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	<title>Destruktivität &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Das Über-Ich zügelt die Destruktivität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Oct 2024 02:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Wird das Über-Ich als einziges mögliches Gegengewicht gegen die Destruktivität gepriesen, kehrt die Destruktivität in das Subjekt zurück und gefährdet seine Existenz. Judith Butler fügt hinzu: „In der Melancholie wird die Feindseligkeit nicht externalisiert, aber hier wird das Ich zum Objekt einer potenziell mörderischen Feindseligkeit mit der Macht, das lebendige Ich, den lebenden Organismus selbst ... <a title="Das Über-Ich zügelt die Destruktivität" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-ueber-ich-gilt-als-gegengewicht-zur-destruktivitaet.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Über-Ich zügelt die Destruktivität">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wird das Über-Ich als einziges mögliches Gegengewicht gegen die Destruktivität gepriesen, kehrt die Destruktivität in das Subjekt zurück und gefährdet seine Existenz. Judith Butler fügt hinzu: „In der Melancholie wird die Feindseligkeit nicht externalisiert, aber hier wird das Ich zum Objekt einer potenziell mörderischen Feindseligkeit mit der Macht, das lebendige Ich, den lebenden Organismus selbst zu vernichten.“ Die Manie dagegen bringt dieses unrealistische Begehren, zu existieren und fortzudauern, ins Spiel, das sich scheinbar auf keine wahrnehmbare Realität stützen kann und keine guten Gründe für die Verankerung einer bestimmten politischen Herrschaftsform hat. Von hieraus kann sich die Manie niemals in Politik verwandeln, ohne zugleich eine gefährliche Form von Destruktion anzunehmen. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5727"></span></p>
<p><strong>Eine Stärkung des Gewissens kann den Todestrieb einhegen</strong></p>
<p>Sigmund Freud wie Albert Einstein geht es um die Einhegung der Destruktivität und um die Frage, ob ein anderer Trieb stärker sein kann als der Todestrieb und ob eine Stärkung des Gewissens nötig ist. Judith Butler stellt fest: „Wir haben hier im Wesentlichen zwei Alternativen. Nach der einen müssen wir uns und andere zu Formen des Gewissens erziehen, die uns moralischen Abscheu gegen Gewalt einimpfen. Nach der anderen müssen wir Bande der Liebe stärken, um den Todestrieb und seine Mechanik zu überwinden.“</p>
<p>Gehorsam gegenüber einer tyrannischen Macht erfordert und verfestigt ein Subjekt, für das die Selbstunterwerfung zum moralischen Imperativ wird. Judith Butler ergänzt: „Sich von tyrannischer Kontrolle zu befreien, geht mit dem Risiko der Auflösung dieser Subjektform einher, insbesondere wenn sie die Gestalt des Über-Ich angenommen hat.“ Könnten Menschen schlicht das Feuer der Liebe anfachen und Liebe zur stärkeren Macht machen, dann hätten sie eine Lösung. </p>
<p><strong>Man darf das eigene destruktive Potenzial nicht verleugnen</strong></p>
<p>Aber Liebe ist ambivalent, sie ist die Oszillation zwischen Liebe und Hass. Judith Butler vermutet: „Es scheint hier also um einen Weg zu gehen, mit dieser Ambivalenz zu leben und zu handeln, einen Weg, der Ambivalenz nicht als Zwickmühle, sondern als innere Teilung begreift, die eine ethische Orientierung und Praxis verlangt.“ Denn nur ethisches Handeln, das um sein eigenes destruktives Potenzial weiß, kann diesem widerstehen. Wer Destruktion dagegen immer bloß als Einwirkung von außen sieht, kann die ethische Forderung nach Gewaltlosigkeit weder anerkennen noch nach ihr handeln.</p>
