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	<title>Lebensstil &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Die Kultur durchdringt die Lebensführung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2021 02:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Authentizität]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
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					<description><![CDATA[In der heutigen Zeit soll die Arbeit nicht nur mehr dem Gelderwerb dienen, sondern auch intrinsisch motiviert sein, soll Sinn stiften und Freude machen. Außerdem werden aktuell Partnerschaften nicht mehr aus bloßer sozialer Verpflichtung eingegangen, Ehen geschlossen oder Familien gegründet, sondern in der Erwartung, sich dadurch als Individuum weiterzuentwickeln, seine Freizeit auf befriedigende Weise gemeinsam ... <a title="Die Kultur durchdringt die Lebensführung" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/andreas-reckwitz-selbstverwirklichung-2.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Kultur durchdringt die Lebensführung">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>In der heutigen Zeit soll die Arbeit nicht nur mehr dem Gelderwerb dienen, sondern auch intrinsisch motiviert sein, soll Sinn stiften und Freude machen. Außerdem werden aktuell Partnerschaften nicht mehr aus bloßer sozialer Verpflichtung eingegangen, Ehen geschlossen oder Familien gegründet, sondern in der Erwartung, sich dadurch als Individuum weiterzuentwickeln, seine Freizeit auf befriedigende Weise gemeinsam zu gestalten und „neue Erfahrungen“ etwa auch mit den Kindern zu machen. Andreas Reckwitz fügt hinzu: „Man isst nicht nur, um satt zu werden, sondern das, was richtig, gut und gesund ist. Und weil man etwas Besonderes sehen und erleben will, macht man keinen „Urlaub von der Stange“, sondern verreist etc. etc.&#8220; Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder. <span id="more-3144"></span></p>
<p><strong>Das spätmoderne Subjekt strebt nach Authentischem</strong></p>
<p>Im Zuge dieser konsequenten Durchkulturalisierung des Alltags kristallisiert sich ein Muster heraus, nämlich das einer Lebensführung als Kultur – eines Lebensstils, dessen sämtliche Bestandteile zur Kultur, also von eigenem Wert werden. Diese Kulturalisierung des Alltags ist für Andreas Reckwitz zugleich Singularisierungsarbeit: „Man sucht nach dem Einzigartigen oder ist bestrebt, etwas durch eigene Gestaltung zu etwas Singulärem, das heißt ausgestattet mit erheblicher Eigenkomplexität, zu machen.“</p>
<p>Das gilt für die Arbeit ebenso wie für die Partnerschaft, das Essen und das Verreisen. Die geschmackliche Dichte des Essens, die Vielseitigkeit eines Reiseziels, die Besonderheit des Kindes mit all seinen Begabungen, die ästhetische Gestaltung der eigenen Wohnung – überall geht es um Originalität und Interessantheit, Vielseitigkeit und Andersheit. Die Singularisierung und Aufwertung der Alltagswelt ist ein Projekt der Authentifizierung des Lebens. Generell strebt das spätmoderne Subjekt im Umgang mit der Welt nach Erfahrungen des Authentischen. </p>
<p><strong>Der Wert der Authentizität stammt aus der Romantik</strong></p>
<p>Kurz gesagt gilt nun laut Andreas Reckwitz: „Wenn etwas gut ist, muss es authentisch sein, und wenn es authentisch ist, dann ist es gut.“ Der Wert der Authentizität stammt aus der kulturellen Tradition der Romantik und verweist auf das Kriterium „Echtheit“. Dagegen bezeichnet das Unauthentische das Unechte, Gekünstelte und Vorgebliche, auch das Kommerzielle und Standardisierte. Als authentisch aber wird etwas erlebt und bewertet, wenn man es als singulär erkennt und seinen Eigenkomplexität begreifbar und spürbar ist.  </p>
