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	<title>Lüge &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Kleine Lügen haben für viele einen gewissen Reiz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Jul 2025 01:00:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Lüge]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein bisschen Lügen, das bringt für viele einen gewissen Reiz. Thomas Erikson erklärt: „Es stellt eine Möglichkeit dar, sich im Alltag durchzuwinden, und gibt einem hinterher das Gefühl, noch einmal davongekommen zu sein. Ob groß, ob klein, mir ist keiner dahintergekommen, ha, ha, ich habe gewonnen.“ Schafft man es, jemanden von etwas zu überzeugen, das gar nicht wahr ist, fühlt sich das mitunter besonders befreiend an, vor allem, wenn man einen Großteil des Tages in der moralischen Grauzone unterwegs ist. Nie war der Reiz, eben nicht die Wahrheit zu sagen, größer als in unserer schnelllebigen Gesellschaft heute. Die Rückmeldung bekommt man ja mehr oder weniger sofort. Pathologische Lügen, Manipulation und Betrug haben sich zweifellos zu einem gängigen Bestandteil menschlichen Miteinanders entwickelt. Thomas Erikson ist ein schwedischer Verhaltensexperte, international gefragter Vortragsredner, Leadership-Coach und Buchautor. <span id="more-6184"></span></p>
<p><strong>Alle Menschen lügen hier und da ein bisschen</strong></p>
<p>Thomas Erikson schreibt: „Egal, ob es darum geht, reißerische und frei erfundene Nachrichten zu fabrizieren, um Aufmerksamkeit zu erlangen, Statistiken zurechtzubiegen oder bewusst falsch zu interpretieren, um seine persönliche Überzeugungen zu untermauern, oder wiederholt auf „weiße Lügen“ zurückzugreifen, um allgemeines Unbehagen zu vermeiden, weil man sich mal wieder blamiert hat: Die Grenze zwischen der Wirklichkeit und Betrug verschwimmt zusehends.“</p>
<p>Lügen alle? Nein, eine unwiderlegbare Statistik, der zufolge alle Menschen lügen, gibt es nicht. Das zu behaupten wäre ein dreckige Lüge. Es ist vielmehr eine logische Schlussfolgerung, basierend auf Thomas Eriksons persönliche Erfahrung mit Menschen. Er glaubt, da würde ihm niemand widersprechen. Und eigentlich weiß man das doch: Alle lügen hier und da ein bisschen. So kommen wir doch am besten miteinander aus. Doch, ja, die Behauptung, Menschen würden alle hier und da ein wenig lügen, hält Thomas Erikson für durchaus angemessen. </p>
<p><strong>Soziale Lügen haben manchmal ihre Berechtigung</strong></p>
<p>Klingt hart, ist aber ziemlich normal und geht Menschen leicht über die Lippen. Thomas Erikson stellt fest: „Dabei variiert die Motivation zu lügen selbstverständlich von Person zu Person und von Situation zu Situation: vom dem Versuch, sich selbst zu beschützen, einem Konflikt auszuweichen, jemandem zu imponieren oder ein Geheimnis zu bewahren, über das Bemühen, soziale Erkennung zu erlangen, bis hin zu dem Bestreben, ein schmeichelhafteres Bild seiner selbst zu zeichnen.“</p>
<p>Zumeist lügen Menschen, um die Gefühle eines anderen zu schützen und ihn oder sie in einer kleines Glücksblase unangetastet zu lassen. Natürlich haben solche sozialen Lügen – auch Notlügen oder weiße Lügen genannt – oder kleine Unterschlagungen der Wahrheit manchmal ihre Berechtigung. Mitunter erweisen sie sich sogar als förderlich für unsere Beziehungen – das jedenfalls legen Ergebnisse aus der Psychologieforschung nahe. Geht man davon aus, dass alles, was nicht zu hundert Prozent wahr ist, eine Lüge ist, dann ist die Sache klar. Quelle: „Alles Lügner!?“ von Thomas Erikson</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Kognitive Abkürzungen sparen Zeit und Energie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jan 2025 02:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Lüge]]></category>
