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	<title>Autorität &#8211; Psychologie Guide</title>
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		<title>Autorität gründet auf nichts als Gewohnheit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Nov 2020 07:34:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorität]]></category>
		<category><![CDATA[Gewohnheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein strenger, aber gerechter Supervater ist ein Produkt der menschlichen Phantasie. Er dient als Gegenentwurf zur stets enttäuschenden Wirklichkeit. Die Qualitäten der Väter wachsen insbesondere nach ihrem Tod. Nach und nach vergisst man ihre üblen Angewohnheiten und überhöht ihre positiven Charakterzüge. Paul Verhaeghe ergänzt: „So werden sie letztlich zu Figuren, die sie in Wirklichkeit niemals ... <a title="Autorität gründet auf nichts als Gewohnheit" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/autoritaet-gruendet-auf-nichts-als-gewohnheit.html" aria-label="Mehr Informationen über Autorität gründet auf nichts als Gewohnheit">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein strenger, aber gerechter Supervater ist ein Produkt der menschlichen Phantasie. Er dient als Gegenentwurf zur stets enttäuschenden Wirklichkeit. Die Qualitäten der Väter wachsen insbesondere nach ihrem Tod. Nach und nach vergisst man ihre üblen Angewohnheiten und überhöht ihre positiven Charakterzüge. Paul Verhaeghe ergänzt: „So werden sie letztlich zu Figuren, die sie in Wirklichkeit niemals waren.“ Daher heißt es nicht umsonst im Volksmund, dass man über die Toten nur Gutes sagen sollte. Ein Held muss vor allem eines sein: tot, das trägt gewaltig zur Idealisierung bei. Am auffälligsten an diesem Wunschtraum ist seine Überzeugungskraft. Sigmund Freud gibt dafür eine plausible Erklärung. Die meisten Menschen flüchten sich in eine Phantasiewelt, wenn die Realität unbefriedigend ist. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent. <span id="more-2436"></span></p>
<p><strong>Recht und Unrecht unterscheiden sich nach Ort und Zeit</strong></p>
<p>Blaise Pascal, einer der brillantesten Denker Frankreichs stellt in seinem bekanntesten Werk „Pensées“, Gedanken, die Frage nach der Essenz des Rechts. Seine Antwort ist bis heute so schockierend wie erfrischend: Die Abgrenzung von Recht und Unrecht unterscheidet sich je nach Ort und Zeit; es gibt keine mystische Basis für Autorität, im Gegenteil sie basiert allein aus Gewohnheit: „Alles wankt mit der Zeit, die Gewohnheit macht alle Billigkeit dadurch, dass sie angenommen ist, das ist der geheimnisvolle Grund ihres Ansehens.“</p>
<p>Blaise Pascal fährt fort: „Wer sie auf ihr Prinzip zurückführt, vernichtet sie. Nichts ist so fehlerhaft wie die Gesetze, welche die Fehler gut machen; wer ihnen gehorcht, weil sie gerecht sind, gehorcht der Gerechtigkeit, die er sich einbildet, aber nicht dem Wesen des Gesetzes, es ist ganz in sich selbst gesammelt, es ist Gesetz und weiter nichts.“ Blaise Pascal macht hier Schluss mit dem Prinzip „streng, aber gerecht“, Schluss mit dem göttlichen Gesetz. Wer sich auf die Suche nach dem Ursprung von Recht und Autorität macht, um sie damit zu begründen, den erwartet laut Blaise Pascal eine herbe Enttäuschung.</p>
<p><strong>Die Suche nach ihrem Ursprung untergräbt die Autorität</strong></p>
<p>Es gibt seiner Meinung nach nichts zu begründen, denn je mehr man den Grund sucht, desto flüchtiger wird er. Blaise Pascal schreibt, dass eine Suche nach dem Ursprung die sicherste Art sei, Autorität zu untergraben. Der französische Denker kommt zu folgender Schlussfolgerung: „Diese Wahrheit – Autorität gründet auf nichts als Gewohnheit – sollte man besser nicht im gemeinen Volk verbreiten. Die braven Leute lässt man besser in ihrem Wahn, man lässt sie lieber in dem Glauben an das Authentische und Ewige des Gesetzes, das ist für alle am besten.“</p>
