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	<title>Aggression &#8211; Psychologie Guide</title>
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	<description>Alles über Psychologie</description>
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		<title>Grausamkeit ist die Vernichtung eines Menschen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 15 Jun 2024 01:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Grausamkeit bedeutet innerhalb des Phänomenenkomplexes von Gewalt und Aggression nicht einfach eine nur quantitative Steigerung der Leidzufügung. Sondern sie ist womöglich die ultima ratio der Macht- und Gewaltausübung, in der die Auslöschung als Drohung inszeniert wird, um die Anderen gefügig zu machen oder ein Schauspiel in Gang zu setzen, das einen als Zuschauer an der Todesangst der Anderen teilhaben lässt.“ Grausamkeit ist die Vernichtung eines Gegenübers vor dessen/deren physischer Zurichtung, die aus ihm/ihr ein totes Ding macht, über das der Grausame absolute Verfügungsgewalt hat. Es sind&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Grausamkeit bedeutet innerhalb des Phänomenenkomplexes von Gewalt und Aggression nicht einfach eine nur quantitative Steigerung der Leidzufügung. Sondern sie ist womöglich die ultima ratio der Macht- und Gewaltausübung, in der die Auslöschung als Drohung inszeniert wird, um die Anderen gefügig zu machen oder ein Schauspiel in Gang zu setzen, das einen als Zuschauer an der Todesangst der Anderen teilhaben lässt.“ Grausamkeit ist die Vernichtung eines Gegenübers vor dessen/deren physischer Zurichtung, die aus ihm/ihr ein totes Ding macht, über das der Grausame absolute Verfügungsgewalt hat. Es sind ganz bestimmte Voraussetzungen, in denen die Aggression als normal erscheint. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-5486"></span></p>
<p><strong>Aggression sorgt für möglichst absolute Sicherheit</strong></p>
<p>Zum Beispiel als Ausweis männlicher Identität, als notwendiger Antrieb in einer Welt, die von Polarität und Binarität bestimmt ist und in der der jeweilige ideologische, religiöse oder ethische Antipode zum Dämon avanciert. Dieser verdient kein Mitleid. Die Aggression dient dann als wirksames Mittel, eine möglichst absolute Sicherheit zu erlangen, die nicht nur auf das blanke Leben, sondern wie im Fall des Machthabers auf die Sicherung seiner Stellung hinausläuft.</p>
<p>Dabei entsteht ein Machtrausch, den anderen „fertig“ zu machen. Wolfgang Müller-Funk erläutert: „Das Opfer, jene vormoderne Form kollektiver regulierter Gewalt, ist insofern ein erhellendes Beispiel, weil es René Girard zufolge das sozietäre Einverständnis nicht nur voraussetzt, sondern gleichsam – im Akt ritueller Wiederholung – wiederherstellt und garantiert, schon allein dadurch, dass alle Menschen einer sozialen Gemeinschaft, wenn auch in verschiedenen Rollen, an dem kollektive Gewaltakt beteiligt sind.“</p>
<p><strong>Die Demokratie zeichnet sich durch ein kompliziertes Regelwerk aus</strong></p>
<p>Totalitäre Regime lassen sich dadurch charakterisieren, dass sie systematisch auf Gewaltzufügung, Grausamkeit, Strafe und Lebensbedrohung aufgebaut und ausgelegt sind. Wolfgang Müller-Funk ergänzt: „Liberale Demokratien versuchen – etwa durch das Gewaltmonopol – Gewalt zu kanalisieren, einzuschränken und sie als Ausnahmefall zu regeln. In diesem Sinne ermöglichen sie paradoxerweise Freiräume durch Einschränkung von Handlungen, die mit Gewaltandrohung und -ausübung verbunden sind.“ Die Zivilgesellschaften verdanken sich eben nicht allein einer historischen volonté generale, sondern vor allem der Erfahrung grausamer Bürger- und Religionskriege, aber auch des Terrors von Revolution und Gegenrevolution.</p>
