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	<title>Zorn &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Seneca war der Erzieher des Tyrannen Nero</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Nov 2023 02:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Besonnenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn es um das Thema „Grausamkeit“ geht, dann ist bis zum heutigen Tag Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) ein einschlägiger Schriftsteller. Die historische Erfahrung, die Werken wie „De clementia“ oder „De ira“ zugrunde liegt, ist die Zeit der Herrschaft Kaiser Neros. Dieser hat im kulturellen Gedächtnis des Okzidents einen bleibenden ... <a title="Seneca war der Erzieher des Tyrannen Nero" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/wolfgang-mueller-funk-besonnenheit-und-zorn.html" aria-label="Mehr Informationen über Seneca war der Erzieher des Tyrannen Nero">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es um das Thema „Grausamkeit“ geht, dann ist bis zum heutigen Tag Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) ein einschlägiger Schriftsteller. Die historische Erfahrung, die Werken wie „De clementia“ oder „De ira“ zugrunde liegt, ist die Zeit der Herrschaft Kaiser Neros. Dieser hat im kulturellen Gedächtnis des Okzidents einen bleibenden Platz in der historischen Galerie der Tyrannen. Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Senecas Leben und Denken ist von der Figur und der Allgegenwart eines tyrannischen Herrschers bestimmt und überschattet. Auf Initiative von Neros Mutter aus der Verbannung befreit, wird er zum Erzieher ihres jungen Sohnes und zum Konsul.“ Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5008"></span></p>
<p><strong>Grausamkeit stellt ein unbeherrschtes Verhalten dar</strong></p>
<p>Zehn Jahre später zwingt ihn Nero, für den Menschen Spielbälle sind, zum Selbstmord. Üblicherweise übersetzt man „clementia“, die in Senecas fragmentarisch überlieferten Schrift als Gegenbegriff zu „crudelitas“ fungiert, im Deutschen mit „Güte“. Das ist irreführend, denn „clementia“ ist in diesem Diskurs ein rationales, überlegtes Verhalten, das nicht auf Empathie und Mitleid gründet. Denn diese Emotionen lehnt Seneca expressis verbis ab. </p>
<p>Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Hingegen ist, wie aus „De ira“ hervorgeht, „crudelitas“ entweder irrational oder sie geht von einem strategisch falschen Herrschaftskalkül aus.“ Die gesamten philosophischen Überlegungen Senecas handeln weniger von der Güte als dass sie vom Thema der Affektsteuerung und -kontrolle bestimmt sind. Steckt doch im Wort „clementia“ die Konnotation des Temperierens und Mäßigens. Insofern ist das deutsche Wort Milde oder auch Besonnenheit besser geeignet als Güte. Die Grausamkeit von der Seneca spricht, ist seiner Ansicht nach schon allein deshalb zu verwerfen, weil sie ein unbeherrschtes Verhalten darstellt. Dieses ist einem Herrscher unangemessen.</p>
<p><strong>Ein kluger Herrscher hat seine Affekte fest im Griff</strong></p>
<p>Dagegen zeichnet sich der gute, kluge Herrscher dadurch aus, dass er all seine Begierden und Affekte, die sexuellen wie die aggressiven, fest im Griff hat. Diese Charaktermerkmale bilden die eigentliche Voraussetzung für seinen Erfolg. Die Texte des römischen Philosophen Seneca sind vor allem kleine Meisterwerke angewandter politischer Philosophie. Sein Buch über die „clementia“ gibt sich als eine Anleitung zum klugen, gerechten Regieren aus. Seine Schrift wendet sich an ein doppeltes Publikum: die an der „res publica“ interessierten Zeitgenossen und an den Herrscher.</p>
