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	<title>Sigmund Freud &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Die Bewahrung des Lebens selbst ist ein Gut</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Jun 2025 01:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Hass]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegsverhütung]]></category>
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		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Judith Butler schreibt: „Sigmund Freud wendet sich in seinen Überlegungen zur Kriegsverhütung schließlich Gedanken zu, die er in seinen Überlegungen zur Massenpsychologie noch nicht verfolgt hatte: dem Widerstand gegen nationalistische Euphorie und der „organischen“ Grundlage unserer menschlichen Natur.“ Und er kommt zum Schluss, dass die Kriegsneigung nur zweierlei entgegengesetzt werden kann: die Mobilisierung des „Eros ... <a title="Die Bewahrung des Lebens selbst ist ein Gut" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-kriegsverhuetung-bei-sigmund-freud.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Bewahrung des Lebens selbst ist ein Gut">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Judith Butler schreibt: „Sigmund Freud wendet sich in seinen Überlegungen zur Kriegsverhütung schließlich Gedanken zu, die er in seinen Überlegungen zur Massenpsychologie noch nicht verfolgt hatte: dem Widerstand gegen nationalistische Euphorie und der „organischen“ Grundlage unserer menschlichen Natur.“ Und er kommt zum Schluss, dass die Kriegsneigung nur zweierlei entgegengesetzt werden kann: die Mobilisierung des „Eros als Gegenspieler“ und die Herstellung von Gefühlsbindungen durch Identifizierung. Eine Weiterentwicklung der Masse, so spekuliert Sigmund Freud zu diesem Zweck, ist vielleicht durch Erziehung und die Kultivierung von Gemeinschaftsgefühlen nicht-nationalistischer Art möglich. Ideal wäre, wenn jeder Angehörige einer Gemeinschaft Selbstbeherrschung übt, indem er einsieht, dass die Bewahrung des Lebens selbst ein Gut ist, das gemeinschaftlich gepflegt werden muss. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-6144"></span></p>
<p><strong>Der Hass zerreißt gedankenlos soziale Bindungen</strong></p>
<p>Sigmund Freuds Ideal einer Gemeinschaft, deren Mitglieder sich alle gleichermaßen der Selbstbeherrschung im Namen der Lebensbewahrung verpflichten, eröffnet die Möglichkeit einer Demokratisierung der kritischen Urteilskraft und des kritischen Denkens, die nicht in der extremen Selbstherabsetzung des Über-Ich zum Zweck der Erreichung einer moralischen Position gründet. Einerseits muss man sich, so Sigmund Freud, auf die Liebe konzentrieren, die soziale Bindungen schafft und aufrechterhält, und auf die Identifizierung, die Gemeinschaftsgefühl schafft und aufrechterhält.</p>
<p>Zudem muss man sich gegen den Hass oder Thanatos wenden, der unkontrolliert und gedankenlos soziale Bindungen zerreißt. Judith Butler erklärt: „Auf der anderen Seite betont er immer wieder, dass Liebe und Hass gleich konstitutiv für das Triebleben sind und dass sich Destruktivität nicht einfach durch Stärkung des Eros ausschalten lässt.“ Man muss nicht nur sein Leben oft in aggressiver Weise verteidigen und bewahren – das Ziel des Eros –, sondern auch mit denjenigen zusammenleben, gegen die wir intensive feindselige und mörderische Impulse hegen.</p>
<p><strong>Liebe und Hass sind aneinander gebunden</strong></p>
<p>In Sigmund Freuds Ausführungen zu Identifizierung und Melancholie wird deutlich, dass alle Liebesbeziehungen Ambivalenzen bergen und in die beiden gegenläufigen Richtungen Liebe und Hass drängen. „Liebe“ ist also ein Pol in der gegenläufigen Beziehung von Liebe und Hass. Judith Butler fügt hinzu: „Sie bezeichnet aber auch den Gegensatz selbst, der als emotionale Ambivalenz mit all ihrer Wechselhaftigkeit ausgelebt wird.“ Man kann sagen: „Ich liebe dich und hasse dich deshalb nicht.“</p>
<p>Aber man kann auch sagen, dass Liebe und Hass aneinander gebunden sind und dass man dieses Paradox meint, wenn man von „Liebe“ spricht. Judith Butler erläutert: „In der ersten Formulierung ist Liebe etwas Eindeutiges, in der zweiten entgeht sie dieser Ambivalenz nicht.“ Sigmund Freuds Sicht auf Destruktivität und Krieg scheint zwei Folgerungen zu öffnen, die aber beide nicht weiterverfolgt werden. Sigmund Freud schreibt in einem Brief an Albert Einstein: „Ich glaube, der Hauptgrund, weshalb wir uns gegen den Krieg empören, ist, dass wir nicht anders können. Wir sind Pazifisten, weil wir es aus organischen Gründen sein müssen.“ Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Gemeinschaften können Tyrannen stürzen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 31 Mar 2025 01:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Tyrann]]></category>
