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	<title>Bindung &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Erich Fromm ruft zur Selbstbefreiung auf</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Aug 2024 01:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bindung]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Fromm]]></category>
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					<description><![CDATA[Michaela Brohm-Badry weiß: „Bei jeder spontanen Tätigkeit stärkt ein Mensch sein Selbst. Denn das Selbst ist stark genau in dem Maße, wie es aktiv tätig ist.“ Doch manchmal fällt es nicht so leicht, aktiv tätig zu sein. Hilfreich ist dabei ein hohes Maß an innerer und äußerer Freiheit. „Ich glaube“, schreibt Erich Fromm, „dass man erst frei von seinen inneren und/oder äußeren Bindungen sein muss, um frei zu etwas sein zu können: zu schöpferischem, gestaltendem Tun, zu mehr Erkenntnis usw. Erst dann ist man fähig, ein freies tätiges, verantwortliches Wesen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Michaela Brohm-Badry weiß: „Bei jeder spontanen Tätigkeit stärkt ein Mensch sein Selbst. Denn das Selbst ist stark genau in dem Maße, wie es aktiv tätig ist.“ Doch manchmal fällt es nicht so leicht, aktiv tätig zu sein. Hilfreich ist dabei ein hohes Maß an innerer und äußerer Freiheit. „Ich glaube“, schreibt Erich Fromm, „dass man erst frei von seinen inneren und/oder äußeren Bindungen sein muss, um frei zu etwas sein zu können: zu schöpferischem, gestaltendem Tun, zu mehr Erkenntnis usw. Erst dann ist man fähig, ein freies tätiges, verantwortliches Wesen zu sein.“ Fast ist das ein Aufruf zur Selbstbefreiung. Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Lernforschung. Sie war langjährige Dekanin des Fachbereichs Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Philosophie und Psychologie an der Universität Trier. <span id="more-5576"></span></p>
<p><strong>Hier und Heute spielt sich das Leben ab</strong></p>
<p>Der Humanist Erich Fromm versteht den wachsenden Menschen als aktiv handelnden Menschen. Michaela Brohm-Badry erklärt: „Und zwar geht es um ein Handeln nicht im Sinne des reinen Selbstzwecks – um irgendetwas zu tun –, auch nicht als entfremdeter Arbeitslohnerwerb, sondern um eine viel innigere Aktivitätsform: um ein Handeln im Sinne der Verwirklichung des Selbst.“ Lebendig fühlt man sich nach Erich Fromm, wenn man Körper, Geist und Seele nicht durch fremden Druck, sondern entsprechend dem eigenen Ich aktiviert.</p>
<p>Wenn dies geschieht, wachsen Glück, Lebensbejahung und Gesundheit, wenn nicht, wachsen Destruktion, Aggression und Depression. Michaela Brohm-Badry betont: „Letztendlich ist der Weg des aktiven Lebens auch der Ratschlag das Leben am Schopfe zu fassen, mit einem liebenden Herzen zu leben und den inneren Impulsen mehr Vertrauen zu schenken als äußerem Druck.“ Wenn nicht jetzt, wann dann? Hier und Heute spielt sich das Leben ab. Denn das Wesen des Lebens ist flüchtig.</p>
<p><strong>Ein Mensch verändert sich permanent über seine gesamte Lebensspanne</strong> </p>
<p>Tief im Innersten des Menschen verborgen liegen Begabungen, Fähigkeiten, Wünsche, Sehnsüchte und Ideen, die gelebt werden könnten oder gar danach drängen, ausgelebt zu werden. Michaela Brohm-Badry stellt fest: „Es könnte ein ungeheure Bereicherung für unser Leben sein, diese neuen Möglichkeiten des Denkens, Fühlen und Handelns zu entdecken und zu leben.“ Und zwar im Sinne des Søren Kierkegaard zugeschriebenen Aphorismus: „Der, der wagt, verliert den Halt für einige Zeit, der, der nichts wagt, verliert sich selbst.“ </p>
