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	<title>Sadismus &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Der Code des Bösen ist unbekannt</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jun 2022 01:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
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					<description><![CDATA[Da das Böse nur schwer beschrieben und nicht wirklich erfasst werden kann, wäre es vermessen, den Code des Bösen gleichsam entschlüsseln zu wollen. Reinhard Haller stellt fest: „Dennoch können vonseiten der Kriminalpsychologie und -psychiatrie Verhaltensweisen, Bilder und Szenarien beschrieben werden, die dem Bösen weitgehend entsprechen.“ Es muss sich dabei um Täterpersönlichkeiten und Taten handeln, die ... <a title="Der Code des Bösen ist unbekannt" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/reinhard-haller-der-code-des-boesen.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Code des Bösen ist unbekannt">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Da das Böse nur schwer beschrieben und nicht wirklich erfasst werden kann, wäre es vermessen, den Code des Bösen gleichsam entschlüsseln zu wollen. Reinhard Haller stellt fest: „Dennoch können vonseiten der Kriminalpsychologie und -psychiatrie Verhaltensweisen, Bilder und Szenarien beschrieben werden, die dem Bösen weitgehend entsprechen.“ Es muss sich dabei um Täterpersönlichkeiten und Taten handeln, die weit aus dem Normalen herausfallen, die Hemmschwelle für destruktives Verhalten auf einer sonst nicht gekannten Stufe überspringen und einen hohen Planungsgrad aufweisen. Dies setzt aufseiten der Täter einen psychopatischen Charakter mit fehlendem Einfühlungsvermögen und hochgradigem Sadismus sowie den Willen zur Beherrschung und Entmenschlichung anderer voraus. Es dürfen aber keine so schweren psychischen Störungen oder Erkrankungen vorliegen, als das eine freie Willensbildung nicht mehr möglich wäre. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender. <span id="more-3634"></span></p>
<p><strong>Ein Mangel an Empathie führt zur Destruktivität</strong></p>
<p>Reinhard Haller erklärt: „Das heißt, Entschluss und Durchführung der bösen Tat müssen gewollt sein und dürfen nicht auf krankhaften Beeinträchtigungen von Verstand und Willen beruhen. Aufseiten der Taten geht es um eine Art der Aggression und die Schwere der Folgen für die Opfer.“ Aus kriminalpsychiatrischer Sicht sind in einer durch und durch bösen Tat einige Elemente, die den Code des Bösen bilden könnten, enthalten. Dazu zählen fehlende Empathie, einseitige Machtverteilung und eine psychopatische Charakterstruktur. </p>
<p>Weitere Elemente sind die Entwürdigung der Opfer, der Planungsgrad, die Schwere der Folgen für die Opfer und die Missachtung des Moralinstinktes. Die Basis aller menschlichen Destruktivität ist der Mangel an Empathie, an der Fähigkeit, sich in andere einzufühlen. Empathie bezeichnet das Vermögen, das Denken, Fühlen und Wollen anderer Personen zu erkennen, zu verstehen und darauf im wahrsten Sinne des Wortes mitleidig „zu reagieren“. Echtes Verständnis und nicht wertendes Eingehen auf die Mitmenschen in ihrer Gesamtheit, sensibilisiert sie für die Gefühlslage anderer. </p>
<p><strong>Sigmund Freud hat den Empathiebegriff geprägt</strong></p>
<p>Die heutige Bedeutung hat der Empathiebegriff, der vom griechischen Wort für „Leidenschaft“ oder „intensive Gefühlsregung“ herstammt, im Wesentlichen durch Sigmund Freud (1856 – 1939) erhalten. Großen Aufschwung erhielt das Empathiekonzept durch den amerikanischen Psychotherapeuten Carl Rogers (1902 – 1987), der die humanische Psychologie begründete. Aber erst als der frühere US-Präsident Barak Obama 2006 in einer Rede von einem „Empathiedefizit“ unserer Gesellschaft gesprochen hat, hat sich die Thematik in Pädagogik, Marketing, Management und auch in der Kriminologie etabliert. </p>
<p>Mangelnde Empathiefähigkeit gilt als eine der wichtigsten Eigenschaften krimineller Menschen, wobei es allerdings um die „richtige“ Empathie, das konstruktiv-positive Mitleiden, geht. Reinhard Haller betont: „Denn auch ein Sadist oder grausamer Mörder kann empathisch sein, wenn er zum Beispiel nachfühlt, welche Qual ein Opfer am meisten trifft.“ Der weltberühmte Physiker und Kosmologe Steven Hawking vertritt die These, dass nur das rechte Einfühlungsvermögen die Menschen in einen ruhigen und friedlichen Zustand bringe, somit in eine Verfassung, in der das Böse keinen Platz hat. Quelle: „Das Böse“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sadisten quälen ihre Opfer voller Lust</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2020 06:23:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm]]></category>