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					<description><![CDATA[Judith Butler schreibt: „In seinem Schreiben an Einstein – ein volles Jahrzehnt nach „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ – geht Freud nun davon aus, dass Gemeinschaften nicht durch Unterwerfung unter einen idealen Führer zusammengehalten werden, sondern im Gegenteil durch ihre Macht, Tyrannen oder autoritäre Herrscher zu stürzen und in der Folge gemeinsame und durchsetzbare Gesetze und Institutionen ... <a title="Gemeinschaften können Tyrannen stürzen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/gemeinschaften-koennen-tyrannen-stuerzen.html" aria-label="Mehr Informationen über Gemeinschaften können Tyrannen stürzen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Judith Butler schreibt: „In seinem Schreiben an Einstein – ein volles Jahrzehnt nach „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ – geht Freud nun davon aus, dass Gemeinschaften nicht durch Unterwerfung unter einen idealen Führer zusammengehalten werden, sondern im Gegenteil durch ihre Macht, Tyrannen oder autoritäre Herrscher zu stürzen und in der Folge gemeinsame und durchsetzbare Gesetze und Institutionen zu schaffen.“ Um einen Tyrannen zu stürzen und die Liebesbindungen an ihn zu durchbrechen, ist vielleicht eine gewisse Form von Manie erforderlich. Kann sich diese Manie in den Gemeinschaftsgefühlen und Gefühlsbindungen entwickeln, die zu diesem Zweck erforderlich sind? Die Antwort scheint davon abzuhängen, was man unter einer „Interessengemeinschaft“ versteht. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5944"></span></p>
<p><strong>Die Begrenzung der Destruktivität basiert auf dem Gemeinschaftsgefühl</strong></p>
<p>Sigmund Freud vermutet, dass mit der Übertragung von Macht – nicht Gewalt – an immer größere Zusammenschlüsse die Angehörigen dieser Gruppe stärkere Solidaritätsgefühle entwickeln und aus ihnen heraus handeln. Judith Butler ergänzt: „Einstein hatte von der Notwendigkeit zum Souveränitätsverzicht zugunsten größerer internationaler Organisationen gesprochen.“ Für Sigmund Freud geht die Frage der Machtverteilung ebenfalls über das Modell der Souveränität hinaus. Mit dem Wachsen der Gemeinschaft und ihrer Fähigkeit, sich selbst zu regieren, in immer deutlicherer Abgrenzung, ja im Gegensatz zur Herrschaft eines einzelnen, basiert die Begrenzung der Destruktivität zunehmend auf dem Gemeinschaftsgefühl.</p>
<p>Dieses kommt in selbst erlassenen und Grenzen ziehenden Gesetzen zum Ausdruck. Judith Butler stellt fest: „Es besteht aber weiterhin das Problem, dass es in der Gemeinschaft zu Gewaltausbrüchen kommen kann, etwa wenn Fraktionen aneinandergeraten oder wenn das Recht zum Aufstand gegen den Staat oder die internationale Körperschaft in Anspruch genommen wird, die die Hoheitsrechte von Staaten einschränkt.“ Für Sigmund Freud wie für Albert Einstein scheint die Begrenzung der Gewalt mit der Einschränkung staatlicher Souveränität in einem internationalen Rahmen zusammenzufallen.</p>
<p><strong>Nationalistischer Eifer führt zu Gewaltausbrüchen</strong></p>
<p>Das zielt auf den im Souveränitätsgedanken selbst zum Ausdruck kommenden Anthropomorphismus der Macht. Judith Butler erläutert: „In den frühen 1930er Jahren waren beide der Meinung, dass nationalistischer Eifer zu Gewaltausbrüchen führt, auch wenn keiner von ihnen schon wirklich die kommenden Formen staatlicher Gewalt in Faschismus und Nazismus erkennten konnte.“ Die internationale Körperschaft oder der „Gerichtshof“, den beide sich vorstellten, existierte bis zu einem gewissen Grad in den frühen 1930er Jahren in Form des Völkerbunds.</p>
<p>Aber diese Institution bildete kaum eine letzte Machtinstanz, da sich staatliche Hoheitsrechte durch die besehenden Institutionen nicht effektiv einschränken ließen. Judith Butler fügt hinzu: „Ohne Vollzugsgewalt fehlten solchen Institutionen die eigenen Hoheitsrechte zur Kriegsverhütung – daher der Schluss, dass der Verzicht auf Souveränität zugunsten internationaler Beziehungen der einzige Weg zum Frieden ist.“ Albert Einstein, der sich selbst als „von Affekten nationaler Natur freier Mensch“ sah, betrachtete das Risiko einer internationalen Einrichtung als tragbar. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Kriege lassen sich vielleicht nicht verhindern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jan 2025 02:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Schicksal der Menschheit, klagt Albert Einstein, liegt in den Händen einer „herrschenden Schicht“, die nach Macht strebt und sich jeder „Einschränkung der Hoheitsrechte“ widersetzt. Sigmund Freuds kritisches Urteil sei für diese Zeit, in der Europa erneut vor einem Weltkrieg stehe, von größter Wichtigkeit. Judith Butler fügt hinzu: „Albert Einstein will wissen, ob es im ... <a title="Kriege lassen sich vielleicht nicht verhindern" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-destruktive-macht.html" aria-label="Mehr Informationen über Kriege lassen sich vielleicht nicht verhindern">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Schicksal der Menschheit, klagt Albert Einstein, liegt in den Händen einer „herrschenden Schicht“, die nach Macht strebt und sich jeder „Einschränkung der Hoheitsrechte“ widersetzt. Sigmund Freuds kritisches Urteil sei für diese Zeit, in der Europa erneut vor einem Weltkrieg stehe, von größter Wichtigkeit. Judith Butler fügt hinzu: „Albert Einstein will wissen, ob es im Triebleben der menschlichen Psyche eine Grundlage für eine politische Ordnung gebe, die Kriege effektiv verhindern könnte.“ Besonders interessiert ihn die Frage, ob man eine Vereinigung oder ein Tribunal schaffen könnte, mit dessen Hilfe sich die destruktive Macht der Triebe in Schach halten ließe. Albert Einstein sieht das Problem zunächst in den destruktiven Trieben. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5844"></span></p>