<p>Drei Faktoren bestimmen, was aus einem Menschen wird: seine genetischen Anlagen, sein Umfeld und seine individuellen Entscheidungen. Michaela Brohm-Badry erläutert: „Wir leben also nur einen Entwicklungsverlauf unter vielen anderen möglichen. Es hätte auch ganz anders kommen können.“ Aktuelle Befunde der Lernforschung zeigen, dass die Persönlichkeit eines Menschen über die gesamte Lebensspanne plastisch bleibt, was bedeutet, dass man sich bis in das späte Erwachsenenalter permanent verändert und neue Denk- und Handlungsweisen erlernt. Quelle: „Aufbrechen“ von Michaela Brohm-Badry</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Negative Bindungen sind meist regellos</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Jul 2022 01:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Autonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
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					<description><![CDATA[„Negative Bindungen“ sind negativ in den folgenden zwei Bedeutungen. Sie verweisen auf ein abwesendes Objekt, das man aufgrund der Unbestimmtheit der Situation nicht zu fassen bekommt. Oder sie bringen zum Vorschein, dass mit einer bestehenden Beziehung etwas nicht stimmt, dass sie nicht so funktioniert, wie sie funktionieren sollte. Eva Illouz erklärt: „Negative Beziehungen haben verschwommene, unklare, unbestimmte oder umstrittene Zwecke. Es gibt keine vorgeschriebenen Regeln für Verbindlichkeit und Unverbindlichkeit. Und sie können straflos oder fast straflos kaputtgemacht werden.“ Negative Bindungen der ersten Form lösen sich schnell auf, nicht weil sie&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>„Negative Bindungen“ sind negativ in den folgenden zwei Bedeutungen. Sie verweisen auf ein abwesendes Objekt, das man aufgrund der Unbestimmtheit der Situation nicht zu fassen bekommt. Oder sie bringen zum Vorschein, dass mit einer bestehenden Beziehung etwas nicht stimmt, dass sie nicht so funktioniert, wie sie funktionieren sollte. Eva Illouz erklärt: „Negative Beziehungen haben verschwommene, unklare, unbestimmte oder umstrittene Zwecke. Es gibt keine vorgeschriebenen Regeln für Verbindlichkeit und Unverbindlichkeit. Und sie können straflos oder fast straflos kaputtgemacht werden.“ Negative Bindungen der ersten Form lösen sich schnell auf, nicht weil sie vertraglich als vorübergehend definiert wären, sondern aufgrund ihrer relativen Normlosigkeit, ihres Mangels an vorgeschriebenen Regeln und an einem gemeinsamen Bedeutungsrahmen. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne. <span id="more-3732"></span></p>
<p><strong>Liebe und Sexualität haben sich enorm verändert</strong></p>
<p>Negative Bindungen der zweiten Form können länger andauern, stehen aber aufgrund ihrer Dysfunktionalität permanent zur Disposition. Es sollte deutlich sein, dass „positiv“ und „negativ“ hier keine moralischen Bedeutungen haben. Diese Ausdrücke beziehen sich allein darauf, wie soziale Bindungen geschaffen werden, ob durch klar formulierte kulturelle Skripte oder ob auf relativ skriptlose und normativ verschwommene Weise. Eine negative soziale Beziehung ist von Ungewissheit getrieben, während eine positive Beziehung relativ strukturiert und an klare Normen ausgerichtet ist.</p>
<p>Eva Illouz möchte folgende Hypothese wagen: „Im Bereich von Liebe und Sexualität hat eine gewaltige Umstellung stattgefunden.“ Früher gab es einen Modus des kulturellen Handelns, in dem die Kultur die Welt dicht in Symbolen und moralischen Erzählungen beschrieb. Heutzutage herrscht ein kultureller Modus vor, in dem Autonomie und Freiheit relativ schwach vorgeschriebene, verschwommene Interaktionsregeln mit unvorhersehbaren Ergebnissen, zumindest in der Privat- und Intimsphäre, hervorbringen.</p>
<p><strong>Das moderne Selbst zeichnet sich durch Autonomie aus </strong></p>
