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	<title>Schuld &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Streitigkeiten durchlaufen meist drei Phasen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Sep 2025 01:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Opfer]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
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					<description><![CDATA[Die meisten Streitigkeiten durchlaufen drei Phasen, die laut dem Konfliktforscher und Psychologen Friedrich Glasl überall auf der Welt zu finden sind. Helga Kernstock-Redl erklärt: „Zu Beginn geht es um die Klärung von Differenzen und Sachfragen, Argumente werden genannt, eine intensive, vielleicht durchaus leidenschaftlich geführte „Diskussion mit Gefühl“ läuft ab.“ Von Schuld- und Opfergefühlen ist keine ... <a title="Streitigkeiten durchlaufen meist drei Phasen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/streitigkeiten-durchlaufen-meist-drei-phasen.html" aria-label="Mehr Informationen über Streitigkeiten durchlaufen meist drei Phasen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Streitigkeiten durchlaufen drei Phasen, die laut dem Konfliktforscher und Psychologen Friedrich Glasl überall auf der Welt zu finden sind. Helga Kernstock-Redl erklärt: „Zu Beginn geht es um die Klärung von Differenzen und Sachfragen, Argumente werden genannt, eine intensive, vielleicht durchaus leidenschaftlich geführte „Diskussion mit Gefühl“ läuft ab.“ Von Schuld- und Opfergefühlen ist keine Rede, es geht um Fragen wie zum Beispiel: „Wie finden wir eine Lösung? Was ist der beste Kompromiss? Wie kann ich meine Ansicht durchsetzen?“ Falls es nicht gelingt, fallen erste Anschuldigungen, das Thema „Gerechtigkeit“ kommt ins Spiel. In Phase zwei, dem „Gerechtigkeitskampf“ treten die ursprünglichen, vielleicht sachlichen Differenzen oder Ziele Schritt für Schritt in den Hintergrund. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-6256"></span></p>
<p><strong>In Phase zweit dominiert die Eskalation</strong></p>
<p>Schuld- und Opfergefühle übernehmen das Ruder, Ärger liefert den Treibstoff. Jetzt reicht eine konkrete Sachlösung, die in Phase eins diesen Konflikt sofort beendet hätte, nicht mehr aus – eine sicheres Zeiten der Eskalation. Sobald Helga Kernstock-Redl in einem Konflikt den Satz hört: „Aber es geht doch ums Prinzip!“, läuten bei ihr alle Alarmglocken, denn der Verstand und logische Kosten-Nutzen-Überlegungen haben sich vermutlich schon verabschiedet. </p>
<p>Die Beteiligten schaukeln einander vielleicht weiter emotional hoch. Helga Kernstock-Redl weiß: „Nahezu immer wird dabei die eigene Wahlfreiheit geleugnet, und damit Schuldzuweisungen und Schuldgefühle abzuschmettern.“ Das eigene Verhalten wird als „logische Konsequenz“ oder „angemessene Gegenwehr“ deklariert: „Ich konnte doch gar nicht anders. Wenn man so provoziert wird, muss man doch …!“ Dann folgt die Beschuldigung als Gegenschlag: „Aber Sie! Sie hätten doch wirklich ganz einfach …“ Andere Menschen beteiligten sich am Streit, mischen sich ein, wollen schützen oder verfolgen ganz eigene Ziele.</p>
<p><strong>In der allerletzten stürzen sich die Streitenden gemeinsam in den Abgrund</strong></p>
<p>Meist laden beide Seiten dazu ein, sammeln Unterstützungserklärungen, gewinnen Mitstreitende. Beide Seiten handeln gefühlt noch immer ehrenwert, streben sie doch „eigentlich“ nach Gerechtigkeit. Helga Kernstock-Redl fügt hinzu: „Irgendwann wird die andere Seite zum ultimativen Bösen erklärt, gegen das man sich mit aller Kraft wehren muss, um das erlittene Unrecht zu sühnen. Racheakte sind längst an die die Stelle von Vorwürfen getreten.“</p>
<p>Die allerletzte Phase nennt Friedrich Glasl treffend „Gemeinsam in den Abgrund“, die die Beteiligten haben sich blindwütig ineinander verbissen. Helga Kernstock-Redl stellt fest: „Irgendwann trifft hoffentlich eine obere Instanz eine Entscheidung, die sich auf ein allgemein anerkanntes Gesetz stützen muss. Oder die Lösung wird von einer mächtigen Autorität oder durch den Zusammenbruch der Kräfte einer Seite erzwungen.“ Nun gibt es möglicherweise offiziell die gewinnende und die verlierende Partei, doch in Wahrheit hat der Konflikt beide Seiten unfassbar viel Lebensqualität in Form von Zeit, Geld und Nerven gekostet. Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Unschuldig Notleidende verdienen Hilfe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Dec 2024 02:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Mitleid]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
