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	<title>Gewalt &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Das Ressentiment ist ein tödliches Gift</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2025 02:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Ressentiment]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Ablehnung von Gewalt kommt nicht nur den „Schwachen“ zu, sondern ist auch eine Seelenfestigkeit, die auf jeden Fall anzustreben ist. Cynthia Fleury ergänzt: „Im Übrigen kann jeder anhand der Geschichte und Gegenwart bestätigen, dass diejenigen, die zur Feindschaft unfähig sind, dies in der Regel nur konjunkturell sind und dass die Feindschaft bei der geringsten ... <a title="Das Ressentiment ist ein tödliches Gift" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/cynthia-fleury-die-ablehnung-von-gewalt.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Ressentiment ist ein tödliches Gift">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Ablehnung von Gewalt kommt nicht nur den „Schwachen“ zu, sondern ist auch eine Seelenfestigkeit, die auf jeden Fall anzustreben ist. Cynthia Fleury ergänzt: „Im Übrigen kann jeder anhand der Geschichte und Gegenwart bestätigen, dass diejenigen, die zur Feindschaft unfähig sind, dies in der Regel nur konjunkturell sind und dass die Feindschaft bei der geringsten Möglichkeit, sie auszudrücken, ohne den Preis dafür zu zahlen, wieder ausbricht.“ Man muss also wachsam bleiben. Das Ressentiment ist ein umso tödlicheres Gift, als es mit der Zeit wächst und tief in die Herzen der Menschen eindringt. Die Liebe ist, wie Max Scheler in Erinnerung ruft, nach christlichem Verständnis ein Akt des Geistes und nicht des Empfindens, anders gesagt, ein Akt der Entscheidung, des Pflicht- und Verantwortungsgefühls. Die Philosophin und Psychoanalytikerin Cynthia Fleury ist unter anderem Professorin für Geisteswissenschaften und Gesundheit am Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris. <span id="more-6324"></span></p>
<p><strong>Pathologien sind stark in bestimmte Epochen eingebettet</strong></p>
<p>Der Umstand, dass Frauen laut Max Scheler der Gefahr des Ressentiments stärker ausgesetzt sind, ist nicht essentialistisch zu verstehen. Es spiegelt vielmehr die patriarchale Struktur wider, in die Frauen eingebunden oder in der sie vielfach gefangen sind. Cynthia Fleury stellt fest: „Der Groll ist die Waffe der Schwachen; die üble Nachrede ist die einfachste Art, sprachliche Performativität zu erzeugen, umso mehr, als das Handeln entzogen ist.“ Max Schelers etwas ranziger Konservatismus muss ebenso wie sein Antisemitismus dekonstruiert werden.</p>
<p>Seine Ode an die „rein weibliche“ Frau wird vielleicht diejenigen entzücken, welche die emanzipatorische und feministische Moderne verurteilen. Cynthia Fleury betont: „Hier hat sie das Verdienst, zu zeigen, dass eine oft zutreffende Beschreibung des Ressentiments uns nicht unbedingt vor unserem eigenen Ressentiment schützt und dass die Arbeit der Dekonstruktion immer zuerst bei einem selbst zu leisten ist.“ Abgesehen davon ist es gut, sich in Erinnerung zu rufen, wie sehr Pathologien in Epochen eingebettet und schwer teilbar sind, auch wenn manche von ihnen auf persönlichen Faktoren beruhen.</p>
<p><strong>Hysterien verweisen auf ein egalitäres Schicksal der Unterwerfung</strong></p>
<p>Nehmen wir die Hysterie. Diese wurde lange Zeit feminisiert, obwohl sie vor allem eine bestimmte Konditionierung widerspiegelt, die der Frau auferlegt wurde. Cynthia Fleury erläutert: „Die Reduzierung ihrer Welt, die Beschränkung auf das Private und Kleine, der Hausarrest, das Verbot der weiten Welt und der Selbsterweiterung.“ Im klinischen Bereich sind heute die Hysterien, wenn sie in den demokratischen Gesellschaften bestehen bleiben, ebenso männlich wie weiblich, da sie – leider – auf ein eher egalitäres Schicksal in der Unterwerfung verweisen.</p>
<p>Cynthia Fleury hätte sich gewünscht, dass die Unterwerfung in unseren sogenannten modernen Gesellschaften an Boden verliert, was sie in mancher Hinsicht auch getan hat, doch hat sie dabei ihren Wirkungskreis vergrößert un die Männer konsequenter einbezogen. Es sind die Deklassierten, diejenigen, der verächtlich als „Überzählige“ oder „Schmarotzer“ bezeichnet werden, diejenigen, die „hatten“, oder nur das Gefühl hatten, „gehabt“ zu haben, und die nun nur noch den Verlust konstatieren. Quelle: „Hier liegt Bitterkeit gegraben“ von Cynthia Fleury</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Mikroaggression breitet sich immer mehr aus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Jul 2025 01:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn in den Neunzigerjahren ein Lehrer einen Schüler schlug, verurteilte man das einhellig als „Aggression“. Heute kann es schon als „Mikroaggression“ gewertet werden, wenn ein Lehrer lediglich übersieht, dass sich ein Schüler meldet. Philipp Hübl ergänzt: „Zählten früher ausschließlich körperliche Angriffe als Gewalt, werden heute auch Beleidigungen oder Witze als verbale Gewalt klassifiziert. Dass Beleidigungen ... <a title="Mikroaggression breitet sich immer mehr aus" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/mikroaggression-breitet-sich-immer-mehr-aus.html" aria-label="Mehr Informationen über Mikroaggression breitet sich immer mehr aus">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn in den Neunzigerjahren ein Lehrer einen Schüler schlug, verurteilte man das einhellig als „Aggression“. Heute kann es schon als „Mikroaggression“ gewertet werden, wenn ein Lehrer lediglich übersieht, dass sich ein Schüler meldet. Philipp Hübl ergänzt: „Zählten früher ausschließlich körperliche Angriffe als Gewalt, werden heute auch Beleidigungen oder Witze als verbale Gewalt klassifiziert. Dass Beleidigungen für sich genommen moralisch falsch sind, steht außer Frage, doch sind nun eben in die Gewaltkategorie gerutscht.