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	<title>Fundamentalismus &#8211; Psychologie Guide</title>
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		<title>Der Fundamentalist erfährt sich als Mängelwesen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Dec 2019 06:45:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Jeder Fundamentalismus setzt die Regel gegen den Einzelnen, das für jeden Verbindliche gegen das Individuelle. Georg Milzner betont: „Der Fundamentalist ist damit der erklärte Feind jeder am Individuum orientierten Lebensform, jeder Selbstverwirklichung, jeglichen Strebens nach Selbst-Sein.“ Der Psychoanalytiker Martin Altmeyer spricht in seiner Analyse der Gemeinsamkeiten von Rechtsradikalismus, Linksradikalismus und politischem Islam von der „Obsession ... <a title="Der Fundamentalist erfährt sich als Mängelwesen" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/der-fundamentalist-erfaehrt-sich-als-maengelwesen.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Fundamentalist erfährt sich als Mängelwesen">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Jeder Fundamentalismus setzt die Regel gegen den Einzelnen, das für jeden Verbindliche gegen das Individuelle. Georg Milzner betont: „Der Fundamentalist ist damit der erklärte Feind jeder am Individuum orientierten Lebensform, jeder Selbstverwirklichung, jeglichen Strebens nach Selbst-Sein.“ Der Psychoanalytiker Martin Altmeyer spricht in seiner Analyse der Gemeinsamkeiten von Rechtsradikalismus, Linksradikalismus und politischem Islam von der „Obsession des Homogenen“, der alle diese drei Lager erliegen. Sie richtet sich, anders als etwa beim Schwarmverhalten, weniger auf die erlebte Verbundenheit in einer Masse als vielmehr auf Werte, Motive und moralische Richtlinien. Jene Bereiche also, an denen Konflikte entstehen, deren Lösung im Fundamentalismus an das feste Regelwerk delegiert wird. Hinzu kommt die Bedeutung von Vorbildern, an denen man sehen kann, wie gut gelebt wird. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut. <span id="more-2105"></span></p>
<p><strong>Der Fundamentalismus wird stark von Bildern und Suggestion bestimmt</strong></p>
<p>Jede fundamentalistische Strömung kennt diese Personen, die mal als idealisierte Revolutionäre, mal als Heilige, mal als Meister des heiteren Verzichts oder als kampferprobte Helden des Vaterlands die innere Bühne betreten. Hier treten an die Stelle des Selbstgefühls und der Bewältigung von Herausforderungen im sozialen Miteinander plakative innere Bilder, in denen das, was ersehnt wird, in überhöhter Form dargeboten wird. Bilder, die so bindend sind, dass sie eine leichte Nachfolge ermöglichen.</p>
<p>Im Fall des Fundamentalismus kommen Fotos und Videos dazu, denen das künstliche Selbst nachfolgen möchte. Der Fundamentalismus wird stark von Bildern und Suggestion bestimmt. Häufige Konsumenten im Internet konvertieren sehr viel wahrscheinlicher zum Islam oder anderen fundamentalistischen Gruppen als Leute, die eher videoabstinent sind. Es leuchtet ein, dass das Anschauen von Videos etwas erheblich weniger Selbstreflexives hat als etwa das Lesen von Texten. Georg Milzner ergänzt: „Wichtiger aber sind die sichtbaren Personen, die gerade zu uns zu sprechen scheinen und mit ihrer zugewandten Autorität genau die Lücke besetzen, die die abwesenden, ihre Rolle nicht ausfüllenden Eltern klaffen ließen.“</p>
<p><strong>Viele Fundamentalisten sind gescheiterte Existenzen</strong></p>
<p>Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson erkannte, „dass Menschen, die in ihrem ersten Geborensein scheitern, noch einmal geboren werden wollen“. Diese bemerkenswerte Erkenntnis könnte Aufschlüsse darüber liefern, warum der Anteil sozial im Leben Gescheiterter in fundamentalistischen Gruppen so ungewöhnlich groß ist. Folgt man dieser Erkenntnis, so besteht zum Spott, den der Fundamentalismus oft erfährt, nicht länger Anlass. Herablassungen, wie etwa die Hans Magnus Enzensbergers, der im Selbstmordattentäter nur den „radikalen Verlierer“ erkennt, übersehen nämlich, dass es hier nicht nur um „loser“ geht.</p>