<p>Man erkennt an dieser Stelle, wie damit über den Weg der Kulturalisierung und Singularisierung des Alltagslebens das spätmoderne Subjekt sich selbst kulturalisiert und singularisiert. Andreas Reckwitz betont: „Es kreiert sich damit selbst als Wertvolles.“ Zu sagen, es strebe unmittelbar nach Einzigartigkeit, es woll originell sein, wäre jedoch zu einfach. Vielmehr will das Selbstverwirklichungssubjekt sein Leben mit Praktiken bevölkern, in denen Objekte, Orte, Ereignisse, Kollektive oder andere Subjekte als einzigartige erfahren, in ihrer Singularität geschätzt und genossen werden können. Quelle: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Selbstverwirklichung ist ein verbreitetes Ziel</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 29 Jul 2021 01:00:03 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Lebensstil des spätmodernen Subjekts in der neuen Mittelklasse ist vom Ideal der Selbstverwirklichung in möglichst allen seinen alltäglichen Praktiken geprägt. Andreas Reckwitz weiß: „Dabei geht es jedoch nicht um eine Selbstverwirklichung, die sich in Opposition zur modernen Welt vollzieht. Sie soll vielmehr sozial erfolgreich und anerkannt in dieser Welt stattfinden.“ Der Lebensstil folgt damit ... <a title="Selbstverwirklichung ist ein verbreitetes Ziel" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/erfolgreiche-selbstverwirklichung-boomt.html" aria-label="Mehr Informationen über Selbstverwirklichung ist ein verbreitetes Ziel">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der Lebensstil des spätmodernen Subjekts in der neuen Mittelklasse ist vom Ideal der Selbstverwirklichung in möglichst allen seinen alltäglichen Praktiken geprägt. Andreas Reckwitz weiß: „Dabei geht es jedoch nicht um eine Selbstverwirklichung, die sich in Opposition zur modernen Welt vollzieht. Sie soll vielmehr sozial erfolgreich und anerkannt in dieser Welt stattfinden.“ Der Lebensstil folgt damit dem widersprüchlichen Muster der „erfolgreichen Selbstverwirklichung“. Das klassische Subjekt des Bürgertums, das auf sozialen Status und Erfolg aus war, musste dagegen häufig seine eigentlichen Wünsche zugunsten von Pflichten und Konventionen hintanstellen. Das romantische Subjekt probierte sich zwar experimentell aus, jedoch geschah das um den Preis eines Lebens am Rand der Gesellschaft. Andreas Reckwitz ist Professor für Kultursoziologie an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt / Oder. <span id="more-2853"></span></p>
<p><strong>Die Vorstellung eines Selbst ist eine Erfindung der Romantik</strong></p>
<p>Das spätmoderne Subjekt will beides: sich selbst entfalten und sozial anerkannt und erfolgreich sein. Selbstverwirklichung ist zu einem vieldeutigen Begriff geworden, der alltagsweltlich inflationär verwendet wird. Andreas Reckwitz möchte daher zunächst daran erinnern, dass die Vorstellung eines Selbst eine ungewöhnliche semantische Erfindung der Romantik und des Sturm und Drang war. Dieses Selbst strebt legitimerweise danach, seine ganz eigenen, vorgeblich innersten, in jedem Fall aber besonderen Wünsche und Gedanken in die Tat umzusetzen.</p>
<p>Wissenschaftlich erforscht wurde diese Vorstellung in der Psychologie der Selbstverwirklichung und des Selbstwachstums in den 1950er und 1960er Jahren. Dieser zufolge lassen sich zwei diametral entgegengesetzte Selbst- und Weltverhältnisse unterscheiden. Einerseits ein zweckrationales und normatives Verhältnis. Bei diesem geht es in erster Linie darum, Zwecke zu verfolgen, um primäre Bedürfnisse oder materielle Interessen zu befriedigen. Oder den von außen herangetragenen Normen der Gesellschaft zu entsprechen. </p>
<p><strong>Das Selbst strebt nach „Gipfelerfahrungen“</strong></p>
<p>Andererseits ein Weltverhältnis der Selbstverwirklichung, das danach strebt, etwas um seiner selbst willen zu erleben und erfahren – schöpferische Arbeit, Liebe, Religion, Natur, Kunst und vieles mehr. Das sich selbst verwirklichende Subjekt will nicht „haben“ oder „scheinen“, sondern in seinen Praktiken und im jeweiligen Moment „sein“ und idealerweise dabei „Gipfelerfahrungen“ erleben. In der Tat haben die Ideen der Psychologie der Selbstverwirklichung maßgeblich zur Herausbildung der spätmodernen Subjektstruktur beigetragen. </p>
<p>Andreas Reckwitz drückt dies zugespitzt aus: „Der Gedanke der Selbstverwirklichung ist das „gesunkene Kulturgut“ der Kultur der Spätmoderne und ihrer neuen Mittelklasse nach 1968. Das Subjekt setzt sich hier als befähigt und berechtigt zur Selbstverwirklichung voraus.“ Es sieht sich als Ort von Potenzialen und nimmt für sich gewissermaßen ein moralisches Recht in Anspruch, sich so zu entfalten, wie es ihm in seiner Besonderheit entspricht. Mit diesem Bewusstsein der Berechtigung ist ein entsprechend hohes Selbstwertgefühl verbunden. Quelle: „Die Gesellschaft der Singularitäten“ von Andreas Reckwitz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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