<p>Das ist im Grunde schon das, was später Paternalismus genannt wird. Nach dem Motto „Vater weiß es besser“ oder „Ich will nur dein Bestes“. Blaise Pascals Gedanke zeugt für Paul Verhaeghe von seltener Klarheit. Denn seit Menschengedenken ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Autorität von einer göttlichen Instanz abgeleitet wird. Menschen schreiben Autorität einer vergöttlichten Figur zu; dann leiten sie ihre eigene Autorität aus dieser selbst erdachten Figur ab. Diesen Zirkelschluss findet man sowohl in den ältesten wie den bekanntesten Gesetzen wieder. Quelle: „Autorität und Verantwortung“ von Paul Verhaeghe</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die „neue“ Autorität wird sich aus einer Gruppe speisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Nov 2020 07:43:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Die traditionelle patriarchale Autorität ist so gut wie verschwunden, und damit auch die aus ihr folgende freiwillige Unterwerfung unter bestimmte Konventionen. Die fieberhafte Suche nach Ersatz ist bereits in vollem Gange, meist werden zwei radikal verschiedene Antworten angeboten. Die erste Antwort ist der verzweifelte Versuch, zur früheren Autorität zurückzukehren. Das muss scheitern, weil ihre Grundlage ... <a title="Die „neue“ Autorität wird sich aus einer Gruppe speisen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/die-neue-autoritaet-wird-sich-aus-einer-gruppe-speisen.html" aria-label="Mehr Informationen über Die „neue“ Autorität wird sich aus einer Gruppe speisen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die traditionelle patriarchale Autorität ist so gut wie verschwunden, und damit auch die aus ihr folgende freiwillige Unterwerfung unter bestimmte Konventionen. Die fieberhafte Suche nach Ersatz ist bereits in vollem Gange, meist werden zwei radikal verschiedene Antworten angeboten. Die erste Antwort ist der verzweifelte Versuch, zur früheren Autorität zurückzukehren. Das muss scheitern, weil ihre Grundlage verschwunden ist. Paul Verhaeghe erklärt: „In verschiedenen Bereichen herrscht zunehmend Macht ohne Autorität, die Unterwerfung daher erzwingen muss, beispielsweise in Wirtschaft, Politik, Schule und sogar im Gesundheitswesen.“ Die panische Konzentration auf den Terrorismus von Muslimen macht viele Menschen offenbar blind für die viel größere Bedrohung von innen. Die zweite Antwort verspricht eine neue Autorität. „Neu“ steht dabei für eine andere Grundlage und eine andere Wirkweise im Vergleich zum Patriarchat. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent. <span id="more-2421"></span></p>
<p><strong>Die Demokratie erlischt nach und nach</strong></p>
<p>Paul Verhaeghe hat stark den Eindruck, dass die „neue“ Autorität mit einer radikalen Umkehrung einhergehen wird. Statt aus einer überhöhten, singulären Instanz wird sie sich auf horizontaler Ebene, aus einer Gruppe speisen. Die Versuche, zur früheren Ordnung zurückzukehren, fallen vor allem in der Politik ins Auge. Jede politische Partei verspricht Veränderungen: doch sobald sie jedoch in der Regierung ist, heißt es, es gebe keine Alternative. Das Scheitern der Politiker ist das Scheitern eines überholten Systems.</p>
<p>Wenn Regierende doch mit diesem System arbeiten, zeigt sich eine Verschiebung von Autorität zu Macht, mit einem Schwerpunkt auf Kontrolle von außen und Zwang. Paul Verhaeghe erläutert: „Politische Führer entpuppen sich als Machthaber, sie sind jedoch keine Autoritätspersonen mehr. Die Demokratie erlischt nach und nach, diktatorische Regelungen nehmen zu – weshalb viele Politiker ihr Tun auch derart leidenschaftlich rechtfertigen.“ Eine solche Rechtfertigung kann nur mit dem Verweis auf eine externe Quelle gegeben werden, denn so funktioniert Autorität.</p>
