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	<title>Gewissen &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Destruktivität ist eine starke Kraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 21 Apr 2023 01:00:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ego]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Über-Ich]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud entwickelte seine Idee des Gewissens in „Das Unbehagen in der Kultur“. Dabei zeigt er, wie sich Destruktivität gegen das eigene Selbst wenden kann. Da man seine eigene Destruktivität nicht vollständig ausschalten kann, entfesselt sie ihre Wirksamkeit als Über-Ich umso stärker. Judith Butler fügt hinzu: „Je nachdrücklicher das Über-Ich dem mörderischen Impuls zu entsagen ... <a title="Destruktivität ist eine starke Kraft" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/judith-butler-gewissen.html" aria-label="Mehr Informationen über Destruktivität ist eine starke Kraft">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud entwickelte seine Idee des Gewissens in „Das Unbehagen in der Kultur“. Dabei zeigt er, wie sich Destruktivität gegen das eigene Selbst wenden kann. Da man seine eigene Destruktivität nicht vollständig ausschalten kann, entfesselt sie ihre Wirksamkeit als Über-Ich umso stärker. Judith Butler fügt hinzu: „Je nachdrücklicher das Über-Ich dem mörderischen Impuls zu entsagen strebt, desto grausamer wird der psychische Mechanismus.“ In diesem Moment sind Aggression und Gewalt verboten. Aber weder sind sie vernichtet noch ausgeschaltet, da sie weiterhin ein aktives Leben gegen das Ego führen. Sigmund Freud wirft in gewissem Sinn eine ganz ähnliche Frage auf, wie sie auch Judith Butler stellt: „Was bringt uns dazu, das Leben des anderen bewahren zu wollen?“ Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-4501"></span></p>
<p><strong>Man kann sich aktiv um den Schutz anderer Menschen bemühen</strong></p>
<p>Was im psychischen Leben hält Menschen von der Zufügung von Schaden ab, wenn mörderische Wünschen sie im Griff haben. Das psychoanalytische Denken kennt allerdings eine Alternative, welche die Frage positiv zu formulieren erlaubt: Welche Art Motivation wird im psychischen Leben aktiviert, wenn sich ein Mensch aktiv um den Schutz des Lebens eines anderen bemüht? Auf das Problem der Substitution zurückkommend, kann man fragen: Wie können unbewusste Formen der Substitution die „moralischen Gefühle“ beeinflussen und beleben?</p>
<p>Melanie Klein leistet in ihrem Essay „Liebe, Schuldgefühl und Wiedergutmachung“ einen psychoanalytischen Beitrag zur Moralphilosophie. Sie macht eben in der Dynamik von Liebe und Hass den Punkt aus, an dem Individual- und Sozialphilosophie zusammenkommen. Melanie Klein ist der Auffassung, dass der Wunsch, Menschen glücklich zu machen, mit „starken Gefühlen der Verantwortung und Sorge“ einhergeht. Und dass „echte Sympathie zu anderen Menschen“ auch bedeutet, dass man sich selbst „an die Stelle anderer Menschen“ setzt.</p>
<p><strong>Ständig findet eine Interaktion von Liebe und Hass statt</strong></p>
<p>Judith Butler ergänzt: „Identifikation führt uns hier so nahe es geht an die Möglichkeit des Altruismus heran.“ Melanie Klein schreibt: „Wir können nur dann die eigenen Gefühle und Wünsche außer Acht lassen oder bis zu einem gewissen Grade preisgeben, das heißt den Interessen und Emotionen der anderen Person eine Zeit lang die erste Stelle einräumen, wenn wir imstande sind, uns mit der geliebten Person zu identifizieren.“ Dies ist keine vollständige Selbstverneinung, denn indem man das Glück des geliebten Menschen will, teilt man auch seine Zufriedenheit.</p>
<p>Setzt man den anderen an die erste Stelle, gewinnt man auf eine Art wieder, was man auf eine andere geopfert hat. Hier findet sich in Melanie Kleins Text eine Fußnote, die mit der Bemerkung beginnt: „Wie ich anfangs erwähnt habe, findet in uns allen eine ständige Interaktion von Liebe und Hass statt.“ Folglich sollte niemanden überraschen, dass auch äußerst liebensfähige Menschen durchaus jene anderen Gefühle der Aggression und des Hasses zeigen können.“ Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Rache begleitet ein innerer Konflikt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 06 Nov 2021 02:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