“ „Missbrauch“ bezeichnete einst körperliche Gewalt oder sexuelle Nötigung, inzwischen kann auch Vernachlässigung als „Missbrauch“ zählen. Natürlich ist Vernachlässigung ebenfalls moralisch falsch, und man kann auch ein Nicht-Tun verantwortlich sein, beispielsweise für unterlassene Hilfeleistung. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012). <span id="more-6179"></span></p>
<p><strong>Heute wird sogar schon ein negatives Gefühl als „Trauma“ bezeichnet</strong></p>
<p>Doch wenn man Tatenlosigkeit als „Missbrauch“ klassifiziert, erweitert man einen ursprünglich aktiven Handlungsbegriff. Besonders offensichtlich liegt der Fall bei „Trauma“. Philipp Hübl erläutert: „Zuerst war damit eine Verletzung des Körpers gemeint, wie wir sie heute noch vom Schädeltrauma kennen. Später umfasste es auch die „posttraumatische Belastungsstörung“, also die physischen Folgen von einschneidenden Erlebnissen: von Krieg, Unfällen, Naturkatastrophen und dramatischen Gewalterfahrungen.“</p>
<p>Heute kann sogar in Teilen der Fachdiskussion schon ein alltägliches negatives Gefühl als „Trauma“ bezeichnet werden, etwa wenn man bemerkt, dass der Partner untreu war. Philipp Hübl weiß: „Begriffserweiterungen lassen sich in Handbüchern der Medizin, in Broschüren von Antidiskriminierungsstellen oder in Forschungsprojekten zur Menschenfeindlichkeit nachweisen.“ Der Psychologe Nick Haslam hat gezeigt, dass sich Begriffe in zwei Richtungen ausdehnen: zum einen horizontal, also zur Seite, indem man Fälle einbezieht, die vorher nicht dazugehörten, wie „psychische Gewalt oder „emotionaler Missbrauch“.</p>
<p><strong>Zur aktiven Tat kommt das passive Unterlassen hinzu</strong></p>
<p>Zum anderen vertikal, sodass nun Fälle in den Blick geraten, die bisher als zu schwach galten, um als Schäden zu zählen. Philipp Hübl erklärt: „Früher bezeichnete man wiederholtes absichtliches Hänseln von Mitschülern als „Mobbing“, heute kann dafür schon ein einziger achtloser Witz ausreichen, den ein Mitschüler als unangenehm empfindet.“ Mit anderen Worten: Zur aktiven Tat kommt das passive Unterlassen hinzu, zum absichtlichen Handeln gesellen sich jetzt unbeabsichtigte oder zufällige Nebeneffekte, und zum körperlichen Schaden fügt man den seelischen Schaden, den „symbolischen Schaden“ oder manchmal sogar einfach nur ein allgemeines Unwohlsein hinzu.</p>
<p>So verschieben sich die Kriterien für Schaden von einer körperlichen, objektiv erforschbaren Ebene auf eine schwer zu erfassende subjektive Ebene. Natürlich hat niemand ein Patentrecht auf Begriffe. Man kann sie so weit oder eng fassen, wie man will. Philipp Hübl stellt fest: „Doch die oft unbemerkte Erweiterung suggeriert vielen, die Welt habe sich verschlechtert, obwohl nur die Begriffe erweitert wurden. Und das ist noch nicht alles.“ In der Öffentlichkeit nimmt auch die Frequenz von bestimmten moralischen Begriffen zu. Quelle: „Moralspektakel“ von Philipp Hübl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der Streit ist kein Diskurs</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Jul 2025 07:12:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Streit]]></category>
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					<description><![CDATA[Svenja Flasspöhler schreibt: „Zunächst einmal gilt zu klären, worüber wir reden, wenn wir von „Streit“ reden. Dies umso mehr, als die Ermahnung, wir müssten wieder lernen zu streiten, dieser Tage so oft zu hören ist, dass sie in meinen Ohren schon wieder ein wenig wohlfeil klingt. Streit, da schwingt so herrlich mit, was und doch ... <a title="Der Streit ist kein Diskurs" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/streit-ist-kein-diskurs.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Streit ist kein Diskurs">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Svenja Flasspöhler schreibt: „Zunächst einmal gilt zu klären, worüber wir reden, wenn wir von „Streit“ reden. Dies umso mehr, als die Ermahnung, wir müssten wieder lernen zu streiten, dieser Tage so oft zu hören ist, dass sie in meinen Ohren schon wieder ein wenig wohlfeil klingt. Streit, da schwingt so herrlich mit, was und doch allen lieb und teuer ist.“ Wer streiten kann, setzt sich mit Andersdenkenden auseinander, hält die Meinungsfreiheit hoch. Wie sagte Ex-Kanzler Helmut Schmidt: „Eine Demokratie in der nicht gestritten wird, ist keine.“ Ein Satz, den sich eine große Wochenzeitung zu eigen gemacht hat, um ihre Rubrik „Streit“ zu bewerben, die vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Svenja Flasspöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins. <span id="more-6170"></span></p>
