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	<title>Trauer &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Erinnerungen sind von Emotionen abhängig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 01:00:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
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										<content:encoded><![CDATA[<p>Einiges spricht dafür, dass die Genauigkeit von Erinnerungen, die Menschen abrufen können, auch von den emotionalen Gehalt abhängig ist, mit dem sie verknüpft sind. Kit Yates ergänzt: „Gefühle können Menschen dazu bringen, Aussagen zu akzeptieren, die sie sehr gern hören wollen, selbst wenn diese unlogisch sind – Psychologen sprechen dann von „Motivated Reasoning“ – Wunschdenken.“ Personen, die vor Kurzem einen gelebten Menschen verloren haben, befinden sich oft in einem derart emotional aufgewühlten Zustand. Viele Trauernde, die vielleicht nicht akzeptieren können oder wollen, dass der geliebte Mensch für sie nicht mehr erreichbar ist, sind geneigt, Wahrsager oder Medien aufzusuchen. Die Trauer, die mit dem Tod eines engen Freundes oder Verwandten einhergeht, ist ein schmerzhafter Prozess, und es ist nur allzu verständlich, dass sich die Leidtragenden nach tröstlichen Worten sehnen. Kit Yates lehrt an der Fakultät für mathematische Wissenschaften und is Co-Direktor des Zentrums für mathematische Biologie der University of Bath. <span id="more-6208"></span></p>
<p><strong>Kit Yates hat aus nächster Nähe die Tricks einer Wahrsagerin erlebt</strong></p>
<p>Kit Yates weiß: „Natürlich sind trauernde Klienten, die verzweifelt Kontakt zu einem geliebten, kürzlich verstorbenen Menschen suchen, besonders empfänglich für all die vagen Andeutungen, die ein Medium im Hinblick auf den Verstorbenen macht, und weniger kritisch, als sie es zu anderen Zeiten wären.“ Für Kit Yates war es amüsant, eine Wahrsagerin aufzusuchen, um aus nächster Nähe die Tricks zu erleben, die Medien, Hellseher und Mentalisten über Jahrtausende im Geschäft gehalten haben.</p>
<p>Für viele ist so ein Besuch jedoch ein verzweifelter Versuch, mit ihrer Trauer fertigzuwerden. Einigen ist praktisch kein Preis zu hoch für die Antworten, die sie suchen. Kit Yates stellt fest: „Nach besonders aufwühlenden Tragödien, wie Morden oder Vermisstenfälle, treten Horden selbst ernannter Detektive mit angeblich übersinnlichen Fähigkeiten nicht selten unaufgefordert an Menschen heran, die sich in einem besonders verletzlichen Zustand befinden.“</p>
<p><strong>Skrupellose Hellseher begehen übersinnlichen Betrug</strong></p>
<p>Nur in imageträchtigen Fällen kommt es regelmäßig vor, dass sich Hellseher unaufgefordert an ihre Opfer wenden. Kit Yates fügt hinzu: „Viele Menschen, die eine geliebte Person verloren haben, suchen jedoch von sich aus Wahrsager auf, um sich bei ihnen Trost zu holen. Bestenfalls kann ein solcher Besuch jedoch dazu führen, dass man die Sitzung mit dem Gefühl verlässt, man habe tatsächlich eine hilfreiche Botschaft von einem geliebten Verstorbenen oder einen guten Rat erhalten, und sich damit zufriedengibt.“</p>
<p>Leider sind einige Hellseher absolut skrupellos und begehen übersinnlichen Betrug. Für alle bis auf die Abergläubischsten erscheint der Ausdruck „übersinnlicher Betrug“ wie eine Tautologie. Kit Yates erläutert: „Zweifellos werden Menschen, die Hellseher aufsuchen, dazu gebracht, Geld für etwas zu bezahlen, das keinen wirklichen Wert besitzt – was eine gute Definition für Betrug ist.“ Der juristische Unterschied wird jedoch deutlich, wenn solche Scharlatane versuchen, ihren offensichtlich verletzlichen Klienten Geld abzunötigen. Quelle: „Wie man vorhersieht, womit keiner rechnet“ von Kit Yates</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Trauer ist nicht dasselbe wie Melancholie</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Jul 2024 01:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Manie]]></category>
		<category><![CDATA[Melancholie]]></category>