<p>An den Herrscher wendet sie sich durch eine eindeutig dialogische Struktur. Zwar ist über weite Strecken die angesprochene Person ganz allgemein gehalten, aber im Speziellen ist es doch immer wieder und unüberhörbar Nero, den Cicero wiederholt direkt anspricht. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Der Sprecher im Text schlüpft dabei in die Rolle des Ratgebers des Imperators Nero. Währen Augustus erst im Alter milde geworden sei, könnte Nero, so setzt die Schrift ein, das gleich von Anbeginn seiner Regierungszeit sein.“ Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Menschen meiden schlechte Gefühle</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Oct 2022 01:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Überheblichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Es treiben bissige Wörter im endlosen Informationsstrom, der die vielen sogenannten Kanäle täglich überspült. Sebastian Herrmann stellt fest: „Taucht so ein Beißwort auf, springen sehr viele, vielleicht sogar eine wachsende Zahl von Menschen hastig aus dem Informationsstrom, klinken sich aus und gehen in Deckung. Unerwünschte Informationen vermeiden fast alle Menschen so gut es nur geht.“ ... <a title="Menschen meiden schlechte Gefühle" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/sebastian-herrmann-ueberheblichkeit-und-zorn.html" aria-label="Mehr Informationen über Menschen meiden schlechte Gefühle">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Es treiben bissige Wörter im endlosen Informationsstrom, der die vielen sogenannten Kanäle täglich überspült. Sebastian Herrmann stellt fest: „Taucht so ein Beißwort auf, springen sehr viele, vielleicht sogar eine wachsende Zahl von Menschen hastig aus dem Informationsstrom, klinken sich aus und gehen in Deckung. Unerwünschte Informationen vermeiden fast alle Menschen so gut es nur geht.“ Die Faustregel lautet, je hitziger ein Thema diskutiert wird, desto mehr Anlässe gibt es, in Deckung zu gehen. Menschen konsumieren am liebsten Informationen, die ihre Weltsicht – scheinbar – bestätigen, und meiden solchen, die diese infrage stellen. Das ist lange bekannt und liegt auf der Hand. Auf die Frage nach dem Warum, geben Psychologen bisher allerdings nur eine grobkörnige Antwort: Es löst Aversionen aus, sich mit Gegenpositionen zu beschäftigen, und schlechte Gefühle meide der Mensch. <span id="more-3976"></span></p>
<p><strong>Jeder sollte seine Ansichten hin und wieder aktualisieren</strong></p>
<p>Julia Minson von der Harvard University und Charles Dorison von der Nothwestern University diskutieren nun in einem Beitrag in „Current Opinion in Psychology“ was genau denn diese schlechten Gefühle weckt. Die stärksten Argumente sprechen aus Sicht der Psychologen dafür, dass die Menschen einem „naiven Realismus“ anhingen, also der Ansicht, dass ihre Version der Wahrheit selbstverständlich valide und objektiv sei. Wer die Dinge anders sieht, müsse also wenigstens dumm, wenn nicht gar niederträchtig sein. </p>
<p>Jegliche Beschäftigung mit einer anderen Sicht bedeute also verschwendete Geistesmühe, und die offensichtliche Borniertheit der anderen erzeuge nur Frust oder Zorn, argumentieren die Psychologen. Jedoch wäre es sehr hilfreich, offen für neue Evidenz zu seine und die eigenen Ansichten entsprechend zu aktualisieren. Dummerweise wirft sich da entweder die eigene Weltsicht in den Weg, oder die Brüllaffen der grundangefassten Öffentlichkeit schreien einen zornig nieder. </p>
<p><strong>Menschen ziehen die Ruhe der Wahrheit vor</strong></p>
<p>Sebastian Herrmann blickt zurück: „Der Mensch müsse sich eben für eines entscheiden, für die Wahrheit oder die Ruhe, beides auf einmal sei nicht im Angebot, hat einmal der US-amerikanische Schriftsteller Ralph Waldo Emerson geschrieben.“ Vor die Wahl gestellt, entscheiden sich die Menschen eher für die Ruhe als für die Wahrheit, wie zum Beispiel 2009 eine Metaanalyse um William Hart im Fachjournal „Psychological Bulletin“ gezeigt hat. Um scheinbar recht zu behalten, belügen oder täuschen sich die Menschen also selbst. </p>
<p>Die lange Zeit dominante Erklärung, so führen Minson und Dorison in ihrem Beitrag aus, bezieht sich auf die Theorie der kognitiven Dissonanz, die in der Sozialpsychologie Leon Festinger 1957 formuliert hat. Der Mensch betrachte sich selbst demnach als intelligentes, moralisches und vernünftiges Wesen. Dieses Selbstbild verteidige das Individuum zum Beispiel, indem es Gegenpositionen ignoriere, die dieses ankratzen könnten. „Kognitive Dissonanz entsteht, wenn das Selbstbild bedroht wird“, scheiben Minson und Dorison. Quelle: „Haltet alle den Mund!