<p><strong>Der Streit ist nie harmlos</strong></p>
<p>Streitens, so scheinst es, ist etwas Gutes, zumindest dann, bestimmte Benimmegeln berücksichtigt werden. Das ist alles nicht falsch und verfehlt doch das Spezifische das Phänomens. Svenja Flasspöhler betont: „Über das Streiten nachdenken heißt, sich von Illusionen zu betreiben. Der Streit ist nie harmlos. Der Abgrund der Vernichtung ist immer da. Bereits die Begriffsgeschichte weist eindrücklich auf Gewalt dieses Tuns hin, und war wohlgemerkt: eine physische Gewalt.</p>
<p>Vor zwei Jahrhunderts hieß streiten vor vornehmlich: kämpfen. Und zwar buchstäblich aufs Blut. Svenja Flasspöhler erklärt: „In unserer Zeit weisen Ausdrücke und Redewendungen wie „Schlagabtausch“ oder „Wortgefecht“ noch auf diese körperliche Dimension hin, die als Möglichkeit immer lauert.“ Wer „einen Streit vom Zaun bricht“, lässt einen Streit so heftig und plötzlich eskalieren, „wie man eine Latte – als Waffe – von nächsten Umzäunung bricht.“ Das Streit hat immer das Potenzial, in reale, physische Gewalt umzuschlagen.</p>
<p><strong>Streiten hat einem Perspektivwechsel nichts zu tun</strong></p>
<p>Eingedenk dieser Eskalatonispotenz zeugt der heutige Wortgebrauch von „Streiten“ dennoch von zunehmenden Pazifizierung moderner Gesellschaften. Genauer: von einem Prozess zivilisatorischer Sensibilisierung, der körperliche Gewalt einzudämmen und sprachlichem Aushandlungen und an ihre Stelle zu versucht. Wenn wir vor „Streiten“, meinen wir keinen Waffenkampf um Leben und Tod mehr. Wer „streitet“, kämpft nicht physisch, sondern verbal, und zwar am bestens fair, sachlich und lösungsorientient, getragen eigensteigenden Verstehen, der Fähigkeit zum Perspektivwechsel.</p>
<p>Womit wir allerdings sogleich bei der problematischen Aufweichung der Begriffs – und zwar im doppeltem Sinne – angelangt wären. Svenja Flasspöhler weiß: „Wer nämlich meint, es sei möglich, sich emphatisch und verständnisvoll zu streiten, hat noch nicht erfasst, was Streit ist.“ Streiten hat mit einem Perspektivwechsel, einem Aus-sich-Heraustreten, zunächst einmal nichts zu tun. Ein Mensch, der anfängt, den Gegenstand des Streits mit den Augen des anderen mit zu sehen, streitet schon nicht, sondern befindet sich bereits auf der Weg der Verständigung. Quelle: „Streiten“ von Svenja Flasspöhler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Kriege lassen sich vielleicht nicht verhindern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jan 2025 02:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Schicksal der Menschheit, klagt Albert Einstein, liegt in den Händen einer „herrschenden Schicht“, die nach Macht strebt und sich jeder „Einschränkung der Hoheitsrechte“ widersetzt. Sigmund Freuds kritisches Urteil sei für diese Zeit, in der Europa erneut vor einem Weltkrieg stehe, von größter Wichtigkeit. Judith Butler fügt hinzu: „Albert Einstein will wissen, ob es im ... <a title="Kriege lassen sich vielleicht nicht verhindern" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-destruktive-macht.html" aria-label="Mehr Informationen über Kriege lassen sich vielleicht nicht verhindern">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Schicksal der Menschheit, klagt Albert Einstein, liegt in den Händen einer „herrschenden Schicht“, die nach Macht strebt und sich jeder „Einschränkung der Hoheitsrechte“ widersetzt. Sigmund Freuds kritisches Urteil sei für diese Zeit, in der Europa erneut vor einem Weltkrieg stehe, von größter Wichtigkeit. Judith Butler fügt hinzu: „Albert Einstein will wissen, ob es im Triebleben der menschlichen Psyche eine Grundlage für eine politische Ordnung gebe, die Kriege effektiv verhindern könnte.“ Besonders interessiert ihn die Frage, ob man eine Vereinigung oder ein Tribunal schaffen könnte, mit dessen Hilfe sich die destruktive Macht der Triebe in Schach halten ließe. Albert Einstein sieht das Problem zunächst in den destruktiven Trieben. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5844"></span></p>
<p><strong>Im Menschen lebt möglicherweise ein Bedürfnis zu vernichten</strong></p>
<p>Albert Einstein fragt jedoch auch nach politischen Institutionen und fordert, dass die einzelnen Nationen ihre Souveränität einer internationalen Körperschaft übertragen, die sich der Kriegsverhütung und der Garantie der internationalen Sicherheit verpflichten würde. Judith Butler ergänzt: „Dieses Ziel lässt sich nur verwirklichen, wenn Menschen zur Schaffung und Anerkennung internationaler Einrichtungen mit den Mitteln zur Kriegsverhütung imstande sind.“ Wird diese Fähigkeit durch Neigungen oder Triebe unterlaufen, lassen sich Kriege möglicherweise gar nicht verhindern.</p>
<p>Albert Einstein, der Sigmund Freud zweifellos gelesen hat, fragt, ob im Menschen „ein Bedürfnis zu hassen und zu vernichten“ lebt, das „zur Massenpsychose gesteigert werden“ kann. Judith Butler stellt fest: „Er fragt sich, ob die Destruktionstriebe begrenzt werden können, aber auch, ob bestimmte Praktiken oder Institutionen geschaffen werden könnten, die einen Krieg erschweren würden.“ Gewalt, so Albert Einstein, kann die Form von Kriegen zwischen Staaten annehmen, aber auch in Bürgerkriegen aus religiösem Eifer und in der „Verfolgung nationaler Minderheiten“ ausbrechen.</p>