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					<description><![CDATA[Welche Instanz ist überhaupt in der Lage, die schonungslose Gewalt eines Teils des Selbst gegen den anderen zu begrenzen? Sigmund Freud erkennt eine mögliche Einschränkung der Selbstzerstörung, nämlich dann, „wenn das Ich sich nicht vorher durch den Umschlag in Manie seines Tyrannen erwehrt“. Judith Butler weiß: „Er verweist hier auf seine Abhandlung „Trauer und Melancholie“ ... <a title="Trauer ist nicht dasselbe wie Melancholie" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/sigmund-freud-unterscheiden-zwischen-trauer-und-melancholie.html" aria-label="Mehr Informationen über Trauer ist nicht dasselbe wie Melancholie">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Welche Instanz ist überhaupt in der Lage, die schonungslose Gewalt eines Teils des Selbst gegen den anderen zu begrenzen? Sigmund Freud erkennt eine mögliche Einschränkung der Selbstzerstörung, nämlich dann, „wenn das Ich sich nicht vorher durch den Umschlag in Manie seines Tyrannen erwehrt“. Judith Butler weiß: „Er verweist hier auf seine Abhandlung „Trauer und Melancholie“ (1917), wo er unterscheidet zwischen „Trauer“ mit wacher Einsicht in die Realität des Verlustes eines Menschen oder eines Ideals auf der einen Seite und „Melancholie“, die die Realität dieses Verlustes nicht anerkennt, auf der anderen.“ In der Melancholie wird der verlorene andere als Teil des Ichs internalisiert und in der Folge wird in der Psyche durch gesteigerte Selbstvorwürfe der Bezug des Ich zum verlorenen anderen wiederholt und ins Gegenteil verkehrt. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5513"></span></p>
<p><strong>Die Melancholie besteht aus zwei gegensätzlichen Neigungen</strong></p>
<p>Judith Butler ergänzt: „Der Vorwurf gegenüber der verlorenen Person oder dem verlorenen Ideal wendet sich gegen das Ich selbst. Damit wird der Bezug als lebendiger innerpsychischer Bezug bewahrt.“ Auch in dieser Abhandlung stellt Sigmund Freud klar, dass die entfesselte Feindseligkeit gegen das Ich potenziell tödlich ist. Der Schauplatz der melancholischen Selbstherabsetzung wird damit zum Modell für die spätere Topografie von Über-Ich und Ich. Die Melancholie besteht aus zwei gegensätzlichen Neigungen.</p>
<p>Nämlich erstens aus der Selbstbeschimpfung, die zur Hauptaktivität des „Gewissens“ wird, und zweitens aus der „Manie“, welche die Bindung an das verlorene Objekt kappen will und sich aktiv vom verlorenen Objekt lossagt. Judith Butler erläutert: „Die Manie mit ihren lebhaften Anklagen des Liebesobjekts und die gesteigerten Anstrengungen des Ich, die Bindung zum verlorenen Liebesobjekt oder Ideal abzubrechen, implizieren den Wunsch, den Verlust zu überleben und das eigene Leben nicht von ihm verschlingen zu lassen.“</p>
<p><strong>Nur zu oft führt der Weg von der Melancholie zum Über-Ich</strong></p>
<p>Die Manie ist gleichsam der Protest des lebenden Organismus gegen eine mögliche Zerstörung durch ein entfesseltes Über-Ich. Judith Butler fügt hinzu: „Schreibt sich im Über-Ich also der Todestrieb fort, widersetzt sich die Manie der gegen die Welt und das Selbst gerichteten Destruktivität. Die Manie sucht nach einem Ausweg aus dem Teufelskreis von Destruktivität und Gegen-Destruktivität.“ Nur zu oft führt der Weg von der Melancholie zum Über-Ich.</p>
<p>Aber die Gegentendenz, die Manie, eröffnet vielleicht andere Möglichkeiten des Widerstands gegen die Zerstörung. Judith Butler erklärt: „Die manische Kraft, die den Tyrannen bezwingen will, ist in gewisser Weise die Macht des Organismus zur Durchbrechung der Bande, die mutmaßlich der Identifizierung dienen.“ Der Organismus selbst ist schon ein Schwellenbegriff zwischen Somatischem und Seelischem und seine Aktivität daher kein bloß naturalistisches Aufbäumen des rebellischen Lebens. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Schuldgefühle können ein Schutzmantel sein</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 May 2023 01:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grübeln]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldgefühle]]></category>