“ von Sebastian Herrmann in der Süddeutschen Zeitung vom 22. September 2022</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Jan 2021 07:17:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch wenn die „Trauer“ herkömmlicherweise nicht unter die reaktiven Haltungen gerechnet wird, liegt sie doch dem Zorn so nahe. Deshalb geht Martha Nussbaum zunächst darauf ein, worin sie sich von ihm unterscheidet. Die Trauer ist genau wie der Zorn auf einen entstandenen Schaden oder Verlust gerichtet. Martha Nussbaum schreibt: „Dieser Verlust ist schmerzhaft. Und in ... <a title="Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/trauer-und-zorn-sind-nur-schwer-zu-unterscheiden.html" aria-label="Mehr Informationen über Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch wenn die „Trauer“ herkömmlicherweise nicht unter die reaktiven Haltungen gerechnet wird, liegt sie doch dem Zorn so nahe. Deshalb geht Martha Nussbaum zunächst darauf ein, worin sie sich von ihm unterscheidet. Die Trauer ist genau wie der Zorn auf einen entstandenen Schaden oder Verlust gerichtet. Martha Nussbaum schreibt: „Dieser Verlust ist schmerzhaft. Und in diesem Schmerz besteht die zentrale Ähnlichkeit zwischen den beiden Emotionen. Die Trauer aber konzentriert sich auf eine Ereignis. Bei dem kann es sich um eine von einer Person begangene Tat handeln, aber auch um ein natürliches Ereignis wie beispielsweise den Tod oder eine Naturkatastrophe.“ Und sie konzentriert sich auf den von diesem Ereignis verursachten Verlust. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. <span id="more-2480"></span></p>
<p><strong>Bei der Trauer liegt der Fokus auf dem Verlust</strong></p>
<p>Selbst wenn eine Person als Verursacher des Ereignisses gilt, liegt der Fokus auch weiterhin auf dem Verlust und richtet sich nicht etwa auf den Täter: Die Trauer macht nicht die Person zum Zielobjekt. Wenn es überhaupt ein Zielobjekt gibt, so ist es die verstorbene oder verschiedene Person. Die Frage der Unrechtmäßigkeit ist für die Trauer ebenfalls nicht zentral. Denn Verlust ist Verlust, egal, ob unrechtmäßig zugefügt oder nicht. Die Trauer trachtet nach der Wiederherstellung oder dem Ersatz des Verlorenen. Dagegen will der Zorn im Regelfall gegen den Täter vorgehen.</p>
<p>Die Trauer setzt bei der von dem Verlust hinterlassenen Lücke oder Leerstelle an, der Zorn bei dessen unrechtmäßiger Zufügung durch das Zielobjekt. Trauer und Zorn können selbstverständlich zusammen auftreten; manchmal lassen sich vielleicht schwer auseinanderhalten. Martha Nussbaum schreibt: „Nicht selten sucht eine trauernde Person jemanden die Schuld an dem Verlust zu geben, auch wenn die Beschuldigung keine sichere Möglichkeit bietet, die Kontrolle wiederherzustellen oder in einer Situation der Hilflosigkeit Würde zu behalten.“</p>
<p><strong>Trauer kann in ungewöhnlich starken Zorn umschlagen</strong></p>
<p>Das Umschlagen in Zorn allerdings bietet unter Umständen eine Möglichkeit, die verlorene Person oder Sache psychisch wiederherzustellen. In solchen Fällen kann die Trauer in einen ungewöhnlich starken Zorn umgelenkt werden, bei dem die ganze Energie der Liebe und des Verlusts auf die strafrechtliche Verfolgung gerichtet ist. Eine Quelle übersteigerten Zorns ist auch ein Widerwille gegen das Trauern und damit gegen das Eingeständnis der Hilflosigkeit. Das mühselige Aushandeln von Vergebung tritt häufig an die Stelle der Hilflosigkeit des Nachtrauerns.</p>
<p>Die Wiederherstellungsfantasie, die die Trauer oft begleitet, ist etwas Irrationales, wenn sie bestehen bleibt und das Leben der betreffenden Person in großen Teilen bestimmt. Martha Nussbaum weiß allerdings auch: „Die schmerzvolle Sehnsucht nach dem verlorenen Menschen lässt uns jedoch erkennen, welche immense Bedeutung er für uns hatte, und stellt somit eine wichtige Möglichkeit dar, unsere Lebensgeschichte als großes Ganzes zu verstehen und ihr entsprechend Sinn abzugewinnen.“ Lebt man sein Leben ohne Trauer weiter, ist es in sich unverbunden, ein Konglomerat von Versatzstücken. Quelle: „Zorn und Vergebung“ von Martha Nussbaum</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Angst und Zorn zählen zu den Grundemotionen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 26 Jan 2020 07:32:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Aus biologischer Sicht spricht viel dafür, dass Menschen weltweit nur etwa ein Dutzend Grundemotionen hegen. Philipp Hübl kennt sie: „Klare Kandidaten sein Angst, Zorn, Ekel, Traurigkeit und Freude; andere wie Staunen, Eifersucht und Peinlichkeit sind umstrittener.