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	<title>Begehren &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Unflexibilität führt zu einem doppelten Fehler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Feb 2025 02:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Menschen können sich hinsichtlich dessen, was sie glücklich macht, irren. Eine Begegnung hat beispielsweise tatsächlich das Vermögen, die eigenen Erwartungen und Wünsche, ja sogar die eigenen Vorstellungen von den Dingen und vom Leben umzukrempeln. Charles Pépin fügt hinzu: „Das ist eine schöne Einladung zur Bereitschaft: Zu wissen, dass wir uns hinsichtlich unserer Erwartungen irren können, ... <a title="Unflexibilität führt zu einem doppelten Fehler" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/charles-pepin-ueberraschendes-annehmen.html" aria-label="Mehr Informationen über Unflexibilität führt zu einem doppelten Fehler">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen können sich hinsichtlich dessen, was sie glücklich macht, irren. Eine Begegnung hat beispielsweise tatsächlich das Vermögen, die eigenen Erwartungen und Wünsche, ja sogar die eigenen Vorstellungen von den Dingen und vom Leben umzukrempeln. Charles Pépin fügt hinzu: „Das ist eine schöne Einladung zur Bereitschaft: Zu wissen, dass wir uns hinsichtlich unserer Erwartungen irren können, kann überzeugend sein, um uns für das zu öffnen, was wir nicht erwarten.“ Wer sich unflexibel zeigt und nur in Erwägung zieht, was den eigenen präzisen Wünschen entspricht, macht einen doppelten Fehler. Erstens einen strategischen: Diese Person lässt sich höchstwahrscheinlich so mache Gelegenheit entgehen. Zweitens einen psychologischen: Vielleicht irrt man sich hinsichtlich seiner Wünsche, aber verschließt die Tür für die Begegnung mit jenem Anderen, der es einem ermöglich hätte, sich darüber im Klaren zu werden. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt. <span id="more-5889"></span></p>
<p><strong>Ein Verlangen kann aus einer Begegnung heraus entstehen</strong></p>
<p>Tatsächlich entdecken Menschen oft erst im Handeln, durch den Kontakt mit anderen einen neuen Wunsch. Charles Pépin erklärt: „Diese Vorstellung widerspricht der Idee, die insbesondere der Psychoanalytiker und Philosoph Jacques Lacan entwickelt hat, wonach unser Begehren schon immer da ist, in unserem Innersten, und dass es in unserem Unbewussten, in unserer Familiengeschichte wurzelt.“ Dieser Theorie zufolge ist das Begehren immer vor der Begegnung da.</p>
<p>Menschen gehen auf die anderen zu, um ein Verlangen zu befriedigen, das dem Tun vorausgeht und dieses determiniert. Charles Pépin weiß: „Im Gegensatz dazu erklärt Jean-Paul Sartre in „Das Sein und das Nichts“, dass ein solches Verlangen nicht notwendigerweise vor der Begegnung da ist; es kann aus ihr heraus entstehen.“ Die Lebenserfahrung scheint ihm recht zu geben. Man denke zum Beispiel an jene Männer oder Frauen, die partout keine Kinder haben wollten, bis sie der oder dem Richtigen begegneten.</p>
<p><strong>Die Ordnung der Dinge ist nicht unverrückbar</strong></p>
<p>„Mein dritter Grundsatz war, immer zu versuchen, […] eher meine Wünsche zu ändern als die Ordnung der Welt“, fasste dies René Descartes in einer Formel mit stoischen Anklängen zusammen. Charles Pépin ergänzt: „Dem Verfasser des „Entwurfs der Methode“ ging es nicht darum, neue Wünsche an sich zu entdecken, sondern eher darum, auf unerfüllbare Wünsche zu verzichten , uns aufzufordern, bescheiden zu sein und hinzunehmen, was wir nicht ändern können.“</p>
<p>„Die Ordnung der Welt ändern, um sie meinen Wünschen anzupassen“, ist im Kern die Antwort des vermessenen Menschen, der unfähig ist, Grenzen zu akzeptieren, und sich in Allmachtsphantasien ergeht. Charles Pépin erläutert: „Wer eine Philosophie der Bereitschaft vertritt, befindet sich auf einer Gratwanderung zwischen resigniertem Hinnehmen und Allmachtwahn, von denen er sich möglichst fernhält. Wer die Ordnung der Dinge für unverrückbar hält, geht nicht mehr aus dem Haus.“ Quelle: „Kleine Philosophie der Begegnung“ von Charles Pépin</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Negative Beziehungen funktionieren nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 01:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