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					<description><![CDATA[Helga Kernstock-Redl erläutert: „Echte Schuld entsteht nur bei einer ebenso echten Wahlmöglichkeit. Das durchzieht nicht nur die Gesetzeslage, sondern auch die menschliche Psyche – was natürlich kein Wunder ist, denn die Gesetze werden von Menschen gemacht.“ Wer nachweislich keine Wahl hatte, ist nicht oder zumindest weniger schuldig. Unschuldig Notleidende verdienen Hilfe. Doch bekommen sie diese ... <a title="Unschuldig Notleidende verdienen Hilfe" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/helga-kernstock-redl-echte-schuld.html" aria-label="Mehr Informationen über Unschuldig Notleidende verdienen Hilfe">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Helga Kernstock-Redl erläutert: „Echte Schuld entsteht nur bei einer ebenso echten Wahlmöglichkeit. Das durchzieht nicht nur die Gesetzeslage, sondern auch die menschliche Psyche – was natürlich kein Wunder ist, denn die Gesetze werden von Menschen gemacht.“ Wer nachweislich keine Wahl hatte, ist nicht oder zumindest weniger schuldig. Unschuldig Notleidende verdienen Hilfe. Doch bekommen sie diese auch? Fakt ist: Wer an der eigenen Not mitschuldig ist oder auch nur so erscheint, erfährt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht oder weniger Mitgefühl, geringere soziale Unterstützung und keine Entschädigung. Vielmehr werden ihr oder ihm von eigentlich guten Mitmenschen Schuldzuweisungen, manchmal sogar Beleidigungen durchaus aggressiv an den Kopf geworfen. Helga Kernstock-Redl ist jedenfalls der Meinung, dass wer Schmerzen und Schaden erleidet, zunächst Trost und Hilfe verdient. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-5790"></span></p>
<p><strong>Erst nach dem Hochstress kommt die Zeit für eine kritische Analyse</strong></p>
<p>Später kann man mit Betroffenen immer noch über mögliche Lernerfahrungen und Konsequenzen diskutieren. Helga Kernstock-Redl erklärt: „Erst nach dem Hochstress kommt die Zeit für eine kritische Analyse der Situation, denn das Selbst-Verschuldete ist vielleicht tatsächlich vielleicht das Selbst-Beeinflussbare.“ Helga Kernstock-Redl persönlich leidet sogar mehr, wenn sie sich an einer eigenen Verletzung Mitschuld geben muss, weil vielleicht ein Schuldgefühl oder Ärger über sich selbst dazukommt. Also verdient sie sogar mehr Mitgefühl.</p>
<p>Ursachen-Schuld soll gesucht, Strafen verteilt und Lernerfahrungen können angeregt werden – aber bitte erst, wenn der Notarztwagen wieder weg ist. Helga Kernstock-Redl stellt fest: „Der „Selber schuld, kein Mitleid“-Mechanismus hat eine folgenschwere Auswirkung, weil dadurch die leidenden Menschen von aggressiven Schuldzuweisungen und sozialer Abwendung getroffen werden können. Das kann seelisch tief verletzen oder wird zumindest gerechtfertigte Irritation auslösen.“</p>
<p><strong>Zum Mitleid gesellt sich manchmal Ohnmacht</strong></p>
<p>Die Ursachen für ungutes Verhalten, das leidende Menschen trifft, liegen nur selten darin, dass die anderen Menschen böse sind – obwohl es natürlich auch die gibt – sondern mehrheitlich im genauen Gegenteil: Einerseits handeln Helga Kernstock-Redls Erfahrung nach alle jene so, die ihre Empathie nicht regulieren können. Wer sich deshalb nicht abgrenzen kann, leidet enorm mit, ober er will oder nicht. Zum Mitleid gesellt sich vielleicht die Ohnmacht, dagegen nichts tun zu können.</p>
<p>Andererseits gibt es Mitmenschen, die ihren moralischen Gesetzen gemäß glauben, extrem hilfsbereit sein zu müssen oder immer alle retten zu können. Diese tendieren bekanntermaßen zu einem hohen Maß an Schuldgefühlen, wenn sie diese Gesetze nicht befolgen oder umsetzen können. Helga Kernstock-Redl weiß: „Beide Typen kann es entlasten, den Opfern möglichst viel Schuld zuzuweisen, bis hin zu einer Täter-Opfer-Umkehr, wie es der Sozialpsychologe Jens Förster treffend zusammenfasst.“ Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Kleinstkinder suchen Ungutes immer bei sich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Jan 2023 08:19:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Gehirn eines Kleinstkindes muss sogar die Ursache für Ungutes immer bei sich suchen. Manche Erwachsene fühlen sich quälend schuldig, sobald bestimmte, vielleicht traumatische Kindheitserinnerungen auftauchen. Oder sie folgen auch heute noch den mittlerweile veralteten Geboten aus jungen Jahren. Helga Kernstock-Redl weiß: „Kinder oder hochempathische Personen sind es auch, die sich für das Wohl und ... <a title="Kleinstkinder suchen Ungutes immer bei sich" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/helga-kernstock-redl-verantwortungsuebernahme.html" aria-label="Mehr Informationen über Kleinstkinder suchen Ungutes immer bei sich">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Gehirn eines Kleinstkindes muss sogar die Ursache für Ungutes immer bei sich suchen. Manche Erwachsene fühlen sich quälend schuldig, sobald bestimmte, vielleicht traumatische Kindheitserinnerungen auftauchen. Oder sie folgen auch heute noch den mittlerweile veralteten Geboten aus jungen Jahren. Helga Kernstock-Redl weiß: „Kinder oder hochempathische Personen sind es auch, die sich für das Wohl und Verhalten anderer vorschnell verantwortlich fühlen, obwohl – objektiv betrachtet – wirklich keinerlei Einflussmöglichkeit oder Verpflichtung da ist.“ In diesen Bereich fällt außerdem jede Form der Kollektivschuld oder Sippenhaftung: das Gefühl von Mitschuld, allein durch Zugehhörigkeit zur gleichen Berufsgruppe, Firma, Familie, Altersgruppe, zum gleichen Geschlecht oder Kulturkreis. Als Mitglied eines Systems kann selbstverständlich reale Mitverantwortung bestehen, doch eben nur dann, wenn man etwas beeinflussen oder mitbestimmen kann oder ein anerkanntes Gesetz dazu verpflichtet. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-4265"></span></p>
<p><strong>Kinder sind ihren Eltern keine Rückzahlung schuldig</strong></p>