<p><strong>Das murrende Volk wird mit Statistiken überschüttet</strong></p>
<p>Die Kirche hat als wichtigste Säule des Patriarchats ausgedient und sich dessen mittlerweile selbst bewusst. Auch der Nationalismus mit seinen Verweisen auf Tradition und Volksseele hat an Überzeugungskraft eingebüßt. Eine neue Quelle für Autorität darf vor allem nicht anfechtbar sein und muss ein möglichst starkes Sicherheitsgefühl hervorrufen. Mittlerweile haben Politiker diese neue Quelle gefunden: die Statistik. Das murrende Volk wird mit Statistiken überschüttet, die beweisen sollen, dass der entsprechende Vorschlag alternativlos ist.</p>
<p>Sitzungen von Kommissionen beginnen größtenteils mit Spreadsheets – darüber lässt sich in der Tat schlecht diskutieren. Zahlen spiegeln eine kühle, objektive Wirklichkeit wider, sie sind weder links noch rechts, sondern basieren auf wissenschaftlichen Untersuchungen, so heißt es gemeinhin. Dabei kommt es zu einer doppelten Verschiebung, die sich nahezu unbemerkt vollzieht, wenn Autorität ihre Fundierung in Zahlen sucht. Die erste Verschiebung betrifft die Autoritätsperson selbst. Bei der zweiten, noch wichtigeren geht es um den moralischen Charakter der Autorität. Quelle: „Autorität und Verantwortung“ von Paul Verhaeghe</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der Begriff „Familie“ ist out</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Oct 2020 13:28:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorität]]></category>
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					<description><![CDATA[Paul Verhaeghe setzt den Begriff „Familie“ in Anführungszeichen, um damit zu zeigen, dass dieses Wort kaum noch seine traditionelle Bedeutung besitzt. In der Vergangenheit offenbarte der Blick auf die Familie häufig einen leicht gelangweilten Vater, eine stolze Mutter und einige Kinder. Heute ist die traditionelle Familie im Aussterben begriffen. Patchwork-Familien aller Art und Alleinerziehende dominieren ... <a title="Der Begriff „Familie“ ist out" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/der-begriff-familie-ist-out.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Begriff „Familie“ ist out">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Paul Verhaeghe setzt den Begriff „Familie“ in Anführungszeichen, um damit zu zeigen, dass dieses Wort kaum noch seine traditionelle Bedeutung besitzt. In der Vergangenheit offenbarte der Blick auf die Familie häufig einen leicht gelangweilten Vater, eine stolze Mutter und einige Kinder. Heute ist die traditionelle Familie im Aussterben begriffen. Patchwork-Familien aller Art und Alleinerziehende dominieren das Geschehen. Außerdem ist die Scheidungsrate extrem hoch und man schließt immer weniger Ehen. Das hat verschiedene Gründe, die zu einem großen Teil mit dem Schwinden des Patriarchats und der dazugehörigen verpflichtenden Erwartungen zu tun haben. Früher war man schon fast zur Heirat verpflichtet. Kinderlos zu bleiben war eine Katastrophe oder galt als höchst verdächtig. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent. <span id="more-2396"></span></p>
<p><strong>Eine lange Beziehung ist tödlich für die Leidenschaft</strong></p>
<p>In früheren Zeiten heiratete ein Mann, um moralisch einwandfreien Zugang zu Sex zu bekommen. Und er bekam als Zugabe noch eine Haushälterin dazu. Frauen heirateten in der Hoffnung auf Kinder und einen guten Versorger. In der Vergangenheit hing der Erfolg einer Frau oft davon ab, welchen Mann sie heiratete. Paul Verhaeghe kennt die Veränderungen, die seit damals eingetreten sind: „Heute wollen oft die Männer Kinder haben, und Sex ist eher ein Scheidungsgrund als ein Grund für eine Eheschließung.“</p>