<p><strong>Im Menschen lebt möglicherweise ein Bedürfnis zu vernichten</strong></p>
<p>Albert Einstein fragt jedoch auch nach politischen Institutionen und fordert, dass die einzelnen Nationen ihre Souveränität einer internationalen Körperschaft übertragen, die sich der Kriegsverhütung und der Garantie der internationalen Sicherheit verpflichten würde. Judith Butler ergänzt: „Dieses Ziel lässt sich nur verwirklichen, wenn Menschen zur Schaffung und Anerkennung internationaler Einrichtungen mit den Mitteln zur Kriegsverhütung imstande sind.“ Wird diese Fähigkeit durch Neigungen oder Triebe unterlaufen, lassen sich Kriege möglicherweise gar nicht verhindern.</p>
<p>Albert Einstein, der Sigmund Freud zweifellos gelesen hat, fragt, ob im Menschen „ein Bedürfnis zu hassen und zu vernichten“ lebt, das „zur Massenpsychose gesteigert werden“ kann. Judith Butler stellt fest: „Er fragt sich, ob die Destruktionstriebe begrenzt werden können, aber auch, ob bestimmte Praktiken oder Institutionen geschaffen werden könnten, die einen Krieg erschweren würden.“ Gewalt, so Albert Einstein, kann die Form von Kriegen zwischen Staaten annehmen, aber auch in Bürgerkriegen aus religiösem Eifer und in der „Verfolgung nationaler Minderheiten“ ausbrechen.</p>
<p><strong>Die Macht der Gemeinschaft setzt sich durch</strong></p>
<p>Sigmund Freud gesteht, dass er keine praktischen Vorschläge hat, aber seine Bemerkungen artikulieren doch eine politische Position. Judith Butler erläutert: „Er schlägt zunächst vor, Einsteins Unterscheidung zwischen Recht und Macht durch die Unterscheidung von Recht – der Begriff steht im Deutschen sowohl für das Rechtssystem als auch für Gerechtigkeit – und Gewalt zu ersetzen.“ Nach Sigmund Freuds Darstellung wurden Konflikte zwischen Personen und Gruppen herkömmlicherweise gewaltsam gelöst, ein Mittel, das weniger oft zum Einsatz kam, als sich die Gruppenbildungen veränderten.</p>
<p>Dann „führte ein Weg von der Gewalt zum Recht“ sodass „die Vereinigung mehrerer Schwachen“ die größere Stärke einzelner wettmachte. Gewalt „wird gebrochen durch Einigung“ oder „die Macht dieser Geeinigten“, sodass es „nicht mehr die Gewalt des Einzelnen ist, die sich durchsetzt, sondern die der Gemeinschaft“. Und weiter: „Aber damit sich dieser Übergang von der Gewalt zum neuen Recht vollziehe“, muss diese Einigung „eine beständige, dauerhafte sein“. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Über-Ich zügelt die Destruktivität</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 27 Oct 2024 02:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Manie]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Wird das Über-Ich als einziges mögliches Gegengewicht gegen die Destruktivität gepriesen, kehrt die Destruktivität in das Subjekt zurück und gefährdet seine Existenz. Judith Butler fügt hinzu: „In der Melancholie wird die Feindseligkeit nicht externalisiert, aber hier wird das Ich zum Objekt einer potenziell mörderischen Feindseligkeit mit der Macht, das lebendige Ich, den lebenden Organismus selbst ... <a title="Das Über-Ich zügelt die Destruktivität" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-ueber-ich-gilt-als-gegengewicht-zur-destruktivitaet.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Über-Ich zügelt die Destruktivität">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wird das Über-Ich als einziges mögliches Gegengewicht gegen die Destruktivität gepriesen, kehrt die Destruktivität in das Subjekt zurück und gefährdet seine Existenz. Judith Butler fügt hinzu: „In der Melancholie wird die Feindseligkeit nicht externalisiert, aber hier wird das Ich zum Objekt einer potenziell mörderischen Feindseligkeit mit der Macht, das lebendige Ich, den lebenden Organismus selbst zu vernichten.“ Die Manie dagegen bringt dieses unrealistische Begehren, zu existieren und fortzudauern, ins Spiel, das sich scheinbar auf keine wahrnehmbare Realität stützen kann und keine guten Gründe für die Verankerung einer bestimmten politischen Herrschaftsform hat. Von hieraus kann sich die Manie niemals in Politik verwandeln, ohne zugleich eine gefährliche Form von Destruktion anzunehmen. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5727"></span></p>
<p><strong>Eine Stärkung des Gewissens kann den Todestrieb einhegen</strong></p>
<p>Sigmund Freud wie Albert Einstein geht es um die Einhegung der Destruktivität und um die Frage, ob ein anderer Trieb stärker sein kann als der Todestrieb und ob eine Stärkung des Gewissens nötig ist. Judith Butler stellt fest: „Wir haben hier im Wesentlichen zwei Alternativen. Nach der einen müssen wir uns und andere zu Formen des Gewissens erziehen, die uns moralischen Abscheu gegen Gewalt einimpfen. Nach der anderen müssen wir Bande der Liebe stärken, um den Todestrieb und seine Mechanik zu überwinden.“</p>
<p>Gehorsam gegenüber einer tyrannischen Macht erfordert und verfestigt ein Subjekt, für das die Selbstunterwerfung zum moralischen Imperativ wird. Judith Butler ergänzt: „Sich von tyrannischer Kontrolle zu befreien, geht mit dem Risiko der Auflösung dieser Subjektform einher, insbesondere wenn sie die Gestalt des Über-Ich angenommen hat.“ Könnten Menschen schlicht das Feuer der Liebe anfachen und Liebe zur stärkeren Macht machen, dann hätten sie eine Lösung. </p>
<p><strong>Man darf das eigene destruktive Potenzial nicht verleugnen</strong></p>
