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	<title>Grausamkeit &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Grausamkeit ist die Vernichtung eines Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jun 2024 01:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Grausamkeit bedeutet innerhalb des Phänomenenkomplexes von Gewalt und Aggression nicht einfach eine nur quantitative Steigerung der Leidzufügung. Sondern sie ist womöglich die ultima ratio der Macht- und Gewaltausübung, in der die Auslöschung als Drohung inszeniert wird, um die Anderen gefügig zu machen oder ein Schauspiel in Gang zu setzen, das einen als Zuschauer an der Todesangst der Anderen teilhaben lässt.“ Grausamkeit ist die Vernichtung eines Gegenübers vor dessen/deren physischer Zurichtung, die aus ihm/ihr ein totes Ding macht, über das der Grausame absolute Verfügungsgewalt hat. Es sind&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Grausamkeit bedeutet innerhalb des Phänomenenkomplexes von Gewalt und Aggression nicht einfach eine nur quantitative Steigerung der Leidzufügung. Sondern sie ist womöglich die ultima ratio der Macht- und Gewaltausübung, in der die Auslöschung als Drohung inszeniert wird, um die Anderen gefügig zu machen oder ein Schauspiel in Gang zu setzen, das einen als Zuschauer an der Todesangst der Anderen teilhaben lässt.“ Grausamkeit ist die Vernichtung eines Gegenübers vor dessen/deren physischer Zurichtung, die aus ihm/ihr ein totes Ding macht, über das der Grausame absolute Verfügungsgewalt hat. Es sind ganz bestimmte Voraussetzungen, in denen die Aggression als normal erscheint. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5486"></span></p>
<p><strong>Aggression sorgt für möglichst absolute Sicherheit</strong></p>
<p>Zum Beispiel als Ausweis männlicher Identität, als notwendiger Antrieb in einer Welt, die von Polarität und Binarität bestimmt ist und in der der jeweilige ideologische, religiöse oder ethische Antipode zum Dämon avanciert. Dieser verdient kein Mitleid. Die Aggression dient dann als wirksames Mittel, eine möglichst absolute Sicherheit zu erlangen, die nicht nur auf das blanke Leben, sondern wie im Fall des Machthabers auf die Sicherung seiner Stellung hinausläuft.</p>
<p>Dabei entsteht ein Machtrausch, den anderen „fertig“ zu machen. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Das Opfer, jene vormoderne Form kollektiver regulierter Gewalt, ist insofern ein erhellendes Beispiel, weil es René Girard zufolge das sozietäre Einverständnis nicht nur voraussetzt, sondern gleichsam – im Akt ritueller Wiederholung – wiederherstellt und garantiert, schon allein dadurch, dass alle Menschen einer sozialen Gemeinschaft, wenn auch in verschiedenen Rollen, an dem kollektive Gewaltakt beteiligt sind.“</p>
<p><strong>Die Demokratie zeichnet sich durch ein kompliziertes Regelwerk aus</strong></p>
<p>Totalitäre Regime lassen sich dadurch charakterisieren, dass sie systematisch auf Gewaltzufügung, Grausamkeit, Strafe und Lebensbedrohung aufgebaut und ausgelegt sind. Wolfgang Müller-Funk ergänzt: „Liberale Demokratien versuchen – etwa durch das Gewaltmonopol – Gewalt zu kanalisieren, einzuschränken und sie als Ausnahmefall zu regeln. In diesem Sinne ermöglichen sie paradoxerweise Freiräume durch Einschränkung von Handlungen, die mit Gewaltandrohung und -ausübung verbunden sind.“ Die Zivilgesellschaften verdanken sich eben nicht allein einer historischen volonté generale, sondern vor allem der Erfahrung grausamer Bürger- und Religionskriege, aber auch des Terrors von Revolution und Gegenrevolution.</p>