<p>Ihren menschenrechtlichen Kern bildet die Sicherheit vor staatlicher Willkür und Gewalt. Nichts spricht mehr für den Skeptizismus, der sich hinter dem komplizierten Regelwerk der Demokratie verbirgt, als die zeitliche und räumliche Beschränkung der Machtausübung durch Gewaltenteilung und die zeitliche Begrenzung von politischen Ämtern. Wolfgang Müller-Funk erklärt: „Grausamkeit ist der Triumph einer Macht, die den Potentaten ein für alle Mal vor allen zukünftigen Anschlägen zu bewahren scheint; die Exekutierung sämtlicher bedrohlicher Konkurrenten ist, Horizont und Realität, phantasmatische Bestätigung uneingeschränkter Macht. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Eros und Thanatos sind ewige Gegenspieler</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Feb 2024 02:00:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud registriert die Eskalation von Feindseligkeit und Nationalismus ebenso wie das Erstarken des Antisemitismus in Europa. Diese Aggressionsformen sind nicht mit Lust oder der zugehörigen Befriedigung verbunden. Sigmund Freud schreibt: „Dieser Aggressionstrieb ist der Abkömmling und Hauptvertreter des Todestriebes, den wir neben dem Eros gefunden haben, der sich mit ihm in die Weltherrschaft teilt.“ Judith Butler ergänzt: „Was Freud nun „Eros“ und „Thanatos“ nennt, erscheint zwar in der Regel nicht voneinander getrennt, aber beide verfolgen gegensätzliche Ziele.“ Eros strebt die Zusammenführung getrennter Einheiten in der Gesellschaft an. Er führt&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud registriert die Eskalation von Feindseligkeit und Nationalismus ebenso wie das Erstarken des Antisemitismus in Europa. Diese Aggressionsformen sind nicht mit Lust oder der zugehörigen Befriedigung verbunden. Sigmund Freud schreibt: „Dieser Aggressionstrieb ist der Abkömmling und Hauptvertreter des Todestriebes, den wir neben dem Eros gefunden haben, der sich mit ihm in die Weltherrschaft teilt.“ Judith Butler ergänzt: „Was Freud nun „Eros“ und „Thanatos“ nennt, erscheint zwar in der Regel nicht voneinander getrennt, aber beide verfolgen gegensätzliche Ziele.“ Eros strebt die Zusammenführung getrennter Einheiten in der Gesellschaft an. Er führt Individuen zu Gruppen und Gruppen untereinander im Dienst umfassenderer gesellschaftlicher und politischer Formationen zusammen. Thanatos spaltet diese Einheiten und jede Einheit in sich. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-5242"></span></p>
<p><strong>Die Liebe selbst ist ambivalent</strong></p>
<p>So existiert in jedem Aufbau einer sozialen Bindung zugleich eine Gegentendenz, die diese Bindung aufzulösen sucht. Judith Butler nennt ein Beispiel: „Ich liebe dich, ich hasse dich; ich kann ohne dich nicht leben, ich sterbe, wenn ich weiter mit dir lebe.“ Sigmund Freud geht dieses Problem in Bezug auf die Liebe auf zweierlei Weise an. Einerseits betont er in seinem ganzen Werk die konstitutive Ambivalenz aller Liebesbeziehungen. Das wird im Kapitel „Das Tabu und die Ambivalenz der Gefühlsregungen“ in „Totem und Tabu“ (1913) deutlich.</p>
<p>Aber auch in „Trauer und Melancholie“ (1917), wo der Verlust des geliebten Menschen mit Aggressionen verbunden ist, ist dies unverkennbar. Nach diesem Modell ist die Liebe selbst ambivalent. Judith Butler fügt hinzu: „Andererseits bezeichnet „Liebe“ – ein anderer Begriff für „Eros“ – nur den einen Pol dieser emotionalen Ambivalenz. Es gibt die Liebe und es gibt den Hass. Liebe meint also entweder die ambivalente Konstellation von Liebe und Hass oder sie bezeichnet nur einen Pol einer bipolaren Struktur.</p>
<p><strong>Destruktivität geht mit einer Schwächung der Kritikfähigkeit einher</strong></p>