<p>Gleichwohl bleiben Gewalt und Gewaltlosigkeit sowohl soziopolitische als auch psychische Probleme und daher muss die ethische Debatte laut Judith Butler auf der Schwelle von psychischer und sozialer Welt stattfinden. Ebendieses Problem stellt sich in der Korrespondenz zwischen Sigmund Freund und Albert Einstein 1931/32, kurz vor Adolf Hitlers Aufstieg zu Macht und kurz vor beider Exil aus Österreich beziehungsweise Deutschland. Albert Einstein stellt Sigmund Freud die Frage: „Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?“ Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Identifikation birgt auch destruktive Potenziale</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2024 01:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Identifikation gilt allgemein als wichtig für Empathie und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, aber sie birgt auch destruktive Potenziale und ermöglicht ungestrafte Zerstörungsakte. Sicher muss man sich die unterschiedlichen Formen der Internalisierung genauer ansehen, die oft vorschnell als „Identifikation“ bezeichnet werden. Judith Butler erklärt: „Die Internalisierung des verlorenen anderen oder des verlorenen Ideals in der Melancholie ... <a title="Identifikation birgt auch destruktive Potenziale" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-identifikation.html" aria-label="Mehr Informationen über Identifikation birgt auch destruktive Potenziale">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Identifikation gilt allgemein als wichtig für Empathie und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, aber sie birgt auch destruktive Potenziale und ermöglicht ungestrafte Zerstörungsakte. Sicher muss man sich die unterschiedlichen Formen der Internalisierung genauer ansehen, die oft vorschnell als „Identifikation“ bezeichnet werden. Judith Butler erklärt: „Die Internalisierung des verlorenen anderen oder des verlorenen Ideals in der Melancholie wahrt und belebt Feindseligkeit mit der Macht zur Zerstörung des lebenden Organismus selbst.“ Auch wenn also das Über-Ich die Externalisierung der Destruktivität begrenzt, bleibt es ein potenziell destruktives Instrument. Denn dieses kann sich in selbstzerstörerischer – suizidaler – Weise in den Dienst eben der mörderischen Absichten stellen, die es in Schach halten soll. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5611"></span></p>
<p><strong>In der Manie geht der Realitätsbezug verloren</strong></p>
<p>Judith Butler stellt fest: „Sigmund Freud zieht daraus den moralistischen Schluss, dass das Über-Ich immer ein schwaches Instrument zur Einhegung von Gewalt sein wird, es sei denn, wir optimieren, ungeachtet der möglicherweise fatalen Folgen, für die Gewalt des Über-Ichs statt für die Alternative, den externalisierten Ausdruck dieser Gewalt.“ Die Manie, wie sie im manischen Lebenswillen zum Ausdruck kommt, eröffnet jedoch eine andere Möglichkeit. Sie ist kein Handlungsmodell – es geht nicht darum, plötzlich manisch zu werden, als würde das direkt zu wirksamem politischem Widerstand führen.</p>
<p>In der Manie überschätzt man die Macht des Subjekts und der Realitätsbezug geht verloren. Judith Butler fügt hinzu: „Die Wirklichkeitsfremdheit der Manie verweist auf die Weigerung, den Status quo zu akzeptieren; sie gründet im und intensiviert bei demjenigen, der sich gegen gesteigerte Selbstvorwürfe wehrt, den Lebenswillen.“ Diese Grausamkeit gegen sich selbst oder diese Selbstzerstörung lässt sich vorübergehend auch mildern auf den Rückgriff auf die soziale Solidarität des Scheiterns. </p>
<p><strong>Gruppenbildung kann die Massenzerstörung von Leben ermöglichen</strong></p>
<p>Dieses gemeinsame Scheitern begründet die Solidarität und den Sinn für Gleichheit. Diese Abschwächung der Gewalt des Über-Ich erweist sich nur als vorübergehend, wenn diese Feindseligkeit in der Organisation einer Gruppe nicht in geordnete Bahnen gelenkt und eingedämmt wird, und sie kann tödliche Forman annehmen. Judith Butler weiß: „Überdies gibt es Gruppenbildungen, die diese destruktive Feindseligkeit gegen einen externalisierten Feind mobilisieren, wodurch die Zerstörung, ja Massenzerstörung von Leben möglich wird.“</p>