<p>Ihren menschenrechtlichen Kern bildet die Sicherheit vor staatlicher Willkür und Gewalt. Nichts spricht mehr für den Skeptizismus, der sich hinter dem komplizierten Regelwerk der Demokratie verbirgt, als die zeitliche und räumliche Beschränkung der Machtausübung durch Gewaltenteilung und die zeitliche Begrenzung von politischen Ämtern. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Grausamkeit ist der Triumph einer Macht, die den Potentaten ein für alle Mal vor allen zukünftigen Anschlägen zu bewahren scheint; die Exekutierung sämtlicher bedrohlicher Konkurrenten ist, Horizont und Realität, phantasmatische Bestätigung uneingeschränkter Macht. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit erzeugt die Illusion von Macht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 Mar 2024 01:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk weiß: „Grausamkeit ist ein komplexes und kompliziertes Phänomen. Sie hat verschiedene Gestalten. Und sie hat von den Hochkulturen über das europäische und vielleicht auch osmanisch-arabische „Mittelalter“ bis hin zur Moderne nach 1789 unterschiedliche historische Auftritte.“ Zentrum einer Studie von Jody Enders bildet die mittelalterliche Grausamkeit. Die Verfasserin begreift Folter und Tortur als Erbschaft der Antike. Elaine Scarrys Untersuchung, die ebenfalls das Mittelalter ins Blickfeld rückt, vertritt die These, dass organsierte Gewalt die Produktion einer phantastischen Illusion von Macht erzeugt. Sie beschreibt die öffentliche Folter als ein groteskes Beispiel&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk weiß: „Grausamkeit ist ein komplexes und kompliziertes Phänomen. Sie hat verschiedene Gestalten. Und sie hat von den Hochkulturen über das europäische und vielleicht auch osmanisch-arabische „Mittelalter“ bis hin zur Moderne nach 1789 unterschiedliche historische Auftritte.“ Zentrum einer Studie von Jody Enders bildet die mittelalterliche Grausamkeit. Die Verfasserin begreift Folter und Tortur als Erbschaft der Antike. Elaine Scarrys Untersuchung, die ebenfalls das Mittelalter ins Blickfeld rückt, vertritt die These, dass organsierte Gewalt die Produktion einer phantastischen Illusion von Macht erzeugt. Sie beschreibt die öffentliche Folter als ein groteskes Beispiel für ein kompensatorisches Drama. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5330"></span></p>
<p><strong>Von Gewalt geht generell eine Sogkraft aus</strong></p>
<p>Der französische Philosoph Clément Rosset begreift das Reale als das Bedeutungslose und als essenzielle Verbindung zum Schweigen. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Seine Ethik ist mit zwei Prinzipien verbunden, jenem der hinreichenden Realität und jenem der Ungewissheit. Die Grausamkeit ist in seinen Augen kein herausgehobener Akt, versteht sie der französische Denker doch als eine intensive, schmerzhafte und tragische Natur der Realität selbst, die krude, das heißt roh, blutig und ungenießbar sei.“ </p>
<p>Wie die Verurteilung zum Tod, die mit der Exekution zusammenfällt und den Verurteilten des notwendigen Intervalls beraubt, um einen Gnadenappell vorzubringen, so ignoriert und schneidet die Realität jedes Gnadengesuch ab. Es gibt ein unbestreitbare Sogkraft, die generell von Gewalt ausgeht und die Denker wie Antonin Artaud und Friedrich Nietzsche gefeiert haben. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Artaud versucht, seine Definition von der Vorstellung brutaler Gewalt zu trennen. Er tut dies unübersehbar im Gefolge Nietzsches, dessen Einverständnis mit dem göttlichen Festmahl der Grausamkeit darauf abzielt, ihre Faktizität letztlich zu legitimieren.“ </p>
<p><strong>Die kulturelle Evolution hat die Grausamkeit hervorgebracht</strong></p>
<p>Der Terminus einer Ökonomie der Grausamkeit legt es nahe, dass über die Neutralisierung hinaus ein strategischer Wille zu ihrer Ausübung im Spiel ist. Dieser muss übrigens nicht mit dem auf Friedrich Nietzsche zurückgehenden Willen zur Macht, den Michel Foucault in den Diskursen der abendländischen Wissensformen verfolgt hat, identisch sein. Vermutlich ist die kulturelle Evolution, die, wie Marcel Hénaff darlegt, die Grausamkeit hervorgebracht hat, noch gar nicht abgeschlossen.</p>
<p>Und damit auch noch nicht die der Grausamkeit, die offenkundig mit der technisch-kulturellen Entwicklung des Menschen einhergeht. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Sie hat ihre Gestalt und ihre diskursive Logik von den ersten Hochkulturen, über die Antike bis hin zum europäischen Mittelalter und erst recht in der Neuzeit und bis zur Postmoderne verändert.“ Als Faustregel gilt: Die Zumutung, der Gewalt ins Auge zu schauen, setzt sich jede Auseinandersetzung mit dem Thema aus. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Hass ist eine dunkle Leidenschaft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Mar 2024 02:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Grausamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Hass]]></category>
