dem moralischen Ringen beansprucht wurde, ist nach und nach vom Erfolgsstreben eingenommen worden. Die Moral wurde durch die Nützlichkeit ersetzt. </p>
<p>Manche Menschen erkennen, dass das Gesellschaftssystem, dem sie angehören, sie dazu drängt, eine Art ungenügendes äußeres Leben zu führen. Und sie haben die Zeit, dies zu berichtigen. Die Frage ist: Wie? Die Antwort muss lauten: Dadurch, dass sie sich, zumindest teilweise, der vorherrschenden Kultur widersetzen. Dadurch, dass sie sich einer Gegenkultur anschließen. Es ist vermutlich notwendig, mit einem Fuß in der Welt des Erfolgs zu stehen, mit dem anderen Fuß jedoch in einer Gegenkultur, die in einem Spannungsverhältnis zum Leistungsethos steht. Quelle: „Charakter“ von David Brooks</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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