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	<title>Narrationen &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Narrationen laden zum Miterleben ein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 27 Mar 2024 02:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erfahrung]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>
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					<description><![CDATA[Menschen speichern nicht nur ihre eigenen Erinnerungen als narrative Episoden ab, sondern können auch höchstkomplexe Zusammenhänge weitergeben. Fritz Breithaupt erläutert: „Dabei geht es nicht allein um die Fakten, wer was mit wem gemacht hat. Vielmehr geht es dabei um emotionale Reaktionen und das Machen von Erfahrungen.“ Rezipienten reagieren auf Narrationen sehr ähnlich wie die Erzähler, ... <a title="Narrationen laden zum Miterleben ein" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/fritz-breithaupt-erinnerungen-und-miterleben.html" aria-label="Mehr Informationen über Narrationen laden zum Miterleben ein">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen speichern nicht nur ihre eigenen Erinnerungen als narrative Episoden ab, sondern können auch höchstkomplexe Zusammenhänge weitergeben. Fritz Breithaupt erläutert: „Dabei geht es nicht allein um die Fakten, wer was mit wem gemacht hat. Vielmehr geht es dabei um emotionale Reaktionen und das Machen von Erfahrungen.“ Rezipienten reagieren auf Narrationen sehr ähnlich wie die Erzähler, die ihre eigenen Erlebnisse weitergeben. Anscheinend sind Narrationen derartig erfolgreich, dass sie sequentielle Präsenzen erzeugen. Dergestalt dass die Produzenten und Rezipienten an den gleichen Stellen jeweils ähnliche Erfahrung machen und entsprechende Emotionen durchlaufen. Mitgeteilt, also kommuniziert, werden Narrationen als derartige Mit-Erfahrungsangebote. Den Begriff des Mit-Erlebens benutzt Fritz Breithaupt, um den Prozess einer Rezeption von Narrationen zu beschreiben. Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington. <span id="more-5322"></span></p>
<p><strong>Menschen können Erfahrungen teilen und weiterreichen</strong></p>
<p>Fritz Breithaupt stellt fest: „Rezipienten registrieren die Episoden nicht nur, sondern durchlaufen die Handlungssequenzen zumindest ansatzweise so, als befänden sie sich selbst in den erzählten Situationen.“ Dafür benutzt man verschiedene Begriffe, um bestimmte Aspekte zu betonen, wie etwa Transport – man transportiert den Rezipienten in eine narrative oder mediale Welt. Oder den Begriff der narrativen Empathie – der Rezipient empfindet Empathie für eine Figur beziehungsweise kann sich in einer Situation sehen, als wäre er eine Figur. </p>
<p>Der Begriff der Co-Erfahrung oder des Mit-Erlebens betont dabei besonders, dass man als Rezipient Prozesse durchläuft, die sich in eigenen Erfahrungen niederschlagen können. Fritz Breithaupt erklärt: „Das heißt, dass die Erfahrungen meiner Freunde zumindest zu einem bestimmten Maße meine eigenen Erfahrungen werden können. Ich muss nicht jede Erfahrung selbst machen, wir können sie teilen und weiterreichen.“ Daher sind Gruppen, die Geschichten teilen, nicht nur durch ein Vokabular und einem Referenzrahmen von Mythen und Werten verbunden.</p>
<p><strong>Menschen leben in narrativen Echo-Räumen</strong></p>
<p>Sondern es hält sie auch ein Reservoir von abrufbaren Erfahrungen und Perspektiven zusammen. Das Teilen der Erfahrungen in der Form von Narrationen erzeugt Verbindungen zu den Mitmenschen, die sich untereinander verständlich machen. Denn sie erleben die Welt in ähnlichen Mustern, Rollen und Handlungsabfolgen. Menschen leben in narrativen Echo-Räumen. Es kann natürlich auch passieren, dass man sich quasi im falschen Film, das heißt in der falschen Narration gefangen fühlt.</p>
<p>Zumindest steckt man häufig in den Mustern von narrativen Rollen etwa mit Ausbeutern und Ausgebeuteten oder Helden und Versagern oder mit Liebenden oder Betrügern fest. Fritz Breithaupt weiß: „Entsprechend bauen wir unsere narrativen Emotionen nach Mustern auf, die uns vertraut sind. Für derartige Phänomene benutzen Psychologen gerne den Begriff des Schemas. Schema heißt so etwas wie Bild, Umriss, Schatten oder Grundidee.“ Für die Zwecke von Fritz Breithaupt ist dieser Begriff aber ungeeignet. Denn das Schema unterschlägt die Zeitlichkeit in Narrationen, da das Schema bereits den Gesamtlauf als ein Bild erfasst. Quelle: „Das narrative Gehirn“ von Fritz Breithaupt</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Episoden strukturieren narratives Denken</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Aug 2023 01:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