<p>Sigmund Freuds Position selbst scheint ambivalent, was vielleicht auf rhetorischer Ebene seine Behauptung untermauern soll. Tatsächlich löst er diese Paradoxie in seinem Werk nie ganz auf. Symptomatisch tritt sie in seinem Spätwerk zutage. Liebe bindet eine Person an eine andere, aber kraft ihrer inneren Ambivalenz birgt sie auch das Potenzial zur Zerstörung sozialer Bindungen. Und wenn es nicht die Liebe ist, die diese Bindungen zerstört, gibt es zumindest eine destruktive Kraft in ihr.</p>
<p>Diese bewegt die Menschen zu Zerstörung und Selbstzerstörung, einschließlich der Zerstörung dessen, was sie am meisten lieben. Was in der Psyche wendet sich gegen diese Auflösung sozialer Bindungen? Judith Butler erläutert: „In Freuds Sicht können Gruppen entweder ihre inneren Bindungen zerstören oder ihre Destruktivität gegen andere Gruppen richten. Beide Formen der Destruktivität, befürchtet er, gehen mit einer Schwächung der Kritikfähigkeit einher.“ Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Der Hass ist eine destruktive Urform</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 17 Jan 2024 02:00:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Nach dem instinkttheoretischen Ansatz dient aggressives Verhalten der Erhaltung des Individuums. Die Triebtheorie sieht in der Aggression einen nach Entladung drängenden Trieb. Reinhard Haller ergänzt: „Die lerntheoretischen Erklärungen führen Aggression auf das Erlernen solchen Verhaltens am Vorbild aggressiver Menschen zurück.“ Die klassische Konditionierung sieht im „Lernen am Erfolg“ beziehungsweise Lernen durch Belohnung und/oder Bestrafung den entscheidenden Entstehungsmechanismus. Da Hass ebenso wie Ärger, Zorn und Wut zu den emotionalen Aggressionsarten gehört, ist für sein Verständnis die Frustrations-Aggressions-Hypothese hilfreich. Nach dieser Theorie wird auf Frustrationen mit Aggressivität reagiert, so auch mit Hass.&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem instinkttheoretischen Ansatz dient aggressives Verhalten der Erhaltung des Individuums. Die Triebtheorie sieht in der Aggression einen nach Entladung drängenden Trieb. Reinhard Haller ergänzt: „Die lerntheoretischen Erklärungen führen Aggression auf das Erlernen solchen Verhaltens am Vorbild aggressiver Menschen zurück.“ Die klassische Konditionierung sieht im „Lernen am Erfolg“ beziehungsweise Lernen durch Belohnung und/oder Bestrafung den entscheidenden Entstehungsmechanismus. Da Hass ebenso wie Ärger, Zorn und Wut zu den emotionalen Aggressionsarten gehört, ist für sein Verständnis die Frustrations-Aggressions-Hypothese hilfreich. Nach dieser Theorie wird auf Frustrationen mit Aggressivität reagiert, so auch mit Hass. Dieser macht sich gleichsam Luft nach außen. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich). <span id="more-5174"></span></p>
<p><strong>Der Todestrieb strebt nach Zerstörung und Tod</strong></p>
<p>Der Hass richtet sich meist gegen den Verursacher der Frustration, lässt sich aber, was für die Hassentwicklung nicht unwesentlich ist, auch auf andere Ziele verschieben. Zum Beispiel von einem ungerecht handelnden Lehrer auf die Institution Schule insgesamt. Aggression lässt sich grob einteilen in eine konstruktive und eine destruktive Form. Die entscheidende Frage ist nun, weshalb und wie sich die zunächst neutrale aggressive Urkraft in seine destruktivste Form, den Hass, umwandeln kann. </p>
<p>Reinhard Haller weiß: „Sigmund Freud und die klassische Psychoanalyse erklären dies mit dem Todestrieb.“ Dessen Gegenspieler – der Eros – strebt nach Bindung, Vereinigung und Verschmelzung. Der Todestrieb richtet sich dagegen auf die Auflösung von Bindungen, auch jene im zwischenmenschlichen Bereich, auf Verletzung, ja auf Zerstörung der anderen, auf Erstarrung und Tod. Wenn es dem Todestrieb gelingt, die ganze Persönlichkeit des Menschen zu beherrschen, entstehen pathologische, durch und durch bösartige und hassbesetzte Charakterstrukturen. Das kann man bei den großen Despoten der Menschheit und den schlimmsten Verbrechern sehen. </p>