<p>Mit Normlosigkeit meint Eva Illouz nicht nur ein improvisiertes Verhalten, dessen Regeln sich jeder selbst zusammenreimen muss. Sondern sie bezieht sich dabei auch auf die weniger spielerische Dimension, dass die Normen, die das Verhalten in sexuellen Bindungen anleiten, unklar geworden sind. Denn sie folgen keinem moralischen Drehbuch mehr und es droht kaum eine gesellschaftliche Sanktion, wenn man Regeln der Reziprozität bricht. Normlose Interaktionen grenzen unangemessenes Verhalten nicht scharf von angemessenem ab, weil ersteres so gut wie nie bestraft wird. </p>
<p>Eva Illouz stellt fest: „Diese Abwesenheit einer dichten Normativität verdankt sich der Praxis der Freiheit selbst und geht mit positiven Geboten wie Eigenständigkeit, Autonomie und Hedonismus einher, allesamt tonangebende Vokabulare des modernen Selbst.“ Diese positiven Gebote erzeuge negative Bindungen, Bindungen, die normativ unscharf und chaotisch sind. Diese verfügen über vielfältige Definitionen und Zwecke und stellen den Ort dar, an dem an seine Autonomie dadurch zum Ausdruck bringen kann, dass man sich zurückzieht. Quelle: „Warum Liebe endet“ von Eva Illouz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Negative Beziehungen funktionieren nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Jun 2022 01:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Begehren]]></category>
		<category><![CDATA[Bindung]]></category>
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					<description><![CDATA[Manchmal stellt man fest, dass man ein Objekt oder ein Subjekt begehrt, welches man jedoch nie als solches ergreifen oder besitzen kann. Man wird dann zwangsläufig mit der Nichtigkeit und Leere konfrontiert, die mit einer Aneignung des Ersehnten einherginge. Eine derartige Negativität ist für Eva Illouz eine positive Bewegung des Selbst. Und zwar in dem Sinne, dass es sich durch eine Projektion auf das Begehren eines anderen entfaltet, den es absorbieren oder mit dem es kämpfen will, und insofern bringt diese Negativität sowohl Identität als auch soziale Bindungen hervor. Mit&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal stellt man fest, dass man ein Objekt oder ein Subjekt begehrt, welches man jedoch nie als solches ergreifen oder besitzen kann. Man wird dann zwangsläufig mit der Nichtigkeit und Leere konfrontiert, die mit einer Aneignung des Ersehnten einherginge. Eine derartige Negativität ist für Eva Illouz eine positive Bewegung des Selbst. Und zwar in dem Sinne, dass es sich durch eine Projektion auf das Begehren eines anderen entfaltet, den es absorbieren oder mit dem es kämpfen will, und insofern bringt diese Negativität sowohl Identität als auch soziale Bindungen hervor. Mit „negativen Bindungen“ meint Eva Illouz hier allerdings und contra Hegel etwas anderes. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne. <span id="more-3622"></span></p>
<p><strong>Das Selbst entzieht sich dem Mechanismus der Anerkennung</strong></p>
<p>„Negativ“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass das Subjekt aufgrund der Struktur seines Begehrens „keine Beziehung will oder nicht in der Lage ist, Beziehungen aufzubauen“. Eva Illouz erläutert: „In einer negativen Bindung entzieht sich das Selbst schlechterdings dem Mechanismus der Anerkennung. Es ist dies eine Bindung, bei der kein Versuch unternommen wird, die Subjektivität eines anderen zu entdecken, zu erkennen, sich anzueignen und zu bezwingen.“ </p>
<p>In negativen Bindungen sind andere Menschen Mittel zur Selbstentfaltung und zur Bestätigung der eigenen Autonomie – nicht Gegenstand von Anerkennung. Jean-Paul Sartres Begriff des „Nichts“ ist hier tatsächlich von Nutzen, obwohl er ursprünglich einer anderen Reihe von Problemen diente. Eine negative Beziehung gleicht einer vergeblichen Suche nach einer bestimmten Person in einem Ensemble von Menschen, Artefakten, Räumen; sie ist das Gefühl dieser Abwesenheit und der Unbestimmtheit der eigenen Absichten und Begierden. </p>