“ Die Nuancen der Grundemotionen fächert die Wissenschaft allerdings sehr fein auf, und zwar oft nach den oben genannten Dimensionen ... <a title="Angst und Zorn zählen zu den Grundemotionen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/angst-und-zorn-zaehlen-zu-den-grundemotionen.html" aria-label="Mehr Informationen über Angst und Zorn zählen zu den Grundemotionen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Aus biologischer Sicht spricht viel dafür, dass Menschen weltweit nur etwa ein Dutzend Grundemotionen hegen. Philipp Hübl kennt sie: „Klare Kandidaten sein Angst, Zorn, Ekel, Traurigkeit und Freude; andere wie Staunen, Eifersucht und Peinlichkeit sind umstrittener.“ Die Nuancen der Grundemotionen fächert die Wissenschaft allerdings sehr fein auf, und zwar oft nach den oben genannten Dimensionen von Emotionen: Verhalten, Bezug, Bewusstsein, Ausdruck, Bewertung. Ganz gleich, wie man sich ausdrückt, wenn man über Angst spricht: Am Ende pulsiert immer die Amygdala, also der Mandelkern, der nussgroß jeweils rechts und links im unteren Schläfenlappen liegt. Die Amygdala ist Teil des neuronalen Schaltkreises der Angst. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012). <span id="more-2129"></span></p>
<p><strong>Es gibt die unterschiedlichsten Spielarten der Ängste</strong></p>
<p>Innerhalb der Gruppe der Ängste kann man viele Spielarten unterscheiden. Lampenfieber zum Beispiel ist eine Angst mit einem speziellen Bezug, nämlich vor anderen Menschen aufzutreten. Bei Wörtern wie „Flugangst“ und „Prüfungsangst“ nennt man das Objekt der Angst im Wort gleich mit. Nicht nur auf der Intensitätsskala unterscheidet man zwischen leichter Aufregung und Heidenangst. Auch die Dimension der Bewertung kennt Abstufungen: Grusel ist die Angst vor dem Unheimlichen und zeigt eine latente, lauernde Gefahr an. Panik hingegen sagt: akute Lebensgefahr!</p>
<p>Mischt sich Angst mit Vergnügen, während man einen Thriller anschaut, wird sie zur Spannung. Ist man selbst daran beteiligt wie beim Bungee-Jumping, erlebt man diese Angstlust als Nervenkitzel. Und wenn einen die Angst daran hindert, jemanden zu töten, äußert sie sich als Scheu, mit anderen Worten: in einer Tötungshemmung. Nicht nur für die Angst, sondern für alle grundlegenden Emotionen kann man diese Nuancen durchspielen. Zur Zorn-Gruppe gehören unter anderen Wut, Ärger, Genervtsein, Aggression, Groll und die Empörung als moralischer Zorn.</p>
<p><strong>Emotionen haben drei Funktionen</strong></p>
<p>Die Angst warnt einen Menschen vor Gefahren und leitet einen Abwehrmechanismus ein. In den meisten Fällen ist das die Flucht oder zumindest ein Vermeidungsverhalten. Die Angst hat allerdings noch eine weitere Funktion und die liegt in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Die Angst sieht man anderen Menschen an: Die Augen sind geweitet, das Kinn zur Brust geneigt, die Mundwinkel gerade nach hinten gezogen. Thriller und Horrorfilme wirken überhaupt nur, weil die Angst diese kommunikative Funktion hat.</p>
<p>Die Angst kann man anderen Menschen natürlich nicht nur ansehen, sondern man kann sie auch hören. Schreien kleine Kinder nach ihnen, hören die Eltern sofort, ob die Kleinen bloß bockig sind, oder ob Angst in ihrer Stimme liegt. Philipp Hübl erklärt: „Emotionen haben also drei Funktionen: Sie informieren uns durch eine automatische Bewertung über unsere Umwelt, sie leiten ein Verhalten ein und sie sind Teil der nichtsprachlichen Kommunikation, denn andere können an unserem Verhalten ablesen, wie es uns geht.