		<category><![CDATA[Rache]]></category>
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					<description><![CDATA[Viele Menschen jagen ständig positiven Gefühlen hinterher und bekommen von ihnen doch nicht genug. Reinhard Haller ergänzt: „Von Wertschätzung und Anerkennung lässt man sich tragen, und von positiver Resonanz werden wir nie satt.“ Auf der anderen Seite will man der drückenden Depression entfliehen und sich von Kränkungen oder Ängsten mit allen Mitteln lösen. Der Rache ... <a title="Die Rache begleitet ein innerer Konflikt" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/reinhard-haller-racheambivalenz.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Rache begleitet ein innerer Konflikt">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Viele Menschen jagen ständig positiven Gefühlen hinterher und bekommen von ihnen doch nicht genug. Reinhard Haller ergänzt: „Von Wertschätzung und Anerkennung lässt man sich tragen, und von positiver Resonanz werden wir nie satt.“ Auf der anderen Seite will man der drückenden Depression entfliehen und sich von Kränkungen oder Ängsten mit allen Mitteln lösen. Der Rache hingegen begegnen die meisten Menschen mit großer Ambivalenz. Sie treibt den Rächer in einen Zwiespalt. Auf der einen Seite steht das Versprechen von anhaltender Genugtuung und unmittelbarer Befriedigung. Auf der anderen Seite gibt es das schlechte Gewissen. Für Rachegedanken muss man sich vor dem eigenen Gewissen geradezu rechtfertigen. Denn sie behalten ja immer destruktive Strebungen, zielen auf die Schädigung eines Mitmenschen ab und sind ein Zeugnis für das in einem schlummernde Böse. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender. <span id="more-3076"></span></p>
<p><strong>Rachegefühle erweisen sich als hartnäckig</strong></p>
<p>Möglicherweise lassen Rachegedanken einen Menschen sogar an seinem eigenen Gerechtigkeitsgefühl zweifeln. Reinhard Haller stellt fest: „Der innere Kampf um all jenes, das den moralischen Ansprüchen genügt, offenbart die ganze Ambivalenz unseres Umgangs mit der Rache.“ Das erklärt auch, weshalb die meisten Menschen immer wieder versuchen, der hinter der angeblich gerechten Rache lauernden Bösartigkeit ein moralisch rechtfertigendes Mäntelchen umzuhängen. </p>
<p>Wenn man die Schuld jenen zuschiebt, bei denen man sich revanchieren will, zwingen einen diese geradezu zur Gegenattacke und sind dafür verantwortlich. Machtgelüste werden so zu legitimen Ansprüchen emporstilisiert, Aggressivität wird zur Selbstbehauptung umgedichtet und Sadismus als Notwehr verkauft. Eine weitere Besonderheit des Rachephänomens ist seine Hartnäckigkeit. Rachegefühle können akut aufbrechen, vorübergehend stärker oder schwächer werden und wieder vergehen. In der Regel erweisen sie sich indes nicht als flüchtig, sondern leiten einen lang anhaltenden Prozess des Grübelns und Brütens ein. </p>
<p><strong>Meist hat die Rache einen langen Atem</strong></p>
<p>Reinhard Haller weiß: „Dieser dauert bis zur Verwirklichung der Rache oder bis zu deren Überwindung, manchmal bis zur Entschärfung durch die Milde des Alters oder das demenzielle Vergessen.“ Meist drängen sich Rachebedürfnisse jedoch zwanghaft auf, abhängig von der Art der Verletzung und der Empfindlichkeit des Opfers, nehmen suchtartigen Charakter an und gären jahrelang vor sich hin, vergleichbar mit einer nicht verheilenden Wunde. </p>
<p>Oft wird für die Rache ein hoher, ja ein viel zu hoher Preis bezahlt, etwa jener des erheblichen finanziellen Schadens oder des Verlusts der Lebensqualität. Dies aber scheint weniger ins Gewicht zu fallen als das Erleben von Genugtuung und subjektiver Gerechtigkeit. Meist hat die Rache einen langen Atem. Die ursprünglichen Verletzungen heilen nicht aus, sie vernarben höchstens mit dünner Haut, die jederzeit wieder platzen kann. Geringfügige Irritationen lassen die alten Wunden aufbrechen, die Racheimpulse bohren nun noch stärker als zu Anfang. Quelle: „Rache“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Gewissen ist ein Produkt der Erziehung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Jul 2021 01:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm]]></category>