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					<description><![CDATA[Manchmal stellt man fest, dass man ein Objekt oder ein Subjekt begehrt, welches man jedoch nie als solches ergreifen oder besitzen kann. Man wird dann zwangsläufig mit der Nichtigkeit und Leere konfrontiert, die mit einer Aneignung des Ersehnten einherginge. Eine derartige Negativität ist für Eva Illouz eine positive Bewegung des Selbst. Und zwar in dem ... <a title="Negative Beziehungen funktionieren nicht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/eva-illouz-begehren.html" aria-label="Mehr Informationen über Negative Beziehungen funktionieren nicht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal stellt man fest, dass man ein Objekt oder ein Subjekt begehrt, welches man jedoch nie als solches ergreifen oder besitzen kann. Man wird dann zwangsläufig mit der Nichtigkeit und Leere konfrontiert, die mit einer Aneignung des Ersehnten einherginge. Eine derartige Negativität ist für Eva Illouz eine positive Bewegung des Selbst. Und zwar in dem Sinne, dass es sich durch eine Projektion auf das Begehren eines anderen entfaltet, den es absorbieren oder mit dem es kämpfen will, und insofern bringt diese Negativität sowohl Identität als auch soziale Bindungen hervor. Mit „negativen Bindungen“ meint Eva Illouz hier allerdings und contra Hegel etwas anderes. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne. <span id="more-3622"></span></p>
<p><strong>Das Selbst entzieht sich dem Mechanismus der Anerkennung</strong></p>
<p>„Negativ“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Subjekt aufgrund der Struktur seines Begehrens „keine Beziehung will oder nicht in der Lage ist, Beziehungen aufzubauen“. Eva Illouz erläutert: „In einer negativen Bindung entzieht sich das Selbst schlechterdings dem Mechanismus der Anerkennung. Es ist dies eine Bindung, bei der kein Versuch unternommen wird, die Subjektivität eines anderen zu entdecken, zu erkennen, sich anzueignen und zu bezwingen.“ </p>
<p>In negativen Bindungen sind andere Menschen Mittel zur Selbstentfaltung und zur Bestätigung der eigenen Autonomie – nicht Gegenstand von Anerkennung. Jean-Paul Sartres Begriff des „Nichts“ ist hier tatsächlich von Nutzen, obwohl er ursprünglich einer anderen Reihe von Problemen diente. Eine negative Beziehung gleicht einer vergeblichen Suche nach einer bestimmten Person in einem Ensemble von Menschen, Artefakten, Räumen; sie ist das Gefühl dieser Abwesenheit und der Unbestimmtheit der eigenen Absichten und Begierden. </p>
<p><strong>Der andere wird als abwesend wahrgenommen</strong></p>
<p>Eva Illouz stellt fest: „Eine negative Beziehung ist somit kein freiwilliger Verzicht auf Sex oder Liebe aufgrund eines höheren Gebots.“ Sie ist vielmehr die Wahrnehmung eines abwesenden anderen inmitten der anhaltenden unüberhörbaren Präsenz vieler anderer und die Wahrnehmung der Unbestimmtheit der eigenen Ansichten. Eine weitere Bedeutung von „negativ“ stammt von Martin Heidegger. Um das unproblematische Verhältnis des Menschen zur Welt zu charakterisieren, bedient sich Heidegger des Bilds eines Hammers. </p>
<p>Ein Mensch hämmert etwas und ist sich des Hammers und seines Vorhabens, etwas an diesem Stück Holz festzunageln, kaum bewusst. Wenn aber etwas schiefgeht und der Hammer zerbricht oder man den Nagel verschlägt, achtet man schlagartig auf das, was man da tut, und sieht sich selbst in neuer Weise. In diesem neuen Sinn von „negativ“ funktionieren bestehende Beziehungen nicht, wie sie sollten, daher erzwingen sie die persönliche Aufmerksamkeit, werden zu einem Gegenstand, den man zornig anstarren, über den man diskutieren oder sich den Kopf zerbrechen kann. Quelle: „Warum Liebe endet“ von Eva Illouz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Liebe und Rationalität prägen Beziehungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Feb 2022 02:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Tinder verspricht eher einen One-Night-Stand als eine eigentliche Partnerschaft. Daher scheint die Dating-App sehr nahe am Realismus des flüchtigen Begehrens zu sein. Peter Trawny kritisiert: „Apps wie Parship oder, schlimmer noch, Eliteparter werben mit festen Bindungen.