<p><strong>Der andere wird als abwesend wahrgenommen</strong></p>
<p>Eva Illouz stellt fest: „Eine negative Beziehung ist somit kein freiwilliger Verzicht auf Sex oder Liebe aufgrund eines höheren Gebots.“ Sie ist vielmehr die Wahrnehmung eines abwesenden anderen inmitten der anhaltenden unüberhörbaren Präsenz vieler anderer und die Wahrnehmung der Unbestimmtheit der eigenen Ansichten. Eine weitere Bedeutung von „negativ“ stammt von Martin Heidegger. Um das unproblematische Verhältnis des Menschen zur Welt zu charakterisieren, bedient sich Heidegger des Bilds eines Hammers. </p>
<p>Ein Mensch hämmert etwas und ist sich des Hammers und seines Vorhabens, etwas an diesem Stück Holz festzunageln, kaum bewusst. Wenn aber etwas schiefgeht und der Hammer zerbricht oder man den Nagel verschlägt, achtet man schlagartig auf das, was man da tut, und sieht sich selbst in neuer Weise. In diesem neuen Sinn von „negativ“ funktionieren bestehende Beziehungen nicht, wie sie sollten, daher erzwingen sie die persönliche Aufmerksamkeit, werden zu einem Gegenstand, den man zornig anstarren, über den man diskutieren oder sich den Kopf zerbrechen kann. Quelle: „Warum Liebe endet“ von Eva Illouz</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Politik muss vier Grundwerte garantieren</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Dec 2021 02:00:56 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bindung]]></category>
		<category><![CDATA[Gehirn]]></category>
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					<description><![CDATA[Die meisten Menschen sind von Natur aus überraschend genügsam. Wie die Hirnforschung belegt, brauchen sie nicht viel, um zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Hans-Otto Thomashoff kennt ihre Bedürfnisse: „Gute Beziehungen, selbstbestimmtes Handeln, eine funktionierende Stressregulation, das subjektive Gefühl von Stimmigkeit. Diese vier Säulen reichen für ein gesundes Lebensgefühl.“ Meist richtet man sein Verhalten ganz von selbst an ihnen aus, wobei je nach Kultur die Schwerpunkte unterschiedlich sein können. Übertragen auf die Politik ergeben sich daraus ganz konkrete Forderungen. Die zentrale Aufgabe von Politik sollte es sein, ihren Bürgern vier&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Die meisten Menschen sind von Natur aus überraschend genügsam. Wie die Hirnforschung belegt, brauchen sie nicht viel, um zufrieden mit ihrem Leben zu sein. Hans-Otto Thomashoff kennt ihre Bedürfnisse: „Gute Beziehungen, selbstbestimmtes Handeln, eine funktionierende Stressregulation, das subjektive Gefühl von Stimmigkeit. Diese vier Säulen reichen für ein gesundes Lebensgefühl.“ Meist richtet man sein Verhalten ganz von selbst an ihnen aus, wobei je nach Kultur die Schwerpunkte unterschiedlich sein können. Übertragen auf die Politik ergeben sich daraus ganz konkrete Forderungen. Die zentrale Aufgabe von Politik sollte es sein, ihren Bürgern vier Grundwerte zu garantieren: Bindung, Wirkmächtigkeit beziehungsweise Selbstwirksamkeit, Stressbegrenzung durch Gerechtigkeit und Sicherheit sowie Stimmigkeit. Diese Grundwerte leiten sich her aus der biologischen Natur des Menschen. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien. <span id="more-3198"></span></p>
<p><strong>Das Gehirn zeichnet sich durch ein Bindungssystem aus</strong></p>
<p>Werden sie auf Dauer in einer Gesellschaft ignoriert, weil die Politik sich einer ideologischen Sackgasse verschrieben hat, führt das über kurz oder lang zum Zusammenbruch des Systems. Die Corona-Krise hat eindrucksvoll vor Augen geführt, dass kein menschliches Bedürfnis so essenziell ist wie das in der Hirnbiologie verankerte Streben nach Bindung. Also das Grundbedürfnis nach dem Miteinander mit anderen Menschen. Die Gefahr, die vom Coronavirus ausgeht, ist weniger seine Letalität, als vielmehr sein enormes Ansteckungspotenzial, das in kurzer Zeit ein Gesundheitssystem aus dem Gleichgewicht werfen kann. </p>