<p><strong>Alfred Adler unterscheidet zwischen zwei Hassphasen</strong></p>
<p>Alfred Adler (1870 – 1937), der Begründer der Individualpsychologie, Schüler und späterer Gegenspieler Sigmund Freuds, erklärt den Hass zwar auch mit dem Konzept des Aggressionstriebes, sieht aber die Hauptursache in Minderwertigkeitsgefühlen. Wenn jemand an einer organischen Schwäche oder auch an einer sozialen Benachteiligung leide, versuche er, diese auszugleichen. Oder, wie es in der Psychologie heißt, zu kompensieren, was zur Stärkung des Aggressionstriebes führe. Reinhard Haller stellt fest: „Je intensiver also diese Minderwertigkeit empfunden wird, desto stärker ist der Kompensationsversuch.“</p>
<p>Die Unterlegenheit empfindet man als Demütigung, auch durch Verletzung des Gerechtigkeitsgefühls. Alfred Adler unterscheidet bei seinen Ausführungen zwischen zwei Hassphasen. Erstens die heiße Phase des Hasses und zweitens seine kalte Phase. In der heißen Phase will sich der Betroffene für die Demütigung rächen. Er versucht, den Verursacher seines Unglücks zu besiegen und strebt nach Übermacht und Überlegenheit. Das Gefühl der Überlegenheit kommt dann in der kalten Phase zum Ausdruck. Es zeigt sich nach außen in Abwertung, Arroganz und Zynismus. Quelle: „Die dunkle Leidenschaft“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Die Aggression ist eine Urkraft</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 Oct 2023 01:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
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					<description><![CDATA[Der wichtigste Antrieb des Hasses, gleichsam sein Motor, ist die Aggression. Reinhard Haller weiß: „Diese dem Angriff oder der Verteidigung dienende Verhaltensweise ist ein in Mensch und Tier biologisch tief verankertes Verhaltensmuster.“ Aggressives Verhalten ist abhängig von genetischen und zerebralen Faktoren, von der Wirkung der Hormone und Neurotransmitter, von psychischen Zuständen und kognitiven, also verstandesmäßigen Motiven. Aber auch stammes- und kulturgeschichtliche oder gruppensoziologische Aspekte sowie persönliche Erfahrungen und Einstellungen sind bedeutend. Aggression entsteht als Reaktion auf Frustrationen und physikalische oder psychosoziale Unterdrückung und wird durch entsprechende Reize und Situationen ausgelöst.&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der wichtigste Antrieb des Hasses, gleichsam sein Motor, ist die Aggression. Reinhard Haller weiß: „Diese dem Angriff oder der Verteidigung dienende Verhaltensweise ist ein in Mensch und Tier biologisch tief verankertes Verhaltensmuster.“ Aggressives Verhalten ist abhängig von genetischen und zerebralen Faktoren, von der Wirkung der Hormone und Neurotransmitter, von psychischen Zuständen und kognitiven, also verstandesmäßigen Motiven. Aber auch stammes- und kulturgeschichtliche oder gruppensoziologische Aspekte sowie persönliche Erfahrungen und Einstellungen sind bedeutend. Aggression entsteht als Reaktion auf Frustrationen und physikalische oder psychosoziale Unterdrückung und wird durch entsprechende Reize und Situationen ausgelöst. Die Aggression ist eine Urkraft aller tierischen Lebewesen, ohne sie wären weder Überleben noch Entwicklung oder Fortschritt möglich. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich). <span id="more-4977"></span></p>
<p><strong>Psychosomatische Erkrankungen sind falsch verarbeitete Aggressivität</strong></p>