“ Eva Illouz spricht bei alledem von „Technologien der Wahl“. Sie weist zutreffend darauf hin, dass es falsch ist anzunehmen, ... <a title="Liebe und Rationalität prägen Beziehungen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/peter-trawny-fluechtiges-begehren.html" aria-label="Mehr Informationen über Liebe und Rationalität prägen Beziehungen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Tinder verspricht eher einen One-Night-Stand als eine eigentliche Partnerschaft. Daher scheint die Dating-App sehr nahe am Realismus des flüchtigen Begehrens zu sein. Peter Trawny kritisiert: „Apps wie Parship oder, schlimmer noch, Eliteparter werben mit festen Bindungen.“ Eva Illouz spricht bei alledem von „Technologien der Wahl“. Sie weist zutreffend darauf hin, dass es falsch ist anzunehmen, eine auf „Liebe beruhende Partnerwahl“ bringe „einen Rückgang rationaler Kriterien in der Partnerwahl“ mit sich. Für Eva Illouz strukturieren zusammenwirkend Liebe und Rationalität moderne Beziehungen. Peter Trawny ist sich sicher, dass die Soziologin recht hat. Auch viel früher schon haben rationale Kriterien in der Partnerwahl eine Rolle gespielt. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet. <span id="more-3297"></span></p>
<p><strong>Bei der Partnerwahl spielen emotionale Eigenschaften eine große Rolle</strong></p>
<p>Dabei geht Eva Illouz bis in die Renaissance zurück, um dann festzustellen, dass diese „vormodernen Subjekte“ nur „wenige Informationen“ einholten, um ihre Entschlüsse zu fassen. Die „Anforderungen ans Äußere“ seien „oft minimal“ gewesen. Heute hat sich das laut Eva Illouz entscheidend geändert. Die rationalen Kriterien der zeitgemäßen Partnerwahl „beziehen sich nicht nur auf soziale und bildungsmäßige, sondern auch auf physische, sexuelle und – vielleicht vor allem – emotionale Eigenschaften. </p>
<p>Eine hochgradig erkenntnisförmige, rationale Methode der Partnerwahl gehe „Hand in Hand mit der kulturellen Erwartung, dass die Liebe authentische, unvermittelte emotionale und sexuelle Erfahrungen“ biete. Eine solche „hyperkognitive Methode“ der Partnersuche böten heute die „Online-Datings“. Die Rationalisierung der Partnerwahl, die Eva Illouz beschreibt, könnte auch Konsequenzen für die früheren Weisen der Begegnungen und des Kennenlernens haben. Peter Trawny erklärt: „Vor der Verbreitung der Sozialen Medien gab es eine ganze Kultur des Kennenlernens, von Blicken oder absichtlichen Nichtblicken, dem Lächeln, dem Flirt und der Verführung.“ </p>
<p><strong>Das Emoji ist das Pendant zu Tinder</strong></p>
<p>Abgesehen davon, dass heute diese Kultur oft schlechthin als eine Ausgeburt des Patriarchats gedeutet wird, haben die neuen Kommunikationstechnologien auch dafür eine Lösung gefunden: das Emoji. Peter Trawny nennt Beispiele: „Mit Smileys, die Herzchen als Augen haben, mit Herzchen selbst oder mit einem Kussmund kann auf schnelle und einfache Weise Zuneigung zum Ausdruck gebracht werden.“ Der Vorteil dabei ist noch der, dass all das unter Ausschluss der Öffentlichkeit und übrigens dauernd geschieht. </p>
<p>Niemand sieht, welches Emoji man einer anderen Person sendet. Dass die Zusendung dieser Zeichen inflationär wird, ein, zwei oder drei Herzchen nicht viel zu bedeuten haben, liegt auf der Hand. Ganz zu schweigen von der Infantilisierung, die mit dieser Kommunikation einhergeht. Genau betrachtet ist das Emoji das Pendant zu Tinder. Liebe oder das, was man so nennt, wird gleichsam auf ein Piktogramm reduziert. Entweder man erkennt in kürzester Zeit, was einem der Andere bedeuten kann, oder man wischt auf seinem Handy weiter und begibt sich auf die Suche nach einem neuen Date. Quelle: „Philosophie der Liebe“ von Peter Trawny</p>
<p><strong>Von Hans Klumbies</strong></p>