“ Quelle: „Die aufgeregte Gesellschaft“ von Philipp Hübl</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Martha Nussbaum beschreibt einige menschliche Schwächen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 Mar 2019 08:12:22 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Emotionen]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Verachtung gleicht dem Zorn darin, dass sie ein Zielobjekt und einen Fokus hat: Ihren Fokus bilden eine oder mehrere Eigenschaften einer Person und ihr Zielobjekt ist die aufgrund dieser Eigenschaften als niedrig oder gering geltendes Individuum. In beiden Fällen handelt es sich bei dem Zielobjekt um eine Person. Martha Nussbaum ergänzt: „Der Fokus des ... <a title="Martha Nussbaum beschreibt einige menschliche Schwächen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/martha-nussbaum-beschreibt-einige-menschliche-schwaechen.html" aria-label="Mehr Informationen über Martha Nussbaum beschreibt einige menschliche Schwächen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die Verachtung gleicht dem Zorn darin, dass sie ein Zielobjekt und einen Fokus hat: Ihren Fokus bilden eine oder mehrere Eigenschaften einer Person und ihr Zielobjekt ist die aufgrund dieser Eigenschaften als niedrig oder gering geltendes Individuum. In beiden Fällen handelt es sich bei dem Zielobjekt um eine Person. Martha Nussbaum ergänzt: „Der Fokus des Zorns aber liegt auf einer Handlung, jener der Verachtung auf einer oder mehreren relativ beständigen Persönlichkeitseigenschaften.“ Die Verachtung nimmt ihren Anfang in der angeblichen Niedrigkeit einer Person, der gewisse gute Charaktereigenschaften abgesprochen werden, seien es moralische oder soziale.“ Die ablehnende Haltung resultiert also aus der wahrgenommenen Niedrigkeit. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. <span id="more-1992"></span></p>
<p><strong>Der Neid ist eine schmerzvolle Emotion</strong></p>
<p>Beim statusfokussierten Zorn hingegen resultiert die ablehnende Haltung aus etwas, das einen selbst betrifft, nämlich aus der Erniedrigung, die einem selbst durch die Tat, auf die sich der Zorn konzentriert, angeblich zugefügt wurde. Erst dann versucht man, das Zielobjekt der Emotion, eine Person, auf einen niedrigen Platz zu verweisen. Tatsächlich wird die andere Person anfangs keineswegs als niedrig betrachtet, sondern als stark und jederzeit in der Lage, Schaden anzurichten.</p>
<p>Wenn man so will, kommen die beiden Emotionen Verachtung und Zorn auf dasselbe hinaus, doch mit einer ganz unterschiedlichen Dynamik. Weitere negative menschliche Eigenschaften sind der Neid und sein enger Verwandter, die Eifersucht. Sie gleichen dem Zorn darin, dass sie ablehnende Emotionen darstellen, die sich auf eine oder mehrere Personen beziehen. Der Neid ist eine schmerzvolle Emotion, die dem Glück oder den Vorteilen anderer gilt und aus dem Vergleich der eigenen nachteiligen Lage mit derjenigen der anderen entsteht.</p>
<p><strong>Der Neider empfindet Groll gegen seinen Rivalen</strong></p>
<p>Der Neid umfasst einen Rivalen und ein Gut oder mehrere Güter, die als wichtig eingeschätzt werden; den Neider quält es, dass der Rivale all diese guten Dinge besitzt und er nicht. Wie beim Zorn werden die guten Dinge nicht in irgendeiner abstrakten oder unbeteiligten Form als wichtig erachtet, sondern sie müssen für die betreffende Person selbst und für ihr Kernempfinden des Wohlergehens von großer Bedeutung sein. Auch wenn der Neid im Unterschied zum Zorn nicht die Vorstellung einer Unrechtstat umfasst, so schließt er doch im Regelfall eine gewisse Form von Unmut gegenüber dem glücklichen Rivalen ein.</p>
<p>Der Neider will, was der Rivale hat, und empfindet infolgedessen Groll gegen ihn. Martha Nussbaum fügt hinzu: „Wenn die Vorteile als unlautere Gewinne gelten, nähern Neid und Zorn sich stark einander an, und der Neid könnte ähnliche Vergeltungsgedanken wie der Zorn aufkommen lassen, die ebenso wenig hilfreich wären.“ Denn bei ihm verhält es sich genau wie beim Zorn: Nur da, wo sein Fokus ausschließlich auf der relativen Position oder Stellung liegt und nicht mehr auf greifbaren Vorteilen, kann Vergeltung die Situation des Neiders tatsächlich verbessern. Quelle: „Zorn und Vergebung“ von Martha Nussbaum</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<item>