<p>Manche Schuldgefühle entstehen wegen einer ungerechtfertigten Rückgabeverpflichtung. In diese Kategorie fallen zum Beispiel jene für Geschenke: Wer von den Genen, durch angeborene Fähigkeiten, durch Glück, Zufall oder einen Mentor begünstigt wurde, kann durchaus irrationale Schuldgefühle haben: „Ich habe das doch nicht verdient.“ Hat man ein Geschenk bekommen beziehungsweise angenommen, muss man keine Verantwortung für das Verhalten des Schenkenden übernehmen und ist daher nichts schuldig. </p>
<p>Helga Kernstock-Redl erklärt: „Aufgezwungenes oder Vorgetäuschtes zählt nicht, denn man hatte keine echte Wahlmöglichkeit. Kinder sind ihren Eltern grundsätzlich keine Rückzahlung schuldig, denn es ist ihr verbrieftes Recht, gut versorgt zu werden.“ Erwachsene leben verschiedene Beziehungsformen, doch im Prinzip ist eine gewisse Balance im Geben und Nehmen wohl schon günstig, denn bei aller Liebe: Niemand soll sich auf Dauer ausnutzen lassen oder andere ausnutzen dürfen. </p>
<p><strong>Es gibt eindeutig „falsche“ Gefühle</strong></p>
<p>Das Gehirn ist unglaublich erfinderisch, sobald es darum geht, Menschen mit Schuldgefühlen zu versorgen. Als ob es nichts anderes zu tun hätte – was ja schließlich teilweise sogar stimmt. Spätestens dann, wenn sich Menschen schuldig fühlen, obwohl klar weder ein Fehler gemacht wurde noch Schaden entstanden ist, zeigt das: Es gibt eindeutig „falsche“ Gefühle. Produziert werden sie meist entweder durch die üble Frage: „Was hätte da nicht alles passieren können?“ samt lebendig-bildhafter Katastrophenfantasie. </p>
<p>Manche Personen fühlen sich schuldig, zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein, keine Superkräfte gehabt, kein perfektes Gedächtnis oder nicht übermenschlich rasch reagiert zu haben. Helga Kernstock-Redl fügt hinzu: „Sie hadern mit sich, weil sie vor Jahren ohne echte Wahl eine Entscheidung getroffen haben, die ihnen selbst oder anderen heute noch Schaden verursacht.“ Zusätzlich werden die „nicht gelebten Leben“ in der Regel idealisiert – was leicht möglich ist, denn es gibt de facto keinen Gegenbeweis, der es mit diesem perfekten Produkt reiner Fantasie aufnehmen kann. Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Man kann wegen anderer schuldig werden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 21 Sep 2022 01:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Verantwortung]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine echte Wahl braucht das Wissen um mögliche Folgen der einzelnen Alternativen. Fahrlässigkeit bedeutet zum Beispiel, nicht genug aufgepasst oder sich nicht informiert zu haben, obwohl man die Möglichkeit beziehungsweise die Pflicht dazu gehabt hätte. Helga Kernstock nennt ein Beispiel: „Wir alle müssen daher einer Operation im Wissen um das Risiko zustimmen und sie somit ... <a title="Man kann wegen anderer schuldig werden" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/helga-kernstock-redl-echte-wahl.html" aria-label="Mehr Informationen über Man kann wegen anderer schuldig werden">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine echte Wahl braucht das Wissen um mögliche Folgen der einzelnen Alternativen. Fahrlässigkeit bedeutet zum Beispiel, nicht genug aufgepasst oder sich nicht informiert zu haben, obwohl man die Möglichkeit beziehungsweise die Pflicht dazu gehabt hätte. Helga Kernstock nennt ein Beispiel: „Wir alle müssen daher einer Operation im Wissen um das Risiko zustimmen und sie somit frei wählen – und entlasten damit das chirurgische Team von einer möglichen Schuld bei Komplikationen.“ Menschen können jedoch nicht wissen, was sie nicht wissen können. Doch das kann man dem Schuldsuchprogramm des Gehirns nur schwer erklären, das unbedingt Kausalzusammenhänge und Mitschuld samt Kontrollillusionen finden will. Genau deshalb ist die Frage nach der Wahlmöglichkeit ein enorm wichtiger Punkt bei der Prüfung von Schuldgefühlen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-3928"></span></p>
<p><strong>Erwachsene haben die volle Verantwortung für sich selbst</strong></p>
<p>Sobald eine andere Person, für die man von Rechts wegen Verantwortung hat, ein Gesetzt übertritt, zu Schaden kommt oder Schaden verursacht, kann man ebenfalls schuldig werden. Vorgesetzte tragen teilweise Verantwortung für die Leistung ihrer Mitarbeiter, Politiker für ihre Ressorts. Ausbilder haften vielleicht für die Aktionen von Auszubildenden und Eltern für ihre Kinder. Gesetze und Verträge geben das manchmal so eindeutig vor. Öfter jedoch bestimmen gesellschaftliche Normen, gewachsene Traditionen oder innerfamiliäre, anerzogene Regeln, wer wofür Verantwortung hat und eventuell die Schuld übernehmen muss. </p>
<p>In der psychologischen Arbeit gilt es zunächst zu klären, wer wofür Verantwortung hat. Helga Kernstock-Redl empfiehlt grundsätzlich, davon auszugehen, dass Erwachsene die volle Verantwortung für sich und das eigene Verhalten zu übernehmen haben. Weil Gefühle in einem Menschen manchmal unvermutet auftauchen, gilt Helga Kernstock-Redls Erfahrung nach: „Wir sind nicht schuld daran, was wir fühlen. Doch wir sind voll verantwortlich dafür, was wir mit einem Gefühl tun, ob wir ihm folgen, ob wir es verstärken oder aktiv schwächer machen, indem wir den Futterkreislauf unterbrechen.“ </p>
<p><strong>Es gibt eine Rangreihung im Sinne eines „höherwertigen Rechtsguts“</strong></p>