<p>Aber Liebe ist ambivalent, sie ist die Oszillation zwischen Liebe und Hass. Judith Butler vermutet: „Es scheint hier also um einen Weg zu gehen, mit dieser Ambivalenz zu leben und zu handeln, einen Weg, der Ambivalenz nicht als Zwickmühle, sondern als innere Teilung begreift, die eine ethische Orientierung und Praxis verlangt.“ Denn nur ethisches Handeln, das um sein eigenes destruktives Potenzial weiß, kann diesem widerstehen. Wer Destruktion dagegen immer bloß als Einwirkung von außen sieht, kann die ethische Forderung nach Gewaltlosigkeit weder anerkennen noch nach ihr handeln.</p>
<p>Gleichwohl bleiben Gewalt und Gewaltlosigkeit sowohl soziopolitische als auch psychische Probleme und daher muss die ethische Debatte laut Judith Butler auf der Schwelle von psychischer und sozialer Welt stattfinden. Ebendieses Problem stellt sich in der Korrespondenz zwischen Sigmund Freund und Albert Einstein 1931/32, kurz vor Adolf Hitlers Aufstieg zu Macht und kurz vor beider Exil aus Österreich beziehungsweise Deutschland. Albert Einstein stellt Sigmund Freud die Frage: „Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?“ Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der Krieg verursacht traumatische Neurosen</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/svenja-flasspoehler-kriegstrauma.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 26 Aug 2024 01:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Kriegstrauma]]></category>
		<category><![CDATA[Neurose]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[„Stellen wir uns den lebenden Organismus in seiner größtmöglichen Vereinfachung als undifferenziertes Bläschen reizbarer Substanz vor“: So schreibt Sigmund Freud im Jahr 1920 in seinem Aufsatz „Jenseits des Lustprinzips“, um die Funktionsweise des seelischen Apparates zu illustrieren. Svenja Flaßpöhler ergänzt: „Der Anlass, der Freud zu diesem Bild des reizbaren Bläschens führt, ist der „schreckliche, gerade ... <a title="Der Krieg verursacht traumatische Neurosen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/svenja-flasspoehler-kriegstrauma.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Krieg verursacht traumatische Neurosen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Stellen wir uns den lebenden Organismus in seiner größtmöglichen Vereinfachung als undifferenziertes Bläschen reizbarer Substanz vor“: So schreibt Sigmund Freud im Jahr 1920 in seinem Aufsatz „Jenseits des Lustprinzips“, um die Funktionsweise des seelischen Apparates zu illustrieren. Svenja Flaßpöhler ergänzt: „Der Anlass, der Freud zu diesem Bild des reizbaren Bläschens führt, ist der „schreckliche, gerade abgelaufene Krieg“, der einen massenhaft verbreiteten Krankheitszustand mit dem Namen „traumatische Neurose“ verursacht habe.“ Traumatische Neurosen treten nach schweren mechanischen Erschütterungen, Eisenbahnzusammenstößen und anderen mit Lebensgefahr verbundenen Unfällen auf; die Folge sei eine allgemeine „Schwächung und Zerrüttung der seelischen Leistungen“. Das Besondere bei den Kriegsneurosen sei, dass das dazugehörige Krankheitsbild mitunter „ohne Mithilfe einer groben mechanischen Gewalt zustande kam“. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazin“. <span id="more-5617"></span></p>
<p><strong>Der Organismus ist ein sensibles Bläschen</strong></p>
<p>Sprich: Die schwere Erschütterung des seelischen Apparats ist im Fall des Kriegstraumas oft anderer, nichtmechanischer Natur. Genau diese Art der Erschütterung nun versucht Sigmund Freud anhand des Bläschens zu erläutern. Svenja Flaßpöhler erklärt: „Unter normalen Umständen sei das Bläschen durch eine „Rinde“ geschützt, die äußere Reize dämpfe und filtere, sodass sein Inneres sicher bleibt.“ Diese Rinde selbst bilde sich durch „unausgesetzten Anprall der äußeren Reize an die Oberfläche des Bläschens“ heraus, wodurch sie ihre schützende Gestalt gewinnt.</p>
<p>Sigmund Freud spricht diesem Reizschutz eine „beinahe wichtiger Aufgabe“ zu als der Reizaufnahme. Svenja Flaßpöhler fügt hinzu: „Übergroße, von außen eindringende Energiemengen können das Bläschen nämlich nachhaltig zerstören.“ Sigmund Freud schreibt: „Solche Erregungen von außen, die stark genug sind, den Reizschutz zu durchbrechen, heißen wir traumatische.“ Der lebende Organismus: ein sensibles Bläschen mit einer feinen Membran als Außenhülle.</p>
<p><strong>Menschen können sich gegen Reizüberflutung schützen</strong></p>
<p>Die biologische Zellmembranforschung seiner Zeit offenkundig aufnehmend, überträgt Sigmund Freud sie sinnbildlich aufs Psychische. Svenja Flaßpöhler erläutert: „Die Membran schützt dabei nicht nur, sondern sie ist gleichzeitig jene sensible Oberfläche, die den Organismus mit der Außenwelt verbindet, ausgesuchte Reize durchlässt und das Innere auf diese Weise strukturiert, gestaltet.“ So stünden bei „hochentwickelten Organismen“ an der Körperoberfläche „die Sinnesorgane“ in der Funktion des Reizschutzes.</p>