<p>Und doch gelang es nicht, die Menschen in Distanz zueinander zu halten. Besonders gefährdete Senioren wollten oft sogar lieber sterben, als auf die Besucher ihrer Angehörigen zu verzichten. Hans-Otto Thomashoff weiß: „Unser Gehirn zeichnet sich durch ein Bindungssystem aus, das immer aktiv wird, wenn wir angenehme Beziehungen erleben. Sein entscheidender Wirkstoff ist das Bindungshormon Oxytocin. Es weckt in uns Verbundenheit, Liebe, wohlige Nähe und Vertrauen.“</p>
<p><strong>Spiegelneuronen manchen Menschen zu mitfühlenden Wesen</strong></p>
<p>Umgekehrt führen Trennungen zu einem regelrechten Oxytocin-Entzug, bei dem Schmerzzentren im Gehirn aktiviert werden. Bindungsverlust fühlt sich deshalb an wie ein heftiger körperlicher Schmerz. Wer je einen geliebten Menschen verloren hat, wird das bestätigen können. „Ohne dich bin ich nichts.“ Dieses schwärmerische Liebesbekenntnis trägt mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in sich. Ja, über emotionale „Ansteckung“ beeinflusst ein anderer sogar ganz direkt, wie man sich selbst fühlt. </p>
<p>Hans-Otto Thomashoff nennt ein Beispiel: „Steht uns jemand wutentbrannt gegenüber, dauert es oft nur Sekunden, bis uns selbst der Kragen platzt. Der morgendliche Straßenverkehr beweist das hinlänglich.“ Verantwortlich dafür sind spezielle Nervenzellen, die sogenannten Spiegelneuronen. Sie bilden im Gehirn ein Resonanzsystem aus, das einen Menschen zu einem mitfühlenden Wesen macht, weil er mit seiner Hilfe Gefühle und Stimmungen anderer Menschen nachempfinden kann. Quelle: „Mehr Gehirn in die Politik“ von Hans-Otto Thomashoff </p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Weise Menschen reflektieren ihre Erlebnisse</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/weise-menschen-denken-ueber-ihre-erlebnisse-nach.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Apr 2021 01:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bindung]]></category>
		<category><![CDATA[Erlebnisse]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Lernen aus Erfahrungen ist ein Grundkennzeichen der Reflektion. Judith Glück weiß: „Weise Menschen durchdenken ihre Erlebnisse und ziehen Schlüsse aus ihnen. Diese machen sie zu besseren Menschen.“ Judith Glück wird immer wieder gefragt, ob man Weisheit nicht auch durch indirekte Erfahrungen wie etwa das Lesen von Büchern erlangen kann. Sie antwortet: „Zweifellos kann man sehr vieles durch Bücher, Medien und Gespräche lernen. Es kommt ja immer wieder vor, dass uns ein Buch oder ein Satz, den jemand nebenbei gesagt hat, eine ganz neue Perspektive eröffnet.“ Eigene Erfahrung ermöglicht es&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Das Lernen aus Erfahrungen ist ein Grundkennzeichen der Reflektion. Judith Glück weiß: „Weise Menschen durchdenken ihre Erlebnisse und ziehen Schlüsse aus ihnen. Diese machen sie zu besseren Menschen.“ Judith Glück wird immer wieder gefragt, ob man Weisheit nicht auch durch indirekte Erfahrungen wie etwa das Lesen von Büchern erlangen kann. Sie antwortet: „Zweifellos kann man sehr vieles durch Bücher, Medien und Gespräche lernen. Es kommt ja immer wieder vor, dass uns ein Buch oder ein Satz, den jemand nebenbei gesagt hat, eine ganz neue Perspektive eröffnet.“ Eigene Erfahrung ermöglicht es aber in ganz besonderem Maße, sich in andere Menschen in ähnlichen Situationen hineinzuversetzen und sie wirksam zu unterstützen. Das gilt aber nur, wenn es gelungen ist, sie gut zu bewältigen. Judith Glück ist seit 2007 Professorin für Entwicklungspsychologie an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. <span id="more-2612"></span></p>