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					<description><![CDATA[Der schweizerisch-amerikanische Psychoanalytiker Léon Wurmser (1931 – 2020) sieht im Hass eine „Kompromissbildung mannigfacher innerer Kräfte“, gleichsam ein „Konvolut psychischer Momente“. Zentral sei dabei die Missachtung der Würde des anderen, etwa durch äußere Beschämung oder Verachtung. Reinhard Haller ergänzt: „Scheinbar sinnlose Hassgefühle treten auf, wenn die psychologischen Triebe wie Wollen, Sehnen, Begehren oder Entscheidenkönnen massiv blockiert werden.“ Letztlich &#8211; so auch Léon Wurmser – gehe es dem Hass immer um Zerstörung. Hass, dieser Trieb zur Grausamkeit, diese dunkle Leidenschaft, dieser kalte Emotionskomplex, entwickelt sich meist aus alltäglichen Situationen heraus. Er&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der schweizerisch-amerikanische Psychoanalytiker Léon Wurmser (1931 – 2020) sieht im Hass eine „Kompromissbildung mannigfacher innerer Kräfte“, gleichsam ein „Konvolut psychischer Momente“. Zentral sei dabei die Missachtung der Würde des anderen, etwa durch äußere Beschämung oder Verachtung. Reinhard Haller ergänzt: „Scheinbar sinnlose Hassgefühle treten auf, wenn die psychologischen Triebe wie Wollen, Sehnen, Begehren oder Entscheidenkönnen massiv blockiert werden.“ Letztlich &#8211; so auch Léon Wurmser – gehe es dem Hass immer um Zerstörung. Hass, dieser Trieb zur Grausamkeit, diese dunkle Leidenschaft, dieser kalte Emotionskomplex, entwickelt sich meist aus alltäglichen Situationen heraus. Er ist nicht spektakulär, aber für das Leben des Einzelnen viel bedeutender als die großen Hassexzesse und Hassverbrechen. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich). <span id="more-5314"></span></p>
<p><strong>Resonanz fördert Selbstbewusstsein und Vertrauen</strong></p>
<p>Reinhard Haller weiß: „Die Wurzeln des jedem bekannten Hasses liegen im individuellen inneren Erleben, in der zwischenmenschlichen Begegnung, im Menschlichen. Allerdings werden die allgegenwärtigen Hassauslöser – zu denen fehlende oder zu geringe Positivresonanz, die manchmal zu neurotischen Störungen führenden Enttäuschungen sowie alle Arten der Kränkungen zählen – wenig beachtet und allgemein unterschätzt.“ Resonanz ist das empathische Mitschwingen mit den Gefühlen oder Gedanken anderer. Eine Antwort auf etwas, was ausgesandt worden ist.</p>
<p>Resonanz ist Senden um Empfangen, sie strebt nach Gleichklang. In der zwischenmenschlichen Beziehung kann sie jedoch zu wechselseitigen Verstärkungen sämtlicher emotionaler Schwingungen führen, auch der negativen, auch der ablehnenden und der hassvollen. Reinhard Haller stellt fest: „Positive Resonanz ist eine bestärkende psychische Kraft ersten Ranges. Richtig eingesetzt fördert sie Selbstbewusstsein und Vertrauen, verbessert Einstellung und Resilienz, befeuert die Motivation und ist ein nicht unwesentlicher Glücksfaktor.“</p>
<p><strong>Zeitlebens hofft der Mensch auf Wertschätzung und Vertrauen</strong></p>
<p>Wird dieser emotionale Verstärker, dessen höchste Form die Liebe ist, dem Menschen vorenthalten, reagiert er mit Enttäuschung, Zweifel, Minderwertigkeitsgefühl, Versagensangst und Depressivität. Reinhard Haller betont: „Emotionale Zuwendung, sei es durch das Lächeln der Eltern, den liebevollen Zuspruch der Angehörigen, durch Zärtlichkeiten und Aufmunterungen, ist für jeden Menschen von enormer Wichtigkeit.“ In der Erziehung gehören Anerkennung, Aufmunterung und Lob zu den wichtigsten, leider allzu oft nicht genutzten Methoden. </p>