<p><strong>Die Macht der Gemeinschaft setzt sich durch</strong></p>
<p>Sigmund Freud gesteht, dass er keine praktischen Vorschläge hat, aber seine Bemerkungen artikulieren doch eine politische Position. Judith Butler erläutert: „Er schlägt zunächst vor, Einsteins Unterscheidung zwischen Recht und Macht durch die Unterscheidung von Recht – der Begriff steht im Deutschen sowohl für das Rechtssystem als auch für Gerechtigkeit – und Gewalt zu ersetzen.“ Nach Sigmund Freuds Darstellung wurden Konflikte zwischen Personen und Gruppen herkömmlicherweise gewaltsam gelöst, ein Mittel, das weniger oft zum Einsatz kam, als sich die Gruppenbildungen veränderten.</p>
<p>Dann „führte ein Weg von der Gewalt zum Recht“ sodass „die Vereinigung mehrerer Schwachen“ die größere Stärke einzelner wettmachte. Gewalt „wird gebrochen durch Einigung“ oder „die Macht dieser Geeinigten“, sodass es „nicht mehr die Gewalt des Einzelnen ist, die sich durchsetzt, sondern die der Gemeinschaft“. Und weiter: „Aber damit sich dieser Übergang von der Gewalt zum neuen Recht vollziehe“, muss diese Einigung „eine beständige, dauerhafte sein“. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Identifikation birgt auch destruktive Potenziale</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2024 01:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Identifikation]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Über-Ich]]></category>
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					<description><![CDATA[Identifikation gilt allgemein als wichtig für Empathie und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, aber sie birgt auch destruktive Potenziale und ermöglicht ungestrafte Zerstörungsakte. Sicher muss man sich die unterschiedlichen Formen der Internalisierung genauer ansehen, die oft vorschnell als „Identifikation“ bezeichnet werden. Judith Butler erklärt: „Die Internalisierung des verlorenen anderen oder des verlorenen Ideals in der Melancholie ... <a title="Identifikation birgt auch destruktive Potenziale" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-identifikation.html" aria-label="Mehr Informationen über Identifikation birgt auch destruktive Potenziale">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Identifikation gilt allgemein als wichtig für Empathie und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, aber sie birgt auch destruktive Potenziale und ermöglicht ungestrafte Zerstörungsakte. Sicher muss man sich die unterschiedlichen Formen der Internalisierung genauer ansehen, die oft vorschnell als „Identifikation“ bezeichnet werden. Judith Butler erklärt: „Die Internalisierung des verlorenen anderen oder des verlorenen Ideals in der Melancholie wahrt und belebt Feindseligkeit mit der Macht zur Zerstörung des lebenden Organismus selbst.“ Auch wenn also das Über-Ich die Externalisierung der Destruktivität begrenzt, bleibt es ein potenziell destruktives Instrument. Denn dieses kann sich in selbstzerstörerischer – suizidaler – Weise in den Dienst eben der mörderischen Absichten stellen, die es in Schach halten soll. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5611"></span></p>
<p><strong>In der Manie geht der Realitätsbezug verloren</strong></p>
<p>Judith Butler stellt fest: „Sigmund Freud zieht daraus den moralistischen Schluss, dass das Über-Ich immer ein schwaches Instrument zur Einhegung von Gewalt sein wird, es sei denn, wir optimieren, ungeachtet der möglicherweise fatalen Folgen, für die Gewalt des Über-Ichs statt für die Alternative, den externalisierten Ausdruck dieser Gewalt.“ Die Manie, wie sie im manischen Lebenswillen zum Ausdruck kommt, eröffnet jedoch eine andere Möglichkeit. Sie ist kein Handlungsmodell – es geht nicht darum, plötzlich manisch zu werden, als würde das direkt zu wirksamem politischem Widerstand führen.</p>
<p>In der Manie überschätzt man die Macht des Subjekts und der Realitätsbezug geht verloren. Judith Butler fügt hinzu: „Die Wirklichkeitsfremdheit der Manie verweist auf die Weigerung, den Status quo zu akzeptieren; sie gründet im und intensiviert bei demjenigen, der sich gegen gesteigerte Selbstvorwürfe wehrt, den Lebenswillen.“ Diese Grausamkeit gegen sich selbst oder diese Selbstzerstörung lässt sich vorübergehend auch mildern auf den Rückgriff auf die soziale Solidarität des Scheiterns. </p>
<p><strong>Gruppenbildung kann die Massenzerstörung von Leben ermöglichen</strong></p>
<p>Dieses gemeinsame Scheitern begründet die Solidarität und den Sinn für Gleichheit. Diese Abschwächung der Gewalt des Über-Ich erweist sich nur als vorübergehend, wenn diese Feindseligkeit in der Organisation einer Gruppe nicht in geordnete Bahnen gelenkt und eingedämmt wird, und sie kann tödliche Forman annehmen. Judith Butler weiß: „Überdies gibt es Gruppenbildungen, die diese destruktive Feindseligkeit gegen einen externalisierten Feind mobilisieren, wodurch die Zerstörung, ja Massenzerstörung von Leben möglich wird.“</p>