<p>Die entscheidende Aufgabe in der persönlichen Entwicklung und Reifung, in der Erziehung und der gesellschaftlichen Kultivierung liegt in der „Domestizierung“ dieser enormen Macht. Reinhard Haller fügt hinzu: „In der psychodynamischen Denkweise wird die Aggression verglichen mit einem permanent dahindonnernden Wildbach, den es einzudämmen und wirtschaftlich zu nutzen gilt.“ Im psychischen Bereich können die aggressiven Kräfte durch wirtschaftlichen Wettbewerb, beruflichen Karrierestreit, sportlichen Wettkampf oder durch kulturelle Leistungen sublimiert, das heißt fruchtbar gemacht werden. </p>
<p>Gelingt dies nicht, entsteht ein erheblicher Stau von noch ungerichteter Aggression. Diese kann sich explosionsartig entladen, zum Beispiel in Ausbrüchen von Jähzorn oder Wut. Wenn sie nicht abgebaut wird, kann sie chronische psychische Leiden verursachen. Reinhard Haller stellt fest: „Psychosomatische Erkrankungen sind nichts anderes als negative Energie, also falsch verarbeitete Aggressivität, die sich an jenem Organ festmacht, das Symbol eines Konflikts ist.“</p>
<p><strong>Sehr häufig sind verbale Aggressionsformen</strong></p>
<p>So sind depressive Störungen oft mit Rückenschmerzen verbunden, weil die Wirbelsäule symbolisch für das schmerzhafte Tragen einer Sorge oder psychischen Last steht. Reinhard Haller nennt weitere Beispiele: „Bei Angstzuständen oder wirtschaftlichen Nöten sind häufig Beschwerden am Herzen zu finden, dem Organ der Existenz. Suchtmittel werden häufig eingesetzt, um die aggressionsgetriebene innere Unruhe in einer Art falschen „Selbstheilung“ zu mildern.“ </p>
<p>Aggressionen können sich in physischer Form äußern, etwa durch Bedrohen, Verletzen oder Töten eines anderen Lebewesens, auch durch Sachbeschädigung wie beim Vandalismus. Viel häufiger sind aber verbale Aggressionsformen wie Beleidigen, Verspotten, Beschimpfen oder heutzutage sehr häufig Zynismus und Sarkasmus. In verdeckter Form kann sich die Aggression im toxischen Schweigen und in der Fantasie abspielen, durch Virtualisierung wird sie in das große Netz verlegt. Klassische soziale Aggressionen sind Mobbing und Ausgrenzung. Hier können physische, verbale und verdeckte Aggressionen eingesetzt werden. Quelle: „Eine dunkle Leidenschaft“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Wut und Hass können als Programm dienen</title>
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		<pubDate>Fri, 18 Aug 2023 01:00:07 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit einigen Jahren ist in den westlichen Gesellschaften, sowohl in der politischen Öffentlichkeit als auch im Internet, zu beobachten, wie Gruppen entstehen, die vor allem dadurch auffallen, dass sie tiefsitzende, chronische Gefühle der Unzufriedenheit, des Ärgers und der Wut mit sich herumtragen. Joachim Baur stellt fest: „Ihr Thema ist nicht etwa die konkrete Verbesserung der Verhältnisse. Ihr eigentliches Thema scheinen die in ihnen vorhandenen negativen Gefühle selbst zu sein.“ Affekte wie Wut und Aggression sind normalerweise Hilfsmittel und dienen dem Zweck, einem berechtigten Anliegen Gehör zu verschaffen. Für Menschen, die&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Seit einigen Jahren ist in den westlichen Gesellschaften, sowohl in der politischen Öffentlichkeit als auch im Internet, zu beobachten, wie Gruppen entstehen, die vor allem dadurch auffallen, dass sie tiefsitzende, chronische Gefühle der Unzufriedenheit, des Ärgers und der Wut mit sich herumtragen. Joachim Baur stellt fest: „Ihr Thema ist nicht etwa die konkrete Verbesserung der Verhältnisse. Ihr eigentliches Thema scheinen die in ihnen vorhandenen negativen Gefühle selbst zu sein.“ Affekte wie Wut und Aggression sind normalerweise Hilfsmittel und dienen dem Zweck, einem berechtigten Anliegen Gehör zu verschaffen. Für Menschen, die den genannten Gruppen angehören, sind Wut und Aggression aber nicht mehr Mittel zum Zweck, ihre Affekte sind das eigentliche Programm. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt. <span id="more-4806"></span></p>