<p>Identifikation kann destruktive Potenziale bergen, wo eine Gruppe Bindungen der Identifikation entwickeln, die in der Externalisierung ihrer eigenen Destruktionspotenziale gründen. Judith Butler ergänzt: „Die anderen, mit denen ich eine Gruppe desidentifziert, verkörpern diese Destruktion dann in gespenstischer Form, gleichsam in der Form einer verleugneten Anleihe von der Ausgangsgruppe. Identifikation kann aber auch ganz anders verlaufen. Wo Desidentifikation etwa mit dem Hervortreten eines kritischen Vermögens einhergeht, das mit der Tyrannei bricht, setzt sie ihre eigenen Destruktionskräfte zur zielgerichteten Demontage tyrannischer Herrschaft ein. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Selbstbeherrschung dämpft die Destruktion</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 May 2024 01:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Massenpsychologie]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Aufgabe, die sich Sigmund Freud in seinen Arbeiten zur Gruppenpsychologie stellt, liegt darin, die Widerstandskraft des kritischen Vermögens zu stärken. Judith Butler stellt fest: „Liebe wird gelegentlich als Gegenkraft zur Destruktion betrachtet, an anderen Stellen scheint es dieses so wichtige „kritische Vermögen“ zu sein.“ In seiner Abhandlung „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von 1921 beschreibt das ... <a title="Selbstbeherrschung dämpft die Destruktion" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/selbstbeherrschung-ist-ein-gegengewicht-zur-destruktion.html" aria-label="Mehr Informationen über Selbstbeherrschung dämpft die Destruktion">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Aufgabe, die sich Sigmund Freud in seinen Arbeiten zur Gruppenpsychologie stellt, liegt darin, die Widerstandskraft des kritischen Vermögens zu stärken. Judith Butler stellt fest: „Liebe wird gelegentlich als Gegenkraft zur Destruktion betrachtet, an anderen Stellen scheint es dieses so wichtige „kritische Vermögen“ zu sein.“ In seiner Abhandlung „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von 1921 beschreibt das „kritische Vermögen“ Überlegung und Reflexion in unterschiedlichen Formen, während es in „Das Ich und das Es“ aus dem Folgejahr mit dem Über-Ich als grausamer Instanz gegenüber dem Ich in Verbindung gebracht wird. Schließlich wird das Über-Ich als „Reinkultur des Todestriebes“ identifiziert, und nun ist das Gegengewicht gegen die Destruktion eine wohlerwogene Form der Selbstbeherrschung. Das heißt, die Wendung der Destruktivität gegen die eigenen destruktiven Impulse. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5400"></span></p>
<p><strong>Die ungezügelte Wirkung des Über-Ich kann zum Selbstmord führen</strong></p>
<p>Judith Butler erläutert: „Selbstbeherrschung ist damit eine absichtliche und reflektierte Form von Destruktivität, gerichtet gegen die Externalisierung destruktiver Ziele. Anders gesagt wird die Einhegung der destruktiven Impulse, die früher in Sigmund Freuds Werk durch „Verbote“ erfolgte, mit Einführung des Über-Ichs als psychischer Mechanismus der Grausamkeit verstanden. Die Aufgabe des Über-Ich ist die Umleitung seiner Zerstörungskraft gegen seine destruktiven Impulse. </p>
<p>Das Problem bei dieser Lösung ist natürlich, dass die ungezügelte Wirkung des Über-Ich zum Selbstmord führen kann, indem die Zerstörung des anderen in Selbstzerstörung verwandelt wird. Einerseits scheint das „kritische Vermögen“ durchaus die Handlungsfolgen zu beachten und Ausdrucks- und Handlungsformen zu überwachen, um Schaden zu verhüten. Judith Butler fügt hinzu: „Andererseits ist sein Ziel als Ausdruck des Todestriebes potenziell für das Ich selbstzerstörerisch. Moderate Selbstbeherrschung kann in ungezügelte selbstmörderische Selbstherabsetzung umschlagen, wo der Todestrieb selbst nicht in Schach gehalten wird.“ </p>
<p><strong>Der Eros ist das Gegengewicht zum Todestrieb</strong></p>
<p>Das bedeutet paradoxerweise, dass die kritische Instanz, die destruktive Impulse begrenzen soll, zu einem internalisierten Instrument der destruktiven Impulse werden und das Leben des Ich selbst in Gefahr bringen kann. Judith Butler weiß: „Daher müssen die Selbsterhaltungstendenzen des Eros als Gegengewicht zum Todestrieb und seinem Zerstörungswerk ins Spiel gebracht werden.“ Arbeitet das Über-Ich an der Zerstörung des Ich, um dessen destruktiven Ausdruck zu unterbinden, so ist es doch auch selbst destruktiv.</p>