<p><strong>Kinder brauchen schützende Beziehungen</strong></p>
<p>Reflektive Menschen hinterfragen nicht nur, sie nehmen oft auch eine breitere Perspektive ein. Diese geht über ihre eigene Person und Stellung hinaus. Es gibt immer wieder Menschen, die schwerwiegende frühere Belastungen überwinden. Durch die können sie sogar wachsen. Die wichtigste Ressource für sie war vermutlich eine verlässliche Bezugsperson in den ersten Jahren ihres Lebens. Diese frühen Erfahrungen haben es ihnen ermöglicht, überhaupt erst zu wissen, was ihnen später fehlte.</p>
<p>Judith Glück erläutert: „Die Bindungsforschung zeigt, dass Kinder, die eine solche Schutzperson nie gehabt haben, oft schwere psychische Schäden erleiden.“ Studien zur Resilienz bei Kindern in extremen Belastungssituationen zeigen eindrucksvoll, wie wertvoll eine einzige schützende Beziehung in den ersten Lebensjahren ist. Das muss nicht unbedingt ein Elternteil sein. Das kann ausreichen, damit ein Kind psychisch gesund bleibt. Ein Kind dagegen, das nie eine zuverlässige Betreuung erlebt hat, fragt sich vielleicht gar nicht, warum es geschlagen oder geängstigt wird.</p>
<p><strong>Aus dem Streben nach Erkenntnis entsteht Weisheit</strong></p>
<p>Die Weisheitsforscherin Monika Ardelt meint, dass das Streben nach Erkenntnis, nach einem tiefen Verständnis des menschlichen Erlebens und Handelns eine der Grundlagen der reflektiven Haltung ist. Aus dieser entsteht Weisheit. Judith Glück schreibt: „Reflektive Menschen haben selbst dann, wenn sie mitten im Geschehen stehen, irgendwo im Hinterkopf einen kleine Beobachter sitzen, der manchmal plötzlich ausruft: „Das ist ja erstaunlich“, und wieder eine neue Beobachtung über die Menschen registriert.“ Das ist selbst dann der Fall, wenn sie emotional voll involviert sind wie in einem Streit oder in einer neuen Liebe.</p>
<p>Dieser Beobachter hilft einem Menschen, auch in schwierigen Situationen ein gewisses Maß an Regulation der eigenen Emotionen aufrechtzuerhalten. Oder zumindest auf der gedanklichen Ebene auch die Perspektive der anderen Seite einnehmen zu können. Es hilft ihm auch, aus seinen Erfahrungen zu lernen. Etwa bestimmte Fehler nicht immer wieder zu machen oder bestimmte Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen. Auf längere Sicht versteht man dadurch das eigene Verhalten und dasjenige anderer Menschen immer besser. Quelle: „Weisheit“ von Judith Glück</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die  Wohlstandsverwahrlosung nimmt zu</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/die-wohlstandsverwahrlosung-breitet-sich-aus-2.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 Nov 2020 07:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Bindung]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Wohlstandsverwahrlosung]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch Kinder aus wohlhabenden Verhältnissen können sehr arm sein – innerlich arm. Es fehlt ihnen an Zuwendung durch die Eltern, an Zeiten, in denen ihnen einfach nur zugehört wird, an Interesse an ihrem Leben, Fühlen und Denken und vor allem mangelt es ihnen an Zuneigung. Eltern, die keine Zeit für ihre Kinder haben, versuchen das häufig durch materielles Verwöhnen auszugleichen. Klaus Biedermann weiß: „Oft leben Kinder, die unter Wohlstandsverwahrlosung leiden, in einer nach außen hin intakten Familie. In dieser herrscht jedoch schon das große Schweigen zwischen den Eltern.