		<category><![CDATA[Voreingenommenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Menschen sind aus einem bestimmten Grund voreingenommen. Für die frühen Vertreter unser Spezies hat sich nie viel von heute auf morgen verändert. Ob sie überlebten oder nicht, hing von ihrer schnellen Reaktion ab. Jonathan Rauch ergänzt: „Die menschlichen Reaktionsmuster prägten sich daher so aus, dass sie an unsere Umwelt angepasst waren; unsere Gehirne sind darauf ... <a title="Kognitive Abkürzungen sparen Zeit und Energie" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/kognitive-abkuerzungen-sparen-zeit-und-energie.html" aria-label="Mehr Informationen über Kognitive Abkürzungen sparen Zeit und Energie">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Menschen sind aus einem bestimmten Grund voreingenommen. Für die frühen Vertreter unser Spezies hat sich nie viel von heute auf morgen verändert. Ob sie überlebten oder nicht, hing von ihrer schnellen Reaktion ab. Jonathan Rauch ergänzt: „Die menschlichen Reaktionsmuster prägten sich daher so aus, dass sie an unsere Umwelt angepasst waren; unsere Gehirne sind darauf gepolt, bestimmte Vermutungen oder Vorhersagen anzustellen.“ Diese kognitiven Abkürzungen sparen Zeit, Energie und sind potenziell lebensrettend. In der Savanne, wo das unzureichende Reagieren auf eine Gefahr tödlich enden kann und statistische Risikoanalysen selten zur Verfügung stehen, ergibt es Sinn, sich von seinen emotionalen Reaktionen auf Reize oder Bedrohungen leiten zu lassen. Jonathan Rauch studierte an der Yale University. Als Journalist schrieb der Politologe unter anderem für das National Journal, für The Economist und für The Atlantic. <span id="more-5874"></span></p>
<p><strong>Verzerrte Wahrnehmung führt oft auf eine falsche Fährte</strong></p>
<p>Ebenso ergibt es Sinn, dass man in kleinen Stammesgruppen, wo das Überleben davon abhängt, dass man sich auf die Informationen und den Schutz anderer verlassen kann, den Aussagen vertraut, die man häufig von den Menschen um sich herum vernimmt. Jonathan Rauch erklärt: „Und auch heute ist normalerweise nichts verkehrt daran, Heuristiken zu verwenden, das heißt die Entscheidungsfindung dadurch abzukürzen, dass man sich auf seine Eingebung, auf Pauschalurteile oder auf Faustregeln verlässt, von denen sich einige der Erfahrung und andere der evolutionären Entwicklung verdanken.“ </p>
<p>Jonathan Rauch warnt: „Aber trotzdem: In einer komplexen Umgebung, die nach differenzierten Urteilen verlangt, führt uns unsere verzerrte Wahrnehmung oft auf eine falsche Fährte, während sie uns zugleich für die Möglichkeit unempfindlich werden lässt, dass wir eventuell falsch liegen könnten.“ Und es ist wichtig zu betonen, dass Voreingenommenheiten, gerade weil sie evolutionär entstanden sind, um Menschen in bestimmte Richtungen zu lenken, nicht zu Fehlern führen, die einem erkennbaren Muster folgen.</p>
<p><strong>Selbst offensichtlichen Manipulationen kann man sich nicht gänzlich entziehen</strong></p>
<p>Propagandisten, begabte Psychologen, machen sich das Vertrautheitsvorurteil zunutze, indem sie Lügen solange wiederholen, bis sie irgendwann vertraut klingen, und indem sie die empörten Zielgruppen dieser Lügen dazu verführen, sie sogar noch zu wiederholen. Jonathan Rauch fügt hinzu: „Die Werber, vielleicht die besten Psychologen von allen, sind Virtuosen auf dem Gebiet der Ausnutzung von Framing-Effekten, indem sie Bilder und Assoziationen gebrauchen, um unsere Einstellungen schon zu beeinflussen, bevor das erste Wort der Werbebotschaft überhaupt gefallen ist.“</p>
<p>Und auch wenn die Manipulation offensichtlich ist, können Menschen sich ihr doch nicht gänzlich entziehen. Die Literatur zu kognitiven und perzeptuellen Verzerrungen ist monumental. Für die Klärung der Frage, warum Menschen die Verfassung der Erkenntnis benötigen, scheinen einige dieser Voreingenommenheiten jedoch von besonderer Bedeutung zu sein. Jonathan Rauch erläutert: „Eine davon ist der Bestätigungsfehler, der primär auf der individuellen Ebene wirksam ist und die Art und Weise beeinflusst, wie wir denken – ebenso wie sein naher Verwandter, das motivierte Denken.“ Quelle: „Verteidigung der Wahrheit“ von Jonathan Rauch</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sogar mit der Wahrheit lässt sich lügen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 May 2022 01:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Lüge]]></category>
		<category><![CDATA[Manipulation]]></category>