<p>Identifikation kann destruktive Potenziale bergen, wo eine Gruppe Bindungen der Identifikation entwickeln, die in der Externalisierung ihrer eigenen Destruktionspotenziale gründen. Judith Butler ergänzt: „Die anderen, mit denen ich eine Gruppe desidentifziert, verkörpern diese Destruktion dann in gespenstischer Form, gleichsam in der Form einer verleugneten Anleihe von der Ausgangsgruppe. Identifikation kann aber auch ganz anders verlaufen. Wo Desidentifikation etwa mit dem Hervortreten eines kritischen Vermögens einhergeht, das mit der Tyrannei bricht, setzt sie ihre eigenen Destruktionskräfte zur zielgerichteten Demontage tyrannischer Herrschaft ein. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Hass zählt zu den feindseligen Gefühlen</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/hass-zaehlt-zu-den-feindseligen-gefuehlen.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Jun 2024 01:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Hass]]></category>
		<category><![CDATA[Ressentiment]]></category>
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					<description><![CDATA[Hass, Ressentiment und Verachtung – dies sind typische Beispiele für feindselige Gefühle. Christoph Demmerling fügt hinzu: „Aufgrund ihres aversiven Charakters gelten feindselige Gefühle als Störenfriede, die man nicht gerne sieht am Tisch derjenigen, die sich für zivilisiert halten.“ Auf der politischen Bühne sind feindselige Gefühle, insbesondere der Hass, viel beredete Sorgenkinder. Hass lässt Menschen in ... <a title="Hass zählt zu den feindseligen Gefühlen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/hass-zaehlt-zu-den-feindseligen-gefuehlen.html" aria-label="Mehr Informationen über Hass zählt zu den feindseligen Gefühlen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hass, Ressentiment und Verachtung – dies sind typische Beispiele für feindselige Gefühle. Christoph Demmerling fügt hinzu: „Aufgrund ihres aversiven Charakters gelten feindselige Gefühle als Störenfriede, die man nicht gerne sieht am Tisch derjenigen, die sich für zivilisiert halten.“ Auf der politischen Bühne sind feindselige Gefühle, insbesondere der Hass, viel beredete Sorgenkinder. Hass lässt Menschen in den Krieg ziehen, und es handelt sich um ein Gefühl, welches zu unfassbaren Gräueltaten anstiften kann. Auch trägt Hass zur Zersetzung innerhalb sozialer Gefüge bei, in denen verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen oder unterschiedlichen religiösen Orientierungen, die sich wechselseitig ablehnen, zusammenleben. Ganz gleich, was der Hass aus und mit den Menschen macht, er stellt eine Kraft im menschlichen Leben dar, in die Frage, wie mit ihm umzugehen ist, ist beileibe keine einfache Frage. Univ.-Prof. Dr. Christoph Demmerling lehrt Philosophie mit dem Schwerpunkt Theoretische Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. <span id="more-5501"></span></p>
<p><strong>Hass ist auf offene Weise mit Gewalt verbunden</strong></p>
<p>Feindselige Gefühle zu verurteilen fällt nicht schwer, sie zu verstehen ist allerdings nicht immer leicht. Christoph Demmerling ergänzt: „Dies gilt insbesondere für den Hass, der zumeist auf eine offene Weise mit Gewalt verbunden ist. Hass wird oft abgelehnt, gelegentlich auch von denjenigen, die dieses Gefühl haben.“ Kaum jemand verspürt gerne Hass. Deshalb ist das Gefühl anfällig für vielfältige Rationalisierungen und Uminterpretationen.</p>
<p>Bevor Rezepte für den Umgang mit feindseligen Gefühlen ausgestellt werden – so sich denn überhaupt welche ausstellen lassen – gilt es erst einmal auf den Begriff zu bringen, was feindselige Gefühle sind und wie sie funktionieren. Christoph Demmerling erläutert: „Ein Phänomen auf den Begriff zu bringen, heißt in philosophischer Perspektive, es zu beschreiben beziehungsweise zu erklären, es zu verstehen und es gegebenenfalls zu bewerten.“</p>
<p><strong>Hass ist ein Gefühl radikaler Ablehnung</strong></p>
<p>Philosophen stellen häufig die Frage, was etwas ist. Christoph Demmerlings Antwort auf die Frage, was Hass ist, ist nicht originell, das soll sie auch nicht sein, sie soll richtig sein: „Hass ist ein mit Gewaltbereitschaft oder Gewalt verbundenes Gefühl radikaler Ablehnung.“ Problematisch am Hass ist seine Verbindung mit Gewalt. Gefühle der Ablehnung, auch radikale Gefühle der Ablehnung, sollte man aufgeklärten Menschen allerdings zumuten können und sie ihnen auch zubilligen.</p>
<p>Um den Hass zu verstehen, ist sein Verhältnis zu anderen feindseligen Gefühlen in Betracht zu ziehen. Was die Frage nach Gefühlen im Allgemeinen betrifft, so mag ein knappe Bemerkung genügen. Christoph Demmerling erklärt: „In der neueren philosophischen Diskussion werden Gefühle häufig wie Gedanken als geistige Zustände aufgefasst. Gefühle sind allerdings keine rein geistigen Zustände, sondern Weisen, sich zur Welt zu verhalten, im Rahmen derer häufig Bewertungen vorgenommen werden, und die leiblich gespürt werden.