<p>Sigmund Freud schreibt: „Es ist für sie charakteristisch, dass sie nur geringe Quantitäten des äußeren Reizes verarbeiten, sie nehmen nur Stichproben der Außenwelt vor; vielleicht darf man sie Fühlern vergleichen, die sich an die Außenwelt herantasten und dann immer wieder von ihr zurückziehen.“ Unüberhörbar schwingt hier Georg Simmels Beobachtung mit, dass der Mensch sich gegen die „Reizüberflutung“ moderner Großstädte nur durch „Blasiertheit“ schützen könne. Svenja Flaßpöhler betont: „Auch das in jüngster Zeit viel beachtete und der Blasiertheit gerade entgegengesetzte Phänomen der Hypersensibilität klingt an.“ Quelle: „Sensibel“ von Svenja Flaßpöhler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Identifikation birgt auch destruktive Potenziale</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-identifikation.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Aug 2024 01:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Identifikation]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Über-Ich]]></category>
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					<description><![CDATA[Identifikation gilt allgemein als wichtig für Empathie und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, aber sie birgt auch destruktive Potenziale und ermöglicht ungestrafte Zerstörungsakte. Sicher muss man sich die unterschiedlichen Formen der Internalisierung genauer ansehen, die oft vorschnell als „Identifikation“ bezeichnet werden. Judith Butler erklärt: „Die Internalisierung des verlorenen anderen oder des verlorenen Ideals in der Melancholie ... <a title="Identifikation birgt auch destruktive Potenziale" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-identifikation.html" aria-label="Mehr Informationen über Identifikation birgt auch destruktive Potenziale">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Identifikation gilt allgemein als wichtig für Empathie und die Aufrechterhaltung sozialer Bindungen, aber sie birgt auch destruktive Potenziale und ermöglicht ungestrafte Zerstörungsakte. Sicher muss man sich die unterschiedlichen Formen der Internalisierung genauer ansehen, die oft vorschnell als „Identifikation“ bezeichnet werden. Judith Butler erklärt: „Die Internalisierung des verlorenen anderen oder des verlorenen Ideals in der Melancholie wahrt und belebt Feindseligkeit mit der Macht zur Zerstörung des lebenden Organismus selbst.“ Auch wenn also das Über-Ich die Externalisierung der Destruktivität begrenzt, bleibt es ein potenziell destruktives Instrument. Denn dieses kann sich in selbstzerstörerischer – suizidaler – Weise in den Dienst eben der mörderischen Absichten stellen, die es in Schach halten soll. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5611"></span></p>
<p><strong>In der Manie geht der Realitätsbezug verloren</strong></p>
<p>Judith Butler stellt fest: „Sigmund Freud zieht daraus den moralistischen Schluss, dass das Über-Ich immer ein schwaches Instrument zur Einhegung von Gewalt sein wird, es sei denn, wir optimieren, ungeachtet der möglicherweise fatalen Folgen, für die Gewalt des Über-Ichs statt für die Alternative, den externalisierten Ausdruck dieser Gewalt.“ Die Manie, wie sie im manischen Lebenswillen zum Ausdruck kommt, eröffnet jedoch eine andere Möglichkeit. Sie ist kein Handlungsmodell – es geht nicht darum, plötzlich manisch zu werden, als würde das direkt zu wirksamem politischem Widerstand führen.</p>
<p>In der Manie überschätzt man die Macht des Subjekts und der Realitätsbezug geht verloren. Judith Butler fügt hinzu: „Die Wirklichkeitsfremdheit der Manie verweist auf die Weigerung, den Status quo zu akzeptieren; sie gründet im und intensiviert bei demjenigen, der sich gegen gesteigerte Selbstvorwürfe wehrt, den Lebenswillen.“ Diese Grausamkeit gegen sich selbst oder diese Selbstzerstörung lässt sich vorübergehend auch mildern auf den Rückgriff auf die soziale Solidarität des Scheiterns. </p>
<p><strong>Gruppenbildung kann die Massenzerstörung von Leben ermöglichen</strong></p>
<p>Dieses gemeinsame Scheitern begründet die Solidarität und den Sinn für Gleichheit. Diese Abschwächung der Gewalt des Über-Ich erweist sich nur als vorübergehend, wenn diese Feindseligkeit in der Organisation einer Gruppe nicht in geordnete Bahnen gelenkt und eingedämmt wird, und sie kann tödliche Forman annehmen. Judith Butler weiß: „Überdies gibt es Gruppenbildungen, die diese destruktive Feindseligkeit gegen einen externalisierten Feind mobilisieren, wodurch die Zerstörung, ja Massenzerstörung von Leben möglich wird.“</p>
<p>Identifikation kann destruktive Potenziale bergen, wo eine Gruppe Bindungen der Identifikation entwickeln, die in der Externalisierung ihrer eigenen Destruktionspotenziale gründen. Judith Butler ergänzt: „Die anderen, mit denen ich eine Gruppe desidentifziert, verkörpern diese Destruktion dann in gespenstischer Form, gleichsam in der Form einer verleugneten Anleihe von der Ausgangsgruppe. Identifikation kann aber auch ganz anders verlaufen. Wo Desidentifikation etwa mit dem Hervortreten eines kritischen Vermögens einhergeht, das mit der Tyrannei bricht, setzt sie ihre eigenen Destruktionskräfte zur zielgerichteten Demontage tyrannischer Herrschaft ein. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Im Krieg tritt das Primitive hervor</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jul 2024 01:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ernst Jünger]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Realität des Krieges kennt Sigmund Freud, wie er selbst einräumt, nur als Beobachter aus der Ferne. Noch gibt es keine traumatisierten Kriegsrückkehrer, die sich auf seine Couch legen, und so bemerkt er: „Es wäre gewiss sehr interessant, die Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer zu studieren, aber ich weiß zu wenig darüber.