<p>Das gefährdete Objekt ist nun aber nicht mehr der andere oder die Welt, sondern das Ich selbst. Judith Butler ergänzt: „Das kritische Vermögen ist also für die Eindämmung der Destruktivität nur von begrenztem Nutzen, da es die Destruktivität des Über-Ich nicht kontrollieren kann. Dazu ist eine Gegenkraft im Dienst der Selbsterhaltung und allgemein der Erhaltung des Lebens erforderlich.“ So oder so: Impulse sind strukturiert entweder durch die Macht, die sie unterdrückt, oder durch die Macht, die sie befreit. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Destruktivität kann selbstzerstörerisch sein</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-destruktivitaet.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 02:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freuds Überlegungen zur Destruktivität konzentrieren sich auf die Möglichkeit der Zerstörung anderer Leben. Insbesondere ist das im Krieg mit seiner waffentechnologischen Erweiterung menschlichem Zerstörungsfuror der Fall. Die Kriegsneurotiker durchlebten die seelischen Folgen des Krieges immer wieder. Sie erlaubten es Sigmund Freud darüber nachzudenken, wie sich Destruktion nicht nur gegen andere, sondern auch gegen einen ... <a title="Destruktivität kann selbstzerstörerisch sein" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-destruktivitaet.html" aria-label="Mehr Informationen über Destruktivität kann selbstzerstörerisch sein">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freuds Überlegungen zur Destruktivität konzentrieren sich auf die Möglichkeit der Zerstörung anderer Leben. Insbesondere ist das im Krieg mit seiner waffentechnologischen Erweiterung menschlichem Zerstörungsfuror der Fall. Die Kriegsneurotiker durchlebten die seelischen Folgen des Krieges immer wieder. Sie erlaubten es Sigmund Freud darüber nachzudenken, wie sich Destruktion nicht nur gegen andere, sondern auch gegen einen selbst richtet. Judith Butler weiß: „In der Kriegsneurose setzen sich die Kriegsleiden als durch unerbittliche Wiederholdung geprägte traumatische Symptome fort.“ Man wird bombardiert, attackiert, belagert – alles Metaphern eines Krieges, der auf dem posttraumatischen Schauplatz weitergeht. Sigmund Freud sieht hier den Wiederholungscharter der Destruktion. Beim Patienten führt das zu Isolation und weiter gefasst nicht nur zur Schwächung des sozialen Bandes, das Gesellschaften zusammenhält, sondern auch zur Selbstzerstörung bis hin zum Suizid. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5118"></span></p>
<p><strong>Der Beweis für den Todestrieb findet sich im Sadomasochismus</strong></p>
<p>Judith Butler erläutert: „In dieser Art der Destruktion spielen Libido oder Sexualität eine verminderte oder verschwindende Rolle, und die für das politische Leben zentralen sozialen Bindungen lösen sich auf.“ Gegen Ende seinen Buchs „Jenseits des Lustprinzips“ stellt Sigmund Freud nicht nur fest, dass jeder menschliche Organismus in einem bestimmten Sinn seinen eigenen Tod anstrebt, sondern auch, dass sich diese Neigung nicht auf die Sexualtriebe zurückführen lässt.</p>
<p>Der Beweis für den Todestrieb, sagt Sigmund Freud, findet sich im sexuellen Sadismus und allgemeiner im Phänomen des Sadomasochismus. Obgleich die Sexualisierung des Todestriebes seine Destruktivität den nach Freud nicht destruktiven Zielen der Sexualität unterordnen kann, kann es auch zur Vorherrschaft des Todestriebes kommen, eine Situation, die klar im Fall sexueller Gewalt zum Ausdruck kommt. Sowohl die Selbstzerstörung wie die Zerstörung des anderen sind potenziell im Sadomasochismus am Werk.</p>
<p><strong>Der Sadismus ist ein „Vertreter“ des Todestriebes</strong></p>
<p>Flüchtig und opportunistisch bemächtigt sich der Todestrieb des sexuellen Begehrens, ohne offen zutage zu treten. Judith Butler erklärt: „Eine sexuelle Beziehung mit dem ursprünglichen Begehren der Vereinigung wird von zahllosen Formen der Selbstzerstörung durchbrochen, die in manifestem Gegensatz zu den ausdrücklichen Zielen der Liebenden stehen.“ Das zutiefst Beunruhigende an offensichtlich selbstzerstörerischen Handlungen, die gerade die Bindungen auflösen, die man am meisten beibehalten will, ist nur eine alltägliche Spielart des Scheiterns, im dem sich der Todestrieb im Sexualleben kundtut.</p>