<p>Für Menschen im reifen Alter und in späteren Lebensphasen sind Respekt und würdevolle Begegnungen bedeutend. Zeitlebens hofft der Mensch auf Wertschätzung und Vertrauen. In letzter Konsequenz geht es immer um die Liebe. Bleibt dem menschlichen Wesen die Positivresonanz versagt oder wird sie ihm durch mangelnde Aufmerksamkeit, Diffamierung, Entwertung oder Verachtung entzogen, reagiert es zunächst panisch. Reinhard Haller fügt hinzu: „Bleibt sein Verlangen nach den positiven Zuwendungen längere Zeit unerfüllt, ist es enttäuscht und verunsichert, verfällt in Versagensangst und Resignation.“ Quelle: „Die dunkle Leidenschaft“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit will die Unversöhnlichkeit</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 02:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Der französische Philosoph und Ethnologe Marcel Hénaff beschreibt die Grausamkeit als eine verdoppelte Gewalt. Nämlich als eine „Gewalt in der Gewalt“: „Sie setzt die Absicht voraus, den Gegner durch physischen Schmerz leiden zu lassen und ihn über den Sieg hinaus durch Erniedrigung in Verzweiflung zu stürzen. Die Grausamkeit zeigt den leidenschaftlichen Willen an, die Menschlichkeit des anderen zu vernichten. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Diese mit dieser spezifischen Form von Macht und Gewalt verbundenen Radikalität stellt für Hénaff die eigentliche hermeneutische Herausforderung dar.“ Für den Franzosen wählt die Grausamkeit die Unumkehrbarkeit. Sie&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der französische Philosoph und Ethnologe Marcel Hénaff beschreibt die Grausamkeit als eine verdoppelte Gewalt. Nämlich als eine „Gewalt in der Gewalt“: „Sie setzt die Absicht voraus, den Gegner durch physischen Schmerz leiden zu lassen und ihn über den Sieg hinaus durch Erniedrigung in Verzweiflung zu stürzen. Die Grausamkeit zeigt den leidenschaftlichen Willen an, die Menschlichkeit des anderen zu vernichten. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Diese mit dieser spezifischen Form von Macht und Gewalt verbundenen Radikalität stellt für Hénaff die eigentliche hermeneutische Herausforderung dar.“ Für den Franzosen wählt die Grausamkeit die Unumkehrbarkeit. Sie will die Unversöhnlichkeit. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5284"></span></p>
<p><strong>Gewalt und Grausamkeit sind oft schwer zu unterscheiden</strong></p>
<p>Um sich der Grausamkeit zu nähern, unterscheidet der französische Anthropologe vier verschiedene Formen. In diesen wird in unterschiedlicher Intensität „Gewalt in der Gewalt“ vollzogen. Die Grenzen zwischen Gewalt und Grausamkeit sind dabei mitunter fließend. Bei der „juristischen und rituellen“ Grausamkeit ist das zentrale Ziel nicht so sehr das Leiden. Dieses ist allenfalls ein Mittel zum Ziel beziehungsweise ein Nebeneffekt. Manche Beschreibungen Herodots fallen in diese Kategorie, aber auch die Exzesse, die Gustave Flaubert in seinem orientalischen Roman „Salammbô“ vorgeführt hat. </p>
<p>In Pogromen wie auch in Massakern zeigt sich die Gewalt als ein plötzliches Ereignis. Hier spielen affektive Momente eine spezielle Rolle. Wolfgang Müller-Funk weiß: „Dabei übernimmt nicht selten eine Person die Rolle des Anführers oder Agitators, der eine ganze Gruppe gegen andere Menschen aufhetzt. Der Anführer verkörpert das kalte und intentionale Moment, die sich um ihn scharen das emotionale, den Affekt.“ Ein anschauliches Bild hierzu findet sich in Joseph Roths Roman „Tarabas“.</p>
<p><strong>Die Folter will „die Wahrheit“ herausfinden</strong></p>
<p>Die Folter stellt hingegen eine „professionell ausgeübte psychische und physische Grausamkeit“ dar, die man dazu einsetzt, „die Wahrheit“ herauszufinden. Dazu gehören erpressende Verhörtechniken, wie sie sowohl Jean Améry für den Nationalsozialismus als auch Arthur Koestler für den Stalinismus beschrieben haben. Diese sind bereits in der Inquisition im ausgehenden Mittelalter methodisch ausgefeilt und erprobt worden. In der „willkürlichen und experimentellen Misshandlung“ dient die pure Grausamkeit dem Selbstzweck.</p>
