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	<title>Rationalität &#8211; Psychologie Guide</title>
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		<title>Rationalität ist nicht das Maß aller Dinge</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Oct 2025 01:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Evidenz]]></category>
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					<description><![CDATA[Selbst in ihren rationalen Überzeugungen sind Menschen weniger rational als sie denken. Philipp Sterzer stellt fest: „Da sehr viele Menschen mit ihren mehr oder weniger irrationalen Überzeugungen offenbar recht gut in der Welt zurechtkommen, scheint epistemische Rationalität nicht das Maß aller Dinge zu sein.“ Menschen finden ihre Irrationalität in vielen Fällen völlig in Ordnung, zum ... <a title="Rationalität ist nicht das Maß aller Dinge" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/philipp-sterzer-rationale-ueberzeugungen.html" aria-label="Mehr Informationen über Rationalität ist nicht das Maß aller Dinge">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Selbst in ihren rationalen Überzeugungen sind Menschen weniger rational als sie denken. Philipp Sterzer stellt fest: „Da sehr viele Menschen mit ihren mehr oder weniger irrationalen Überzeugungen offenbar recht gut in der Welt zurechtkommen, scheint epistemische Rationalität nicht das Maß aller Dinge zu sein.“ Menschen finden ihre Irrationalität in vielen Fällen völlig in Ordnung, zum Beispiel, wenn es um religiösen Glauben geht. In anderen Fällen aber, wenn es darum geht, was wahr ist und was nicht, haben sie das Gefühl, dass ihre Überzeugungen vernunftgeleitet sind und auf Faktenwissen beruhen. Menschen halten ihre Überzeugungen für epistemisch rational, scheinen sich darin aber oft zu täuschen. Im Jahr 2011 berief man Philipp Sterzer zum Professor für Psychiatrie und computationale Neurowissenschaften an die Charité in Berlin. 2022 wechselte er an die Universität Basel. <span id="more-6311"></span></p>
<p><strong>Kognitive Verzerrungen sind nicht selten</strong></p>
<p>Und das betrifft nicht nur Verschwörungstheorien, sondern möglicherweise viele ganz „normale“ Überzeugungen. Philipp Sterzer erklärt: „Wir leiden also, so scheint es, an einer Rationalitätsillusion – einer Illusion der Vernunft. Solche Selbsttäuschungen sind in der Psychologie bestens bekannt. Die Psychologie spricht im Falle fehlerhafter Neigungen im Denken und Urteilen von kognitiven Verzerrungen.“ Das bedeutet, dass Menschen in ihrem Denken systematische Fehler machen, also Sachverhalte falsch einschätzen.</p>
<p>Systematisch heißt, dass diese Fehler nicht zufällig mal in die eine oder andere Richtung gehen, sondern dass der Fehler immer wieder in eine bestimmte Richtung geht. Philipp Sterzer ergänzt: „Unsere Einschätzung eines Sachverhalts ist also nicht einfach nur ungenau, sondern in eine Richtung verzerrt.“ Wie kommen Menschen überhaupt zu ihren Überzeugungen? Grundsätzlich gibt es mindestens zwei Möglichkeiten. Die eine Möglichkeit besteht darin, dass sich Menschen auf der Grundlage der verfügbaren Evidenz ein Bild von der Welt machen. </p>
<p><strong>Das Gehirn ist ständig auf der Suche nach Mustern</strong></p>
<p>Diese Evidenz sammelt man entweder selbst durch eigene Erfahrung oder sie wird einem von anderen zur Verfügung gestellt, zum Beispiel in den Medien oder wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Philipp Sterzer fügt hinzu: „Die andere Möglichkeit ist, Überzeugungen mehr oder weniger ohne Überprüfung der Evidenz von unseren Mitmenschen zu übernehmen, zum Beispiel von unseren Eltern, Lehrern, Freunden, Pfarrern oder Gurus.“ Meine Überzeugung, dass mir körperliche Aktivität gut tut, kann darauf beruhen, dass meine Mutter mir das gesagt hat und ich es einfach glaube, weil ich ihr vertraue.</p>