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					<description><![CDATA[Narrationen erlauben Menschen das Miterleben. In ihnen lassen sich Erfahrungen von einem Menschen zum anderen übertragen. Fritz Breithaupt fügt hinzu: „Ja, wir können in Fiktion, Fantasie und Planung auch mögliche und sogar unmögliche Erfahrungen machen und austauschen. Dank unseres narrativen Gehirns sind wir mit uns ähnlichen Wesen verbunden.“ Menschen sind in ihren wichtigsten Erlebnissen nicht ... <a title="Episoden strukturieren narratives Denken" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/fritz-breithaupt-thesen-zu-narrationen.html" aria-label="Mehr Informationen über Episoden strukturieren narratives Denken">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Narrationen erlauben Menschen das Miterleben. In ihnen lassen sich Erfahrungen von einem Menschen zum anderen übertragen. Fritz Breithaupt fügt hinzu: „Ja, wir können in Fiktion, Fantasie und Planung auch mögliche und sogar unmögliche Erfahrungen machen und austauschen. Dank unseres narrativen Gehirns sind wir mit uns ähnlichen Wesen verbunden.“ Menschen sind in ihren wichtigsten Erlebnissen nicht allein und können sie später wiedererleben und teilen. Das narrative Miterleben erlaubt eine Gemeinsamkeit, die weit über das bloße räumliche Zusammensein hinausgeht. Dieser Ausbruch aus dem Gefängnis des eigenen Gehirns und im Hier und Jetzt ist ungeheuerlich. Diese Bewusstseinsmobilität ist die große evolutionäre Leistung der Spezies Homo sapiens. Eine zentrale Hypothese von Fritz Breithaupt lautet: „Episoden strukturieren das narrative Denken.“ Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington. <span id="more-4790"></span></p>
<p><strong>Emotionen belohnen das narrative Denken</strong></p>
<p>Am Ende einer gelungenen Episode steht jeweils eine Emotion. Emotionen belohnen das narrative Denken. Narrationen führen Menschen in Versuchung, lösen ihr Bewusstsein aus dem Hier und Jetzt und transportieren sie in eine Welt, in der sie auf eine emotionale Belohnung hoffen. Fritz Breithaupt ergänzt: „Auch in unserem Verhalten suchen wir eine solche Episodenstruktur mit emotionaler Belohnung. Narratives Denken ist so wichtig für uns, weil es Anfang und Ende von Sequenzen erkennen lässt und uns mit der Emotion am Ende ein Signal gibt, dass nun etwas geschafft und vollendet ist.“</p>
<p>Die Emotion ist am Ende daher eine Belohnung im doppelten Sinne. Sie belohnt und bewertet die konkreten Handlungen, die man narrativ miterlebt hat. Und sie belohnt einen Menschen zugleich dafür, dass er sich überhaupt auf eine Narration eingelassen hat. Das Happy End belohnt offensichtlich moralisch gutes Verhalten. Das Narrativ der Neugier findet seine Belohnung im Staunen und im Gefühl des Wunders. Aber auch negative Gefühle gehören hierher. </p>
<p><strong>Menschen erwarten bestimmte Narrationen als Belohnung</strong></p>
<p>Dazu zählt beispielsweise das ambivalente Gefühl der Scham, das eine Strafe für denjenigen sein kann, der aus der Reihe getanzt ist. Auf der anderen Seite kann es den verärgerten Beobachter belohnen. Fritz Breitkopf fasst zusammen: „Narrationen trainieren uns darauf, Emotionen zu erwarten. Wir erwarten oder erhoffen bestimmte Emotionen als Belohnung für unser Engagement in narrativen Sequenzen.“ Die Abenteuergeschichte trainiert einen Menschen darauf, einen Triumpf zu erwarten.</p>
<p>Bei Liebesgeschichten erwartet man, nach entsprechenden Verzögerungen, ein warmes romantisches Gefühl. Subtile Geschichten gewöhnen einen Menschen an ästhetische Emotionen der plötzlichen Klarheit. Ebenso geht es vielen Menschen ja auch im realen Leben, wo sie etwa nach harter Arbeit eine Befriedigung des Geschaffthabens fühlen oder nach der Mahnung und dem Streitgespräch auf die anschließende Versöhnung hoffen. Dieses Training und diese Erwartungen strukturieren das Leben. Quelle: „Das narrative Gehirn“ von Fritz Breithaupt</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Selbstbild kann eine Falle sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 19 Apr 2023 01:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Handlung]]></category>