		<category><![CDATA[Josef Stalin]]></category>
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					<description><![CDATA[Einige Menschen suchen Gelegenheiten zu aggressivem Verhalten. Obwohl es ihnen keinen Nutzen bringt und kein Ärgernis und keine Bedrohung vorliegt. Hans-Peter Nolting erklärt: „Ihnen verschafft schon die aggressive Aktivität selbst einen Lustgewinn: einen Kick, einen Machtrausch oder sexuelle Erregung.“ In leichteren Erscheinungsformen gewinnen sie Vergnügen aus Schlägereien oder dem Schikanieren von Mitmenschen im Alltag. Bei ... <a title="Sadisten quälen ihre Opfer voller Lust" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/sadisten-quaelen-ihre-opfer-voller-lust.html" aria-label="Mehr Informationen über Sadisten quälen ihre Opfer voller Lust">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Einige Menschen suchen Gelegenheiten zu aggressivem Verhalten. Obwohl es ihnen keinen Nutzen bringt und kein Ärgernis und keine Bedrohung vorliegt. Hans-Peter Nolting erklärt: „Ihnen verschafft schon die aggressive Aktivität selbst einen Lustgewinn: einen Kick, einen Machtrausch oder sexuelle Erregung.“ In leichteren Erscheinungsformen gewinnen sie Vergnügen aus Schlägereien oder dem Schikanieren von Mitmenschen im Alltag. Bei ausgesprochen sadistischer Neigung sind sie hingegen darauf aus, die Qual des Opfers auszudehnen und auszugestalten. Serienmörder leben mit ihren Vergewaltigungen und Tötungshandlungen Phantasien aus. Diese Phantasien beherrschen sie. Wenn ihnen ihre Tat den erwarteten Lustgewinn verschafft, ist dies ein Grund für eine Wiederholung. Dr. Hans-Peter Nolting beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Themenkreis Aggression und Gewalt, viele Jahre davon als Dozent für Psychologie an der Universität Göttingen. <span id="more-2333"></span></p>
<p><strong>Josef Stalin bevorzugte Formen des seelischen Sadismus</strong></p>
<p>Hans-Peter Nolting ergänzt: „Falls die Tat jedoch kein so großartiges Erlebnis wurde, glauben sie, bei der Ausführung einen Fehler gemacht zu haben. Aus diesem Grunde begehen sie einen weiteren, diesmal „besser“ ausgeführten Mord.“ So kommt es zu einer Serie von Morden, in der sie nach immer höherer Perfektion streben. Als Beispiel für einen sadistischen Wiederholungstäter hat der Psychoanalytiker Erich Fromm den sowjetischen Diktator Josef Stalin beschrieben. Dieser befand sich offenbar in einem destruktiven Machtrausch.</p>
<p>Erich From erläutert: „Eine besonders raffinierte Form des Sadismus bestand darin, dass Stalin die Gewohnheit hatte, die Frauen – und manchmal auch die Kinder – höchster Sowjet- oder Parteifunktionäre zu verhaften und sie in Arbeitslager zu stecken. Die Männer mussten weiter ihrer Arbeit nachgehen und vor Stalin zu Kreuze kriechen. Sie konnten es nicht wagen, um ihre Entlassung zu bitten.“ Nach Erich Fromms Aussagen hat Josef Stalin selbst angeordnet, auf welche Weise ein Gefangener gefoltert werden sollte. Dabei hat er Formen des seelischen Sadismus bevorzugt.</p>
<p><strong>Erfolgserlebnisse spielen bei Gewalt eine wichtige Rolle</strong></p>
<p>So hat Josef Stalin manchen Opfern versichert, dass sie nichts zu befürchten hätten. Ein oder zwei Tage später hat er sie jedoch verhaften lassen. Erich Fromm vermutet, dass Josef Stalin ein sadistisches Vergnügen daran hatte, Menschen seiner Gunst zu versichern. Gleichzeitig wusste er, welches Schicksal ihnen tatsächlich bevorstand. Erich Fromm fragt: „Gibt es eine größere Überlegenheit und eine vollkommenere Herrschaft über einen anderen Menschen?“ Wie jemand zu einem Menschen mit sadistischer Neigung wird, ist laut Hans-Peter Nolting noch nicht gründlich erforscht.</p>