<p>In seinem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ führt Sigmund Freud den Sadismus erneut als „Vertreter“ des Todestriebes ein, verknüpft ihn aber in diesem Spätwerk deutlicher mit den Konzepten der Aggression und der Destruktivität. Darin kann man laut Judith Butler eine zweitere oder spätere Fassung der Todestriebtheorie sehen. Dabei wird die Aggression nicht mehr ausschließlich im Kontext des sexuellen Sadomasochismus gesehen, da man, so Freud, „die Ubiquität der nicht erotischen Aggression und Destruktion nicht länger übersehen und versäumen kann“. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Zwanghafte Destruktivität mündet in Krieg</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Oct 2023 01:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud ging es in seiner Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ unter anderem um die Frage, wie der furchtbaren Destruktivität, wie er sie im Ersten Weltkrieg beobachten konnte und wie er sie für die 1930er Jahre in noch größerem Ausmaß befürchtete, etwas entgegensetzt werden kann. Für Sigmund Freud sind die von Gruppen gegenüber sich ... <a title="Zwanghafte Destruktivität mündet in Krieg" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-triebe.html" aria-label="Mehr Informationen über Zwanghafte Destruktivität mündet in Krieg">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud ging es in seiner Schrift „Das Unbehagen in der Kultur“ unter anderem um die Frage, wie der furchtbaren Destruktivität, wie er sie im Ersten Weltkrieg beobachten konnte und wie er sie für die 1930er Jahre in noch größerem Ausmaß befürchtete, etwas entgegensetzt werden kann. Für Sigmund Freud sind die von Gruppen gegenüber sich selbst angeführten bewussten Gründe für ihr Handeln nicht identisch mit ihren handlungsleitenden Beweggründen. Judith Butler erläutert: „Daher muss das Nachdenken über die mögliche Vermeidung von Zerstörungen anderes bieten als bloß für das rationale Denken annehmbare Argumente. Es muss in irgendeiner Weise den Trieb berücksichtigen oder einen Weg finden, mit – und gegen – diese zwanghafte Destruktivität zu arbeiten, die in Krieg münden kann.“  Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-4989"></span></p>
<p><strong>Sigmund Freud entwickelte die Konzeption des Todestriebes</strong></p>
<p>Die Skepsis gegenüber der Triebtheorie geht unter anderem auf die Verwechslung von Trieb und Instinkt zurück. Sigmund Freud verwendet zwar beide Begriffe, aber der Triebbegriff erscheint weit häufiger, und er spricht nie von einem „Todesinstinkt“. Sigmund Freud macht in seinem Text „Triebe und Triebschicksale“ deutlich, dass der Trieb – oder „Drang“ – weder nur der Biologie noch einer vollständig autonomen psychischen Sphäre angehört, sondern vielmehr ein „Grenzbegriff“ zwischen somatischer und seelischer Sphäre ist. </p>
<p>Judith Butler weiß: „Bis 1920 vertrat Sigmund Freud die Auffassung, das Seelenleben sei durch Lust, Sexualität oder Libido bestimmt.“ Erst als er mit Kriegsneurosen konfrontiert wurde, zog er Symptome in Erwägung, die durch zwanghafte Wiederholung gekennzeichnet sind und sich nicht als Wunscherfüllung oder Triebbefriedigung erklären lassen. Vor dem Hintergrund des Krieges entwickelte er dann also die Konzeption des Todestriebes, auch aufgrund von Überlegungen zur Destruktivität, insbesondere mit Wiederholungszwängen einhergehenden Destruktivität. </p>
<p><strong>Der Verlauf des Lebens erweist sich als „Umweg zum Tode“</strong></p>
<p>Diese charakterisierte er später in „Das Unbehagen in der Kultur“ als „nicht erotische Aggression“. Judith Butler erläutert: „Mit der ersten Formulierung der Todestriebtheorie in „Jenseits des Lustprinzips“ suchte Freud nach einer Erklärung für Wiederholungshandlungen, die nicht im Dienst der Wunscherfüllung zu stehen schienen.“ Er war Patienten mit Kriegsneurosen begegnet, die traumatische Gewalt- und Verlusterfahrungen immer wieder in Formen durchlebten, die nicht eindeutig den durch das Lustprinzip erklärbaren Wiederholungen entsprachen.</p>