“ Quelle: „Feindselige Gefühle“ von Christoph Demmerling in Philosophicum Lech Band 25 „Der Hass“, herausgegeben von Konrad Paul Liessmann </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit ist die Vernichtung eines Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jun 2024 01:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Grausamkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Grausamkeit bedeutet innerhalb des Phänomenenkomplexes von Gewalt und Aggression nicht einfach eine nur quantitative Steigerung der Leidzufügung. Sondern sie ist womöglich die ultima ratio der Macht- und Gewaltausübung, in der die Auslöschung als Drohung inszeniert wird, um die Anderen gefügig zu machen oder ein Schauspiel in Gang zu setzen, das einen ... <a title="Grausamkeit ist die Vernichtung eines Menschen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/grausamkeit-ist-die-vernichtung-eines-gegenuebers.html" aria-label="Mehr Informationen über Grausamkeit ist die Vernichtung eines Menschen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Grausamkeit bedeutet innerhalb des Phänomenenkomplexes von Gewalt und Aggression nicht einfach eine nur quantitative Steigerung der Leidzufügung. Sondern sie ist womöglich die ultima ratio der Macht- und Gewaltausübung, in der die Auslöschung als Drohung inszeniert wird, um die Anderen gefügig zu machen oder ein Schauspiel in Gang zu setzen, das einen als Zuschauer an der Todesangst der Anderen teilhaben lässt.“ Grausamkeit ist die Vernichtung eines Gegenübers vor dessen/deren physischer Zurichtung, die aus ihm/ihr ein totes Ding macht, über das der Grausame absolute Verfügungsgewalt hat. Es sind ganz bestimmte Voraussetzungen, in denen die Aggression als normal erscheint. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5486"></span></p>
<p><strong>Aggression sorgt für möglichst absolute Sicherheit</strong></p>
<p>Zum Beispiel als Ausweis männlicher Identität, als notwendiger Antrieb in einer Welt, die von Polarität und Binarität bestimmt ist und in der der jeweilige ideologische, religiöse oder ethische Antipode zum Dämon avanciert. Dieser verdient kein Mitleid. Die Aggression dient dann als wirksames Mittel, eine möglichst absolute Sicherheit zu erlangen, die nicht nur auf das blanke Leben, sondern wie im Fall des Machthabers auf die Sicherung seiner Stellung hinausläuft.</p>
<p>Dabei entsteht ein Machtrausch, den anderen „fertig“ zu machen. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Das Opfer, jene vormoderne Form kollektiver regulierter Gewalt, ist insofern ein erhellendes Beispiel, weil es René Girard zufolge das sozietäre Einverständnis nicht nur voraussetzt, sondern gleichsam – im Akt ritueller Wiederholung – wiederherstellt und garantiert, schon allein dadurch, dass alle Menschen einer sozialen Gemeinschaft, wenn auch in verschiedenen Rollen, an dem kollektive Gewaltakt beteiligt sind.“</p>
<p><strong>Die Demokratie zeichnet sich durch ein kompliziertes Regelwerk aus</strong></p>
<p>Totalitäre Regime lassen sich dadurch charakterisieren, dass sie systematisch auf Gewaltzufügung, Grausamkeit, Strafe und Lebensbedrohung aufgebaut und ausgelegt sind. Wolfgang Müller-Funk ergänzt: „Liberale Demokratien versuchen – etwa durch das Gewaltmonopol – Gewalt zu kanalisieren, einzuschränken und sie als Ausnahmefall zu regeln. In diesem Sinne ermöglichen sie paradoxerweise Freiräume durch Einschränkung von Handlungen, die mit Gewaltandrohung und -ausübung verbunden sind.“ Die Zivilgesellschaften verdanken sich eben nicht allein einer historischen volonté generale, sondern vor allem der Erfahrung grausamer Bürger- und Religionskriege, aber auch des Terrors von Revolution und Gegenrevolution.</p>
<p>Ihren menschenrechtlichen Kern bildet die Sicherheit vor staatlicher Willkür und Gewalt. Nichts spricht mehr für den Skeptizismus, der sich hinter dem komplizierten Regelwerk der Demokratie verbirgt, als die zeitliche und räumliche Beschränkung der Machtausübung durch Gewaltenteilung und die zeitliche Begrenzung von politischen Ämtern. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Grausamkeit ist der Triumph einer Macht, die den Potentaten ein für alle Mal vor allen zukünftigen Anschlägen zu bewahren scheint; die Exekutierung sämtlicher bedrohlicher Konkurrenten ist, Horizont und Realität, phantasmatische Bestätigung uneingeschränkter Macht. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit erzeugt die Illusion von Macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Mar 2024 01:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Grausamkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk weiß: „Grausamkeit ist ein komplexes und kompliziertes Phänomen. Sie hat verschiedene Gestalten. Und sie hat von den Hochkulturen über das europäische und vielleicht auch osmanisch-arabische „Mittelalter“ bis hin zur Moderne nach 1789 unterschiedliche historische Auftritte.“ Zentrum einer Studie von Jody Enders bildet die mittelalterliche Grausamkeit. Die Verfasserin begreift Folter und Tortur als Erbschaft ... <a title="Grausamkeit erzeugt die Illusion von Macht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/grausamkeit-erzeugt-die-illusion-von-macht.html" aria-label="Mehr Informationen über Grausamkeit erzeugt die Illusion von Macht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk weiß: „Grausamkeit ist ein komplexes und kompliziertes Phänomen. Sie hat verschiedene Gestalten. Und sie hat von den Hochkulturen über das europäische und vielleicht auch osmanisch-arabische „Mittelalter“ bis hin zur Moderne nach 1789 unterschiedliche historische Auftritte.“ Zentrum einer Studie von Jody Enders bildet die mittelalterliche Grausamkeit. Die Verfasserin begreift Folter und Tortur als Erbschaft der Antike. Elaine Scarrys Untersuchung, die ebenfalls das Mittelalter ins Blickfeld rückt, vertritt die These, dass organsierte Gewalt die Produktion einer phantastischen Illusion von Macht erzeugt. Sie beschreibt die öffentliche Folter als ein groteskes Beispiel für ein kompensatorisches Drama. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5330"></span></p>