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		<title>Tugenden behält man auf Dauer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 02:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Tugend]]></category>
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					<description><![CDATA[Manche Kinder neigen mehr zu Großzügigkeit, Bescheidenheit oder Gerechtigkeit als andere. Frédéric Lenoir weiß: „Allerdings spielt für die Entwicklung dieser Eigenschaften die Erziehung eine wesentlich Rolle. Sie kann auch gewisse natürliche Neigungen korrigieren, die zu Süchten oder Lastern führen könnten.“ Seiner Meinung nach stehen Tugenden folglich an der Schnittstelle von Natur und Kultur. Selbst wenn ... <a title="Tugenden behält man auf Dauer" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/tugenden-behaelt-man-auf-dauer.html" aria-label="Mehr Informationen über Tugenden behält man auf Dauer">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Kinder neigen mehr zu Großzügigkeit, Bescheidenheit oder Gerechtigkeit als andere. Frédéric Lenoir weiß: „Allerdings spielt für die Entwicklung dieser Eigenschaften die Erziehung eine wesentlich Rolle. Sie kann auch gewisse natürliche Neigungen korrigieren, die zu Süchten oder Lastern führen könnten.“ Seiner Meinung nach stehen Tugenden folglich an der Schnittstelle von Natur und Kultur. Selbst wenn letztlich die Kultur für ihre Entwicklung bestimmend ist. Aristoteles zufolge erlangt und behält man Tugenden eigentlich auf Dauer. Das bedeutet allerdings nicht, dass man sein Leben lang tugendhaft ist! Über die Erziehung vermittelte Tugend wird erst stark und schlägt in einem Menschen Wurzeln, wenn er sich in ihr übt. Die Tugend ist eine stabile Eigenschaft, etwas, das sich einem Menschen einprägt, wenn er tugendhaft handelt. Frédéric Lenoir ist Philosoph, Religionswissenschaftler, Soziologe und Schriftsteller. <span id="more-3179"></span></p>
<p><strong>Die Tugend ist die ideale Mitte zwischen zwei Extremen</strong></p>
<p>Aber das Gegenteil ist auch wahr: Man wird lasterhaft, wenn man schlecht handelt. Aristoteles definiert im Übrigen die Tugend als ideale Mitte zwischen zwei Extremen, die jeweils Schwächen sind. Demnach wäre Mäßigung die vorbildliche Mitte zwischen Ausschweifung und Askese. Die Tapferkeit bildet die ideale Mitte zwischen Feigheit und Kühnheit. Dagegen hat Buddha in der Tat mit extremen Wegen experimentiert. Nach dem Luxus seines Lebens als Fürst ist er ins andere Extrem gefallen: Askese und totaler Verzicht.</p>
<p>Frédéric Lenoir fügt hinzu: „Als er bemerkt hat, dass er so nicht weiterkommt, hat er sich an den Fuß eines Baumes gesetzt, um Tag und Nacht zu meditieren.“ So hat er die Erweckung, die Erleuchtung erlangt. Diese hat ihm insbesondere ermöglicht, intuitiv zu verstehen, wo die wahre Weisheit liegt. Nämlich die richtige Mitte zwischen der Hingabe an Sinnesfreuden und dem Verzicht darauf zu finden. Indem er diese beiden Extreme vermied, entdeckte Buddha den Weg der Mitte.</p>
<p><strong>Durch das Begehren verändert sich ein Mensch</strong></p>
<p>Auf diesem Weg fand er Klarsicht und Erkenntnis, der ihn zum Frieden, zur Weisheit und ins Nirwana führte. Das ist die gleiche Idee, wie sie Aristoteles entwickelt hat. Nämlich ein Gleichgewicht zwischen zwei Extremen, das allerdings auf das gesamte Leben anzuwenden ist. Die Weisheit lehrt, eine ausgewogene Existenz ohne Exzesse zu führen. Sinnesfreuden zu genießen, ohne sich an sie zu klammern. Zu guter Letzt läuft das alles auf die täglichen kleinen Entscheidungen hinaus, die zu Gewohnheiten werden.</p>