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					<description><![CDATA[Durch Manipulation sorgt ein Mensch dafür, dass die Wirklichkeit des anderen sich für ihn so darstellt, wie er es möchte. Thorsten Havener weiß: „Eine sehr bewährte Methode ist diesbezüglich die Darstellung der Wirklichkeit über Statistiken.“ Hier wird, wie Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff, Autoren des Buches „Lügen mit Zahlen“, es so trefflich ausdrücken, „mit ... <a title="Sogar mit der Wahrheit lässt sich lügen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/thorsten-havener-mit-der-wahrheit-luegen.html" aria-label="Mehr Informationen über Sogar mit der Wahrheit lässt sich lügen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Durch Manipulation sorgt ein Mensch dafür, dass die Wirklichkeit des anderen sich für ihn so darstellt, wie er es möchte. Thorsten Havener weiß: „Eine sehr bewährte Methode ist diesbezüglich die Darstellung der Wirklichkeit über Statistiken.“ Hier wird, wie Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff, Autoren des Buches „Lügen mit Zahlen“, es so trefflich ausdrücken, „mit der Wahrheit gelogen“. Die folgenden Tricks sind nur ein Teil der unzähligen Täuschungen, die in dem Buch vorgestellt werden. Zum Beispiel: Lange Zeiträume – wie Mücken zu Elefanten werden. Wenn man sagt, der Bund einigt sich auf ein Bildungspaket von 18 Milliarden Euro, dann klingt das erst mal toll. Aber wenn die 18 Milliarden auf die nächsten zehn Jahre verteilt werden, dann ist das wenig. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist. <span id="more-3608"></span></p>
<p><strong>Mit Definitionen lässt sich gut tricksen</strong></p>
<p>Ein weiteres Beispiel betrifft die Mittelwerte. Denn die Mitte ist nicht immer richtig. Thema Einkommen. Wenn ein paar wenige zum Beispiel in einem afrikanischen Land extrem viel verdienen – mehrere Millionen US-Dollar im Jahr – dann steigern sie das Durchschnittseinkommen enorm. Damit wird verhüllt, dass die große Mehrheit nur 500 US-Dollar im Jahr verdient. Auch mit Definitionen lässt es sich gut tricksen. Man kann eine Statistik, zum Beispiel die Arbeitslosenstatistik, schön aufhübschen, indem man zum Beispiel die 1-Euro-Jobber, die Kranken und andere nicht in die Definition „arbeitslos“ aufnimmt. </p>
<p>Zahlen aus dem Zusammenhang zu reißen beziehungsweise in einen falschen Zusammenhang zu setzen, ist auch eine beliebte Methode der Manipulation. Was ist die kriminellste Stadt der Welt? Eigentlich Mogadischu und die Ciudad de Juarez. Thorsten Havener stellt fest: „Aber man kann statistisch sagen – ganz seriös nach Zahl der Delikte pro Zahl und Einwohner eingeteilt –, dass eigentlich Vatikan-Stadt die kriminellste Stadt der Welt ist. Das liegt aber nur daran, dass hier 18 Millionen Pilger und Touristen im Jahr hinkommen. Da kommt es eben zu dem einen oder anderen Diebstahl.“ </p>
<p><strong>Falsche Bezugsgrößen verdrehen die Realität</strong></p>
<p>Wenn man die Bezugsgröße falsch setzt oder gar weglässt, dann kann man die Realität ganz schön verdrehen. Einfaches Beispiel: „Im letzten Jahr haben wir in Nordrhein-Westfalen 2.200 vollzeitbeschäftigte Lehrer eingestellt“, sagte einmal ein Ministerpräsident von NRW. Aber bei genauerer Betrachtung hatte er einfach diese wahre Zahl genommen, dabei jedoch unterschlagen, dass im gleichen Jahr 2.500 Lehrer aus dem Dienst ausgeschieden waren. Damit ist die Zahl der Lehrer eigentlich sogar zurückgegangen!</p>
<p>Die Frage nach Ursache und Wirkung ist Thorsten Haveners Lieblingsmethode: „Wenn zwei Dinge korrelieren, dann ist man schnell dabei, da eine kausale Beziehung herzustellen.“ Zu beweisen, dass es nicht so ist, wie der andere behauptet, ist in vielen Fällen unmöglich. Das ist unter anderen auch eines der Totschlagargumente von Menschen, die mit Statistiken manipulieren. Der Wissenschaftler Carl Sagan sagte in einer seiner Fernsehsendungen über die Beweislast folgendes: „Außergewöhnliche Behauptungen erfordern außergewöhnlich starke Beweise.“ Quelle: „Mach doch, was ich will“ von Thorsten Havener</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt auch ein Lügen durch Schweigen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 May 2020 05:40:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Schweigen]]></category>