<p>Doch spielen Erfolgserlebnisse bei der Ausübung von Gewalt offenbar eine wichtige Rolle. Hans-Peter Nolting nennt ein Beispiel: „So kann bei dem einen oder anderen Geheimpolizisten das Foltern von einer anfänglich dienstlichen Pflichterfüllung nach und nach zu einem Vergnügen werden.“ Die meisten Menschen werden aber durch erfolgreiche Gewaltausübung in militärischen oder anderen Bereichen nicht zu Sadisten. Es müssen also sicherlich noch andere Faktoren hinzukommen. Quelle: „Psychologie der Aggression“ von Hans-Peter Nolting</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Auch normale Menschen genießen Grausamkeiten</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Feb 2019 07:40:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
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					<description><![CDATA[Laut der Sozialpsychologen Roy Baumeister und Keith Campbell stellt der „Sadismus, definiert als das unmittelbare Erleben von Lust durch das Quälen anderer, den offensichtlichsten intrinsischen Anreiz zu bösen Taten dar“. Julia Shaw stellt fest: „Sie argumentieren, dass das Vorhandensein von Sadismus alle anderen Theorien oder Erklärungen des Bösen obsolet macht; sie meinen also, man brauche ... <a title="Auch normale Menschen genießen Grausamkeiten" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/auch-normale-menschen-geniessen-grausamkeiten.html" aria-label="Mehr Informationen über Auch normale Menschen genießen Grausamkeiten">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Laut der Sozialpsychologen Roy Baumeister und Keith Campbell stellt der „Sadismus, definiert als das unmittelbare Erleben von Lust durch das Quälen anderer, den offensichtlichsten intrinsischen Anreiz zu bösen Taten dar“. Julia Shaw stellt fest: „Sie argumentieren, dass das Vorhandensein von Sadismus alle anderen Theorien oder Erklärungen des Bösen obsolet macht; sie meinen also, man brauche keine anderen Theorien des Bösen, Sadismus sei immer der Grund, warum Menschen Böses tun.“ Roy Baumeister und Keith Campbell schreiben: „Die Leute tun es, weil es sich gut anfühlt; mehr brauchen wir dazu nicht zu sagen.“ Erin Buckels und Kollegen argumentieren ebenfalls, dass Sadismus eigentlich ziemlich normal sei. Sie behaupten, dass „derzeitige Auffassungen von Sadismus selten über jene von sexuellen Fetischen hinausgehen.“ Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz. <span id="more-1977"></span></p>
<p><strong>Die Aggression gehört scheinbar zum Sadismus dazu</strong></p>
<p>Erin Buckels und Kollegen schreiben: „Doch auch bei offensichtlich normalen Menschen kommt es vor, dass sie Grausamkeit genießen … Diese gewöhnlichen Manifestationen von Grausamkeit implizieren eine subklinische Form des Sadismus oder einfach alltäglichen Sadismus. Erin Buckels und Kollegen meinen, dass sich die Menschen selbst besser kennenlernen müssen, wenn sie zu einem wirklichen Verständnis von Sadismus gelangen wollen.</p>
<p>Erin Buckels und Kollegen schreiben: „Um das Phänomen Sadismus vollständig zu erfassen, müssen wir uns seine Alltäglichkeit und überraschende Häufigkeit eingestehen.“ Welches sind die Gemeinsamkeiten dieser sadistischen Verhaltensweisen? Eine nicht immer, aber häufig auftauchende Begleiterscheinung von Sadismus ist die Aggression. Wenn man Mensch oder Tier wehtut, handelt man nicht unbedingt immer, aber eben oft aggressiv. Wenn man aus einer Sache ein großes sadistisches Vergnügen ziehen will, gehört die Aggression dazu, wie es scheint.</p>
<p><strong>Das Gefühl der „süßen Aggression“ scheint ziemlich normal zu sein</strong></p>
<p>Etwas, was sadistische Neigungen überraschenderweise zum Vorschein zu bringen scheint, ist die Anwesenheit niedlicher Tiere. Julia Shaw erläutert: „Einige Tiere sind einfach so süß, dass wir den leichten Wunsch verspüren, ihnen wehzutun.“ Warum ist das so? Forscher versichern, dass die meisten Menschen diesen Tieren nicht wirklich Schaden zufügen wollen, sodass diese Emotionen nicht auf ein tiefes, dunkles, im Inneren lauerndes Geheimnis hindeuten. Sie lieben „Fluffy“ einfach nur „hart“ und wollen ihm nicht wirklich wehtun.</p>
<p>Das erklärt jedoch nicht, warum das Gehirn einen Menschen mit einer quasiaggressiven Reaktion lockt und quält. Julia Shaw weiß: „Dieses Gefühl, Dingen wehzutun, die wir süß finden, ist so verbreitet, dass es einen Begriff dafür gibt – cute aggression.“ Wenn man Bilder von kleinen Kätzchen online sieht, hält sich die cute aggression noch im Rahmen, aber es wirklich mit ihnen zu tun zu haben, scheint für viele Menschen einfach zu viel zu sein. Das Gefühl der „süßen Aggression“ scheint ziemlich normal zu sein und ist nicht völlig überraschend. Quelle: „Böse“ von Julia Shaw</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sadismus und Masochismus sind allgegenwärtig</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Sep 2017 06:27:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