		<category><![CDATA[Narrationen]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbild]]></category>
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					<description><![CDATA[Oftmals verlieben sich Menschen in eine falsche Person. Eigentlich verliebt man sich ja in den richtigen Menschen. Fritz Breithaupt stellt fest: „Aber wenn es nicht weitergeht oder der Geliebte ein Soziopath ist, wird aus dem Richtigen plötzlich der Falsche. Man kann den geliebten Menschen nicht einfach vergessen.“ Immer wieder tauchen blitzartig kleine Sequenzen vor einem ... <a title="Das Selbstbild kann eine Falle sein" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/fritz-breithaupt-selbstbild-als-falle.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Selbstbild kann eine Falle sein">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Oftmals verlieben sich Menschen in eine falsche Person. Eigentlich verliebt man sich ja in den richtigen Menschen. Fritz Breithaupt stellt fest: „Aber wenn es nicht weitergeht oder der Geliebte ein Soziopath ist, wird aus dem Richtigen plötzlich der Falsche. Man kann den geliebten Menschen nicht einfach vergessen.“ Immer wieder tauchen blitzartig kleine Sequenzen vor einem auf: wie man zusammen in einer argentinischen Tangobar sitzt, die Hand des anderen fasst oder zusammen einkaufen geht. Es gibt ein weites Spektrum von Verhaltensweisen, in denen ein Selbstbild zur Falle wird. Das Festhalten an einem solchen imaginären Selbstbild ist auf den ersten Blick nicht Sache des narrativen Denkens. Man kann versuchen, Fixationen durch Weltbilder, vergangene Erfahrungen und Prägungen, Schemata, Muster oder Ideale zu erklären. Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington. <span id="more-4497"></span></p>
<p><strong>Man kann sich imaginär in Narrationen wiederfinden</strong></p>
<p>Das mag alles stimmen, doch zugleich können Selbstbilder nur bestehen, weil sie als konkrete Minimalnarrationen vor einem Menschen stehen. Man sieht sich beispielsweise als Held, Opfer, Überzeugungstäter, als Übermutter oder als Liebende nur, weil man sich konkret in Handlungsweisen hineinfantasieren kann. Das heißt, dass man sich imaginär in Narrationen wiederfindet. Fritz Breithaupt erklärt: „Narrationen können uns als konkrete Leitpfade vor Augen stehen oder auch als sekundenschnelle Ideen darüber aufblitzen, was passieren könnte.“ </p>
<p>Menschen kommen aus bestimmten Narrationen und den auf ihnen aufbauenden Selbstbildern nicht einfach heraus. Narrationen sind die Form, in denen das Gehirn die Handlungen einer Person und die Handlungen anderer simuliert. Fritz Breithaupt erläutert: „Weil wir diese Simulationen für geeignet erachten, unsere Handlungen abzubilden, stehen sie unter starkem Realitätsverdacht. Und wer möchte sich schon von der Realität verabschieden? Aber es gibt auch einen Ausweg.“ </p>
<p><strong>Manchmal sind Narrationen bloße Hirngespinste</strong></p>
<p>Das Interessante ist, dass Narrationen einerseits Abbildungen oder Simulationen der sozialen Welt sind und also Situationen, Entscheidungen, Handlungen und Gefühle eines Menschen durchspielen. Andererseits sind sie aber bloß Hirngespinste, die man sich ausdenkt. Narrationen haben Formen. Und Formen haben ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die nicht nur nach der Pfeife der Realität tanzen. Narrationen haben Formen, in die man die beobachteten Handlungen von sich selbst und anderen bringt. </p>
<p>Fritz Breithaupt weiß: „Wenn wir andere beobachten, unterstellen wir ihnen schnell bestimmte Motivationen und Interessen, wir nageln sie auf etwas fest. Wir beobachten Geschehen in kleinen Sequenzen und Episoden, in denen alle je dyadische oder triadische Rollen zueinander einnehmen: Bösewicht, Täter, Held, Rivale, Helfer Lügner, Opfer, Richter, Freund, falscher Freund, Verräter, Soziopath, Zeuge Mentor, Parasit …“ Diese Rollen bestehen nur im eigenen Kopf, denn natürlich haben alle Menschen alle Tendenzen und können sich in jeder Rolle wiederfinden. Quelle: „Das narrative Gehirn“ von Fritz Breithaupt</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Feb 2023 02:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erwartungen]]></category>