“ Was für ... <a title="Im Krieg tritt das Primitive hervor" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/svenja-flasspoehler-krieg.html" aria-label="Mehr Informationen über Im Krieg tritt das Primitive hervor">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Realität des Krieges kennt Sigmund Freud, wie er selbst einräumt, nur als Beobachter aus der Ferne. Noch gibt es keine traumatisierten Kriegsrückkehrer, die sich auf seine Couch legen, und so bemerkt er: „Es wäre gewiss sehr interessant, die Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer zu studieren, aber ich weiß zu wenig darüber.“ Was für ein Fundus wäre, so lässt sich aus heutiger Sicht sagen, Ernst Jünger für Sigmund Freud gewesen. Svenja Flaßpöhler ergänzt: „Und wie sehr hätte der Begründer der Psychoanalyse seine Hypothesen über das Unbewusste durch jenen Mann, der zu den Kriegsbegeistertsten und auch, nach damaligen Kategorien, Heldenhaftesten seiner Zeit zählte, bestätigt gefunden.“ Während Sigmund Freud in Wien versucht, den „Wirbel dieser Kriegszeit“ zu verstehen, macht Ernst Jünger Erfahrungen als Soldat, die er in Tagebüchern festhält. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazin“. <span id="more-5519"></span></p>
<p><strong>Das Primitive mildert den Schock des Krieges ab</strong></p>
<p>Aus den Aufzeichnungen hervor geht unter anderem Ernst Jüngers erfolgreichsten Buch „In Stahlgewittern“, dessen Handlung zu Beginn des Jahres 1915 einsetzt. Svenja Flaßpöhler erläutert: „Jünger hat mit seiner Kompanie gerade die Champagne erreicht, untergebracht sind die Männer in der Schule des kleines Ortes Orainville. Noch hat der junge Mann keinen wirklichen Kontakt mit dem Krieg gehabt, doch das soll sich an diesem, wie der Autor schreibt, „ersten Kriegstag“ ändern.“</p>
<p>Bei seinen Schilderungen wird anschaulich, was Sigmund Freud theoretisch beschreibt: Hervor tritt das Primitive, das den Schock abmildert, in Fall von Ernst Jünger gar zu Faszination verwandelt. Svenja Flaßpöhler fügt hinzu: „Der unmittelbare Anblick des Grauens wirft ihn auf eine primitive Vorzeit zurück, wobei dieser Zustand es ihm ermöglicht, nicht nur standzuhalten, sondern genau diese Erfahrung fortan zu suchen, nicht zuletzt der existenziellen Intensität willen.“ </p>
<p><strong>Der Einsatz seines Lebens hat für Ernst Jünger einen hohen Reiz</strong></p>
<p>Ernst Jünger hält in seinem Tagebuch fest: „Mir macht das Kriegsleben jetzt grade den richtigen Spaß, das ständige Spiel mit dem Leben als Einsatz hat einen hohen Reiz. Man lebt, man erlebt, man gelangt zu Ruhm und Ehren – das alles nur um den Einsatz eines armseligen Lebens.“ 1920, zwei Jahre nach Kriegsende, erscheint Ernst Jüngers Buch „Kampf als inneres Erlebnis“, und hier zeigt sich deutlich, wie sehr sich sein eigener Versuch der Reflexion mit derjenigen Sigmund Freuds berührt.</p>
<p>Der Krieg so Ernst Jünger, sei etwas Ewiges, Urzeitliches, das alle Menschen tief in sich tragen. In seinem Buch schwingt nicht nur Sigmund Freud, sondern auch der Philosoph Arthur Schopenhauer mit, dessen Metaphysik die Psychoanalyse tief beeinflusst hat. Svenja Flaßpöhler erklärt: „Der „Wille“ ist nach Schopenhauer der Urgrund menschlichen Handelns und der weltlichen Erscheinungen, ein reiner, unbewusster Lebensdrang, der alles durchwirkt und den Tod verachtet.“ Quelle: „Sensibel“ von Svenja Flaßpöhler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Trauer ist nicht dasselbe wie Melancholie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 01:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Manie]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Instanz ist überhaupt in der Lage, die schonungslose Gewalt eines Teils des Selbst gegen den anderen zu begrenzen? Sigmund Freud erkennt eine mögliche Einschränkung der Selbstzerstörung, nämlich dann, „wenn das Ich sich nicht vorher durch den Umschlag in Manie seines Tyrannen erwehrt“. Judith Butler weiß: „Er verweist hier auf seine Abhandlung „Trauer und Melancholie“ ... <a title="Trauer ist nicht dasselbe wie Melancholie" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/sigmund-freud-unterscheiden-zwischen-trauer-und-melancholie.html" aria-label="Mehr Informationen über Trauer ist nicht dasselbe wie Melancholie">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Instanz ist überhaupt in der Lage, die schonungslose Gewalt eines Teils des Selbst gegen den anderen zu begrenzen? Sigmund Freud erkennt eine mögliche Einschränkung der Selbstzerstörung, nämlich dann, „wenn das Ich sich nicht vorher durch den Umschlag in Manie seines Tyrannen erwehrt“. Judith Butler weiß: „Er verweist hier auf seine Abhandlung „Trauer und Melancholie“ (1917), wo er unterscheidet zwischen „Trauer“ mit wacher Einsicht in die Realität des Verlustes eines Menschen oder eines Ideals auf der einen Seite und „Melancholie“, die die Realität dieses Verlustes nicht anerkennt, auf der anderen.“ In der Melancholie wird der verlorene andere als Teil des Ichs internalisiert und in der Folge wird in der Psyche durch gesteigerte Selbstvorwürfe der Bezug des Ich zum verlorenen anderen wiederholt und ins Gegenteil verkehrt. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5513"></span></p>