<p>Diese leidvollen Wiederholungen entbehren nicht nur der Befriedigung, sondern verschlimmern zudem den Zustand des Patienten bis zu einem Punkt, an dem die Grundlagen seines organischen Lebens in Gefahr gerieten. Von hier ausgehend, entwickelte Sigmund Freud die erste Version seiner Todestriebtheorie, nach der der Organismus die Rückkehr zu einem ursprünglichen organischen Status ohne jede Erregung anstrebt. Jeder menschliche Organismus strebt nach Rückkehr zu seinem Ursprung, sodass sich der Verlauf des Lebens letzten Endes als „Umweg zum Tode“ erweist. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sigmund Freud beschreibt den Todestrieb</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-politische-philosophie-bei-sigmund-freud.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2023 01:00:31 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud schreibe an Albert Einstein im Jahr 1932: „Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung.“ In „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, verfasst 1915 inmitten des Ersten Weltkrieges, reflektiert ... <a title="Sigmund Freud beschreibt den Todestrieb" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-politische-philosophie-bei-sigmund-freud.html" aria-label="Mehr Informationen über Sigmund Freud beschreibt den Todestrieb">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud schreibe an Albert Einstein im Jahr 1932: „Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung.“ In „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, verfasst 1915 inmitten des Ersten Weltkrieges, reflektiert Sigmund Freud über die Bindungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, und über die destruktiven Mächte, die diese Bindungen zerbrechen. Judith Butler weiß: „Zu der Zeit, als er die Theorie des „Todestriebes“ entwickelt, ab 1920 und dann ausführlicher im folgenden Jahrzehnt, war seine Sorge angesichts der destruktiven Fähigkeiten des Menschen ständig gewachsen.“ Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-4664"></span></p>
<p><strong>Eros schafft menschliche Bindungen</strong></p>
<p>„Sadismus“, „Aggression“ und „Destruktivität“ wurden zu den Hauptvertretern des Todestriebs, der seine reifste Ausformulierung 1930 in „Das Unbehagen in der Kultur“ fand. Was er in „Jenseits des Lustprinzips“ zehn Jahre zuvor einen „unüberwindbaren Teil der menschlichen Natur“ genannt hatte, nimmt mit der Entfaltung einer dualistischen Metaphysik eine neue Form an. Nun steht Eros, die Kraft, die immer komplexere menschliche Bindungen schafft, Thanatos gegenüber, der Kraft, die diese Bindungen zerstört. </p>
<p>Judith Butler stellt fest: „Eine nachhaltige politische Ordnung setzt voraus, dass soziale Bindungen relativ unangetastet bleiben können.“ Wie wird sie dann aber mit der von Sigmund Freud beschriebenen destruktiven Kraft fertig? Destruktivität in einer Form, wie sie im Ersten Weltkrieg angewendet wurde, war bis dahin unbekannt gewesen. Mit neuen Waffen wuchs zwar die Zerstörungskraft gegenüber früheren Kriegen, aber das Ausmaß der Grausamkeit scheint Sigmund Freud das gleiche zu sein.</p>
<p><strong>Grausamkeit allein kann die Destruktivität nicht erklären</strong></p>
<p>Das Problem scheint also nicht darin zu liegen, dass die Menschen grausamer geworden sind, sondern darin, dass die Technik dieser Grausamkeit mehr Zerstörungskraft gibt als zuvor. Ein Krieg ohne diese Waffen wäre weniger zerstörerisch, aber nicht weniger grausam. Sigmund Freud scheint also der Auffassung zu widersprechen, dass die Grausamkeit selbst durch neue Technologien zunimmt. Die Destruktivität nimmt seiner Meinung nach neue und historisch wandelbare Formen an, aber die Grausamkeit bleibt die gleiche.</p>
<p>Menschliche Grausamkeit allein kann also Destruktivität nicht erklären; auch die Technologie spielt dabei eine Rolle. Judith Butler erklärt: „Aber die spezifisch menschliche Fähigkeit zur Zerstörung ist auf die ambivalente psychische Konstitution des menschlichen Subjekts zurückzuführen.“ Für die Frage nach Möglichkeiten der Eindämmung der Destruktivität spielen also, insbesondere im Kontext des Krieges, Ambivalenz und Technologie eine Rolle. Kriegsführung gilt allgemein als für Nationen spezifische Handlung, aber die den Krieg antreibende blinde Wut zerstört eben die sozialen Bindungen, die Nationen erst ermöglichen. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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