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	<title>Überforderung &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Selbstverwirklichung liegt voll im Trend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 01:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Enttäuschung]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstverwirklichung]]></category>
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					<description><![CDATA[Manche Menschen haben das Ziel, möglichst alle Potenziale, die in ihnen schlummern, zu mobilisieren und ihnen zur Entfaltung zu verhelfen. Der Maßstab dieses Lebensstils ist die größtmögliche Fülle des Lebens. Andreas Reckwitz warnt: „Die Kehrseite der Selbstentgrenzung ist die Selbstüberforderung. Die Chance zum Neuen und Anderen kann sich in den Selbstzwang zum Neuen und Anderen ... <a title="Selbstverwirklichung liegt voll im Trend" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/andreas-reckwitz-selbstentgrenzung.html" aria-label="Mehr Informationen über Selbstverwirklichung liegt voll im Trend">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Manche Menschen haben das Ziel, möglichst alle Potenziale, die in ihnen schlummern, zu mobilisieren und ihnen zur Entfaltung zu verhelfen. Der Maßstab dieses Lebensstils ist die größtmögliche Fülle des Lebens. Andreas Reckwitz warnt: „Die Kehrseite der Selbstentgrenzung ist die Selbstüberforderung. Die Chance zum Neuen und Anderen kann sich in den Selbstzwang zum Neuen und Anderen verkehren, in eine Selbstransformation um ihrer selbst willen, aus der sich keine zusätzliche Befriedigung mehr ergibt.“ Idealerweise soll hier immer alles Wünschbare zugleich verwirklicht sein: Karriere und Familie, lokale Verankerung und globale Weite, Abenteuer und Verlässlichkeit und so weiter. Der Verzicht auf einzelne dieser Möglichkeiten erscheint dann als grundsätzlich negativ konnotiert. Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder. <span id="more-5441"></span></p>
<p><strong>Die neue Mittelklasse strebt nach erfolgreicher Selbstverwirklichung</strong></p>
<p>In dem spätmodernen Selbstverwirklichungsimperativ ist eine Verzichtsaversion eingebaut. Auch die Beurteilung durch andere – oft im beruflichen oder privaten Kontext – kann Selbstransformationsfähigkeit entsprechend zu einer Leistungsanforderung werden. Andreas Reckwitz erklärt: „Wer sich mit dem einmal Gefundenen begnügt, gilt rasch als selbstzufrieden borniert und nicht hinreichend aufgeschlossen. Es wird damit ein weiteres Mal deutlich: Der Wert, welcher der Einzigartigkeit des Subjekts in der spätmodernen Kultur zugeschrieben wird, gilt keineswegs bedingungslos.“ </p>
<p>Zwar mag die singularistische Subjektkultur eine Vielzahl verschiedener Interessen, Begabungen und Lebenswege tolerieren und ermutigen – der Radius des Möglichen markiert aber trotzdem Grenzen des wertvoll Singulären. Andreas Reckwitz erläutert: „Insbesondere das unbewegliche, das im weitesten Sinne immobile Subjekt, verstanden als ein Selbst, dem es in seiner Persönlichkeitsstruktur an „Offenheit“ mangelt, bildet hier eine negativ bewertete Gegenfigur zum kreativen Subjekt.“ Die anspruchsvolle Lebensführung der erfolgreichen Selbstverwirklichung, wie sie die neue Mittelklasse verfolgt, ist aus systematischen Gründen enttäuschungsanfällig.</p>
<p><strong>Der Arbeitsmarkt ist unberechenbar geworden</strong></p>
<p>Andreas Reckwitz weiß: „Enttäuschung heißt generell: subjektive Erwartungen bleiben unerfüllt, was negative Emotionen – von Selbstvorwürfen bis zur Wut – zur Folge hat.“ Pauschal kann man feststellen: Die klassische, industrielle Moderne war angetreten, subjektive Enttäuschungen über das System der Berechenbarkeit ihrer Institutionen zu minimieren. Indem staatliche und ökonomische Prozesse und letztlich auch die privaten Lebensformen planbar gemacht wurden, sollten subjektive Erwartungen in der Regel erfüllt werden. Dies mag tatsächlich der Fall gewesen sein – zumindest in punkto Lebensstandard.</p>
<p>Die Verheißung des Fortschritts der klassischen Moderne war in dieser Hinsicht ein Programm zur Vermeidung von Enttäuschungen. Andreas Reckwitz stellt fest: „Die Kultur der Spätmoderne erweist sich demgegenüber als ein struktureller Enttäuschungsgenerator – und dies betrifft auch die akademische Mittelklasse, gleichwohl sie in ihrer mitlaufenden Statusinvestition Planungssicherheit herzustellen versucht.“ Insbesondere der Arbeitsmarkt ist in der Wissens- und Kulturökonomie im Verhältnis zur Industrieökonomie unberechenbarer geworden. Quelle: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Viele Menschen sind überfordert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Apr 2022 01:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Entscheidung]]></category>