<p>Die Epikureer denken, die praktische Klugheit, die Urteilskraft, reiche aus, um den Begierden Herr zu werden und die schlechten Gewohnheiten abzulegen. Die Stoiker dagegen sind überzeugt, alles sei eine Frage des Willens: „Wenn Du willst, kannst Du auch!“. Die Erfahrung lehrt, dass beide Fähigkeiten notwendig sind, aber oft nicht genügen. Baruch de Spinoza ist zweifellos der erste Weise, der bestätigt, dass das menschliche Wesen noch eine andere Macht als Verstand und Willenskraft benötigt, um sich zu ändern: das Begehren. Quelle: „Weisheit“ von Frédéric Lenoir</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Begehren besitzt eine vitale Macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 11 Jun 2021 01:00:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Begierden]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Begehren ist eine Essenz des Menschen. Die Macht des Begehrens ist so groß, dass es sein gesamtes Inneres mobilisieren kann, um einen endgültigen Verhaltenswandel zu erreichen. Frédéric Lenoir weiß: „Dabei spielt die Vernunft eine wesentliche Rolle, denn durch sie können wir unsere Handlungen erhellen, lenken und neu ausrichten. Doch ohne die vitale Macht unseres ... <a title="Das Begehren besitzt eine vitale Macht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-begehren-besitzt-eine-vitale-macht.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Begehren besitzt eine vitale Macht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Begehren ist eine Essenz des Menschen. Die Macht des Begehrens ist so groß, dass es sein gesamtes Inneres mobilisieren kann, um einen endgültigen Verhaltenswandel zu erreichen. Frédéric Lenoir weiß: „Dabei spielt die Vernunft eine wesentliche Rolle, denn durch sie können wir unsere Handlungen erhellen, lenken und neu ausrichten. Doch ohne die vitale Macht unseres Begehrens bleiben Entscheidungen, uns verändern zu wollen, nur gar zu oft fromme Wünsche.“ Wenn Menschen Gefangene einer Begierde oder Verhaltensweise sind, die sie unglücklich machen oder unter denen sie leiden, hat der Verstand die Aufgabe, neue Begierden hervorzurufen, an denen Menschen wachsen und die ihren Freude bringen. Dank der Vernunft kann man neue Objekte besser erkennen, auf die man sein Begehren lenken kann. Frédéric Lenoir ist Philosoph, Religionswissenschaftler, Soziologe und Schriftsteller. <span id="more-2744"></span></p>
<p><strong>Baruch de Spinoza vertritt keine Moral des Müssens</strong></p>
<p>Dadurch kann ein Mensch eine falsche Gewohnheit, die nur Traurigkeit hervorruft, aufgeben. Frédéric Lenoir stellt fest: &#8222;Die Begierde ist also das Fundament unseres Handelns, und wir müssen lernen, ihr eine andere Richtung zu geben, indem wir neue, mit angemessenen Ideen verbundene Motivationen entwickeln.“ Dazu zählt das Entdecken, was wirklich gut für die eigene Persönlichkeit ist, was dem eigenen Selbst entspricht, was einen anzieht, woran man wächst und was einem echte Freude bereitet. </p>
<p>Die Moral Baruch de Spinozas, dessen Anhänger Frédéric Lenoir ist, ist das genaue Gegenteil einer Moral des Müssens, die sich auf den Willen gründet. Sie entspricht vielmehr einer aufgeklärten Ethik, die sich jedoch auf die eigene Lebenskraft gründet, auf das Verlangen und das Streben nach Freude. Welche Übungen kann ein Mensch, der heute lebt, machen, um Weisheit zu erlangen. Frédéric Lenoir antwortet: „Die wichtigste Übung, die damit zur Grundlage für alles andere wird, besteht darin, die entsprechende Absicht und die Wachsamkeit aufrechtzuerhalten.</p>
<p><strong>Menschlich zu wachsen ist eine Aufgabe für jeden Tag</strong></p>
<p>Das bedeutet, jeden Tag daran zu denken, dass man mehr an Menschlichkeit gewinnen möchte und besser und bewusster leben will. Ebenso sollte man mehr lieben und verantwortungsvoller und tugendhafter leben. Wer so handelt, dessen Weisheit wird Schritt für Schritt, nach und nach, unaufhaltsam wachsen. Frédéric Lenoir warnt: „Denn wenn Du Dich an einem Tag verbessern willst und am nächsten Tag nicht mehr daran denkst, bringt das genaugenommen gar nichts!“</p>