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					<description><![CDATA[Einige der hartnäckigsten Schuldgefühle trotz erwiesener Unschuld, die Helga Kernstock-Redl in den letzten Jahren begegnet sind, enttarnten sich im Lauf der Zeit als Schutzmantel gegen erschreckende, belastende, vielleicht verbotene Gefühle. Wer beständig und intensiv über seine Schuld an einem Verlust nachdenkt, vermeidet vielleicht, den noch schwierigeren Weg durch die Trauer betreten zu müssen. Helga Kernstock-Redl ... <a title="Schuldgefühle können ein Schutzmantel sein" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/helga-kernstock-redl-hartnaeckige-schuldgefuehle.html" aria-label="Mehr Informationen über Schuldgefühle können ein Schutzmantel sein">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einige der hartnäckigsten Schuldgefühle trotz erwiesener Unschuld, die Helga Kernstock-Redl in den letzten Jahren begegnet sind, enttarnten sich im Lauf der Zeit als Schutzmantel gegen erschreckende, belastende, vielleicht verbotene Gefühle. Wer beständig und intensiv über seine Schuld an einem Verlust nachdenkt, vermeidet vielleicht, den noch schwierigeren Weg durch die Trauer betreten zu müssen. Helga Kernstock-Redl erläutert: „Sobald sich der eigene Anteil an einem Unglück innerlich überbreit macht, bleibt der Ärger auf die anderen Schuldigen im Hintergrund.“ Solche schützenden Gefühle sind kurzfristig nützlich. Doch über längere Zeiträume binden sie wertvolle Aufmerksamkeit und Energie, blockieren nützliche Entwicklung oder lenken Lösungsversuche in eine falsche Richtung. Es hilft auf Dauer nicht weiter, sich mit der Ablenkung zu beschäftigen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-4526"></span></p>
<p><strong>Eine Strategie der Vermeidung führt ins Grübeln</strong></p>
<p>Ähnliches gilt für Kontrollillusionen, die Schuldgefühle als Nebenprodukt liefern. Das menschliche Gehirn durchstöbert die Außenwelt beständig nach Ursachen und Einflussmöglichkeiten und findet sie – speziell in der Not – selbst dort, wo es gar keine geben kann. Denn die Anerkennung einer eigenen Schuldlosigkeit würde automatisch bedeuten, akzeptieren zu müssen: „Ich kann daher auch nichts daraus lernen, nichts besser und nichts anders machen. Es kann mir jederzeit wieder passieren.“ </p>
<p>Helga Kernstock-Redl weiß: „Allerdings führt diese Vermeidungsstrategie mitten hinein in das Grübel-Übel: Vielleicht könnte die Lösung ja noch gefunden werden, wenn man sich nur richtig stark darum bemüht, den eigenen Anteil, den Fehler, die übersehenen Anzeichen zu finden?“ Die Akzeptanz der Ohnmacht und der Trauer ist zwar ein steiniger, doch letztendlich nützlicher Weg, um sich davon zu befreien. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber manchmal muss man sie regelrecht erschlagen, um sie begraben zu können. </p>
<p><strong>Kinder sind nicht für die Stimmungen der Erwachsenen zuständig</strong></p>
<p>Sollte jemand vermuten, dass sich hinter dem Schuldgefühl ein anderes verbirgt, kann folgende Frage weiterhelfen: „Was würde wohl passieren, wenn das Schuldgefühl wie durch Zauberei verschwindet?“ Manche Menschen lassen sich ziemlich schnell Schuld einreden. Das trifft besonders Kinder, hilfsbereite oder liebende Erwachsene, die gern die Erwartungen anderer erfüllen wollen. Doch wohl jeder lässt sich hin und wieder von gut gemachten Vorwürfen überrumpeln. </p>
<p>Und außerdem ist in Stress- und Notsituationen sowieso jedes Gehirn hochgradig anfällig dafür, wie die Schuldübernahme in traumatischen Katastrophen zeigt. Helga Kernstock-Redl warnt: „Kindern darf man keinesfalls falsche Ursachen-Schuld überstülpen oder schädigende moralische Regeln vermitteln. Sie würden das unbesehen glauben müssen.“ Kinder sind auch nicht für die Entscheidungen und Stimmungen der Erwachsenen verantwortlich, können sich selbst nur unzureichend steuern und haben keinerlei Einfluss darauf, was sie selbst brauchen und fühlen. Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jan 2021 07:17:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
		<category><![CDATA[Verlust]]></category>