<p>Dies wäre der Fall in Robert Musils kurzem Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „All diese Formen gedoppelter Gewalt verdanken sich einer spezifisch menschlichen Entwicklung. Diese ist in der gängigen Evolutionstheorien nicht vorgesehen und Hénaff apostrophiert sie an einer Stelle als Zufälle der Evolution.“ So fasst er das Experimentieren mit Möglichkeiten, die daraus gewonnene Freiheit und die neuen, durch die Wortsprache bedingten Spielräume und Repräsentationsformen als Momente einer kulturellen Entwicklung, die zu völlig „künstlichen“ Formen von Gewalt führen. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Seneca war der Erzieher des Tyrannen Nero</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Nov 2023 02:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Besonnenheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn es um das Thema „Grausamkeit“ geht, dann ist bis zum heutigen Tag Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) ein einschlägiger Schriftsteller. Die historische Erfahrung, die Werken wie „De clementia“ oder „De ira“ zugrunde liegt, ist die Zeit der Herrschaft Kaiser Neros. Dieser hat im kulturellen Gedächtnis des Okzidents einen bleibenden Platz in der historischen Galerie der Tyrannen. Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Senecas Leben und Denken ist von der Figur und der Allgegenwart eines tyrannischen Herrschers bestimmt und überschattet. Auf Initiative von Neros Mutter aus der&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn es um das Thema „Grausamkeit“ geht, dann ist bis zum heutigen Tag Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) ein einschlägiger Schriftsteller. Die historische Erfahrung, die Werken wie „De clementia“ oder „De ira“ zugrunde liegt, ist die Zeit der Herrschaft Kaiser Neros. Dieser hat im kulturellen Gedächtnis des Okzidents einen bleibenden Platz in der historischen Galerie der Tyrannen. Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Senecas Leben und Denken ist von der Figur und der Allgegenwart eines tyrannischen Herrschers bestimmt und überschattet. Auf Initiative von Neros Mutter aus der Verbannung befreit, wird er zum Erzieher ihres jungen Sohnes und zum Konsul.“ Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5008"></span></p>
<p><strong>Grausamkeit stellt ein unbeherrschtes Verhalten dar</strong></p>
<p>Zehn Jahre später zwingt ihn Nero, für den Menschen Spielbälle sind, zum Selbstmord. Üblicherweise übersetzt man „clementia“, die in Senecas fragmentarisch überlieferten Schrift als Gegenbegriff zu „crudelitas“ fungiert, im Deutschen mit „Güte“. Das ist irreführend, denn „clementia“ ist in diesem Diskurs ein rationales, überlegtes Verhalten, das nicht auf Empathie und Mitleid gründet. Denn diese Emotionen lehnt Seneca expressis verbis ab. </p>
<p>Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Hingegen ist, wie aus „De ira“ hervorgeht, „crudelitas“ entweder irrational oder sie geht von einem strategisch falschen Herrschaftskalkül aus.“ Die gesamten philosophischen Überlegungen Senecas handeln weniger von der Güte als dass sie vom Thema der Affektsteuerung und -kontrolle bestimmt sind. Steckt doch im Wort „clementia“ die Konnotation des Temperierens und Mäßigens. Insofern ist das deutsche Wort Milde oder auch Besonnenheit besser geeignet als Güte. Die Grausamkeit von der Seneca spricht, ist seiner Ansicht nach schon allein deshalb zu verwerfen, weil sie ein unbeherrschtes Verhalten darstellt. Dieses ist einem Herrscher unangemessen.</p>
<p><strong>Ein kluger Herrscher hat seine Affekte fest im Griff</strong></p>
<p>Dagegen zeichnet sich der gute, kluge Herrscher dadurch aus, dass er all seine Begierden und Affekte, die sexuellen wie die aggressiven, fest im Griff hat. Diese Charaktermerkmale bilden die eigentliche Voraussetzung für seinen Erfolg. Die Texte des römischen Philosophen Seneca sind vor allem kleine Meisterwerke angewandter politischer Philosophie. Sein Buch über die „clementia“ gibt sich als eine Anleitung zum klugen, gerechten Regieren aus. Seine Schrift wendet sich an ein doppeltes Publikum: die an der „res publica“ interessierten Zeitgenossen und an den Herrscher.</p>