		<category><![CDATA[Narrationen]]></category>
		<category><![CDATA[Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[Pessimist]]></category>
		<category><![CDATA[Unglück]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeder ist seines Glückes Schmied, so heißt es. Aber vor allem kennt man den umgekehrten Fall: Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst. Fritz Breithaupt erläutert: „Das heißt nicht nur, dass wir unbeabsichtigt in die Fallen tappen, die wir anderen stellen. Vielmehr vertiefen wir unser Unglück immer wieder, indem wir unsere Weltsicht auf ein solches ... <a title="Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/viele-menschen-graben-sich-ihre-grube-selbst.html" aria-label="Mehr Informationen über Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jeder ist seines Glückes Schmied, so heißt es. Aber vor allem kennt man den umgekehrten Fall: Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst. Fritz Breithaupt erläutert: „Das heißt nicht nur, dass wir unbeabsichtigt in die Fallen tappen, die wir anderen stellen. Vielmehr vertiefen wir unser Unglück immer wieder, indem wir unsere Weltsicht auf ein solches Unglück ausrichten.“ Wer kennt nicht einen Pessimisten, für den noch die beste Nachricht irgendwie zum Beleg seines Unglücks wird. Man möchte solch einen Pessimisten rütteln und schütteln, doch es würde nichts ändern. Sondern es würde ihm nur wieder bestätigen, dass alle gegen ihn sind, inklusive der Freunde, die ihn schütteln. Es ist offensichtlich nicht leicht, seine Muster zu ändern. Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington. <span id="more-4311"></span></p>
<p><strong>Menschen sind immer wieder von ihren Narrationen gefangen</strong></p>
<p>Ebenso wie der Pessimist können auch alle anderen Menschen gefangen sein in ihrer Sicht der Dinge. Dahinter steckt aber nicht nur irgendeine schwammige Weltsicht, sondern vielmehr konkrete Erwartungen, wer man ist, wo man ist und wie man sich seine Zukunft vorstellt. Und das heißt vor allem, alle Menschen sind immer wieder von ihren Narrationen gefangen. Man erwartet bestimmte Dinge und ist in seinen Erwartungen verstrickt, bis sie dann doch eintreten.</p>
<p>Und wenn sie nicht eintreten, wartet man so lange, bis sie dann doch eintreten. Fritz Breithaupt weiß: „Im Prozess des Wartens gestalten wir die tatsächlichen Ereignisse in unserem Geist so um, dass sie unserer Sicht entsprechen.“ In den USA können beispielsweise viele Menschen auch nach sechs skandalträchtigen Jahren nicht anders, als Donald Trump für einen Helden zu halten. Als Professor kennt Fritz Breithaupt viele Kollegen, die an einer Vision aus Teenager-Jahren festhalten.</p>
<p><strong>Manche Menschen sehen sich gerne in der Opferrolle</strong></p>
<p>Sie wollen Professor in Harvard werden, einen Nobelpreis gewinnen oder ein Allheilmittel gegen Krebs finden. Das sind alles schöne Ziele, die zur Arbeit anspornen. Doch statt, dass solche Visionen die Kollegen glücklich machen, sind sie bitter, frustriert und neidisch auf das, was andere geschafft haben. Die Narration, die sich diese Kollegen ausgesucht haben, passt nicht mehr zu ihrem Leben. Aber fallen lassen können sie sie anscheinend auch nicht. Andere Menschen sehen sich ständig in der Opferrolle.</p>
<p>Fritz Breithaupt erklärt: „Es ist natürlich wichtig, zu erkennen, wann man unterdrückt wird, um sich dagegen aufzulehnen oder Hilfe zu suchen. Doch das Opfersein kann auch zur Rolle werden, die immer wieder aufgesucht wird, weil jemand diese Rolle gut kennt und in sie wie in einen passenden Schuh schlüpfen kann.“ Immerhin stellt die Opfernarration das Opfer als moralisch überlegen dar und spricht ihm die Verantwortung und Handlungsmöglichkeit ab. Für das Opfer ist die Narration insofern eine Entlastung. Quelle: „Das narrative Gehirn“ von Fritz Breithaupt</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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