“ Typische Verwöhnfallen&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Auch Kinder aus wohlhabenden Verhältnissen können sehr arm sein – innerlich arm. Es fehlt ihnen an Zuwendung durch die Eltern, an Zeiten, in denen ihnen einfach nur zugehört wird, an Interesse an ihrem Leben, Fühlen und Denken und vor allem mangelt es ihnen an Zuneigung. Eltern, die keine Zeit für ihre Kinder haben, versuchen das häufig durch materielles Verwöhnen auszugleichen. Klaus Biedermann weiß: „Oft leben Kinder, die unter Wohlstandsverwahrlosung leiden, in einer nach außen hin intakten Familie. In dieser herrscht jedoch schon das große Schweigen zwischen den Eltern.“ Typische Verwöhnfallen können sich auch aus anderen Situationen ergeben: Eltern, die durch eine Trennung in einen materiellen Wettstreit treten, berufstätige Mütter oder auch alleinerziehende Väter, die versuchen, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Dr.  phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu. <span id="more-2417"></span></p>
<p><strong>Kinder benötigen Wertschätzung</strong></p>
<p>Eltern, die das alles selbst erfahren haben, versuchen sich die Liebe ihrer Eltern zu kaufen. Sie haben Angst davor, ein Nein könnte Liebesentzug durch das Kind zur Folge haben. Klaus Biedermann schränkt ein: „Selbstverständlich haben nicht alle Eltern mit hoher Arbeitsbelastung und Einkommen automatisch ein wohlstandsverwahrlostes Kind zu Hause.“ Denn nicht jeder, der wenig Zeit für sein Kind hat, lässt dieses emotional verkümmern. Wichtig ist die Qualität der Beziehung und wie die gemeinsame Zeit erlebt wird.</p>
<p>Auch Eltern, die viele Stunden am Tag mit ihren Kindern gemeinsam verbringen, können dennoch ihre Kinder emotional verhungern lassen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn diese Zeit vor dem Fernsehgerät verbracht werden soll. Zu den Grundbedürfnissen eines Kindes gehören nicht nur Essen, Trinken, saubere Kleidung und ein Dach über dem Kopf. Es gehören auch dazu die Befriedigung seines Schutzbedürfnisses, Anregung, Verlässlichkeit, Verständnis und körperliche wie seelische Wertschätzung.</p>
<p><strong>Wohlstandsverwahrlosten Kindern fehlt es an Grenzen</strong></p>
<p>Kinder brauchen zudem eine sichere Bindung und emotionale Zuwendung. Wohlstandsverwahrlosten Kindern fehlt es aber nicht nur an Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse, es fehlt ihnen auch an Grenzen. Denn diese zu setzen, Konflikte auszutragen und auszuhalten, kostet Zeit. Damit sie keine Zeit opfern müssen, geben Eltern nach und sorgen so zunächst einmal für Ruhe. Aber langfristig macht dieses Nachgeben die Kinder orientierungslos und oft tyrannisch.</p>
<p>Klaus Biedermann warnt: „Die emotional verwahrlosten Kinder von heute sind die emotional verwahrlosten und verwahrlosenden Eltern von morgen.“ Kinder müssen die Erfahrung machen dürfen, dass sie phasenweise fremdbestimmt leben, dass sie sich auf ein Gegenüber oder eine Situation einstellen müssen – und nicht umgekehrt, wie es leider heute oftmals der Fall ist. Auch einem Kind darf bewusst werden, dass es durch unangenehme Begegnungen Erfahrungen macht, die sich für sein späteres Leben vielleicht als wertvoll erweisen. Quelle: „Burn-In statt Burn-Out“ von Klaus Biedermann</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grenzenlose Freiheit ist nicht möglich</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/grenzenlose-freiheit-ist-nicht-moeglich.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2020 09:35:55 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Bindung]]></category>