<p>Beide Wege sind anfällig für kognitive Verzerrungen. Philipp Sterzer weiß: „Wenn wir aus Daten etwas lernen wollen, sind wir darauf angewiesen, in den Daten Muster zu erkennen. Unser Gehirn ist daher ständig auf der Suche nach Mustern, die für uns eine Bedeutung haben oder aus denen wir Vorhersagen ableiten können.“ Dabei schießen Menschen oft über das Ziel hinaus, indem sie Muster erkennen, wo eigentlich keine sind. Diese kognitive Verzerrung wird als „Clustering Illusion“ – engl. Cluster = Gruppe, Anhäufung – bezeichnet. Quelle: „Die Illusion der Vernunft“ von Philipp Sterzer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Philipp Sterzer interessieren Überzeugungen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jan 2024 02:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Was Philipp Sterzer sehr interessiert, sind Überzeugungen. Natürlich haben Überzeugungen Theorien und Aussagen zum Inhalt. Bei Überzeugungen kommt aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu. Nämlich der, dass zu einer Überzeugung immer auch eine Person gehört, die diese Überzeugung hat. Philipp Sterzer erklärt: „Die Person muss irgendwie zu dieser Überzeugung gelangt sein. Sie hält an ... <a title="Philipp Sterzer interessieren Überzeugungen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/ueberzeugungen-haben-theorien-und-aussagen-zum-inhalt.html" aria-label="Mehr Informationen über Philipp Sterzer interessieren Überzeugungen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Was Philipp Sterzer sehr interessiert, sind Überzeugungen. Natürlich haben Überzeugungen Theorien und Aussagen zum Inhalt. Bei Überzeugungen kommt aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu. Nämlich der, dass zu einer Überzeugung immer auch eine Person gehört, die diese Überzeugung hat. Philipp Sterzer erklärt: „Die Person muss irgendwie zu dieser Überzeugung gelangt sein. Sie hält an ihr fest, vertritt sie möglicherweise gegenüber anderen Personen und ist mehr oder weniger bereit, sie zu ändern – meistens weniger –, wenn sich die Evidenzlage ändert.“ Der Begriff der Rationalität sieht die Überzeugung als mentalen Akt oder Zustand einer Person und beleuchtet damit nicht nur eine inhaltliche Aussage auf ihre Wahrhaftigkeit hin, sondern auch die Person im Verhältnis zu dieser Aussage. Im Jahr 2011 berief man Philipp Sterzer zum Professor für Psychiatrie und computationale Neurowissenschaften an die Charité in Berlin. 2022 wechselte er an die Universität Basel. <span id="more-5184"></span></p>
<p><strong>Es gibt ein „Konsistenzprinzip der Rationalität“</strong></p>
<p>Wann aber kann man die Überzeugung einer Person als rational bezeichnen? Philipp Sterzer erläutert: „Die kurze und prägnante Antwort auf diese Frage lautet: Die Überzeugung einer Person ist dann rational, wenn sie durch gute Gründe gestützt ist. Gut sind Gründe dann, wenn ich damit meine Überzeugung plausibel und nachvollziehbar machen kann.“ Ein wichtiger Aspekt ist dabei, inwieweit die Überzeugungen einer Person untereinander konsistent sind.</p>
<p>Es geht hier darum, ob eine Überzeugung mit den anderen Überzeugungen oder Glaubenssätzen einer Person zusammenpasst. Das ist das sogenannte „Konsistenzprinzip der Rationalität“. Philipp Sterzer stellt fest: „Konsistenz ist also ein wichtiges Kriterium der Rationalität. Konsistenz allein reicht aber nicht.“ Für irrational hält man gewisse Überzeugungen deswegen, weil man sie für falsch hält – oder zumindest für hochgradig unwahrscheinlich.</p>
<p><strong>Die menschliche Erkenntnisfähigkeit ist begrenzt</strong></p>
<p>Die Kriterien für die sogenannte „epistemische Rationalität“ – epidemisch = auf Fakten begründet –, lauten: die Übereinstimmung einer Überzeugung mit der verfügbaren Evidenz und das Ansprechen auf diese. Hier sieht man die Nähe zur Korrespondenztheorie der Wahrheit deutlich. Philipp Sterzer weiß: „Die Korrespondenztheorie bezieht sich auf die Frage, inwieweit Theorien oder Aussagen mit der verfügbaren Evidenz übereinstimmen.“ Bei der epistemischen Rationalität geht es nun darum, inwieweit sich die Überzeugungen einer Person auf die verfügbare Evidenz stützen und sich an diese anpassen.</p>
<p>Wichtig ist dabei, dass es bei der epistemischen Rationalität neben der Wahrhaftigkeit einer Überzeugung, beziehungsweise ihrer Aussagen, auch darum geht, wie ein Mensch diese Überzeugung begründet. Philipp Sterzer betont: „Konsistenzprinzip und epistemische Rationalität schließen sich nicht gegenseitig aus.“ Grundsätzlich kämpft das Prinzip der epistemischen Rationalität mit einem fundamentalen Problem. Dass nämlich die menschliche Erkenntnisfähigkeit begrenzt ist und somit Aussagen über absolute Wahrheiten immer problematisch sind. Quelle: „Die Illusion de Vernunft“ von Philipp Sterzer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Das Gedächtnis ist kein Datenspeicher</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 14 Apr 2021 01:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerung]]></category>