<p>An den Herrscher wendet sie sich durch eine eindeutig dialogische Struktur. Zwar ist über weite Strecken die angesprochene Person ganz allgemein gehalten, aber im Speziellen ist es doch immer wieder und unüberhörbar Nero, den Cicero wiederholt direkt anspricht. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Der Sprecher im Text schlüpft dabei in die Rolle des Ratgebers des Imperators Nero. Währen Augustus erst im Alter milde geworden sei, könnte Nero, so setzt die Schrift ein, das gleich von Anbeginn seiner Regierungszeit sein.“ Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit ist „Gewalt im Quadrat“</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/wolfgang-mueller-funk-rationalisierung-der-grausamkeit.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2023 01:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Als naturwissenschaftlich geschulte Psychologin interessiert sich Kathleen Taylor für die Motive „hinter“ der Grausamkeit. Weniger hingegen möchte sie über die Diskurse wissen, die ihr Plausibilität und Legitimität verschaffen. Grausamkeit begreift sie als „Gewalt im Quadrat“. Deren Motive reichen unter anderem von der Dehumanisierung des und der Anderen, dessen sozialer Tötung bis zu dem Wunsch, den und die Anderen aus der eigenen Gruppe auszuschließen. Wolfgang Müller-Funk ergänzt: „Bei all diesen Motiven ist es für Taylor zentral, dass hier ein kollektives Moment in Gestalt der Masse Bedeutung erlangt. Sie betont zudem die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als naturwissenschaftlich geschulte Psychologin interessiert sich Kathleen Taylor für die Motive „hinter“ der Grausamkeit. Weniger hingegen möchte sie über die Diskurse wissen, die ihr Plausibilität und Legitimität verschaffen. Grausamkeit begreift sie als „Gewalt im Quadrat“. Deren Motive reichen unter anderem von der Dehumanisierung des und der Anderen, dessen sozialer Tötung bis zu dem Wunsch, den und die Anderen aus der eigenen Gruppe auszuschließen. Wolfgang Müller-Funk ergänzt: „Bei all diesen Motiven ist es für Taylor zentral, dass hier ein kollektives Moment in Gestalt der Masse Bedeutung erlangt. Sie betont zudem die Bedeutung der Alterität in diesem Zusammenhang.“ Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-4803"></span></p>
<p><strong>Stets sind die anderen das Übel</strong></p>
<p>Erst durch die Alterität wird jene Dynamik der Potenzierung verständlich, die Grausamkeit als quadratische Form der Gewaltausübung erscheinen lässt. Kathleen Taylor betont die Bedeutung der Alterität für diese Form der Gewalt. Sie generiert Überlegenheit allein dadurch, dass sie das Gegenüber erniedrigt. Dadurch wächst der eigene Status in dem Maß, wie an dem anderen scheinbar ohne Widerstand Gewalt antun kann. Insofern bestätigt für Taylor die aggressive Handlung unfreiwillig die Selbstüberschätzung der eigenen Bedeutung. </p>
<p>Wolfgang Müller-Funk fügt hinzu: „Insbesondere bei der Konstruktion des und der Anderen, dem, verschärft sich in Krisenzeiten die Bedeutung von Status, Ehre, Vollzug und Vorteil dramatisch.“ In dieser Situation können bestimmte Formen radikaler Gewalt und auch ihre quadratische, das heißt exponentielle Steigerung freigesetzt werden. Die psychologische Falle besteht Kathleen Taylor zufolge darin, dass es stets die anderen sind, die man als bedrohlich vorführt. Sie sind das Übel, das es zu bekämpfen gilt und die Mobilisierung der Gewaltbereitschaft rechtfertigt.</p>
<p><strong>Medea geht es um Ehre und Rache</strong></p>
<p>Warum sind, fragt sich Taylor, Medea und Orest attraktiv? Weil man ihre Motive – Ehre und Rache – in diesem krisenhaften Kontext verstehen kann, auch wenn man die Tat als solche nicht billigen kann. Es ist die fremde Kultur und der eigene Mann, der Medea Anerkennung verweigert; eine Verletzung, auf die sie mit dem radikalen Akt der Tötung reagiert. Unter heutigen Bedingungen sei sie immer noch eine tragische Identifikationsfigur. Denn die Umstände drängten sie dazu, die Ermordung ihrer Kinder zur Bestrafung ihres Mannes zu begehen.</p>