<p>Das Zusammenspiel zwischen ihrer erotischen und ihrer elterlichen Rolle ist bei Vätern und Müttern nicht einfach. Und eine langjährige Beziehung ist tödlich für die Leidenschaft. Verglichen mit früher genießen die Menschen eine wesentlich größere sexuelle Freiheit – besonders die Frauen. Und obwohl Menschen biologisch gesehen ganz klar nicht monogam sind, erwarten die meisten wider besseres Wissen von ihrem Partner Treue. Dadurch ist eine neue Doppelmoral entstanden, bei der auch Frauen häufig mehr als eine Beziehung zugleich haben. Sie können jedoch dasselbe Verhalten bei ihrem Partner nur schwer ertragen.</p>
<p><strong>Autorität ist kein Synonym für Macht oder Gewalt</strong></p>
<p>Das Patriarchat funktioniert aufgrund einer typischen Pyramidenstruktur. Das Militär und die Kirche gelten dafür als Musterbeispiele. Weibliche Pendants gibt es kaum. Auch daran kann man erkennen, dass eine solche Struktur bei Frauengruppen weniger häufiger vorkommt. Nun, da das Patriarchat auf dem Rückzug ist und immer mehr besser ausgebildete Frauen Führungspositionen übernehmen, träumen manche von einer sanfteren, von Frauen dominierten Gesellschaft. Diese basiert auf angeblich typisch weiblichen Eigenschaften wie Empathie, Streben nach Einvernehmen und langfristigem Denken.</p>
<p>Autorität ist für Paul Verhaeghe kein Synonym für Macht, geschweige denn für Gewalt. Autorität hat mit Zwang zu tun, im Idealfall ein Zwang, der von innen heraus funktioniert. Notfalls muss dieser Zwang auch von außen auferlegt werden durch eine Instanz, die dazu autorisiert ist und eventuell Gewalt gebrauchen darf. Ein Gesetz muss durchgesetzt werden können, sonst wird es nicht ernst genommen. Das wusste schon Blaise Pascal: „Das Recht ohne Gewalt ist unvermögend, die Macht ohne das Recht ist tyrannisch.“ Quelle: „Autorität und Verantwortung“ von Paul Verhaeghe</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Autorität funktioniert auf freiwilliger Unterwerfung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2020 06:55:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorität]]></category>
		<category><![CDATA[Depression]]></category>
		<category><![CDATA[Neurose]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Unterwerfung]]></category>
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					<description><![CDATA[Autorität funktioniert aufgrund einer verinnerlichten Norm, daher auch die freiwillige Unterwerfung. Betrachtet eine Gruppe dieselbe Instanz als Autorität, herrscht innerhalb dieser Gruppe großes Vertrauen. Wenn Autorität wegfällt, kommt Misstrauen auf, und es breitet sich rasant eine krankhafte Regulierungswut aus. Paul Verhaeghe ergänzt: „Macht funktioniert über externe Kontrolle und Zwang, doch der ruft sofort Widerstand und ... <a title="Autorität funktioniert auf freiwilliger Unterwerfung" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/autoritaet-funktioniert-auf-freiwilliger-unterwerfung.html" aria-label="Mehr Informationen über Autorität funktioniert auf freiwilliger Unterwerfung">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Autorität funktioniert aufgrund einer verinnerlichten Norm, daher auch die freiwillige Unterwerfung. Betrachtet eine Gruppe dieselbe Instanz als Autorität, herrscht innerhalb dieser Gruppe großes Vertrauen. Wenn Autorität wegfällt, kommt Misstrauen auf, und es breitet sich rasant eine krankhafte Regulierungswut aus. Paul Verhaeghe ergänzt: „Macht funktioniert über externe Kontrolle und Zwang, doch der ruft sofort Widerstand und Rebellion hervor. Jede Konfrontation mit Macht legt den Grundstein für eine weitere Konfrontation, es entsteht eine Aufwärtsspirale.“ Kontrollmechanismen und Zwangsmaßregeln müssen immer weiter ausgeweitet werden, denn das Ziel ist die totale Beherrschbarkeit. Das Ergebnis ist jedoch genau das Gegenteil. Will man alles beherrschbar machen, funktioniert überhaupt nichts mehr. Von den Folgen des schwindenden Patriarchats spürt man am meisten die hemmungslose, ungebremste Überregulierung. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent. <span id="more-2193"></span></p>