		<category><![CDATA[Erziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
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					<description><![CDATA[Der australische Philosoph Peter Singer zweifelt daran, dass das Gewissen immer eine Richtschnur sein kann: „Der Satz, wir sollten unserem Gewissen folgen, ist nicht zu bestreiten. Aber er ist auch nicht hilfreich, wenn dem Gewissen folgen heißt, das zu tun, was man nach reiflicher Überlegung für richtig hält.“ Dem eigenen Gewissen folgen, heißt dann allerdings ... <a title="Das Gewissen ist ein Produkt der Erziehung" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-gewissen-ist-ein-produkt-der-erziehung.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Gewissen ist ein Produkt der Erziehung">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der australische Philosoph Peter Singer zweifelt daran, dass das Gewissen immer eine Richtschnur sein kann: „Der Satz, wir sollten unserem Gewissen folgen, ist nicht zu bestreiten. Aber er ist auch nicht hilfreich, wenn dem Gewissen folgen heißt, das zu tun, was man nach reiflicher Überlegung für richtig hält.“ Dem eigenen Gewissen folgen, heißt dann allerdings auch, seiner Verantwortlichkeit als rational Handelnder abzuschwören. Für Klaus-Peter Hufer folgt daraus, die Berücksichtigung aller relevanter Faktoren zu vernachlässigen. Und somit nicht gemäß der besten Beurteilung des in der Situation Richtigen oder Falschen zu handeln. Die „innere Stimme“ ist laut Peter Singer wahrscheinlich eher ein Produkt von Erziehung und Ausbildung. Wahrscheinlich ist sie keine Quelle genuiner moralischer Einsicht. Klaus-Peter Hufer promovierte 1984 in Politikwissenschaften, 2001 folgte die Habilitation in Erziehungswissenschaften. Danach lehrte er als außerplanmäßiger Professor an der Uni Duisburg-Essen. <span id="more-2797"></span></p>
<p><strong>Das Gewissen ist sehr persönlicher Natur</strong></p>
<p>Hier stellt sich für Klaus-Peter Hufer die Frage, inwieweit Rationalität die Gewähr für „richtiges“ Handeln ist. Rationalität allein kann auch zu bloßer Funktionalität und damit zu dem führen, was nur „nützlich“ ist. Das muss aber nicht immer „gut“ sein. Bertrand Russell misst dem Gewissen subjektive Gründe bei, die zwar von außen festgelegt werden, aber von sehr persönlicher Natur sind: „Das Gewissen kann man wohl definieren als Lob und Tadel, die man sich bei der Erwägung einer Handlung selbst erteilt.“</p>
<p>Bertrand Russell fährt fort: „Bei den meisten Leuten sind es nur Reflexe des Lobes und Tadelsihrer jeweiligen Gemeinschaft. Bei manchen aber haben sie infolge emotionaler oder geistiger Besonderheiten eine persönliche Färbung.“ Einen anderen Vorschlag, was das Gewissen ausmacht, findet man bei dem Psychoanalytiker und Sozialpsychologen Erich Fromm (1900 – 1980). Für ihn gibt es nicht ein Gewissen, sondern gleich zwei. Das erste ist das autoritäre Gewissen: „Die Inhalte des autoritären Gewissens werden aus Geboten und Tabus der Autorität abgeleitet.“</p>
<p><strong>Das humanistische Gewissen ist die eigene Stimme</strong></p>
<p>Die Stärke des autoritären Gewissens wurzelt laut Erich Fromm in Angstgefühlen vor der Autorität und in Bewunderung für sie. Ein gutes Gewissen ist das Bewusstsein, der Autorität zu gefallen, ein schlechtes Gewissen, ihr zu missfallen. Das gute Gewissen ruft ein Gefühl des Wohlbehagens und der Sicherheit hervor. Denn es bedeutet die Zustimmung seitens der Autorität und eine nähere Verbindung zu ihr. Das schlechte Gewissen ruft Furcht und Verunsicherung hervor, weil ein Handeln gegen den Willen der Autorität die Gefahr einschließt, bestraft oder von der Autorität verlassen zu werden.</p>