<p>Wer sich Geld ausleiht, muss es zurückzahlen, und wer sich vertraglich verpflichtet, eine bestimmte Leistung zu erbringen, ist schuldig, das auch zu tun. Helga Kernstock-Redl stellt fest: „Der Inhalt einer solchen Vereinbarung muss natürlich der Person, die sich dafür entscheidet, vorher bekannt sein und auch sonst die Kriterien einer echten Wahl erfüllen.“ Juristisch gesehen ist dieser Faktor also einfach. Bei Geschenken ist die Sache schon schwieriger. Also hat der Gesetzgeber das genau definieren müssen. </p>
<p>Es gibt Umstände, durch die eine Person „im Recht“ sein kann, obwohl sie eigentlich ein Gesetz missachtet. Eine der wichtigsten davon ist die Rangreihung im Sinne eines „höherwertigen Rechtsgut“. Der Schutz des Lebens zählt zum Beispiel mehr als der Schutz von Gütern. Rechte können ebenfalls Schuld eindämmen. Bei Gewalt gibt es den Begriff der angemessenen Notwehr, denn man darf sich bei einem verbalen Angriff verbal, bei einem körperlichen Angriff durchaus gewaltsam schützen. Quelle: „Schuldgefühle“ von Karin Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Über Konflikte muss man diskutieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Jul 2022 01:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Konflikt]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
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					<description><![CDATA[Treten Konflikte auf, muss man darüber diskutieren. Denn die unterschiedlichen Erwartungen braucht niemand einfach so, weil es eben so ist, akzeptieren. Dieses Recht haben aber natürlich die Mitmenschen auch, die müssen ebenfalls nicht die eigenen Gesetze fraglos anerkennen. Helga Kernstock-Redl rät: „Bei unterschiedlichen Auffassungen, enttäuschten Erwartungen und Konflikten ist es immer zielführend, zuerst die dazugehörigen, ... <a title="Über Konflikte muss man diskutieren" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/helga-kernstock-redl-konflikte.html" aria-label="Mehr Informationen über Über Konflikte muss man diskutieren">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Treten Konflikte auf, muss man darüber diskutieren. Denn die unterschiedlichen Erwartungen braucht niemand einfach so, weil es eben so ist, akzeptieren. Dieses Recht haben aber natürlich die Mitmenschen auch, die müssen ebenfalls nicht die eigenen Gesetze fraglos anerkennen. Helga Kernstock-Redl rät: „Bei unterschiedlichen Auffassungen, enttäuschten Erwartungen und Konflikten ist es immer zielführend, zuerst die dazugehörigen, inneren Gesetzestexte herauszuarbeiten, zu vergleichen und dann eventuell im gemeinsamen Gespräch zu überprüfen.“ Vielleicht lässt sich so Klärung und Einigung erzielen.“ Schuldig im Sinne der Rechtsprechung kann nur werden, wer zurechnungsfähig ist und in einer konkreten Situation auch so handeln kann. Echte Schuld braucht dementsprechend innere Steuerungsmöglichkeit, Vernunft und Denkvermögen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-3782"></span></p>
<p><strong>Kinder können nicht schuldhaft im juristischen Sinn handeln</strong></p>
<p>Diese Fähigkeiten können laut Gesetz keinem Kind zur Verfügung stehen. Auch für Erwachsene vermindern manche seelischen oder körperlichen Zustände mit reduzierter oder fehlender Zurechnungsfähigkeit die Schuld. Sie machen manchmal sogar schuldunfähig, ihnen wird dann vielleicht jemand zur Seite gestellt, der teilweise oder volle Verantwortung übernimmt. Dieser Faktor wird, besonders wieder in Konflikten, heiß diskutiert: „Ich war so überlastet und konnte nicht klar denken.“ </p>
<p>Eine fundamental wichtige Grundsatzentscheidung war es, in weiten Teilen der Welt gesetzlich zu verankern, dass Kinder noch gar nicht die notwendigen Fähigkeiten haben, wirklich schuldhaft im juristischen Sinn zu handeln. Helga Kernstock-Redl erklärt: „Sie können die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen, sich nicht gut selbst steuern und sind noch einfacher beeinflussbar als wir Erwachsene.“ Im familiären und schulischen Alltag ist man jedoch nicht vor Gericht. Schuldig im Sinne der Rechtsprechung wird nur, wer sich für ein unrechtes Verhalten entscheidet, obwohl er sich für das rechte hätte entscheiden können. </p>
<p><strong>Der „rechtfertigende Notstand“ ist schuldmindernd</strong></p>
<p>Nur wer eine Wahl hat, hat auch eine Schuld. Eine verminderte Wahlmöglichkeit kann aus psychischen, körperlichen oder situativen Notlagen heraus entstehen: Der „rechtfertigende Notstand“ wirkt genau deshalb schuldmindernd, Krankheiten oder emotionale Ausnahmezustände ebenfalls. Wegen Hunger zu stehlen, verursacht weniger Schuld und daher geringere Strafe als ein Diebstahl aus Langeweile. Auf die fehlende Wahlmöglichkeit zu pochen, gehört zu den beliebtesten Argumenten bei eskalierenden Streitigkeiten. </p>
<p>Helga Kernstock-Redl betont: „Wahlmöglichkeiten aufzuzeigen, lässt übrigens Schulgefühle entstehen – samt der kostbaren Bereitschaft zu einer Entschuldigung.“ Im Alltag kann die Prüfung dieses Faktors sehr hilfreich sein. Helga Kernstock-Redl begegnen Menschen mit überaus quälenden Schuldgefühlen, weil sie falsche Entscheidungen getroffen haben, dabei aber keine echte Wahl hatten. Denn es ist natürlich keineswegs so, dass jede freie Entscheidung, jede selbst gewählte Handlung, die eine Kette von Ereignissen nach sich zieht, automatisch zu echter Ursachen-Schuld führen muss. Quelle: „Schuldgefühle von Karin Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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			</item>