<p>Menschlich zu wachsen ist eine Aufgabe für jeden Tag, sie erfordert beständiges Wollen und stetige Aufmerksamkeit gegenüber den eigenen Gefühlen und den Beziehungen zu den anderen. Die Hauptübung besteht genau darin, den eigenen Geist zu verändern, die persönliche Urteilskraft und Anpassungsfähigkeit unter Beweis zu stellen sowie den eigenen Blick zu erweitern. Das alles spielt sich im Alltag ab, mit Entschlossenheit und konstanter Wachsamkeit. Quelle: „Weisheit“ von Frédéric Lenoir</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Sexuelle hat subversives Potential</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Mar 2021 01:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Alfred Kinsey]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[In den Jahren 1950 und 1951 hielt Herbert Marcuse ans der Washington School of Psychiatry eine Reihe von Vorträgen. Damit kehrte er zur Philosophie und zum Schreiben zurück. Vorher hatte er über längere Zeit die amerikanische Regierung in ihrem Kampf gegen den Nationalsozialismus unterstützt. Stuart Jeffries weiß: „Die Vorträge markierten den Moment, da die Kritische ... <a title="Das Sexuelle hat subversives Potential" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-sexuelle-begehren-hat-subversives-potential.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Sexuelle hat subversives Potential">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In den Jahren 1950 und 1951 hielt Herbert Marcuse ans der Washington School of Psychiatry eine Reihe von Vorträgen. Damit kehrte er zur Philosophie und zum Schreiben zurück. Vorher hatte er über längere Zeit die amerikanische Regierung in ihrem Kampf gegen den Nationalsozialismus unterstützt. Stuart Jeffries weiß: „Die Vorträge markierten den Moment, da die Kritische Theorie sich aufspaltete. Nämlich in die pessimistische Frankfurter Version von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno auf der einen Seite. Auf der anderen Seite in die hoffnungsfroheren amerikanischen Varianten von Herbert Marcuse und Erich Fromm, die beide auf der anderen Seite des Atlantiks blieben.“ Max Horkheimer und Theodor W. Adorno schätzen die Möglichkeiten düster ein, die Gesellschaft in Deutschland radial zu verändern. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-2572"></span></p>
<p><strong>Die Arbeitsverhältnisse waren trostlos</strong></p>
<p>Herbert Marcuse hingegen erklärte in seinen Vorträgen, dass eine solche Veränderung möglich sei. Dabei thematisierte er unter anderem einen Komplex, der in Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Philosophie nicht vorzukommen schien. Dabei handelte es sich um das subversive Potential sexuellen Begehrens. Die Vorträge bildeten die Grundlage für Herbert Marcuses 1955 erschienenes Buch „Eros and Civilisation: A Philosophical Inquiry into Freud“.</p>
<p>In diesen Jahren unterrichtete Herbert Marcuse Politische Philosophie, zuerst an der Columbia University, später dann in Harvard. Das subversive Potential sexuellen Begehrens war kein neues Thema. Schon 1938 hatte er in seinem Essay „Zur Kritik des Hedonismus“ darüber geschrieben: „Die unverklärte, unrationalisierte Freigabe der sexuellen Beziehungen wäre die stärkste Freigabe des Genusses als solchen und die totale Entwertung der Arbeit um der Arbeit willen.“ Die Trostlosigkeit und Ungerechtigkeit der Arbeitsverhältnisse würden eklatant das Bewusstsein der Individuen durchdringen.</p>
<p><strong>Das Nachkriegsamerika war vom Thema Sex besessen</strong></p>
<p>Dies würde ihre friedliche Einordnung in das gesellschaftliche System der bürgerlichen Welt unmöglich machen. Diese Vorstellungen bedeuteten eine Herausforderung sowohl der freudschen Lehre als auch des klassischen Marxismus. Letzt genannten war die Idee fremd, sexuelle Befreiung könne das Gesellschaftssystem der bürgerlichen Welt erschüttern. In „Eros and Civilisation“ ging Herbert Marcuse allerdings noch einen Schritt weiter. Vor allem setzt er sich mit Sigmund Freuds pessimistischem Buch „Das Unbehagen in der Kultur“ auseinander.</p>
<p>Er nutzt dessen Leitideen für seine befreienden, hoffnungsvollen Schlussfolgerungen. Der Moment, die Möglichkeiten sexueller Befreiung zu thematisieren, war günstig. Das Nachkriegsamerika war vom Thema Sex geradezu besessen. Alfred Kinsey hatte 1947 an der Indiana University das Institute for Sex Research gegründet. Seine beiden Bücher „Sexual Behaviour in the Human Male“ (1948) und „Sexual Behaviour in the Human Female (1953) machten ihn weltberühmt. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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