		<title>Martha Nussbaum erklärt den Zorn der Kinder auf ihre Eltern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Dec 2018 07:22:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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					<description><![CDATA[Selbst erwachsene Kinder geraten manchmal in Zorn über ihre Eltern. Martha Nussbaum erläutert: „Sie stoßen sich an der elterlichen Autorität und empfinden das Bedürfnis, durch emotionale Konfrontation zur Selbstbestimmung zu gelangen.“ Zorn gehört tatsächlich eng zu dieser Beziehung, weil sich das Kind in seinem Bemühen um Unabhängigkeit schon am Dasein und an der Kompetenz des ... <a title="Martha Nussbaum erklärt den Zorn der Kinder auf ihre Eltern" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/martha-nussbaum-erklaert-den-zorn-der-kinder-auf-ihre-eltern.html" aria-label="Mehr Informationen über Martha Nussbaum erklärt den Zorn der Kinder auf ihre Eltern">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Selbst erwachsene Kinder geraten manchmal in Zorn über ihre Eltern. Martha Nussbaum erläutert: „Sie stoßen sich an der elterlichen Autorität und empfinden das Bedürfnis, durch emotionale Konfrontation zur Selbstbestimmung zu gelangen.“ Zorn gehört tatsächlich eng zu dieser Beziehung, weil sich das Kind in seinem Bemühen um Unabhängigkeit schon am Dasein und an der Kompetenz des Elternteils stößt und gute Eltern fast unerträglicher sind als schlechte Eltern. Im Jugendalter ist Zorn in der Regel strategisch: Kinder nutzen ihre Emotionen, um sich loszulösen, eine Abgrenzung zu schaffen, auch wenn ihnen das selbst nicht klar ist. Bei Kindern ist dies gewöhnlich eine harmlose Strategie und eine vorübergehende Erscheinung. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. <span id="more-1942"></span></p>
<p><strong>Eltern scheinen eine drohende Gefahr für die Selbstbestimmung zu sein</strong></p>
<p>Doch die Auswirkungen davon bleiben spürbar. Das Ungleichgewicht der Macht lässt sich schwer überwinden, und mit ihm verbunden ist ein Zorn, der das ganze Leben andauern kann. Schon die Existenz des Elternteils kann wie ein Unrecht erscheinen, wie eine Leugnung der Gleichrangigkeit. Es ist nie leicht, eine Beziehung mit einem Elternteil als einem ganzen Menschen herzustellen, und sie nicht als Gesamtzusammenhang für das eigene Leben und eine drohende Gefahr für die Selbstbestimmung zu sehen.</p>
<p>Eigentlich geht es um Achtung, um das Achten oder Respektieren einer eigenständigen und selbstbestimmten Existenz. Daran nämlich nehmen Kinder Anstoß, dass ihnen diese Achtung ihrer Meinung nach vorenthalten wird, und diese Achtung verweigern Eltern bewusst oder unbewusst – oder sie sehen einfach nicht, dass sie diese ihren Kindern aus deren Sicht vorenthalten. Eltern, die diese Achtung zurückhalten, handeln in der Tat falsch, und in diesem Sinne können Zorn und Wut begründet sein.</p>
<p><strong>Für den „Tanz des Zorns“ darf kein Platz sein</strong></p>
<p>Allerdings dient der Zorn häufig dazu, das wirkliche Problem nicht zu lösen, sondern stellt eine Möglichkeit dar, sich davor zu drücken. Zudem ist der Zorn bequem, während es anstrengend ist, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Martha Nussbaum stellt fest: „Es ist äußerst schwer für Kinder, die Welt so zu betrachten, wie sie sich aus der Perspektive der Eltern als ganze und fehlbare Menschen darstellt, und in ihnen nicht magische, riesenhafte Wesen zu sehen.“ </p>
<p>Es bedeutet eine große Herausforderung für zwei Menschen, die sich nah sind, ihre Beziehung so zu verändern und auf neue Füße zu stellen, dass sie sowohl echte Eigenständigkeit als auch wirkliche Liebe und Intimität einschließt. Veränderung macht Angst. Der übliche Trott dagegen ängstigt weniger, auch wenn er schmerzhaft ist. Zur Empathie und zum spielerischen Umgang mit den Dingen ist zu sagen, dass dabei für den „Tanz des Zorns“ kein Platz ist. Quelle: „Zorn und Vergebung“ von Martha Nussbaum</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Zorn in der Ehe rührt oftmals von ungerechtfertigten Geschlechterrollen her</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 17 Sep 2018 08:11:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Ehe]]></category>
		<category><![CDATA[Zorn]]></category>