<p>In dieser Interpretation kommt hinzu, dass Medeas Tat eine anti-patriarchale Selbstermächtigung darstellt, die man einer Frau ein einer männlich bestimmten Welt nicht zutraut. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Wo Rache und Vergeltung für erlittene Kränkung ein steigerndes Moment in sich tragen, nähern sie sich dem Phänomen der Grausamkeit an. Nicht umsonst heißt es, dass jemand grausame Rache an einem Menschen nimmt, der ihn gekränkt und verletzt hat.“ Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit macht den anderen zur Beute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Jul 2023 01:00:41 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Die These, dass es sich bei der Grausamkeit um einen Selbst-Kulturalisierungseffekt handelt, enthält ein erhebliches Irritationspotenzial.“ Sie widerspricht der Vorstellung einer ursprünglichen Gewaltsamkeit des Menschen und begreift diese als ein prekäres Ergebnis kulturellen Fortschritts. Jenes Abstraktum namens „Menschheit“ hat zum ersten Mal in seiner Geschichte in Gestalt durchaus mundaner „Hochkulturen“ Macht und Gewalt großräumig und zum Teil auch dauerhaft etabliert und organisiert. Für Walter Benjamin ist „Barbarei“ stets im Spiel, wo es um Triumpf und Herrschaft geht. Grausamkeit ließe sich sagen, ist jenes Moment, das den&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Die These, dass es sich bei der Grausamkeit um einen Selbst-Kulturalisierungseffekt handelt, enthält ein erhebliches Irritationspotenzial.“ Sie widerspricht der Vorstellung einer ursprünglichen Gewaltsamkeit des Menschen und begreift diese als ein prekäres Ergebnis kulturellen Fortschritts. Jenes Abstraktum namens „Menschheit“ hat zum ersten Mal in seiner Geschichte in Gestalt durchaus mundaner „Hochkulturen“ Macht und Gewalt großräumig und zum Teil auch dauerhaft etabliert und organisiert. Für Walter Benjamin ist „Barbarei“ stets im Spiel, wo es um Triumpf und Herrschaft geht. Grausamkeit ließe sich sagen, ist jenes Moment, das den Anderen zur Beute und damit zum Vorzeigeobjekt, zum Fetisch absoluter Macht oder auch vollständiger Unterwerfung macht. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-4724"></span></p>
<p><strong>Es gibt eine spezifisch männliche Disposition zur Grausamkeit</strong></p>
<p>Dabei ist nicht zu übersehen, dass die westliche Kultur die kultivierte Grausamkeit gern auf andere, orientalische Kulturen verschoben hat. Die Ansicht, wonach insbesondere der kultivierte Mensch ohne Ausnahme zur Grausamkeit fähig ist, bedeutet eine psychologische Zumutung, eine politische Herausforderung, aber auch eine theoretische Mutprobe. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Kathleen Taylor meint: „Die Menschen sind erschreckend kreativ, wenn es darum geht, andere Menschen zu schlagen und zu töten.“ </p>
<p>Grausamkeit hat zwei Gesichter, ein subjektives und ein objektives, die oft sublime und unsichtbare Intention und das brutale Faktum, der physische und psychisch zugerichtete Mensch. Wolfgang Müller-Funk fügt hinzu: „Darüber hinaus sind die Diskurse der Grausamkeit von oft stummen intentionalen Gewaltakten zu unterscheiden.“ Statistiken legen nahe, dass es eine spezifisch männliche Disposition zur Grausamkeit gibt. Dabei taucht wie von selbst die Frage auf, ob diese universal und biologisch verankert oder die Folge bestimmter soziokultureller Machtstrukturen ist.</p>
<p><strong>Grausamkeit ist der Inbegriff allen menschlichen Übels</strong></p>
<p>Für Kathleen Taylor ist Grausamkeit der Inbegriff allen menschlichen Übels, dem freilich kaum beizukommen sei. Eine weitere These von Kathleen Taylor betont den strategisch-rationalen Charakter von leidvoller Tötung: „Die Täter wissen genau, was sie tun.“ Die Wissenschaftlerin bringt das in einen generellen Zusammenhang, wenn sie davon spricht, dass Grausamkeit im Großen und Ganzen nicht von Verrückten oder „natürlichen“ Bösewichten begangen werden.</p>