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					<description><![CDATA[Verantwortlich sind Menschen nicht nur für das, was sie tun, sondern auch für das, was sie unterlassen. Dafür wollen aber die wenigsten Verantwortung übernehmen. Als Beispiel nennt Reinhard K. Sprenger das Thema „Ehrlichkeit“. Vielen Menschen ist sie wichtig und gilt als wesentliche Voraussetzung für vertrauensvolles Zusammenleben. Sie meinen damit aber meistens eine Haltung, die etwa ... <a title="Es gibt auch ein Lügen durch Schweigen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/es-gibt-auch-ein-luegen-durch-schweigen.html" aria-label="Mehr Informationen über Es gibt auch ein Lügen durch Schweigen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Verantwortlich sind Menschen nicht nur für das, was sie tun, sondern auch für das, was sie unterlassen. Dafür wollen aber die wenigsten Verantwortung übernehmen. Als Beispiel nennt Reinhard K. Sprenger das Thema „Ehrlichkeit“. Vielen Menschen ist sie wichtig und gilt als wesentliche Voraussetzung für vertrauensvolles Zusammenleben. Sie meinen damit aber meistens eine Haltung, die etwa mit „Du sollst nicht lügen!“ zu umschreiben wäre. Reinhard K. Sprenger präzisiert: „Das meint: Informationen nicht willkürlich zum eigenen Vorteil manipulieren, Tatsachen nicht bewusst falsch darstellen, auf Fragen nach bestem Wissen und Gewissen antworten.“ Das ist aber lediglich die „passive“ Seite der Ehrlichkeit. Die ist billig. Es gibt nämlich auch ein Lügen durch Schweigen. Reinhard K. Sprenger ist promovierter Philosoph und gilt als einer der profiliertesten Managementberater und Führungsexperte Deutschlands. <span id="more-2221"></span></p>
<p><strong>Für das Schweigen will niemand verantwortlich sein</strong></p>
<p>Man lügt auch, wenn man deutlich spürt, dass man dem anderen etwas mitteilen müsste, weil er sonst glaubt, alles sei in Ordnung, oder weil er sonst von falschen Voraussetzungen ausgeht. Reinhard K. Sprenger erklärt: „Ich lüge, wenn ich schweige, obwohl mir klar ist, dass meine Aussage dem anderen helfen würde oder dass der andere durch mein Schweigen Nachteile haben könnte.“ Es gibt also eine „aktive“ Ehrlichkeit, die das Wort ergreift, ohne ausdrücklich gefragt zu werden, und die Stellung bezieht, ohne aufgefordert zu werden.</p>
<p>Aber für das Schweigen will fast niemand verantwortlich sein. Deshalb sucht man nach Entlastung. Die bietet sich erstens immer, wenn man sich auf die moralisch „gute“ Seite schlagen kann. Man wendet das Problem nach außen, beschuldigt den anderen: „Der ist immer so nachtragend!“, „Die ist doch sofort eingeschnappt!“ Die Feigheit verbirgt sich hinter Beschuldigung. Oder man lügt zweitens das Schweigen ins Positive um: „Aber ich muss den anderen doch schonen!“ Aber jemanden schonen heißt nicht mehr und nicht weniger als jemanden zu entmündigen.</p>
<p><strong>Ungute Gefühle sollen nicht aufgestaut werden</strong></p>
<p>In einem solchen Fall stellen sich Menschen über einen anderen und entscheiden für ihn, was zumutbar ist für ihn und was nicht. Sie verlassen die Ebene der Gleichberechtigung, der Mündigkeit. Dadurch macht man den anderen zum Kind beziehungsweise zum Greis. Reinhard K. Sprenger erläutert: „Es verletzt die Menschenwürde, wenn Sie einem Menschen die Fähigkeit, Verantwortung zu tragen, wegnehmen oder diese Fähigkeit in entmündigender Weise mindern.“ In Wirklichkeit wollen solche Menschen weniger den anderen, als sich selbst schonen.</p>
<p>Vielleicht leidet ein Mensch sogar selbst lieber unter dem Verhalten eines anderen, der es möglicherweise problemlos ändern könnte, wenn man nur einmal darüber sprechen würde. Aber dann könnte er den anderen nicht mehr heimlich abwerten oder gar beschimpfen. Reinhard K. Sprenger stellt fest: „Die Bereitschaft, Leiden zu ertragen, ist verbreiteter als die Fähigkeit, das Übel zu beseitigen.“ So kommt es zum Beispiel bei vielen Paaren zu Trennungen, weil ein oder beide Partner ihre unguten Gefühle aufstauen. Quelle: „Die Entscheidung liegt bei dir!“ von Reinhard K. Sprenger</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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