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					<description><![CDATA[Zorn in vertrauten Beziehungen resultiert häufig aus einer der zahlreichen falschen Wertvorstellungen einer Gesellschaft in Bezug auf Fehlverhalten und die Schwere, mit der es ins Gewicht fällt. Beispielsweise das Streben nach Unabhängigkeit von Kindern und selbst ihre Suche nach bloßem Vergnügen häufig äußerste Missbilligung erfahren. Martha Nussbaum nennt ein weiteres Beispiel: „So verbindet sich auch ... <a title="Zorn in der Ehe rührt oftmals von ungerechtfertigten Geschlechterrollen her" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/zorn-in-der-ehe-ruehrt-oftmals-von-ungerechtfertigten-geschlechterrollen-her.html" aria-label="Mehr Informationen über Zorn in der Ehe rührt oftmals von ungerechtfertigten Geschlechterrollen her">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Zorn in vertrauten Beziehungen resultiert häufig aus einer der zahlreichen falschen Wertvorstellungen einer Gesellschaft in Bezug auf Fehlverhalten und die Schwere, mit der es ins Gewicht fällt. Beispielsweise das Streben nach Unabhängigkeit von Kindern und selbst ihre Suche nach bloßem Vergnügen häufig äußerste Missbilligung erfahren. Martha Nussbaum nennt ein weiteres Beispiel: „So verbindet sich auch der Zorn in der Ehe in vielen Fällen mit Annahmen und Erwartungen, die maßgeblich von ungerechtfertigten Geschlechterrollen herrühren; Männer haben namentlich das Streben der Frauen nach Unabhängigkeit und Gleichheit als besonders bedrohlich empfunden.“ Es ist oft schwierig zu trennen zwischen Fällen, in denen Zorn unangebracht ist, weil die betreffende Person gegen eine schlechte gesellschaftliche Norm verstoßen, aber nichts wirklich Falsches getan hat, und Fällen, in denen ein wirkliches Unrecht geschehen ist. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. <span id="more-1911"></span></p>
<p><strong>Narzissmus und Angst gehören zum menschlichen Leben</strong></p>
<p>Eine ständige Quelle kulturellen Irrtums speist sich aus Hierarchie- und Statusdenken. Die zwanghafte Konzentration auf den Status ist nur zum Teil kulturell bedingt; Narzissmus und Angst gehören zum menschlichen Leben, und wegen der großen Verwundbarkeit, die vertraute Beziehungen mit sich bringen, finden sie sich dort besonders häufig. Wenn Menschen Hierarchien errichten und andere unter Kontrolle zu halten versuchen, ist dies in vielen Fällen Ausdruck einer universellen menschlichen Neigung in einer Welt der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins.</p>
<p>Die für vertraute Beziehungen geltenden Normen zählen zu den umstrittensten und ungewissesten im menschlichen Leben. Es scheint jedoch klar zu sein, dass es manche Fälle von Zorn in vertrauten Beziehungen gibt, in denen dieser begründet ist, weil ein wirkliches Unrecht begangen wurde. Zorn aufgrund von Misshandlung, Gewalt, Betrug – aber auch wegen Grobheit oder dem Fehlen von Sorge und Unterstützung – ist häufig begründet. Denn Freundschaft, Liebe und familiäre Beziehungen stellen jede für sich ein wichtiges Gut dar und sie alle sind es wert, dass man sich intensiv um sie kümmert. </p>
<p><strong>In der Regel werden Kinder von ihren Eltern innig geliebt</strong></p>
<p>Kinder versetzen ihre Eltern manchmal in Zorn. Sie sind ungezogen, ungewaschen, ungehorsam und faul. Sie machen ihre Hausaufgaben nicht. Sie beteiligen sich nicht am Haushalt. Außerdem tun sie ein paar wirklich schlimme Dinge: Sie erzählen Lügen, begehen Diebstähle, halten sich nicht an ihre Versprechen, tyrannisieren andere Kinder. Martha Nussbaum ergänzt: „Manchmal schaden sie sich und ihrer eigenen Entwicklung, indem sie beispielsweise Drogen nehmen. Und manchmal, wenn auch seltener, begehen sie schwere Verbrechen.“ </p>
<p>Darum werden Zorn und Wut mit ziemlicher Sicherheit selbst in den besten Eltern-Kind-Beziehungen eine nicht unerhebliche Rolle spielen. Die Beziehung zwischen Elternteil und Kind – wenn sie sich kennen und in gewissem Umfang zusammenleben – ist für das Wohlbefinden beider enorm wichtig. In der Regel sind Kinder von ihren Eltern unbedingt gewollt und werden von ihnen innig geliebt. Außerdem verlängern sie die elterliche Existenz gleichsam in die Zukunft, lassen sie an der Unsterblichkeit teilhaben und geben ihnen eine Möglichkeit, weiter an der Welt mitzuwirken. Quelle: „Zorn und Vergebung“ von Martha Nussbaum</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Werte einer Beziehung sind durch den Zorn stark bedroht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jul 2017 04:59:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Zorn]]></category>