<p><strong>Die patriarchale Kultur ist ein hervorragender Nährboden für Schuld und Neurose</strong></p>
<p>Für beinahe alles braucht man heutzutage einen Vertrag oder gibt es zumindest ein Protokoll: deinen detaillierten Leitfaden mit den Prozeduren, die in der betreffenden Situation zu befolgen sind. Solche Regulierungen dienen keineswegs einer besseren Qualität. Man übt Kontrolle aus, weil man dem anderen nicht mehr vertraut, man sichert sich gegen alle möglichen Klagen ab und will den Schuldigen identifizieren können, falls etwas schiefgeht. Ursprünglich kommt dies aus der amerikanischen Betriebsführung.</p>
<p>Autorität funktionierte auf der Basis freiwilliger Unterwerfung, doch die kommt nicht von alleine. Kinder unterwerfen sich erst aufgrund eines externen Zwangs, der lange genug gewirkt hat. Manchmal hält dieser Zwang zu lange an: Eine paternalistische Regierung behandelt auch Erwachsene wie Kinder. Die patriarchale Kultur ist laut Paul Verhaeghe auch ein hervorragender Nährboden für Schuld und Neurose. Heute verstecken sich die Menschen nicht mehr, ganz im Gegenteil. Der postmoderne Mensch setzt sich selbst in Szene, mit allem Drum und Dran.</p>
<p><strong>Depression ist die neue Neurose</strong></p>
<p>Paul Verhaeghe fügt hinzu: „Er unterwirft sich freiwillig dem kontrollierenden Blick aller und wird sogar depressiv, wenn zu wenige Menschen ihm Aufmerksamkeit schenken.“ Der Unterschied zum patriarchalen Modell ist gewaltig. Zur Zeit des Patriarchats identifizierten sich die Menschen mit den Geboten und Verboten des Vaters, aus Angst vor Strafe und Verdammnis. Heutzutage identifizieren sich viele Menschen sich mit den „likes“ von anderen, aus Angst, ausgeschlossen zu werden. Der Druck, der von sozialer Kontrolle ausgeht, ist immens und verpflichtet jeden zu einer neuen Version freiwilliger Unterwerfung.</p>
<p>Wenn man scheitert, schämt man sich oder wird depressiv. Depression ist die neue Neurose. Das patriarchalische System umfasste noch bestimmte Illusionen. Man konnte anderswohin fliehen. Nun gibt es kein „anderswo“ mehr, die Welt ist voll. Oder man konnte den diensthabenden Vater ermorden und durch einen besseren ersetzen. Big Brother kann man jedoch nicht töten, er ist schließlich virtuell und anonym, ein Geist der klickend seine Runden durch das World Wide Web dreht. Quelle: „Autorität und Verantwortung“ von Paul Verhaeghe</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Autorität hat wenig oder überhaupt nichts mit Gewalt zu tun</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jan 2018 08:16:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorität]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Autorität basiert auf Ungleichheit und bewirkt, dass jemand eine selbstverständliche Macht über eine andere Person ausübt, die sich ihr mehr oder weniger freiwillig unterwirft. Autorität hat daher wenig oder überhaupt nichts mit Gewalt zu tun, denn die Unterwerfung geschieht auf freiwilliger Basis. Das Entscheidende steckt für Paul Verhaeghe in der „Selbstverständlichkeit“ dieser Unterwerfung. Autorität funktioniert ... <a title="Autorität hat wenig oder überhaupt nichts mit Gewalt zu tun" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/autoritaet-hat-wenig-oder-ueberhaupt-nichts-mit-gewalt-zu-tun.html" aria-label="Mehr Informationen über Autorität hat wenig oder überhaupt nichts mit Gewalt zu tun">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Autorität basiert auf Ungleichheit und bewirkt, dass jemand eine selbstverständliche Macht über eine andere Person ausübt, die sich ihr mehr oder weniger freiwillig unterwirft. Autorität hat daher wenig oder überhaupt nichts mit Gewalt zu tun, denn die Unterwerfung geschieht auf freiwilliger Basis. Das Entscheidende steckt für Paul Verhaeghe in der „Selbstverständlichkeit“ dieser Unterwerfung. Autorität funktioniert wie Befehlsgewalt oder militärisches Kommando, das einem von außen übertragen wird: Autorität besitzt, wer das Sagen hat. Das Kommando kann man bekommen, ausüben, verlieren, abgeben – der Ursprung der Autorität liegt also außerhalb der Person selbst. Das ist der wichtigste Unterschied zur Macht. Macht hat eine zweigleisige Struktur und umfasst beispielsweise zwei Personen, von denen eine stärker ist als die andere und daher ihren Willen durchsetzen kann. