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	<title>Immunsystem &#8211; Psychologie Guide</title>
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		<title>Nahgeschichte ermöglicht Selbstbefragung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Sep 2022 05:30:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Immunsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbefragung]]></category>
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					<description><![CDATA[Dem Praktischen, das man sich nicht ausgesucht hat, widmet Valentin Groebner eine Nahgeschichte: „Man könnte sie auch eine Geschichte in Zeitlupe nennen: einen Gegenwartsgegenstand in verlangsamter Wiederholung ansehen.“ In diesem Modus – „noch einmal, aber ganz langsam“ – sieht das Alltägliche und vermeintlich Vertraute plötzlich erstaunlich fremd aus. Nahgeschichte mag nach Nacktschnecke klingen. Wie diese ... <a title="Nahgeschichte ermöglicht Selbstbefragung" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/nahgeschichte-ermoeglicht-selbstbefragung.html" aria-label="Mehr Informationen über Nahgeschichte ermöglicht Selbstbefragung">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dem Praktischen, das man sich nicht ausgesucht hat, widmet Valentin Groebner eine Nahgeschichte: „Man könnte sie auch eine Geschichte in Zeitlupe nennen: einen Gegenwartsgegenstand in verlangsamter Wiederholung ansehen.“ In diesem Modus – „noch einmal, aber ganz langsam“ – sieht das Alltägliche und vermeintlich Vertraute plötzlich erstaunlich fremd aus. Nahgeschichte mag nach Nacktschnecke klingen. Wie diese ist sie etwas glitschig und klebrig. Der Mensch haftet an dem, was ihn eigentlich anödet, anheimelnd nah. Aber Nahgeschichte ermöglicht Selbstbefragung. Die meisten Menschen wissen über das banale Alltägliche sehr viel weniger, als es ihnen selbst vorkommt.  Valentin Groebner lehrt als Professor für Geschichte des Mittelalters und der Renaissance an der Universität Luzern. Seit 2017 ist er Mitglied in der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. <span id="more-3881"></span></p>
<p><strong>Die Wikinger waren sehr heterogener Herkunft</strong></p>
<p>Valhalla war für die frühmittelalterlichen heidnische nordischen Krieger die große Belohnung im Jenseits, also Endziel, finales Zuhause. Nur Männer kamen dorthin. Die Wikinger, weiß die neuere Forschung, waren nicht sehr nett zu ihren Frauen. Valentin Groebner weiß: „Archäologische Analysen ihrer Gräber zeigen, dass 37 Prozent der weiblichen Kinder bei ihnen unterernährt waren, gegenüber 7 Prozent der männlichen.“ In der Mitte des 6. Jahrhunderts erlebte Nordeuropa nach gewaltigen Vulkanausbrüchen mit globalen Folgen mehrjährige Dauerwinter. </p>
<p>Sie ließen gleichzeitig mit dem Zerfall des römischen Imperiums eine extrem gewalttätige Elite aufsteigen, eine „gangster culture“, wie eine neue Studie sie nennt. Ihre berühmten Raubzüge unternahmen sie nicht ganz freiwillig. Groß und blond waren die wenigsten von ihnen. Die Krieger auf den Drachenbooten, das haben genetische Analysen von Fundmaterial aus ganz Europa gezeigt, waren sehr heterogener Herkunft: Wikinger war keine Abstammung, sondern ein Beruf. Valhalla als Heimat gewalttätiger unfreiwilliger Junggesellen und Klimaflüchtlinge, ziemlich arme Schweine – will man da wirklich hin?</p>
<p><strong>Jeder Mensch kommt sich einzigartig vor</strong></p>
<p>Ob Polizist in Bayern oder Professor in der Schweiz, jeder kommt sich selbst einzigartig und so außergewöhnlich wie möglich vor. Valentin Groebner stellt fest: „Aber das eigene Wohlbefinden, und noch viele andere Dinge mehr, wie Arbeitsmöglichkeiten, Bewegungsfreiheit, Selbstbestimmung, sind direkt abhängig von unsichtbaren, machtvollen Kollektivkörpern. Sie sind, wie wir 2020 gelernt haben, als Immunsysteme organisiert.“ In Immunsystemen ist man immer Teil eines Kollektivs, unabhängig davon, wie man sich selbst beschreibt und ob man mitmachen will oder nicht. </p>
<p>Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ließen all die einzigartigen Individualitäten unwichtig aussehen. Einreise- und Ausgangssperren, die Verpflichtung zu Gesichtsmasken, Quarantäne und zum daheimbleiben galten für alle, ausnahmslos. Der Wechsel vom selbstverständlichen Reisen zum behördlich untersagten Risikoverhalten war ebenfalls drastisch. Die Digitalisierung war plötzlich nicht mehr selbst gewähltes Werkzeug oder zusätzliche Option, sondern Zwang. Quelle: „Bin ich das?“ von Valentin Groebner</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Selbst ist ein lebendiger Akteur</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Jan 2021 07:18:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Immunsystem]]></category>