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		<title>Schuldzuweisungen sind massiv verletzend</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jun 2022 01:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldzuweisung]]></category>
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					<description><![CDATA[Hinter verzweifelten oder zornigen Schuldzuweisungen steckt in manchen Fällen das Bedürfnis nach einem Sicherheitsgefühl. Helga Kernstock Redl erläutert: „Unterschiede und schuldhafte Fehler werden sogar extra konstruiert, um einem Pechvogel, möge dieser in Wahrheit noch so unschuldig an einer Situation sein, Mitschuld an seinem Unglück zuzuweisen.“ Für Angehörige von Verstorbenen, Kranken oder Verunfallten ist das naturgemäß ... <a title="Schuldzuweisungen sind massiv verletzend" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/helga-kernstock-redl-schuldzuweisungen.html" aria-label="Mehr Informationen über Schuldzuweisungen sind massiv verletzend">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hinter verzweifelten oder zornigen Schuldzuweisungen steckt in manchen Fällen das Bedürfnis nach einem Sicherheitsgefühl. Helga Kernstock Redl erläutert: „Unterschiede und schuldhafte Fehler werden sogar extra konstruiert, um einem Pechvogel, möge dieser in Wahrheit noch so unschuldig an einer Situation sein, Mitschuld an seinem Unglück zuzuweisen.“ Für Angehörige von Verstorbenen, Kranken oder Verunfallten ist das naturgemäß kränkend, für Betroffene selbst sind solche Reaktionen regelrecht katastrophal und seelisch massiv verletzend. Werden sie dann noch durch eine mediale Form der Informationsaufbereitung, die den Opfern Schuld zuweist, gezielt in der Denkrichtung beeinflusst und emotionalisiert, lässt sich noch sicherer auf diejenigen schimpfen, die schließlich „an ihrem Unglück selbst schuld“ sind. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-3629"></span></p>
<p><strong>Manchmal sind Schuldgefühle einfach nur unvernünftig</strong></p>
<p>Ein weiterer Nebeneffekt: Wer selbst schuld ist, verdient, so eine allgemein verbreitete Ansicht, kein Mitleid. Man kann sich selbstzufrieden und schuldgefühlsfrei abwenden und noch dazu in Sicherheit wiegen. Helga Kernstock-Redl stellt fest: „Wer von uns diese Dynamik erkennt, muss da vielleicht nicht mehr gedankenlos mitmachen, obwohl das unser Gehirn das gerne hätte.“ Nahezu täglich fragen Helga Kernstock-Redl Menschen, ob sie „wirklich schuld“ sind. </p>
<p>Daher ist es extrem wichtig, eine möglichst klare Vorstellung darüber zu haben, unter welchen Umständen ein Schuldgefühl als „gerechtfertigt“ akzeptiert werden muss, weil man „reale“ Schuld auf sich geladen hat. In den anderen Fällen kann man es getrost als unvernünftig und „irrational“ bezeichnen, weil die Umstände eine Person unschuldig machen oder das innere Gesetz, dass dadurch schonungslos sichtbar wird, guten Gewissens verworfen werden kann. Helga Kernstock-Redl schlägt einige Faktoren vor, um „echte“ Schuld zu definieren. </p>
<p><strong>Ohne eine Gesetzübertretung entsteht keine Schuld</strong></p>
<p>Es lohnt sich für jeden Menschen von Rechtsexperten und Juristen zu lernen. Denn dabei merkt man schnell: Die grundlegende Logik und die Prinzipien der Rechtsprechung kann man durchaus auf psychologische Fragestellungen und Alltagssituationen übertragen. Helga Kernstock-Redl betont: „Die Rechtsprechung gibt uns ein gutes Grundgerüst und eine Anleitung dafür zu erforschen, ob unser inneres Schuldgefühl in anderen Lebensbereichen gerechtfertigt ist.“ Wann also lädt man tatsächlich Schuld auf sich?</p>
<p>Schuldig wird, wer ein Gesetz bricht oder ein Recht missachtet. Und zwar nur dann. Ohne eine Gesetzesübertretung entsteht keine Schuld und niemand muss sich schuldig fühlen. Gesetze im juristischen Sinn definieren für unterschiedlichste Lebensbereiche, was richtig und was falsch ist. Soziale Spielregeln und moralische Gesetze sind hingegen selten niedergeschrieben. Wenn doch, gibt es vielleicht eine offizielle und zusätzlich eine alltägliche, informelle Variante. Sobald einem die Übertretung eines solchen Gesetzes vorgeworfen wird, gilt es zunächst zu erforschen: Ist es tatsächlich so anerkannt und allgemeingültig, dass man sich danach richten will? Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Gehirn sucht beharrlich nach Schuld</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/das-gehirn-blendet-unpassendes-aus.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jul 2021 01:00:18 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