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent. <span id="more-1787"></span></p>
<p><strong>Autorität ist immer ein innerer Zwang</strong></p>
<p>Autorität hingegen hat eine Dreiecksstruktur. Autorität über andere gründet auf einen dritten Faktor und einer externen Quelle, an die alle Beteiligten glauben. Autorität ist immer ein innerer Zwang. Wer Autorität begreifen will, muss ihren Legitimationskern betrachten. Paul Verhaeghe ergänzt: „Eine solche Betrachtung beruft sich häufig auf das, was klassisch als das „natürliche“ Autoritätsmodell gilt, nämlich die Erziehung. In der traditionellsten Ausformung hat der Vater das Sagen, was gut zu der Feststellung passt, dass bis vor Kurzem alle führenden Positionen mit Männern besetzt waren.“</p>
<p>Auf den ersten Blick bietet das eine naheliegende Erklärung für den Ursprung von Autorität. Vaterschaft verleiht eine angenommene natürliche Befehlsgewalt über die Kinder, und sofort hat man eine entsprechende Basis für Autorität. Die väterliche Autorität wird dann gewissermaßen auf andere, verwandte Positionen wie Lehrkräfte, Richter, Priester und so weiter übertragen, die ihrerseits einen Zwang ausüben können, dem sich Menschen freiwillig unterwerfen. Diese Erklärung klingt schlüssig, wenn auch etwas altmodisch. </p>
<p><strong>Die erste psychiatrische Behandlung hieß „moralische Behandlung“ </strong></p>
<p>Im Unterschied zur modernen Psychiatrie hat sich Sigmund Freud intensiv mit Autorität beschäftigt. Mentale Störungen sind der Psychiatrie zufolge Abweichungen der Gehirnfunktionen, basta. Dabei wird laut Paul Verhaeghe vergessen, dass die Psychiatrie die einzige medizinische Disziplin ist, die eine Behandlung auch unter Zwang durchführen lassen kann, zur Not mit einer Zwangseinweisung in Einrichtungen, die man früher Irrenhaus nannte. Der Patient wird also weggesperrt. Nicht zufällig hieß die erste psychiatrische Behandlung „moralische Behandlung“. </p>
<p>Sigmund Freud beschreibt, wie seine Patienten mit Gewissensfragen über Sexualität und allem, was damit zu tun hat, sehr heftig rangen. In der viktorianischen Zeit verkörperte der Patriarch die Autorität, Frauen und Kinder mussten sich dem väterlichen Gebot fügen. Das moralische Ringen mit dem eigenen Verlangen, den eigenen Trieben, lässt sich in dieser Zeit auf einen Kampf mit dem Vater zurückführen. Das ist die Kernidee von Sigmund Freuds Ödipus-Theorie, die er darüber hinaus auf Kultur im Allgemeinen ausweitet. Quelle: „Autorität und Verantwortung“ von Paul Verhaeghe</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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			</item>
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		<title>Eltern müssen nicht immer und überall für ihre Kinder da sein</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/eltern-muessen-nicht-immer-und-ueberall-fuer-ihre-kinder-da-sein.