		<category><![CDATA[Lust]]></category>
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					<description><![CDATA[Erinnerungen an intensive emotionale Situationen üben einen starken Sog auf alle Menschen aus – insbesondere Erinnerungen an Schmerzen oder Gewalt. David Gelernter erklärt: „Dass solche Erinnerungen uns anziehen, liegt an unserer morbiden Faszination, unserem angeborenen Sadismus oder Masochismus.“ Ein Sadist ist man insofern, als man sich von den Schmerzen anderer Menschen angezogen fühlt, und ein ... <a title="Sadismus und Masochismus sind allgegenwärtig" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/sadismus-und-masochismus-sind-allgegenwaertig.html" aria-label="Mehr Informationen über Sadismus und Masochismus sind allgegenwärtig">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Erinnerungen an intensive emotionale Situationen üben einen starken Sog auf alle Menschen aus – insbesondere Erinnerungen an Schmerzen oder Gewalt. David Gelernter erklärt: „Dass solche Erinnerungen uns anziehen, liegt an unserer morbiden Faszination, unserem angeborenen Sadismus oder Masochismus.“ Ein Sadist ist man insofern, als man sich von den Schmerzen anderer Menschen angezogen fühlt, und ein Masochist ist man, weil einen Erinnerungen auch dann anziehen, wenn man sie unangenehm, schmerzlich oder abstoßend findet. Sadismus und Masochismus sind allgegenwärtig und so menschlich wie das Atmen. Vor allem aber ziehen Menschen diese Erinnerungen wegen ihrer schieren Intensität an. Das Hellste, Lauteste, Größte, Stärkste weckt immer die Aufmerksamkeit, ganz gleich, was es ist. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University. <span id="more-1723"></span></p>
<p><strong>Menschen werden von der Lust angezogen</strong></p>
<p>Menschen fühlen sich zu nahezu allem hingezogen, was sie starke Emotionen empfinden lässt; das gilt insbesondere in der sensationshungrigen Welt des 21. Jahrhunderts. David Gelernter erläutert: „Wir werden natürlich von Lust angezogen und erschaffen Tagträume und Phantasien, um Lust zu empfinden. Seltsamerweise locken uns aber auch unangenehme Gefühle an. Wenn wir mit gewalttätigen oder entsetzlichen Szenen konfrontiert werden, wollen wir nicht hinsehen. Aber wir müssen. Und anschließend ziehen wir uns voller Schrecken zurück.“ </p>
<p>Das sogenannte „Wartezimmer“ ist für David Gelernter eine zentrale Funktion des Geistes. Tatsachen werden Menschen nicht blind untergeschoben; Erinnerungen und Gedanken gelangen aus dem Gedächtnis in ein „Wartezimmer“, das sich knapp außerhalb des Bewusstseins befindet. Der bewusste Geist weiß, was im Wartezimmer ist. Man spürt es und es steht einem frei, diese Kandidaten eines Gedankens einzulassen oder zurückzuweisen. Wenn sie schmerzlich oder ärgerlich oder einfach nur unbequem sind, werden sie aus dem Wartezimmer verwiesen und kehren ins Gedächtnis zurück. </p>
<p><strong>Erinnerungen an persönliches Leiden sorgen für heftige innere Konflikte</strong></p>
<p>David Gelernter erklärt: „Das Gedächtnis schlägt vor; der bewusste Geist entscheidet. Letztendlich können wir aber einer wichtigen Erinnerung, die mit einer größeren emotionalen Bürde versehen ist, nicht für alle Zeiten entgehen.“ Wenn man die Aufnahme verweigert, schleicht sie sich in die Träume oder Tagträume ein. Wenn man sich sogar weigert, von ihr zu träumen, taucht sie wahrscheinlich als neurotisches Symptom wieder auf. Natürlich fühlt man Schmerzen und Leiden anders, wenn es die eigenen Schmerzen und Leiden sind. </p>
<p>Erinnerungen an persönliches Leiden sorgen für heftige innere Konflikte – soll man sich an sie erinnern oder nicht? Es gibt dreierlei Probleme: erstens schlechte Erinnerungen, zweitens gefährliche Erinnerungen und drittens Erinnerungen, die auf der Stelle verbannt werden. Schlechte Erinnerungen können sich in das gewöhnliche, wache Bewusstsein einschleichen. Gefährliche Erinnerungen gelangen in der Regel nur dann ins Bewusstsein, wenn man träumt. Verbannte Erinnerungen verdrängt man und will sie vollständig loswerden. Quelle: „Gezeiten des Geistes“ von David Gelernter</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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