<p>Das zweite ist das humanistische Gewissen: „Das humanistische Gewissen ist nicht die nach innen verlegte Stimme einer Autorität, der wir gefallen wollen und der zu missfallen wir fürchten. Es ist die eigene Stimme, die in jedem Menschen gegenwärtig ist und die von keinen äußeren Strafen und Belohnungen abhängt.“ Das humanistische Gewissen ist die Reaktion der Gesamtpersönlichkeit auf deren richtiges oder gestörtes Funktionieren. Gewissen ist für Erich Fromm die Reaktion des eigenen Selbst auf sich selbst. Quelle: „Zivilcourage“ von Klaus-Peter Hufer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Gewissen ist eine Anpassungsleistung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Apr 2021 01:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewissen]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch Sigmund Freud (1856 – 1939) analysiert das Gewissen. Für ihn ist die tendenziell destruktive Aggression in der Triebstruktur des Menschen angelegt. Diese gefährdet die kulturellen und gesellschaftlichen Errungenschaften. Das muss zu deren Aufrechterhaltung verhindert werden. Sigmund Freud schreibt: „Die Spannung zwischen dem gestrengen Über-Ich und dem unterworfenen Ich heißen wir Schuldbewusstsein; sie äußert sich ... <a title="Das Gewissen ist eine Anpassungsleistung" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-gewissen-ist-eine-anpassungsleistung.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Gewissen ist eine Anpassungsleistung">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch Sigmund Freud (1856 – 1939) analysiert das Gewissen. Für ihn ist die tendenziell destruktive Aggression in der Triebstruktur des Menschen angelegt. Diese gefährdet die kulturellen und gesellschaftlichen Errungenschaften. Das muss zu deren Aufrechterhaltung verhindert werden. Sigmund Freud schreibt: „Die Spannung zwischen dem gestrengen Über-Ich und dem unterworfenen Ich heißen wir Schuldbewusstsein; sie äußert sich als Strafbedürfnis.“ Das Gewissen ist für Sigmund Freud eine von „der Kultur“ auferlegte Anpassungsleistung. Klaus-Peter Hufer fügt hinzu: „Der Erfolg ist, dass es mit ihr eine Instanz schafft, die sich gegen die eigene Person, die Trägerin des Gewissens ist, richtet. Es wirkt gegen tiefe Bedürfnisse und Antriebe eines Menschen.“ Klaus-Peter Hufer promovierte 1984 in Politikwissenschaften, 2001 folgte die Habilitation in Erziehungswissenschaften. Danach lehrte er als außerplanmäßiger Professor an der Uni Duisburg-Essen. <span id="more-2614"></span></p>
<p><strong>„Gewissensbisse“ haben eine erzieherischen Funktion</strong></p>
<p>Das Gewissen, das sich bei ihm herausgebildet hat, dämmt in einer internen Kontroll- und manchmal auch Konfliktsituation die eigenen Triebe ein. Das geschieht stellvertretend für „die Kultur“, die diese ansonsten sanktionieren würde. Das ist wie Sigmund Freud anmerkt, eine „paradoxe“ Situation: „Das Gewissen ist die Folge des Triebverzichts; oder: Der Triebverzicht schafft das Gewissen, das dann weiteren Triebverzicht fordert.“ </p>
<p>Der amerikanische Harvard-Philosoph John Rawls (1921 – 2002) hat den „Gewissensbissen“ eine erzieherische Funktion zugeschrieben.<br />
John Rawls schreibt: „Manche Handlungen sanktioniert man am besten, indem man die Menschen erzieht, dass ihr Gewissen ihnen Vorwürfe macht, wenn sie die bestehenden Handlungen vollziehen.“ Mit der Entstehung des Gewissens ist „die verhängnisvolle Unvermeidlichkeit des Schuldgefühls“ verbunden. Die Analyse Sigmund Freuds hat für Klaus-Peter Hufer einen Haken. Denn hätte er recht, würde mit dem „Gewissen“ der bestehende Zustand, würden die herrschenden Normen einer Gesellschaft gerechtfertigt. </p>
<p><strong>Man sollte Respekt vor der Gerechtigkeit pflegen</strong></p>
<p>Doch gibt es nicht auch Gründe, aus dem Gewissen heraus gegen genau diese Normen aufzubegehren und zu handeln? Ja, denn diese Normen können im Widerspruch zu den eigenen, wie auch immer begründeten Werten eines Menschen geraten. Dann stellt sich in der Tat das Problem eines möglichen Loyalitäts- und Gewissenskonflikts. Die Situation verschärft sich noch mehr, wenn aus den Gepflogenheiten und üblichen Verhaltensweisen einer Gesellschaft rechtlich verbindliche Regelungen werden, also Gesetze.</p>
<p>An dieser Stelle erinnert Klaus-Peter Hufer and Henry David Thoreau (1817 – 1862). Der amerikanische Schriftsteller gilt als Vorreiter des zivilen Ungehorsams und des gewaltlosen Widerstands. Henry David Thoreau schreibt: „Ich finde, wir sollten erst Menschen sein, und danach Untertanen. Man sollte nicht den Respekt vor dem Gesetz pflegen, sondern vor der Gerechtigkeit. Nur eine einzige Verpflichtung bin ich berechtigt einzugehen, und das ist, jederzeit zu tun, was mir recht erscheint.“ Quelle: „Zivilcourage“ von Klaus-Peter Hufer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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