		<category><![CDATA[Krise]]></category>
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					<description><![CDATA[Klimakatastrophe, Corona-Pandemie und Vermüllung der Ozeane. Täglich prasseln neue Hiobsbotschaften auf die Menschen ein, denen sie sich häufig hilflos ausgeliefert fühlen. Maren Urner ergänzt: „Die Menschheit bringt den Planeten Erde im wahrsten Sinne des Wortes an seine Grenzen.“ Im Jahr 2009 stellten Wissenschaftler neun „planetare Grenzen“ auf. Von diesen Belastungsgrenzen der Erde waren schon damals ... <a title="Viele Menschen sind überfordert" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/viele-menschen-sind-ueberfordert.html" aria-label="Mehr Informationen über Viele Menschen sind überfordert">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Klimakatastrophe, Corona-Pandemie und Vermüllung der Ozeane. Täglich prasseln neue Hiobsbotschaften auf die Menschen ein, denen sie sich häufig hilflos ausgeliefert fühlen. Maren Urner ergänzt: „Die Menschheit bringt den Planeten Erde im wahrsten Sinne des Wortes an seine Grenzen.“ Im Jahr 2009 stellten Wissenschaftler neun „planetare Grenzen“ auf. Von diesen Belastungsgrenzen der Erde waren schon damals drei überschritten. Im Jahr 2015 waren es bereits vier. Gleichzeitig stehen Menschen vor zahllosen, alltäglichen, persönlichen Herausforderungen an sich und ihr Leben. Dazu kommen Zehntausende Entscheidungen, die von ihnen täglich getroffen werden wollen. Viele Menschen sind also „im Großen“ wie „im Kleinen“ kontinuierlich überfordert. Denn längst ist aus der persönlichen Generalentschuldigung „Du, ich hab´s nicht geschafft, es war einfach zu stressig!“ ein Mantra geworden. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln. <span id="more-3526"></span></p>
<p><strong>Die Welt ist gefangen in der Dauerkrise</strong></p>
<p>Dieses Mantra prägt eine ganze Gesellschaft, die täglich den Spagat übt. Eben weil viele Menschen ständig versuchen, eine Balance zwischen „Klar kann ich Kinder und Karriere unter einen Hut bringen!“ und „Digitalem Detox- und Yogawochenende zu finden. Die Krise herrscht also auf allen Ebenen: persönlich, beruflich und auf der Welt sowieso. Und zwar dauerhaft und sehr wahrscheinlich für immer, mindestens aber noch sehr lange. Weder ausreichend Impfstoffe noch das Pflanzen von Millionen Bäumen, noch Bankenrettung werden das Steuer herumreißen.</p>
<p>Die Welt ist gefangen in der Dauerkrise. Maren Urner rät: „Halten wir einen Moment inne und schlagen kurz nach, was das Wort „Krise“ bedeutet.“ Die „krísis“ meint im Altgriechischen ursprünglich nichts weiter als „Beurteilung“, „Entscheidung“ und „Meinung“. Daraus wurde die „Zuspitzung“, die wiederum zum Verb „krínein“ führte, das „trennen“ und „unterscheiden“ meint. In der deutschen Sprache kommt die Krise vom lateinischen „crisis“. Es meint einen Wende- oder Höhepunkt einer bis dahin kontinuierlichen Entwicklung.</p>
<p><strong>Einst war die Krise ein Wendepunkt mit offenem Ausgang</strong></p>
<p>Die erste Anwendung fand der Begriff Krise im Deutschen in der Medizin. Vor allem bei fieberhaften Erkrankungen beschrieb sie die Entscheidung oder den Wendepunkt. Sie bezieht sich auf die Krankheitsphase, nach der bei gutem Verlauf die Besserung einsetzte. In ihren ursprünglichen Bedeutungen ist die Krise also ein Zeitpunkt oder eine nicht besonders lang anhaltende Phase der Entscheidung mit ungewissem Ausgang. Nach der Krise kann es besser oder schlechter werden.</p>
<p>Maren Urner stellt fest: „Erst in der heutigen Verwendung ist die Krise durchweg negativ konnotiert. Heutzutage sind Krisen bedrohlich und lösen bei den Betroffenen Unsicherheit aus. Häufig sorgen sie für Konflikte oder andere negative Folgen.“ Aus dem einstigen Wendepunkt mit offenem Ausgang ist ein Bedrohungszustand geworden. Der amerikanische Politikwissenschaftler Charles F. Hermann definierte 1969 drei Zutaten für eine so verstandene Krise: Erstens bedroht sie Ziele von höchster Priorität der Akteure in Entscheidungspositionen. Zweitens kommt sie für die Betroffenen überraschend und drittens limitiert sie die Zeit, die bleibt, um zu reagieren. Quelle: „Raus aus der ewigen Dauerkrise“ von Maren Urner</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Burn-out-Syndrom umfasst drei Komponenten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2020 06:13:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Burnout]]></category>