<p><strong>Die Melancholie besteht aus zwei gegensätzlichen Neigungen</strong></p>
<p>Judith Butler ergänzt: „Der Vorwurf gegenüber der verlorenen Person oder dem verlorenen Ideal wendet sich gegen das Ich selbst. Damit wird der Bezug als lebendiger innerpsychischer Bezug bewahrt.“ Auch in dieser Abhandlung stellt Sigmund Freud klar, dass die entfesselte Feindseligkeit gegen das Ich potenziell tödlich ist. Der Schauplatz der melancholischen Selbstherabsetzung wird damit zum Modell für die spätere Topografie von Über-Ich und Ich. Die Melancholie besteht aus zwei gegensätzlichen Neigungen.</p>
<p>Nämlich erstens aus der Selbstbeschimpfung, die zur Hauptaktivität des „Gewissens“ wird, und zweitens aus der „Manie“, welche die Bindung an das verlorene Objekt kappen will und sich aktiv vom verlorenen Objekt lossagt. Judith Butler erläutert: „Die Manie mit ihren lebhaften Anklagen des Liebesobjekts und die gesteigerten Anstrengungen des Ich, die Bindung zum verlorenen Liebesobjekt oder Ideal abzubrechen, implizieren den Wunsch, den Verlust zu überleben und das eigene Leben nicht von ihm verschlingen zu lassen.“</p>
<p><strong>Nur zu oft führt der Weg von der Melancholie zum Über-Ich</strong></p>
<p>Die Manie ist gleichsam der Protest des lebenden Organismus gegen eine mögliche Zerstörung durch ein entfesseltes Über-Ich. Judith Butler fügt hinzu: „Schreibt sich im Über-Ich also der Todestrieb fort, widersetzt sich die Manie der gegen die Welt und das Selbst gerichteten Destruktivität. Die Manie sucht nach einem Ausweg aus dem Teufelskreis von Destruktivität und Gegen-Destruktivität.“ Nur zu oft führt der Weg von der Melancholie zum Über-Ich.</p>
<p>Aber die Gegentendenz, die Manie, eröffnet vielleicht andere Möglichkeiten des Widerstands gegen die Zerstörung. Judith Butler erklärt: „Die manische Kraft, die den Tyrannen bezwingen will, ist in gewisser Weise die Macht des Organismus zur Durchbrechung der Bande, die mutmaßlich der Identifizierung dienen.“ Der Organismus selbst ist schon ein Schwellenbegriff zwischen Somatischem und Seelischem und seine Aktivität daher kein bloß naturalistisches Aufbäumen des rebellischen Lebens. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Unglück ist leichter zu erfahren als Glück</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 18 May 2024 01:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Herbert Marcuse]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Sublimierung]]></category>
		<category><![CDATA[Unglück]]></category>
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					<description><![CDATA[In „Das Unbehagen in der Kultur“ hält Sigmund Freud fest: „Man möchte sagen, die Absicht, dass der Mensch „glücklich“ sei, ist im Plan der „Schöpfung“ nicht enthalten. Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur episodischen Phänomenen möglich … wir sind so ... <a title="Unglück ist leichter zu erfahren als Glück" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/unglueck-ist-leichter-zu-erfahren-als-glueck.html" aria-label="Mehr Informationen über Unglück ist leichter zu erfahren als Glück">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In „Das Unbehagen in der Kultur“ hält Sigmund Freud fest: „Man möchte sagen, die Absicht, dass der Mensch „glücklich“ sei, ist im Plan der „Schöpfung“ nicht enthalten. Was man im strengsten Sinne Glück heißt, entspringt der eher plötzlichen Befriedigung hoch aufgestauter Bedürfnisse und ist seiner Natur nach nur episodischen Phänomenen möglich … wir sind so eingerichtet, dass wir nur den Kontrast intensiv genießen können, den Zustand nur sehr wenig. Somit sind unsere Glücksmöglichkeiten schon durch unsere Konstitution beschränkt. Weit weniger Schwierigkeiten hat es, Unglück zu erfahren.“ Stuart Jeffries weiß: „Marcuse feilte diese freudschen Gedanken in marxistischen Begriffen aus, indem er nahelegte, dass es eine grundlegende und eine überschüssige Unterdrückung geben müsste – erstere ist notwendig für Kultur, letztere ist ein Herrschaftsinstrument der fortgeschrittenen Industriegesellschaft.“ Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“. <span id="more-5426"></span></p>
<p><strong>Die Sublimierung in der Kunst steht der Ordnung fremd gegenüber</strong></p>
<p>Sublimierung hingegen ist nicht so sehr die Abschiebung von Trieben ins Unbewusste, sondern ihre Umlenkung in andere Aktivitäten, die für die Kultur angeblich wertvoll sind. In „Das Unbehagen in der Kultur“, dem Buch, das Herbert Marcuses Überlegungen in „Eros und Civilisation“ und „Der eindimensionale Mensch“ befeuerte, bemerkt Sigmund Freud über Sublimierung: „Sie macht es möglich, dass höhere psychische Tätigkeiten, wissenschaftliche, künstlerische, ideologische, eine so bedeutende Rolle im Kulturleben spielen.“</p>
<p>Stuart Jeffries stellt fest: „Herbert Marcuses radikaler Zugriff auf Sigmund Freuds Gedanken besteht darin, dass solche Sublimierung in der Kunst, dem Gebiet menschlicher Aktivität, dem er in „Der eindimensionale Mensch“ die größte Aufmerksamkeit widmet, nicht nur eine gesellschaftlich anerkannte Möglichkeit ist, libidinöse Triebe zum Ausdruck zu bringen, nicht nur eine Art psychisches Sicherheitsventil, das ein besseres Funktionieren der existierenden Ordnung garantiert, sondern dass es darüber hinaus dieser Ordnung fremd gegenübersteht.“</p>
<p><strong>Die Dichtung erschafft einen imaginären Raum</strong></p>