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					<description><![CDATA[Häufig heißt es, der Zorn – sei er bisweilen auch übermäßig und unangebracht – stellt in vertrauten und persönlichen Beziehungen einen wertvollen Ausdruck von Selbstachtung dar, der kultiviert werden soll, vor allem von Menschen mit leicht angreifbarem Selbstwertgefühl – Frauen werden oft als Beispiel angeführt. Martha Nussbaum wendet sich gegen diese Argumentation und behauptet, dass ... <a title="Die Werte einer Beziehung sind durch den Zorn stark bedroht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/die-werte-einer-beziehung-sind-durch-den-zorn-stark-bedroht.html" aria-label="Mehr Informationen über Die Werte einer Beziehung sind durch den Zorn stark bedroht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Häufig heißt es, der Zorn – sei er bisweilen auch übermäßig und unangebracht – stellt in vertrauten und persönlichen Beziehungen einen wertvollen Ausdruck von Selbstachtung dar, der kultiviert werden soll, vor allem von Menschen mit leicht angreifbarem Selbstwertgefühl – Frauen werden oft als Beispiel angeführt. Martha Nussbaum wendet sich gegen diese Argumentation und behauptet, dass die für die persönliche Vertrautheit charakteristischen Werte auf den Zorn verzichten können und durch ihn sogar stark bedroht sind. Natürlich kommen Verletzungen und Vertrauensbrüche vor und sie sind oftmals Anlass für kurzeitigen Zorn oder langjährige Trauer. Dennoch ist die Trauer über einen Verlust besser als das sture Festhalten dran, den Verlust jemand anderem zuzuschieben. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart. <span id="more-1697"></span></p>
<p><strong>Bestrafung sorgt nicht für Gerechtigkeit</strong></p>
<p>Martha Nussbaum erklärt: „Wenngleich ein kurzzeitiger Zorn verständlich und menschlich ist, ist er kaum jemals hilfreich und sollte mit Sicherheit nicht das künftige Geschehen bestimmen.“ Im politischen Bereich ist für Martha Nussbaum die unparteiliche Gerechtigkeit die wichtigste Tugend. Es handelt sich dabei um eine gütige Tugend, die das Gemeinwohl im Blick hat. Sie ist ein erster Linie eine Tugend von Institutionen, aber auch auf entscheidende Weise eine Tugend der Menschen, die diese Institutionen bevölkern und stützen. </p>
<p>Im Fall der Gerechtigkeit im Alltag argumentiert Martha Nussbaum, dass dem Streben nach Gerechtigkeit mit einer engen Ausrichtung an irgendeiner Form von Bestrafung schlecht gedient ist. Dies gilt ihrer Meinung aber noch mehr für die Fokussierung selbst auf eine anspruchsvolle strafrechtliche Form der Vergeltung. Martha Nussbaum ergänzt: „Vor allem anderen sollte die Gesellschaft eine vorausschauende Perspektive einnehmen, das ganze Problem der Kriminalität analysieren und nach den besten Strategien suchen, fortan damit umzugehen. </p>
<p><strong>Vergebung kann inquisitorisch und disziplinarisch sein</strong></p>
<p>Bei der Frage nach der revolutionären Gerechtigkeit wird häufig die Meinung vertreten, dass der Zorn sowohl edel aus auch notwendig sein kann, wenn er den Unterdrückten hilft, sich zu behaupten und nach Gerechtigkeit zu streben. Martha Nussbaum behauptet dagegen, dass der Zorn auch hier ein großes Hemmnis darstellt, indem er der Großzügigkeit und Empathie im Wege steht, mit deren Hilfe sich eine gerecht Zukunft gestalten lässt. Freude und Großzügigkeit sind Eigenschaften, die gut zu dem Vorhaben passen, etwas zu erschaffen, das besser ist als das Bestehende.</p>
<p>Ein sehr angesagtes Thema ist die Vergebung, die in der Politik und der Philosophie viele Verfechter hat. Martha Nussbaum argumentiert, dass Vergebung, zumindest in ihrer klassischen transaktionalen Form, eine Geisteshaltung aufweist, die äußerst inquisitorisch und disziplinarisch ist. Martha Nussbaum schreibt: „Der Weg der Vergebung beginnt normalerweise mit furchtbarem Zorn über ein Unrecht, das einem durch eine andere Person zugefügt wurde. Aus einem in der Regel dyadischen Verfahren, das Konfrontation, Geständnis, Entschuldigung und das Durcharbeiten umfasst, geht die geschädigte Person triumphierend hervor, unbelastet von Zorngefühlen, mit vollständig anerkannten Ansprüchen und bereit die Gunst der Zornlosigkeit zu erweisen.“ Quelle: „Zorn und Vergebung“ von Martha Nussbaum</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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