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					<description><![CDATA[Es ist eine der zentralen Aufgaben des menschlichen Gehirns, Schuld in all ihren Facetten, manchmal samt dazugehörigen Schuldgefühlen, beharrlich zu suchen. Helga Kernstock-Redl erklärt: „Sein intensives, automatisches Lernen dient unter anderem dazu, Ursachen zu finden, Erfahrungen zu verallgemeinern und daraus Erwartungen an andere und an sich selbst zu bilden.“ Genau daraus entstehen die sozialen und ... <a title="Das Gehirn sucht beharrlich nach Schuld" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-gehirn-blendet-unpassendes-aus.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Gehirn sucht beharrlich nach Schuld">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist eine der zentralen Aufgaben des menschlichen Gehirns, Schuld in all ihren Facetten, manchmal samt dazugehörigen Schuldgefühlen, beharrlich zu suchen. Helga Kernstock-Redl erklärt: „Sein intensives, automatisches Lernen dient unter anderem dazu, Ursachen zu finden, Erfahrungen zu verallgemeinern und daraus Erwartungen an andere und an sich selbst zu bilden.“ Genau daraus entstehen die sozialen und moralischen Regeln in einer Gesellschaft. Das Gehirn neigt dazu, Unpassendes auszublenden oder Unerwartetes als Störung zu betrachten. Schlechte Frage können seine so geniale Funktion einer Suchmaschine lahmlegen. Es mag sich und die Betroffenen durch das Finden von guten Gestalten entlasten und braucht die Klärung der Schuldfrage als Schlusspunkt. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-2805"></span></p>
<p><strong>Das Gehirn lernt ständig neue Zusammenhänge</strong></p>
<p>Und schließlich dienen Schuldgefühle nicht nur dem Erhalt von Kontakt und Gemeinschaft. Die Suche danach verhilft zu mehr Sicherheit, Kontrollgefühlen und Kausalzusammenhängen – oder wenigstens zur Illusion davon. Zwei Bereiche des klugen menschlichen Kopfes dienen vorrangig einem Zweck: Zusammenhänge zu lernen. Genauer gesagt hält das Gehirn ständig Ausschau nach Gleichzeitigkeit, nach Reihenfolgen und echten Kausalzusammenhängen, also Ursachen und ihren Auswirkungen. Auf dieser Basis liefert es Erwartungen, damit sich Menschen besser in der Welt zurechtfinden und sie vielleicht sogar verändern können.</p>
<p>Echte Ursache-Wirkung-Verknüpfungen zu verstehen, wurde zum absoluten Renner beim Kampf um die Spitze der Nahrungskette, ein Ansporn zur permanenten Weiterentwicklung des menschlichen Gehirns. Leider sieht man Kausalzusammenhänge manchmal auch dort, wo gar keine sind. Helga Kernstock-Redl erläutert: „Aus einer Gleichzeitigkeit oder einer zeitlichen Wenn-dann-Reihenfolge konstruieren Menschen seit Urzeiten gern und oft ein Ursachengefüge: weil – deshalb.“ Seit Steinzeiten neigt also jedes kluge Gehirn dazu, diese typische Dummheit zu machen und Kausalzusammenhänge zu erfinden, vor allem im Hochstress oder in emotional aufwühlenden Situationen. </p>
<p><strong>Korrekte Vorhersagen erlauben exakte Pläne für die Zukunft</strong></p>
<p>Das menschliche Gehirn sucht geradezu verzweifelt Ursachen-Schuldzuweisungen. Wenn es keine findet, erfindet es sich gern mal welche. Schlimmstenfalls führt das zu zwischenmenschlichen Katastrophen, weil zum Beispiel einzelne Gruppen kollektiv beschuldigt werden, Ursache eines Ungemachs zu sein, und deshalb verfolgt werden. Im eher harmlosen Fall entwickeln Menschen plötzlich abergläubische Rituale. Bestenfalls jedoch ermöglichen solche Ursachen-Suchen eine korrekte Schlussfolgerung und dadurch eine Erwartung, also eine Vorhersage. </p>
<p>Man überprüft das Ergebnis, sieh sich bestätigt oder bemerkt den Irrtum und stellt dazu eine neue Theorie auf. Helga Kernstock-Redl fügt hinzu: „Wir verallgemeinern die Erkenntnisse, aber forschen weiter, solange es keine Abweichungen gibt, die mit den Erwartungen nicht übereinstimmen.“ Damit werden die Warum-Frage und die Ursachensuche zum Antrieb für die Entwicklung jeder Fähigkeit oder Wissenschaft. Korrekte Vorhersagen erlauben exakte Pläne für die Zukunft. Erwartungen erfüllen sich. Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt verschiedene Schuldarten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 Jan 2021 07:42:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldgefühle]]></category>
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					<description><![CDATA[Für Helga Kernstock-Redl gibt es bei näherer Betrachtung unterschiedliche Schuldarten. Die „Moral-Schuld“ ist eine Frage der Ehre. Gute Menschen tun dies oder jenes nicht. Daneben steht die konventionelle oder „Regel-Schuld“. In einem Umfeld gelten diese, im anderen andere soziale Regeln. Schon früh unterscheiden Kinder diese beiden Schuldarten. Sie bewerten die Moral-Schuld völlig anders als eine ... <a title="Es gibt verschiedene Schuldarten" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/es-gibt-verschiedene-schuldarten.html" aria-label="Mehr Informationen über Es gibt verschiedene Schuldarten">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Für Helga Kernstock-Redl gibt es bei näherer Betrachtung unterschiedliche Schuldarten. Die „Moral-Schuld“ ist eine Frage der Ehre. Gute Menschen tun dies oder jenes nicht. Daneben steht die konventionelle oder „Regel-Schuld“. In einem Umfeld gelten diese, im anderen andere soziale Regeln. Schon früh unterscheiden Kinder diese beiden Schuldarten. Sie bewerten die Moral-Schuld völlig anders als eine bloße Regel-Schuld. Für allergrößte Verwirrung sorgt jedoch die dritte Form, die „Ursachen-Schuld“. Helga Kernstock-Redl weiß: „Schuldgefühle und die dahinter stehenden Regeln können eingeredet werden. Sei es manipulativ oder mit guter Absicht. Manches ist ein simples Missverständnis, verursacht durch Ungenauigkeiten unserer Sprache.“ Es gibt in zwei von zehn Fällen weitere Ursachen, die einem Schuldgefühl zugrunde liegen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-2477"></span></p>