		<category><![CDATA[Erschöpfung]]></category>
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					<description><![CDATA[Um zu klären, dass ein Mensch nicht ausgebrannt, sondern vor allem selbstverloren ist, muss man zunächst das Burn-out-Syndrom klären. Die Psychologin Christina Maslach hat viel dazu beigetragen, dem Burn-out-Syndrom auf die Spur zu kommen. Ihren Studien zufolge sind daran maßgelblich drei Komponenten beteiligt. Georg Milzner kennt sie: „Zum einen muss die Person eine ungewöhnliche, ja ... <a title="Das Burn-out-Syndrom umfasst drei Komponenten" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-burn-out-syndrom-umfasst-drei-komponenten.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Burn-out-Syndrom umfasst drei Komponenten">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Um zu klären, dass ein Mensch nicht ausgebrannt, sondern vor allem selbstverloren ist, muss man zunächst das Burn-out-Syndrom klären. Die Psychologin Christina Maslach hat viel dazu beigetragen, dem Burn-out-Syndrom auf die Spur zu kommen. Ihren Studien zufolge sind daran maßgelblich drei Komponenten beteiligt. Georg Milzner kennt sie: „Zum einen muss die Person eine ungewöhnliche, ja dramatische Erschöpfung erleben. Ihre Ressourcen scheinen aufgebraucht, Müdigkeit und Konzentrationsmangel sind häufig, der Schlaf bietet kaum ausreichend Erholung und ist oft zudem gestört.“ Es ist diese Komponente, bei der die Metapher des Ausgebranntseins am häufigsten andockt. Die zweite Komponente betrifft die Arbeit. Sie wird eigentümlich distanziert wahrgenommen, oft kommen kalte Ironie und Zynismus dazu. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut. <span id="more-2167"></span></p>
<p><strong>Burn-out-Betroffene erleben sich selbst nicht als effektiv Handelnde</strong></p>
<p>Das freudlose Lachen vieler vom Burn-out-Syndrom Betroffener vergisst man nicht leicht, wenn man es einmal gehört hat. Was Georg Milzner am meisten erschreckt, ist der Umstand, dass die zynische Haltung nicht nur die Arbeit selbst betrifft, sondern auch Personen, die mit dieser Arbeit zu tun haben. Wer die Arbeit mit Burn-out-Betroffenen kennt, der weiß, dass vor der Entwicklung der zynischen Haltung oftmals ein ungewöhnlicher Idealismus, eine besonders ausgeprägte Motivation zu beobachten war.</p>
<p>Zudem erleben Burn-out-Betroffene sich selbst nicht als effektiv Handelnde. Dies ist der dritte von Christina Maslach bestimmte Faktor. Oftmals haben die Betroffenen den Eindruck, alles versucht zu haben, und sind dennoch gescheitert. Psychologen sprechen in so einem Fall von einer fehlenden Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Der New Yorker Psychoanalytiker Herbert Freudenberger beschrieb schon in den 1970er Jahren erstmals die Symptome. Dabei stellte er, der sich als chronisch überlastet empfand, einen Bezug zu seinen eigenen Leben her.</p>
<p><strong>Für Michael Winterhoff ist die Überforderung ein Mythos</strong></p>
<p>Der Psychiater Michael E. Harrer zum Beispiel vertritt die Ansicht, dass Burn-out primär aus Überforderung resultiert. Dazu kommt ein Bedürfnis nach Stressreduzierung und Entschleunigung. Folgerichtig empfiehlt er Achtsamkeitsübungen. Diese vermögen die Stresssymptome wie auch allzu große Hektik zu korrigieren. Herbert Freudenberger hätte dem zugestimmt. Der Kinder- und Jugendpsychiater Michael Winterhoff meint dagegen, dass die gegenwärtig vielfach beschworene Überforderung ein Mythos sei. Man hat es, so Michael Winterhoff, eher mit einer abnormen Empfindlichkeit gegenüber dem Leistenmüssen zu tun.</p>
<p>In der Tat kann man nicht so einfach behaupten, dass Menschen in der westlichen Welt unter der Last ihrer Arbeit zusammenbrechen müssten. Jedenfalls nicht, wenn man die hier bestehenden Bedingungen mit denen vergleicht, die in ungleich ärmeren Ländern herrschen. Nicht bei jedem vom Burn-out Betroffenen kann man also von Überforderung sprechen. Inzwischen kennt die Forschung die körperlichen Folgen von Überforderung sehr genau: Es sind jene, die man auch Stresserkrankungen nennt. Dazu zählen Muskelverspannungen, Bluthochdruck und Herzprobleme, um nur einige zu nennen. Quelle: „Wir sind überall, nur nicht bei uns“ von Georg Milzner</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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