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					<description><![CDATA[Abhängig zu sein, ist für den Menschen kränkend und wird bekanntlich, so gut es geht, verleugnet. Diese Kränkung macht verständlich, warum vielen der radikale Gegenentwurf völliger Unabhängigkeit und das damit verbundene Versprechen grenzenloser Freiheit verlockend erscheinen. Joachim Bauer erklärt: „Der geheime Wunsch, der Schwerkraft der Inter-Personalität zu entkommen, sich über andere erheben zu können und dadurch eine gewisse Großartigkeit zu erreichen, erinnert an Ikarus, der die Warnung seines Vaters missachtete, beim Fliegen mit den aus Wachs zusammengeklebten Federn der Sonne nicht zu nahe zu kommen.“ Dass Menschen autonom sein wollen,&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Abhängig zu sein, ist für den Menschen kränkend und wird bekanntlich, so gut es geht, verleugnet. Diese Kränkung macht verständlich, warum vielen der radikale Gegenentwurf völliger Unabhängigkeit und das damit verbundene Versprechen grenzenloser Freiheit verlockend erscheinen. Joachim Bauer erklärt: „Der geheime Wunsch, der Schwerkraft der Inter-Personalität zu entkommen, sich über andere erheben zu können und dadurch eine gewisse Großartigkeit zu erreichen, erinnert an Ikarus, der die Warnung seines Vaters missachtete, beim Fliegen mit den aus Wachs zusammengeklebten Federn der Sonne nicht zu nahe zu kommen.“ Dass Menschen autonom sein wollen, ist völlig legitim. Doch sosehr sie sich auch bemühen: Der Versuch, das in ihnen verankerte Du und die vielen äußeren und interpersonellen Abhängigkeiten loszuwerden, ist zum Scheitern verurteilt. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt. <span id="more-2127"></span></p>
<p><strong>Das Ringen um Autonomie begleitet einen Menschen sein Leben lang</strong></p>
<p>Dieses Scheitern zu akzeptieren, ist ein seelischer Reifungsprozess, der einige Jahre braucht – manchen Menschen gelingt er nie. Joachim Bauer schreibt: „Das sich in jedem Menschen abspielende lebenslange Drama zwischen Abhängigkeit und Wunsch nach Autonomie nimmt im zweiten Lebensjahr seinen Anfang, es wird in der Pubertät – auf einer sozusagen höheren, anspruchsvolleren Ebene – ein zweites Mal durchlebt und begleitet uns durchs ganze Leben.“ Oft erfährt es, wenn sich zum Lebensende Schwächen einstellen, im Alter nochmals eine letzte Zuspitzung.</p>
<p>Sobald er der Mutterbrust nicht mehr bedarf und ein paar Meter davonkrabbeln kann, beginnt der Mensch, seine Abhängigkeit als ambivalent zu erleben. Der Verbindung zum Du, der das menschliche Selbst seine Entstehung am Beginn des Lebens verdankt, folgt daher eine Gegenbewegung. Nicht lange, nachdem der Säugling seinen ersten Geburtstag hinter sich gebracht hat, beginnt ein Ringen um Autonomie, welches den Menschen das ganze Leben begleiten wird.</p>
<p><strong>Autonomie und Bindung bedingen sich gegenseitig</strong></p>
<p>Bindung und Autonomie erscheinen zunächst als widersprüchlich, doch tatsächlich bedingen sie sich. Joachim Bauer erläutert: „Zwischen einer engen, für das Kind verlässlichen frühen Bindung an seine Beziehungsperson(en) und seiner Fähigkeit, Autonomie zu wagen und zu entwickeln, besteht ein Ping-Pong-Verhältnis: Nur verlässlich gebundene Kinder, die in ihren Eltern, Betreuerinnen und Betreuern eine „sicheren Hafen“ haben, wagen sich von diesem ein Stück weg „hinaus aufs Meer“ und entdecken ihre Umgebung.“</p>
<p>Unsicher gebundene Kinder dagegen sind ängstlich, verhalten sich klammernd und tun sich mit zeitweisen Trennungen besonders schwer. Die Aufdeckung dieser Zusammenhänge erfolgte durch einige Wissenschaftler, welche die sogenannte Bindungsforschung begründeten. Die überragende Bedeutung einer sicheren Bindung des Kindes zu einer oder zu mehreren Bezugspersonen machten unter anderen die britischen Forscher John Bowlby und Mary Ainsworth deutlich. Zwischen einer vom Kind als sicher erlebten frühen Bindung und seiner Fähigkeit und seinem Mut, Autonomie zu entwickeln, besteht ein dialektisches Verhältnis. Quelle: „Wie wir werden, wer wir sind“ von Joachim Bauer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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