<p>Grausames Verhalten sei rational, es entspringt aus kalkulierten Operationen. Zum Zeitpunkt der Tat scheint es für die Täter vorteilhaft, den Anderen zu quälen. In einer bestimmten Situation kann jeder der Täter sein. Außerdem betrachtet Kathleen Taylor sprachliche neben handgreiflicher Aggression selbst als gewaltsamen Akt. Heutzutage gibt es diverse Verbotstechniken, die unter dem Stichwort einer politischen Korrektheit firmieren. Diese zielen darauf ab, aggressive Ausdrücke als auch Formeln zu verbieten und damit auf eine höchst illusorische Weise aus der Welt schaffen zu wollen. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sigmund Freud beschreibt den Todestrieb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2023 01:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Grausamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Todestrieb]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud schreibe an Albert Einstein im Jahr 1932: „Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung.“ In „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, verfasst 1915 inmitten des Ersten Weltkrieges, reflektiert Sigmund Freud über die Bindungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, und über die destruktiven Mächte, die diese Bindungen zerbrechen. Judith Butler weiß: „Zu der Zeit, als er die Theorie des „Todestriebes“ entwickelt, ab 1920 und dann&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud schreibe an Albert Einstein im Jahr 1932: „Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung.“ In „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, verfasst 1915 inmitten des Ersten Weltkrieges, reflektiert Sigmund Freud über die Bindungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, und über die destruktiven Mächte, die diese Bindungen zerbrechen. Judith Butler weiß: „Zu der Zeit, als er die Theorie des „Todestriebes“ entwickelt, ab 1920 und dann ausführlicher im folgenden Jahrzehnt, war seine Sorge angesichts der destruktiven Fähigkeiten des Menschen ständig gewachsen.“ Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-4664"></span></p>
<p><strong>Eros schafft menschliche Bindungen</strong></p>
<p>„Sadismus“, „Aggression“ und „Destruktivität“ wurden zu den Hauptvertretern des Todestriebs, der seine reifste Ausformulierung 1930 in „Das Unbehagen in der Kultur“ fand. Was er in „Jenseits des Lustprinzips“ zehn Jahre zuvor einen „unüberwindbaren Teil der menschlichen Natur“ genannt hatte, nimmt mit der Entfaltung einer dualistischen Metaphysik eine neue Form an. Nun steht Eros, die Kraft, die immer komplexere menschliche Bindungen schafft, Thanatos gegenüber, der Kraft, die diese Bindungen zerstört. </p>
<p>Judith Butler stellt fest: „Eine nachhaltige politische Ordnung setzt voraus, dass soziale Bindungen relativ unangetastet bleiben können.“ Wie wird sie dann aber mit der von Sigmund Freud beschriebenen destruktiven Kraft fertig? Destruktivität in einer Form, wie sie im Ersten Weltkrieg angewendet wurde, war bis dahin unbekannt gewesen. Mit neuen Waffen wuchs zwar die Zerstörungskraft gegenüber früheren Kriegen, aber das Ausmaß der Grausamkeit scheint Sigmund Freud das gleiche zu sein.</p>
<p><strong>Grausamkeit allein kann die Destruktivität nicht erklären</strong></p>
<p>Das Problem scheint also nicht darin zu liegen, dass die Menschen grausamer geworden sind, sondern darin, dass die Technik dieser Grausamkeit mehr Zerstörungskraft gibt als zuvor. Ein Krieg ohne diese Waffen wäre weniger zerstörerisch, aber nicht weniger grausam. Sigmund Freud scheint also der Auffassung zu widersprechen, dass die Grausamkeit selbst durch neue Technologien zunimmt. Die Destruktivität nimmt seiner Meinung nach neue und historisch wandelbare Formen an, aber die Grausamkeit bleibt die gleiche.</p>
<p>Menschliche Grausamkeit allein kann also Destruktivität nicht erklären; auch die Technologie spielt dabei eine Rolle. Judith Butler erklärt: „Aber die spezifisch menschliche Fähigkeit zur Zerstörung ist auf die ambivalente psychische Konstitution des menschlichen Subjekts zurückzuführen.“ Für die Frage nach Möglichkeiten der Eindämmung der Destruktivität spielen also, insbesondere im Kontext des Krieges, Ambivalenz und Technologie eine Rolle. Kriegsführung gilt allgemein als für Nationen spezifische Handlung, aber die den Krieg antreibende blinde Wut zerstört eben die sozialen Bindungen, die Nationen erst ermöglichen. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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