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					<description><![CDATA[Menschliches Erleben und Erinnern sind in hohem Maß subjektiv bestimmt und in der Regel nimmt man dies nicht wahr. Denn das Gedächtnis funktioniert nicht wie ein Datenspeicher, in dem man unverändert reproduzierbare Inhalte abspeichern kann. Thomas Fischer fügt hinzu: „Merken und Erinnern sind vielmehr stark mit Emotionen, einer Gesamtheit von sensorischen, unbewussten und reflektierten Prozessen ... <a title="Das Gedächtnis ist kein Datenspeicher" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/das-gedaechtnis-ist-kein-datenspeicher.html" aria-label="Mehr Informationen über Das Gedächtnis ist kein Datenspeicher">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Menschliches Erleben und Erinnern sind in hohem Maß subjektiv bestimmt und in der Regel nimmt man dies nicht wahr. Denn das Gedächtnis funktioniert nicht wie ein Datenspeicher, in dem man unverändert reproduzierbare Inhalte abspeichern kann. Thomas Fischer fügt hinzu: „Merken und Erinnern sind vielmehr stark mit Emotionen, einer Gesamtheit von sensorischen, unbewussten und reflektierten Prozessen verbunden.“ Die Speicher der Erinnerung sind Teil des Gesamtkörpers eines Menschen. Erinnerung ist nicht das Öffnen einer Datei, sondern die Neukonstruktion einer Gesamtsituation, die ihrerseits wiederum ein Gefühls- und Reflexionsprozess ist. Dieser wird verarbeitet und hat seinerseits Einfluss auf das Ergebnis des Erinnerns. So entsteht jedes Mal ein etwas anderes Bild der Vergangenheit. Thomas Fischer war bis 2017 Vorsitzender des Zweiten Senats des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe. <span id="more-2610"></span></p>
<p><strong>Es entstehen immer mehr „parallele“ Wahrheiten</strong></p>
<p>Durch gezielte oder unbeabsichtigte Einflussnahmen ist es ohne weiteres möglich, in Personen lebhafte Erinnerungen hervorzurufen, die tatsächlich niemals stattgefunden haben. Auch solche scheinbaren Erinnerungen akzeptieren die betroffenen Personen schließlich als Wahrheit. Eine in den letzten Jahren verstärkt zu beobachtende sozialpsychologische Erscheinung ist das Entstehen von „parallelen“ Wahrheiten. Diese umfassen nicht allein Wertungen und Beurteilungen, sondern beziehen sich explizit auf Tatsachen. Dies sind zum einen die erstaunlich verbreiteten Verschwörungstheorien, die beliebige Tatsachen zu geschlossenen, wahnhaft erscheinenden Deutungssystemen integrieren.</p>
<p>Zum anderen sind es die politisch, ideologisch oder religiös motivierten Weigerungen, Tatsachen außerhalb des eigenen Deutungskontexts überhaupt oder als potenziell wahr zur Kenntnis zu nehmen. Die Begriffe „Fake News“ und „Alternative Facts“ stammen nicht zufällig aus dem Bereich der amerikanischen Kommunikation. In dieser hat eine Kombination von Meinungen mit Tatsachen du Spaltung des Wirklichkeitsempfindens ein früher kaum vorstellbares Ausmaß erreicht.</p>
<p><strong>In Europa herrscht eine Kultur der Rationalität</strong></p>
<p>Die Menschen in Europa leben seit rund fünfhundert Jahren vorwiegend in einer Kultur der Rationalität. Die Vernunft im Sinn einer Systematisierung von Erkenntnissen ist dabei das Prinzip des Denkens und das Garantieversprechen einer Definition der Wahrheit. Es wird den Menschen heute nicht als abstraktes Prinzip zugeschrieben, sondern als individuelle Eigenschaft und Pflicht: Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung, Selbstbestimmung. Im Zentrum des Denkens der Moderne steht der Mensch als Ich, Selbst, Subjekt.</p>
<p>Thomas Fischer stellt fest: „Es ist in der Welt am Ende des 20. Jahrhunderts jedenfalls nicht mehr mit Aussicht auf Erfolg bestreitbar, dass es bei der Beurteilung von abweichendem Verhalten und individuelle Schuld und Verantwortung geht. Und dass dies eine wahre, das heißt rational nachvollziehbare, legitime und allgemein akzeptable Zuweisung von Schuldvoraussetzungen erfordert.“ Es reicht zur Bestrafung wegen Mordes also nicht aus, dass Personen durch Eingebung, Traum oder kraft Tradition überzeugt sind, ein Beschuldigter habe dafür gesorgt, dass eine andere Person starb. Die Wahrheit muss nach Maßstäben festgestellt werden, die rationalen Sinnzusammenhängen folgen. Quelle: „Über das Strafen von Thomas Fischer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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