<p><strong>Von Gewalt geht generell eine Sogkraft aus</strong></p>
<p>Der französische Philosoph Clément Rosset begreift das Reale als das Bedeutungslose und als essenzielle Verbindung zum Schweigen. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Seine Ethik ist mit zwei Prinzipien verbunden, jenem der hinreichenden Realität und jenem der Ungewissheit. Die Grausamkeit ist in seinen Augen kein herausgehobener Akt, versteht sie der französische Denker doch als eine intensive, schmerzhafte und tragische Natur der Realität selbst, die krude, das heißt roh, blutig und ungenießbar sei.“ </p>
<p>Wie die Verurteilung zum Tod, die mit der Exekution zusammenfällt und den Verurteilten des notwendigen Intervalls beraubt, um einen Gnadenappell vorzubringen, so ignoriert und schneidet die Realität jedes Gnadengesuch ab. Es gibt ein unbestreitbare Sogkraft, die generell von Gewalt ausgeht und die Denker wie Antonin Artaud und Friedrich Nietzsche gefeiert haben. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Artaud versucht, seine Definition von der Vorstellung brutaler Gewalt zu trennen. Er tut dies unübersehbar im Gefolge Nietzsches, dessen Einverständnis mit dem göttlichen Festmahl der Grausamkeit darauf abzielt, ihre Faktizität letztlich zu legitimieren.“ </p>
<p><strong>Die kulturelle Evolution hat die Grausamkeit hervorgebracht</strong></p>
<p>Der Terminus einer Ökonomie der Grausamkeit legt es nahe, dass über die Neutralisierung hinaus ein strategischer Wille zu ihrer Ausübung im Spiel ist. Dieser muss übrigens nicht mit dem auf Friedrich Nietzsche zurückgehenden Willen zur Macht, den Michel Foucault in den Diskursen der abendländischen Wissensformen verfolgt hat, identisch sein. Vermutlich ist die kulturelle Evolution, die, wie Marcel Hénaff darlegt, die Grausamkeit hervorgebracht hat, noch gar nicht abgeschlossen.</p>
<p>Und damit auch noch nicht die der Grausamkeit, die offenkundig mit der technisch-kulturellen Entwicklung des Menschen einhergeht. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Sie hat ihre Gestalt und ihre diskursive Logik von den ersten Hochkulturen, über die Antike bis hin zum europäischen Mittelalter und erst recht in der Neuzeit und bis zur Postmoderne verändert.“ Als Faustregel gilt: Die Zumutung, der Gewalt ins Auge zu schauen, setzt sich jede Auseinandersetzung mit dem Thema aus. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit will die Unversöhnlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 02:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Der französische Philosoph und Ethnologe Marcel Hénaff beschreibt die Grausamkeit als eine verdoppelte Gewalt. Nämlich als eine „Gewalt in der Gewalt“: „Sie setzt die Absicht voraus, den Gegner durch physischen Schmerz leiden zu lassen und ihn über den Sieg hinaus durch Erniedrigung in Verzweiflung zu stürzen. Die Grausamkeit zeigt den leidenschaftlichen Willen an, die Menschlichkeit ... <a title="Grausamkeit will die Unversöhnlichkeit" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/grausamkeit-will-die-unversoehnlichkeit.html" aria-label="Mehr Informationen über Grausamkeit will die Unversöhnlichkeit">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der französische Philosoph und Ethnologe Marcel Hénaff beschreibt die Grausamkeit als eine verdoppelte Gewalt. Nämlich als eine „Gewalt in der Gewalt“: „Sie setzt die Absicht voraus, den Gegner durch physischen Schmerz leiden zu lassen und ihn über den Sieg hinaus durch Erniedrigung in Verzweiflung zu stürzen. Die Grausamkeit zeigt den leidenschaftlichen Willen an, die Menschlichkeit des anderen zu vernichten. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Diese mit dieser spezifischen Form von Macht und Gewalt verbundenen Radikalität stellt für Hénaff die eigentliche hermeneutische Herausforderung dar.“ Für den Franzosen wählt die Grausamkeit die Unumkehrbarkeit. Sie will die Unversöhnlichkeit. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5284"></span></p>
<p><strong>Gewalt und Grausamkeit sind oft schwer zu unterscheiden</strong></p>
<p>Um sich der Grausamkeit zu nähern, unterscheidet der französische Anthropologe vier verschiedene Formen. In diesen wird in unterschiedlicher Intensität „Gewalt in der Gewalt“ vollzogen. Die Grenzen zwischen Gewalt und Grausamkeit sind dabei mitunter fließend. Bei der „juristischen und rituellen“ Grausamkeit ist das zentrale Ziel nicht so sehr das Leiden. Dieses ist allenfalls ein Mittel zum Ziel beziehungsweise ein Nebeneffekt. Manche Beschreibungen Herodots fallen in diese Kategorie, aber auch die Exzesse, die Gustave Flaubert in seinem orientalischen Roman „Salammbô“ vorgeführt hat. </p>
<p>In Pogromen wie auch in Massakern zeigt sich die Gewalt als ein plötzliches Ereignis. Hier spielen affektive Momente eine spezielle Rolle. Wolfgang Müller-Funk weiß: „Dabei übernimmt nicht selten eine Person die Rolle des Anführers oder Agitators, der eine ganze Gruppe gegen andere Menschen aufhetzt. Der Anführer verkörpert das kalte und intentionale Moment, die sich um ihn scharen das emotionale, den Affekt.“ Ein anschauliches Bild hierzu findet sich in Joseph Roths Roman „Tarabas“.</p>