<p><strong>Das Schuldgefühl verschickt Botschaften</strong></p>
<p>Vielleicht ist das Schuldgefühl Ausdruck einer „Gefühls-Infektion“. Gefühle sind nämlich ansteckender als jede Grippe, weil Empathie im Spiel ist. In Gegenwart eines Menschen, der sich immer schuldig fühlt, kann man selbst sofort das Gleiche empfinden. Man schwingt dabei mit dem Gefühl des anderen mit. Die Alltagssprache nennt es Mitleid. Helga Kernstock-Redl schreibt: „Ich fühle empathisch, was du fühlst – so stark dass es anstrengend ist, das Eigene vom anderen zu unterscheiden.“</p>
<p>Eine weitere Ursache sind Erlebnisse reiner, unschuldiger Ohnmacht. Diese Form taucht sehr häufig bei extrem oder frühkindlich traumatisierten Menschen auf. Das Schuldgefühl schickt einem Menschen die Botschaft über einen Gesetzesbruch: „Du hast etwas falsch gemacht.“ Indirekt suggeriert es jedoch damit eine zweite Botschaft: „Du hättest es also richtig machen können. Du hattest die Wahl. Das nächste Mal kannst und musst Du besser sein.“ Was auf den ersten Blick als mühselige Aufforderung zur Verhaltensänderung erscheint, kann in der Not zu einem wichtigen Überlebensfaktor werden.</p>
<p><strong>Das Schuldgefühl kann als Schutzmantel dienen</strong></p>
<p>Das Schuldgefühl erzeugt Illusionen der Kontrolle, eine Überlebensstrategie der Psyche, um lähmende Hoffnungslosigkeit nicht spüren zu müssen. Daher bezeichnet man diesen Mechanismus in der Schematherapie nach Eckhart Roedinger als Escape-Strategie. In dieser Schutzmantelfunktion überdeckt das Schuldgefühl fallweise unerträgliche Trauer, Wut, erloschene Liebe oder Angst. Immer stehen dann Gefühle oder Tatsachen dahinter, die nach Ansicht der eigenen Psyche noch weit unerträglicher wären.</p>
<p>Darunter fallen auch die bösen Seiten von überlebenswichtigen Personen. Misshandelte Kinder, betrogene Erwachsene oder Entführungsopfer fühlen plötzlich, als wären sie an ihrer Not selbst schuld. Letzteres wurde unter dem Namen „Stockholm-Syndrom“ bekannt. Die Psyche kann als Schuldgefühle in einer Notsituation erfinden – als Überlebensstrategie und Schutzmantel. Schuldgefühle tauchen also natürlich nicht nur aufgrund verständlicher Ursachen auf, sie verfolgen auch nützliche Ziele. Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Es gibt kein eindeutiges Muster des Schuldgefühls</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Nov 2020 06:41:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
		<category><![CDATA[Schuldgefühle]]></category>
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					<description><![CDATA[Schuldgefühle kommen in allen menschlichen Kulturen überall auf der Welt vor. Helga Kernstock-Redl weiß: „Sie müssen nicht erlernt werden, sondern gehören zu unserer biologischen Grundausstattung. Allerdings kann man ihnen, anders als beispielsweise Freude, Ekel oder Angst, keine klare Mimik und keine immer gleichen Reaktionen zuordnen.“ Die psychologische Forschung konnte kein eindeutiges Muster des Schuldgefühls finden, ... <a title="Es gibt kein eindeutiges Muster des Schuldgefühls" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/es-gibt-kein-eindeutiges-muster-des-schuldgefuehls.html" aria-label="Mehr Informationen über Es gibt kein eindeutiges Muster des Schuldgefühls">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Schuldgefühle kommen in allen menschlichen Kulturen überall auf der Welt vor. Helga Kernstock-Redl weiß: „Sie müssen nicht erlernt werden, sondern gehören zu unserer biologischen Grundausstattung. Allerdings kann man ihnen, anders als beispielsweise Freude, Ekel oder Angst, keine klare Mimik und keine immer gleichen Reaktionen zuordnen.“ Die psychologische Forschung konnte kein eindeutiges Muster des Schuldgefühls finden, weder im Körper noch im Gehirn. Man sieht deshalb anderen Personen nicht immer an, ob sie sich schuldig fühlen. Nur die Betroffenen selbst spüren es. Und manchmal nicht einmal die, denn es verbirgt sich gern hinter anderen Gefühlen, die weniger ängstigend, unangenehm oder schwächend sind. Dadurch kann man Rückschlüsse auf das Gefühl dahinter ziehen: Bedrücktheit, Unruhe, Verhaltensweisen in Richtung von Widergutmachung und Entschuldigung. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.  <span id="more-2423"></span></p>
<p><strong>Manchen Menschen fehlt ein Unrechtsbewusstsein</strong></p>
<p>Oder ein unverhältnismäßiger Gegenangriff, rechtfertigende Schuldabwehr oder Vorwürfe lassen vermuten, dass ein Schuldgefühl zwar da ist, aber abgewehrt werden muss. Manchen Menschen fehlt vielleicht sogar wirklich ein Unrechtsbewusstsein. Helga Kernstock-Redl ergänzt: „Doch einige Mitmenschen scheinen einen eigenen Fehler unter keinen Umständen zugeben zu wollen. Sie weisen deshalb sofort und auffallend vehement alle Schuld anderen zu.“</p>
<p>Sobald man beginnt, ein Schuldgefühl zu beobachten, bemerkt man, dass es nicht einsam wie jedes andere in der Psyche herumsteht. Es geht immer Hand in Hand mit anderen Aktivitäten der Innenwelt. Typisch sind zum Beispiel die selbstquälenden Gedanken darüber. Dazu kommen Veränderungen der Wahrnehmung, die meist dazu führen, den eigenen Anteil übermäßig groß zu bewerten. Erinnerungen über frühere Verfehlungen tauchen auf. Bilder und Filme versorgen das Selbst permanent mit Details darüber, was man Schlimmes verursacht haben könnte.</p>