		<category><![CDATA[Selbst]]></category>
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					<description><![CDATA[Kurz nach der Geburt ist das Selbst eines Menschen noch nicht vorhanden. Es ist noch im Körpergefühl des Kindes verborgen. Joachim Bauer erklärt: „Erst mit der postnatal voranschreitenden biologischen Reifung des Stirnhirns kommt es zur Abspeicherung erster Eindrücke eines Selbst.“ Das menschliche Selbst ist nicht auf seine rezeptiven Eigenschaften beschränkt. Es entwickelt sich – im ... <a title="Das Selbst ist ein lebendiger Akteur" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-selbst-ist-ein-lebendiger-akteur.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Selbst ist ein lebendiger Akteur">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Kurz nach der Geburt ist das Selbst eines Menschen noch nicht vorhanden. Es ist noch im Körpergefühl des Kindes verborgen. Joachim Bauer erklärt: „Erst mit der postnatal voranschreitenden biologischen Reifung des Stirnhirns kommt es zur Abspeicherung erster Eindrücke eines Selbst.“ Das menschliche Selbst ist nicht auf seine rezeptiven Eigenschaften beschränkt. Es entwickelt sich – im wahrsten Sinne des Wortes von Kindesbeinen an – auch zu einem lebendigen Akteur. Kaum ist es in seinen Grundstrukturen etabliert, beginnt es, seine Wahrnehmung und an die eigene Person herangetragene Angebote zu bewerten. Es geht auf die Welt zu, entwickelt Vorlieben, erprobt Möglichkeiten, es selektiert und verwirft. Das menschliche Selbst kann sich und die Welt jedoch nicht neu erfinden. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt. <span id="more-2486"></span></p>
<p><strong>Das menschliche Selbst gleicht der Atmung</strong></p>
<p>Alle Aktionen des menschlichen Selbst fußen ausnahmslos auf dem, was es bereits in sich trägt und in seiner Umwelt vorfindet. Die dem Menschen gegebene Möglichkeit, kreativer Akteur zu sein, setzt immer und überall etwas ihm Angebotenes voraus. Erst auf dem Boden dessen, was einem Menschen angeboten, geschenkt, verweigert oder abverlangt wurde, kann er sich zu einem Akteur entwickeln. Joachim Bauer erläutert: „Das Selbst als Komposition internalisierter Elemente steht in einem dialektischen Verhältnis zum Selbst als Akteur.“ </p>
<p>Erst aus der Fülle der vertikalen und horizontalen Transfers der Selbst-Elemente anderer Menschen, ergeben sich die gewaltigen Spielräume menschlicher Kreativität. Das menschliche Selbst gleicht der Atmung: Es befindet sich in ständigem Wechsel zwischen Ein- und Ausatmung. In der Biologie sind der vertikale und der horizontale Austausch von Selbstelementen eines der ältesten Prinzipien der Evolution. In der frühen Phase der Erdgeschichte beschränkte sich das Leben auf einzellige, im Urmeer schwimmende Lebewesen.</p>
<p><strong>Das Immunsystem verteidigt die eigene Unversehrtheit</strong></p>
<p>Sie bestanden aus einer Komposition aus genetischen Elementen, sie sie aufnahmen und wieder abgaben. Den damals zwischen Einzellern praktizierten wechselseitigen Austausch bezeichnet man als „horizontalen Gentransfer“. Das damals im Urmeer vorhandene Leben war ein einziger genetischer Flohmarkt. Die Evolution schien auszuprobieren, was zusammenpasst. Erst in einer späteren Phase der Erdgeschichte, als Lebewesen begannen, ihre Identität zu schützen und Immunsysteme zu entwickeln, schränkte die Evolution dieses muntere Markttreiben ein.</p>
<p>Ähnlich dem Immunsystem hat auch das Selbst-System Instrumente zur Verteidigung seiner Identität entwickelt. Man bezeichnet sie als psychische Abwehrmechanismen. Beide – Immunsystem und Abwehrmechanismen – dienen der Verteidigung der eigenen Unversehrtheit. Sie können, wenn sie mit schädlichen Eindringlichen nicht fertige werden, aber auch zum Ausgangspunkt von Krankheiten werden. Als Beispiele nennt Joachim Bauer chronische Entzündungen oder Neurosen. Horizontale Gentransfers finden übrigens – wie die Transfers von Selbst-Elementen – weiterhin statt. Quelle: „Wie wir werden, wer wir sind“ von Joachim Bauer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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