<p>Georg Milzner erläutert: „Nein, es geht in der Errichtung des fundamentalistischen künstlichen Selbst tatsächlich darum, „neu“ zu werden. Wer seine Tiefe nicht kennt und keinen Selbsthalt besitzt, der erfährt sich ja nicht als gerundete Ganzheit, sondern eher als Mangelwesen.“ Deshalb hat der Fundamentalist ein ernst zu nehmendes Bedürfnis, zu mehr vorzudringen als zu dem, was er bisher erfuhr. Das Problem ist, dass der Fundamentalist dieses „mehr“ eben nicht in sich selbst zu finden vermag. Quelle: „Wir sind überall, nur nicht bei uns selbst“ von Georg Milzner</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der Fundamentalist diskutiert nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Jun 2019 06:46:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer nicht integrieren kann, muss ausschließen. Wer zu keiner Weite gekommen ist, dem scheint das Enge natürlich. Wem die lustbetonte Vielfalt Unbehagen bereitet, der findet in strenger Einfalt Entlastung. Georg Milzner stellt fest: „Auf verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Sektoren lässt sich gegenwärtig wie in einigen Religionen dasselbe beobachten: die Hinwendung zum Fundamentalismus.“ Dieser Fundamentalismus hat ... <a title="Der Fundamentalist diskutiert nicht" class="read-more" href="https://www.psychologie-guide.de/der-fundamentalist-diskutiert-nicht.html" aria-label="Mehr Informationen über Der Fundamentalist diskutiert nicht">Weiterlesen ...</a>]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wer nicht integrieren kann, muss ausschließen. Wer zu keiner Weite gekommen ist, dem scheint das Enge natürlich. Wem die lustbetonte Vielfalt Unbehagen bereitet, der findet in strenger Einfalt Entlastung. Georg Milzner stellt fest: „Auf verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Sektoren lässt sich gegenwärtig wie in einigen Religionen dasselbe beobachten: die Hinwendung zum Fundamentalismus.“ Dieser Fundamentalismus hat spezifische Kennzeichen. Zum einen: Der Fundamentalismus diskutiert nicht. Oder zumindest nicht wirklich. Denn wenn zu einer Diskussion die Möglichkeit der Überzeugung durch das bessere Argument gehört, so merkt man im Gespräch mit dem Fundamentalisten, dass dies hier nicht gilt. Denn es sind seine Grundannahmen, die das Gespräch bestimmen. Grundannahmen, die nicht diskutierbar scheinen. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut. <span id="more-2028"></span></p>
<p><strong>Die Persönlichkeit eines Fundamentalisten hat keine Chance zu reifen</strong></p>
<p>Der Fundamentalist, könnte man also sagen, hat immer recht. Das macht es für ihn leicht, ohne nachdenken zu müssen, immer gleich zur Tat zu schreiten. Zum Zweiten ist der Fundamentalismus, indem er sich, seinem Namen getreu, auf Fundamente zu stützen glaubt, den Konfrontationen der Moderne entzogen. Die Auseinandersetzung mit neuen moralischen Fragen, das komplizierte Abwägen zwischen Entscheidungsmöglichkeiten, die individuelle Ausprägung eines resonanten Gewissens – das alles braucht der Fundamentalist nicht.</p>
<p>Georg Milzner betont: „Allerdings hat seine Persönlichkeit so auch keine Chance, zu reifen. Was ohne Auseinandersetzung bleibt, wird keine Kraft entwickeln und sich selbst keinen Halt geben können.“ Für einen Menschen aber, der sich selbst keinen Halt zu geben vermag, ist das künstliche Selbst eine Art Außenskelett. Ein Mensch, der merkt, dass seine haltende Struktur infrage gestellt wird, entwickelt Angst und Widerstand. Wer seine haltenden Überzeugungen angreift, der nimmt ihm ja potenziell Schutz und Struktur. Hier liegt der Grund dafür, dass der Fundamentalismus als künstliches Selbst nicht nur kuriose Züge hat. Sondern auch gefährliche.</p>
<p><strong>Der Fundamentalist sucht den solidarischen Blick des Kameraden</strong></p>
<p>Das Aufkommen fundamentalistischer Strömungen in Parteien und Glaubensgemeinschaften gründet zu wesentlichen Anteilen daran, dass hier Menschen, an denen die Aufmerksamkeit bisher vorbeigegangen ist, plötzlich welche für sich in Anspruch nehmen können. Dem Grundsatz folgend, dass schlechte Aufmerksamkeit immer noch besser ist als gar keine, wären sie sogar bereit, sich beschimpfen zu lassen, um nur das zu bekommen, was wir eben alle nötig haben: gesehen und wichtig genommen zu werden.</p>
<p>Freilich handelt es sich hier um eine andere Grundmotivation als im Narzissmus. Denn der Fundamentalist spiegelt sich nicht, er sucht den Schulterschluss. Der Blick, den er sucht, ist nicht der des bewundernden, anhimmelnden Gegenübers. Sondern der anerkennende und solidarische Blick des Kameraden, der mit ihm Schulter an Schulter steht. Dabei spielt, und dies ist eine bedeutende Triebfeder für die Errichtung eines fundamentalistischen künstlichen Selbst, das Können nur eine geringe Rolle. Quelle: „Wir sind überall, nur nicht bei uns selbst“ von Georg Milzner</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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