<p><strong>Vermeidungsverhalten verstärkt die Angst</strong></p>
<p>Dabei entstehen Verhaltensimpulse, oft in Richtung von Wiedergutmachung und der Körper reagiert. Er fühlt sich trotz aller Unruhe irgendwie schwer und gedrückt an. Angst beispielsweise erzeugt Vermeidungsverhalten, das die Angst noch verstärkt. Trauer schickt einem Menschen Fantasiebilder darüber, was man durch den Verlust nun alles nicht mehr erleben kann. Das macht noch trauriger. Freude dagegen verursacht Lächeln. Diese Mimik, auch wenn sie künstlich erzeugt wird, hebt die Stimmung manchmal noch ein wenig an.</p>
<p>Ärger verändert die Wahrnehmung eines Menschen, sodass er ein Verhalten rasch einmal als Aggression umdeutet. Menschen können sich sogar über viele Jahre hinweg grausam schuldig fühlen wegen Dingen, die nie passiert sind. Die Fantasie einer Katastrophe allein reicht dabei schon. Dazu braucht es laut Helga Kernstock-Redl ein hochentwickeltes Gehirn: „Kein Lebewesen kann uns hierbei das Wasser reichen, wohl nicht einmal jene, die uns am ähnlichsten sind, die Primaten.“ Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Viele meiden das Wort „Schuld“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 30 Oct 2020 07:18:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Schuld]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeder Mensch hat mehr oder weniger starke Gefühle, ob er das nun will oder nicht. Eines davon ist das Schuldgefühl, das oft in Hand in Hand mit Angst, Scham und Ärger über sich selbst auftaucht. Helga Kernstock-Redl erläutert: „Es kann überaus unangenehm werden, doch das ist keine selbstlose Selbstquälerei.“ Die Dynamik des Schuldgefühls ist sogar ... <a title="Viele meiden das Wort „Schuld“" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/viele-meiden-das-wort-schuld.html" aria-label="Mehr Informationen über Viele meiden das Wort „Schuld“">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jeder Mensch hat mehr oder weniger starke Gefühle, ob er das nun will oder nicht. Eines davon ist das Schuldgefühl, das oft in Hand in Hand mit Angst, Scham und Ärger über sich selbst auftaucht. Helga Kernstock-Redl erläutert: „Es kann überaus unangenehm werden, doch das ist keine selbstlose Selbstquälerei.“ Die Dynamik des Schuldgefühls ist sogar ziemlich einfach. Obwohl es auf den ersten Blick ziemlich kompliziert wirkt. Doch die wenigsten Menschen möchten darüber nachdenken, schon das Wort „Schuld“ meiden viele. Fast niemand will also gern selbst solche Gefühle selbst spüren. Aber doch manchmal scheint das menschliche Gehirn sie regelrecht zu suchen. Wenn es keine findet, kann es sogar welche erfinden. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Ihre große Leidenschaft gilt dabei der Psychologie der Gefühlswelt. <span id="more-2413"></span></p>
<p><strong>Einzelne Menschen fühlen sich frei von Schuldgefühlen</strong></p>
<p>Spätestens im Kindergarten fangen die Kleinen an, Schuldgefühle zu vermeiden. Sie wehren Schuldzuweisungen ängstlich ab und kämpfen um die größere Opferrolle. Und in vielen Firmen sucht nach einem Fehler niemand nach einer Lösung, sondern alle Energie fließt in die Frage: „Wer hat Schuld?“ Einzelne Menschen wiederum fühlen sich gänzlich frei von Schuldgefühlen, obwohl man sich nur wünschen kann, sie hätten das eine oder andere, damit sie weniger Unheil anrichten.</p>
<p>Tausende Textzeilen sind über die philosophischen, juristischen, religiösen, ethischen und analytischen Ansichten rund um Schuld, Opfer und Gerechtigkeit geschrieben worden. Sie gehören mit Sicherheit zu den mächtigsten Emotionen überhaupt. Daher finden sich dieses und verwandte Themen wie Gerechtigkeit oder Sühne bereits in den allerältesten, überlieferten Schriften der Menschheitsgeschichte: im Gilgamesch-Epos, in der Ilias von Homer, in vielen Mythen oder religiösen Texten. Mehr denn je ist es ein Hauptthema einflussreicher Werke großer Schriftsteller und Künstler.</p>
<p><strong>Schuldgefühle kommen in vielen Lebenssituationen vor</strong></p>
<p>Die intensive Beschäftigung damit ist für Helga Kernstock-Redl nicht verwunderlich: Schuldgefühle bilden ein zentrales Thema in vielen Lebenssituationen, in Krisen und Konflikten sowie bei Krankheiten. Schuldgefühle sind auch nicht unbekannt in Familien und am Arbeitsplatz, in der Politik und in allen Medien. An jedem einzelnen Tag wird man bei Entscheidungen und im Kontakt mit anderen damit konfrontiert. Lange Zeit war Helga Kernstock-Redl sogar der Ansicht, die Gefühle von Schuld und Gerechtigkeit unterscheiden die Menschen von den Tieren.</p>
<p>Die Psychologin gibt zu, sich dabei gründlich geirrt zu haben. Denn zumindest Primaten können ohne jeden Zweifel Schuld fühlen und kennen auch Wege, sich davon zu befreien. Wer nun glaubt, ein so komplexes Gefühl müsse kompliziert sein, täuscht sich glücklicherweise. Seine innere Dynamik folgt bestimmten psychologischen Gesetzen, die so verständlich – wenn auch nicht so verbindlich – sind wie die Naturgesetze der Physik. Deshalb hat jedes wichtige Schuldgefühl wichtige Ursachen. Quelle: „Schuldgefühle“ von Helga Kernstock-Redl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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