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Dec 2017 07:09:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autorität]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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					<description><![CDATA[Eltern haben Macht und sorgen als Bezugspersonen für Sicherheit. In der Psychologie geht es häufig um die mehr oder weniger sichere Bindung von Kindern. Diese ist laut Paul Verhaeghe in der Tat von höchster Bedeutung: „Es handelt sich dabei im Wesentlichen um das Verhältnis zwischen Bezugsperson und Baby bis ins Vorschulalter. Wie sicher die Bindung ... <a title="Eltern müssen nicht immer und überall für ihre Kinder da sein" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/eltern-muessen-nicht-immer-und-ueberall-fuer-ihre-kinder-da-sein.html" aria-label="Mehr Informationen über Eltern müssen nicht immer und überall für ihre Kinder da sein">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eltern haben Macht und sorgen als Bezugspersonen für Sicherheit. In der Psychologie geht es häufig um die mehr oder weniger sichere Bindung von Kindern. Diese ist laut Paul Verhaeghe in der Tat von höchster Bedeutung: „Es handelt sich dabei im Wesentlichen um das Verhältnis zwischen Bezugsperson und Baby bis ins Vorschulalter. Wie sicher die Bindung eines Kindes ist, lässt sich paradoxerweise buchstäblich daran messen, wie gut es die Bezugsperson loslassen kann.“ Der Psychoanalytiker fügt hinzu: „Den Erfolg unserer Erziehung können wir daran messen, wie unsere Kinder sich von uns lösen können.“ Die vom Kleinkind gefühlte Sicherheit hängt ganz eng mit der Sicherheit und Vorhersehbarkeit zusammen, die es immer wieder erfahren hat. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent. <span id="more-1771"></span></p>
<p><strong>Der Umgang mit der Abwesenheit ist entscheidend für den Erfolg der Entziehung</strong></p>
<p>Das zeigt deutliche Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter. Jemand hat Selbstvertrauen, weil es als Kind erfahren hat, dass er einem anderen vertrauen kann. Sicherheut und die dazugehörige Gewissheit und Verlässlichkeit bedeuten allerdings nicht, dass die Bezugsperson immer für ihr Baby da sein muss. Im Gegenteil, ein Kind fühlt sich sicher, sobald es davon überzeugt ist, dass Mama oder Papa auf eine vorhersehbare Art verschwindet und wieder zurückkommt. Eltern, die verzweifelt versuchen, immer und überall für ihr Kind da zu sein, geben vor allem ihre eigene Unsicherheit und Angst weiter.</p>
<p>Den Erfolg der Erziehung kann man also auch daran messen, wie man selbst mit Abwesenheit umgeht. Ein Kleinkind muss lernen, mit der Abwesenheit der Mutter zurechtzukommen, und muss die Gewissheit bekommen, dass sie wiederkommt. Einige Jahre später muss die Mutter lernen, mit der Abwesenheit ihres Teenagers umzugehen. Dann braucht sie die Gewissheit, dass ihr Sohn oder ihre Tochter wieder nach Hause kommt. Wenn der Nachwuchs nicht von zu Hause wegkommt oder richtiggehend aus dem Elternhaus fliehen muss, dann stimmt etwas nicht. </p>
<p><strong>Unberechenbare Eltern verhindern den Erfolg der Erziehung</strong></p>
<p>Beide Reaktionen gehen auf eine von Unsicherheit geprägte Vorgeschichte zurück. Als Ursachen kommen für Paul Verhaeghe verschiedene Ursachen in Frage: „Unberechenbare Eltern, eine allgegenwärtige Mutter, eine traumatischen Kindheit …“ Wenn das erwachsen gewordene Kind zu Hause bleibt, ist es die Außenwelt, die als gefährlich und bedrohlich erfahren wird. Will der junge Erwachsene so weit wie möglich von zu Hause weg, dann liegt das an der Bedrohung aus der Innenwelt.</p>
<p>Die erste Gruppe ist eindeutig abhängig und löst das Problem ihrer Unsicherheit, indem sie sich anpasst. Die zweite Gruppe wirkt autonom und selbstständig, bis sich herausstellt, dass sie sich beinahe zwanghaft gegen ihre Umgebung auflehnen muss. Die erste Gruppe bejaht alles stillschweigend, die zweite verwehrt sich mit einem lautstarken Nein, und beide schreiben somit dem anderen eine Allmacht zu, die entweder Unterwerfung oder Widerstand fordert. Quelle: „Autorität und Verantwortung“ von Paul Verhaeghe</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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