<p>Dennoch bedroht so verstandene Kunst die Ordnung nicht. Für Herbert Marcuse stellte der Künstler, zumindest der große Künstler, ein unglückliches Bewusstsein dar, das Zeugnis für vereitelte Möglichkeiten ablegt, für unerfüllte Hoffnungen und verratene Versprechungen. Stuart Jeffries erklärt: „Was Marcuse ganz ungeniert als „höhere Kultur“ bezeichnet, existiert als eine Art inoffiziellen Opposition zur bestehenden Ordnung – eine Mahnung für die Realität und ihre Widerlegung.“</p>
<p>Herbert Marcuse schreibt: „Die beiden antagonistischen Sphären der Gesellschaft haben immer nebeneinander bestanden; die höhere Kultur passte sich stets an, während die Wirklichkeit durch ihre Ideale und ihre Wahrheit selten gestört wurde.“ Marcuse scheint sich die höhere, zweidimensionale Kultur und ihr Funktionieren als eine Art halb autonomen Bereich vorzustellen, denn eine ernsthafte Bedrohung der herrschenden Wirklichkeit ist sie nicht. Insofern hat Wystan Hugh Auden recht: Dichtung verändert nichts, sie erschafft vielmehr einen imaginären Raum, in dem die Wirklichkeit als das gesehen werden kann, was sie ist, wo sie fiktiv angeklagt und fiktiv bestraft werden kann. Quelle: „Grand Hotel Abgrund“ von Stuart Jeffries</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt keine Ausrottung des Bösen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 May 2024 01:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Das Böse]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Trieb]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud vertritt die These, dass es schlicht nicht stimmt, dass der Mensch eine höhere Stufe der Sittlichkeit erklommen hat. In Wahrheit handelt es sich um eine folgenschwere „Illusion“. Deren Nachwehen mögen auch in der Gegenwart zum Beispiel in der Kritik am sogenannten „Gutmenschen“ noch präsent sein. „In Wirklichkeit“, so Sigmund Freud unmissverständlich, „gibt es ... <a title="Es gibt keine Ausrottung des Bösen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/es-gibt-keine-ausrottung-des-boesen.html" aria-label="Mehr Informationen über Es gibt keine Ausrottung des Bösen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud vertritt die These, dass es schlicht nicht stimmt, dass der Mensch eine höhere Stufe der Sittlichkeit erklommen hat. In Wahrheit handelt es sich um eine folgenschwere „Illusion“. Deren Nachwehen mögen auch in der Gegenwart zum Beispiel in der Kritik am sogenannten „Gutmenschen“ noch präsent sein. „In Wirklichkeit“, so Sigmund Freud unmissverständlich, „gibt es keine Ausrottung des Bösen“. Svenja Flaßpöhler ergänzt: „Die psychologische – im strengen Sinne psychoanalytische – Untersuchung zeigt vielmehr, dass das tiefste Wesen des Menschen in Triebregungen besteht.“ Diese sind elementarer Natur und bei allen Menschen gleichartig. Sie zielen auf die Befriedigung gewisser ursprünglicher Bedürfnisse. Diese egoistischen und grausamen Triebregungen sind an sich weder gut noch böse, sondern werden von der Gesellschaft als böse verpönt. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“. <span id="more-5407"></span></p>
<p><strong>Lieben und Hassen sind im Menschen vereint</strong></p>
<p>Aus diesem Grund zeigen sie sich vornehmlich im Traum, wenn der Mensch seine mühsam erworbene Sittlichkeit wie ein Gewand von sich wirft. Svenja Flaßpöhler erläutert: „Das verheerende Problem liegt nun für Freud nicht in der negativen Bewertung unserer Triebveranlagung als solcher – wie sonst sollte Kultur entstehen? – sondern darin, dass die auch im modernen Menschen noch wohnende Gefühlsambivalenz nicht gesehen und anerkannt wird.“</p>
<p>Starkes Lieben und starkes Hassen, so zeigt sich in seiner Arbeit, sind in der Regel in einem und demselben Menschen vereint. Und alles hängt davon ab, ob und in welcher Weise die verpönte Seite verarbeitet, die Triebveranlagung des Menschen gebunden, übersetzt und aufgefangen wird. Svenja Flaßpöhler erklärt: „Umso fataler ist es aus Freuds Sicht, dass die Kulturgesellschaft die gute Handlung fordert und sich um die Triebbegründung derselben nicht kümmert, sogar bestrebt ist, die sittlichen Anforderungen möglichst hoch zu spannen.“ </p>
<p><strong>Das primitive Seelische ist unvergänglich</strong></p>
<p>Auf diese Weise erklären sich nicht nur die zahlreichen neurotischen Pathologien, sondern man erzieht die Menschen zu reinem Kulturgehorsam, der äußerst fragil ist. Svenja Flaßpöhler stellt fest: „Aus Freuds Perspektive stellt der Krieg insofern eine passende Gelegenheit dar, die mit Mühe unterdrückten Triebe zu ihrem Recht kommen zu lassen.“ Wo die Gemeinschaft den Vorwurf aufhebt, hört laut Sigmund Freud auch die Unterdrückung der bösen Gelüste auf. </p>
<p>Und die Menschen begehen Taten von Grausamkeit, Tücke, Verrat und Rohheit, deren Möglichkeit man mit ihrem kulturellen Niveau für unvereinbar gehalten hätte. So weit kann die Rückbildung des kulturellen Niveaus, die Regression gehen, dass es nie wieder voll erreicht wird. Svenja Flaßpöhler fügt hinzu: „Immer wiederhergestellt hingegen können einzig die primitiven Zustände von unvorstellbarer Brutalität werden.“ Das primitive Seelische ist für Sigmund Freud im vollsten Sinne unvergänglich. Quelle: „Sensibel“ von Svenja Flaßpöhler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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