<p><strong>Die Folter will „die Wahrheit“ herausfinden</strong></p>
<p>Die Folter stellt hingegen eine „professionell ausgeübte psychische und physische Grausamkeit“ dar, die man dazu einsetzt, „die Wahrheit“ herauszufinden. Dazu gehören erpressende Verhörtechniken, wie sie sowohl Jean Améry für den Nationalsozialismus als auch Arthur Koestler für den Stalinismus beschrieben haben. Diese sind bereits in der Inquisition im ausgehenden Mittelalter methodisch ausgefeilt und erprobt worden. In der „willkürlichen und experimentellen Misshandlung“ dient die pure Grausamkeit dem Selbstzweck.</p>
<p>Dies wäre der Fall in Robert Musils kurzem Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „All diese Formen gedoppelter Gewalt verdanken sich einer spezifisch menschlichen Entwicklung. Diese ist in der gängigen Evolutionstheorien nicht vorgesehen und Hénaff apostrophiert sie an einer Stelle als Zufälle der Evolution.“ So fasst er das Experimentieren mit Möglichkeiten, die daraus gewonnene Freiheit und die neuen, durch die Wortsprache bedingten Spielräume und Repräsentationsformen als Momente einer kulturellen Entwicklung, die zu völlig „künstlichen“ Formen von Gewalt führen. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit ist „Gewalt im Quadrat“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2023 01:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Als naturwissenschaftlich geschulte Psychologin interessiert sich Kathleen Taylor für die Motive „hinter“ der Grausamkeit. Weniger hingegen möchte sie über die Diskurse wissen, die ihr Plausibilität und Legitimität verschaffen. Grausamkeit begreift sie als „Gewalt im Quadrat“. Deren Motive reichen unter anderem von der Dehumanisierung des und der Anderen, dessen sozialer Tötung bis zu dem Wunsch, den ... <a title="Grausamkeit ist „Gewalt im Quadrat“" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/wolfgang-mueller-funk-rationalisierung-der-grausamkeit.html" aria-label="Mehr Informationen über Grausamkeit ist „Gewalt im Quadrat“">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als naturwissenschaftlich geschulte Psychologin interessiert sich Kathleen Taylor für die Motive „hinter“ der Grausamkeit. Weniger hingegen möchte sie über die Diskurse wissen, die ihr Plausibilität und Legitimität verschaffen. Grausamkeit begreift sie als „Gewalt im Quadrat“. Deren Motive reichen unter anderem von der Dehumanisierung des und der Anderen, dessen sozialer Tötung bis zu dem Wunsch, den und die Anderen aus der eigenen Gruppe auszuschließen. Wolfgang Müller-Funk ergänzt: „Bei all diesen Motiven ist es für Taylor zentral, dass hier ein kollektives Moment in Gestalt der Masse Bedeutung erlangt. Sie betont zudem die Bedeutung der Alterität in diesem Zusammenhang.“ Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-4803"></span></p>
<p><strong>Stets sind die anderen das Übel</strong></p>
<p>Erst durch die Alterität wird jene Dynamik der Potenzierung verständlich, die Grausamkeit als quadratische Form der Gewaltausübung erscheinen lässt. Kathleen Taylor betont die Bedeutung der Alterität für diese Form der Gewalt. Sie generiert Überlegenheit allein dadurch, dass sie das Gegenüber erniedrigt. Dadurch wächst der eigene Status in dem Maß, wie an dem anderen scheinbar ohne Widerstand Gewalt antun kann. Insofern bestätigt für Taylor die aggressive Handlung unfreiwillig die Selbstüberschätzung der eigenen Bedeutung. </p>
<p>Wolfgang Müller-Funk fügt hinzu: „Insbesondere bei der Konstruktion des und der Anderen, dem, verschärft sich in Krisenzeiten die Bedeutung von Status, Ehre, Vollzug und Vorteil dramatisch.“ In dieser Situation können bestimmte Formen radikaler Gewalt und auch ihre quadratische, das heißt exponentielle Steigerung freigesetzt werden. Die psychologische Falle besteht Kathleen Taylor zufolge darin, dass es stets die anderen sind, die man als bedrohlich vorführt. Sie sind das Übel, das es zu bekämpfen gilt und die Mobilisierung der Gewaltbereitschaft rechtfertigt.</p>
<p><strong>Medea geht es um Ehre und Rache</strong></p>
<p>Warum sind, fragt sich Taylor, Medea und Orest attraktiv? Weil man ihre Motive – Ehre und Rache – in diesem krisenhaften Kontext verstehen kann, auch wenn man die Tat als solche nicht billigen kann. Es ist die fremde Kultur und der eigene Mann, der Medea Anerkennung verweigert; eine Verletzung, auf die sie mit dem radikalen Akt der Tötung reagiert. Unter heutigen Bedingungen sei sie immer noch eine tragische Identifikationsfigur. Denn die Umstände drängten sie dazu, die Ermordung ihrer Kinder zur Bestrafung ihres Mannes zu begehen.</p>
<p>In dieser Interpretation kommt hinzu, dass Medeas Tat eine anti-patriarchale Selbstermächtigung darstellt, die man einer Frau ein einer männlich bestimmten Welt nicht zutraut. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Wo Rache und Vergeltung für erlittene Kränkung ein steigerndes Moment in sich tragen, nähern sie sich dem Phänomen der Grausamkeit an. Nicht umsonst heißt es, dass jemand grausame Rache an einem Menschen nimmt, der ihn gekränkt und verletzt hat.“ Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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