		<category><![CDATA[Zorn]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch wenn die „Trauer“ herkömmlicherweise nicht unter die reaktiven Haltungen gerechnet wird, liegt sie doch dem Zorn so nahe. Deshalb geht Martha Nussbaum zunächst darauf ein, worin sie sich von ihm unterscheidet. Die Trauer ist genau wie der Zorn auf einen entstandenen Schaden oder Verlust gerichtet. Martha Nussbaum schreibt: „Dieser Verlust ist schmerzhaft. Und in ... <a title="Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/trauer-und-zorn-sind-nur-schwer-zu-unterscheiden.html" aria-label="Mehr Informationen über Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn die „Trauer“ herkömmlicherweise nicht unter die reaktiven Haltungen gerechnet wird, liegt sie doch dem Zorn so nahe. Deshalb geht Martha Nussbaum zunächst darauf ein, worin sie sich von ihm unterscheidet. Die Trauer ist genau wie der Zorn auf einen entstandenen Schaden oder Verlust gerichtet. Martha Nussbaum schreibt: „Dieser Verlust ist schmerzhaft. Und in diesem Schmerz besteht die zentrale Ähnlichkeit zwischen den beiden Emotionen. Die Trauer aber konzentriert sich auf eine Ereignis. Bei dem kann es sich um eine von einer Person begangene Tat handeln, aber auch um ein natürliches Ereignis wie beispielsweise den Tod oder eine Naturkatastrophe.“ Und sie konzentriert sich auf den von diesem Ereignis verursachten Verlust. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. <span id="more-2480"></span></p>
<p><strong>Bei der Trauer liegt der Fokus auf dem Verlust</strong></p>
<p>Selbst wenn eine Person als Verursacher des Ereignisses gilt, liegt der Fokus auch weiterhin auf dem Verlust und richtet sich nicht etwa auf den Täter: Die Trauer macht nicht die Person zum Zielobjekt. Wenn es überhaupt ein Zielobjekt gibt, so ist es die verstorbene oder verschiedene Person. Die Frage der Unrechtmäßigkeit ist für die Trauer ebenfalls nicht zentral. Denn Verlust ist Verlust, egal, ob unrechtmäßig zugefügt oder nicht. Die Trauer trachtet nach der Wiederherstellung oder dem Ersatz des Verlorenen. Dagegen will der Zorn im Regelfall gegen den Täter vorgehen.</p>
<p>Die Trauer setzt bei der von dem Verlust hinterlassenen Lücke oder Leerstelle an, der Zorn bei dessen unrechtmäßiger Zufügung durch das Zielobjekt. Trauer und Zorn können selbstverständlich zusammen auftreten; manchmal lassen sich vielleicht schwer auseinanderhalten. Martha Nussbaum schreibt: „Nicht selten sucht eine trauernde Person jemanden die Schuld an dem Verlust zu geben, auch wenn die Beschuldigung keine sichere Möglichkeit bietet, die Kontrolle wiederherzustellen oder in einer Situation der Hilflosigkeit Würde zu behalten.“</p>
<p><strong>Trauer kann in ungewöhnlich starken Zorn umschlagen</strong></p>
<p>Das Umschlagen in Zorn allerdings bietet unter Umständen eine Möglichkeit, die verlorene Person oder Sache psychisch wiederherzustellen. In solchen Fällen kann die Trauer in einen ungewöhnlich starken Zorn umgelenkt werden, bei dem die ganze Energie der Liebe und des Verlusts auf die strafrechtliche Verfolgung gerichtet ist. Eine Quelle übersteigerten Zorns ist auch ein Widerwille gegen das Trauern und damit gegen das Eingeständnis der Hilflosigkeit. Das mühselige Aushandeln von Vergebung tritt häufig an die Stelle der Hilflosigkeit des Nachtrauerns.</p>
<p>Die Wiederherstellungsfantasie, die die Trauer oft begleitet, ist etwas Irrationales, wenn sie bestehen bleibt und das Leben der betreffenden Person in großen Teilen bestimmt. Martha Nussbaum weiß allerdings auch: „Die schmerzvolle Sehnsucht nach dem verlorenen Menschen lässt uns jedoch erkennen, welche immense Bedeutung er für uns hatte, und stellt somit eine wichtige Möglichkeit dar, unsere Lebensgeschichte als großes Ganzes zu verstehen und ihr entsprechend Sinn abzugewinnen.“ Lebt man sein Leben ohne Trauer weiter, ist es in sich unverbunden, ein Konglomerat von Versatzstücken. Quelle: „Zorn und Vergebung“ von Martha Nussbaum</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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