<p><strong>Affektgruppen sind immer gegen etwas</strong></p>
<p>Man könnte sie daher als „Affektgruppen“ oder als narzisstische Gruppen bezeichnen. Die emotional aufgeladene Kritik der Affektgruppen zielt nicht etwa darauf, konkrete Missstände zu beheben – was überaus sinnvoll wäre. Diese Gruppen sind nicht für, sondern gegen etwas. Ihre Wut und ihr Hass richten sich auf andere Gruppen innerhalb der Gesellschaft. Gegenstand ihrer Aggression sind einerseits Gruppen, denen sie sich unterlegen und von denen sie sich gedemütigt fühlen. Dazu gehören Gebildete, Kulturschaffende, Wohlhabende oder solche, die sie dafür halten. </p>
<p>Joachim Bauer weiß: „Andererseits hassen sie Gruppen, die sie als Konkurrenz um gemeinsame soziale Ressourcen erleben – Deutsche mit Vorfahren aus dem Ausland, Fremde, Migranten, Menschen mit anderer Hautfarbe.“ Zu ihrem Feindbild zählt außerdem alles, was ihnen fremd und verdächtig ist – darunter Juden, Muslime, Menschen mit anderer sexueller Orientierung und andere. Affektgruppen, also Gruppen, deren Programm sich im Ausdruck negativer, gegen andere Gruppen gerichteter Affekte erschöpft, kultivieren eine Opferhaltung. </p>
<p><strong>Affektgruppen sind eine gefährliche Erscheinung in einer Demokratie</strong></p>
<p>Wer sich als verfolgtes Opfer aufführt, kann sich als jemand fühlen, der besondere Ansprüche stellen darf. Er oder sie kann sich einbilden, nunmehr selbst das Recht zu haben, andere – die angeblich Schuldigen – verfolgen zu dürfen. Joachim Bauer warnt: „Wer die angebliche oder tatsächliche eigene Benachteiligung zum ständigen und alleinigen Thema macht, lähmt sich selbst und schneidet sich von Möglichkeiten ab, welche die Zukunft bieten könnte.“ Menschen, die sich Affektgruppen anschließen, wollen auf der Ebene einer gemeinsamen „kollektiven“ Identität die subjektiv gefühlten Erniedrigungen kompensieren, die man ihrer „persönlichen“ Identität zugefügt habe. </p>
<p>Ein ständig aggressiver Ton, zur Schau gestellte Kraftmeierei und der zum Programm erhobene Traum von nationaler Großartigkeit sollen die über viele Jahre gewachsenen, als quälend empfundenen persönlichen Minderwertigkeitsgefühle ausgleichen. Joachim Bauer warnt: „Affektgruppen leben vom Hass und sind im Hinblick auf die Bewältigung anstehender Krisen eine gefährliche Erscheinung in unseren demokratischen Gesellschaften. Sie schwächen und zerstören den Geist des gesellschaftlichen Zusammenhalts.“ Quelle: „Fühlen, was die Welt fühlt“ von Joachim Bauer</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Grausamkeit macht den anderen zur Beute</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Jul 2023 01:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
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					<description><![CDATA[Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Die These, dass es sich bei der Grausamkeit um einen Selbst-Kulturalisierungseffekt handelt, enthält ein erhebliches Irritationspotenzial.“ Sie widerspricht der Vorstellung einer ursprünglichen Gewaltsamkeit des Menschen und begreift diese als ein prekäres Ergebnis kulturellen Fortschritts. Jenes Abstraktum namens „Menschheit“ hat zum ersten Mal in seiner Geschichte in Gestalt durchaus mundaner „Hochkulturen“ Macht und Gewalt großräumig und zum Teil auch dauerhaft etabliert und organisiert. Für Walter Benjamin ist „Barbarei“ stets im Spiel, wo es um Triumpf und Herrschaft geht. Grausamkeit ließe sich sagen, ist jenes Moment, das den&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Die These, dass es sich bei der Grausamkeit um einen Selbst-Kulturalisierungseffekt handelt, enthält ein erhebliches Irritationspotenzial.“ Sie widerspricht der Vorstellung einer ursprünglichen Gewaltsamkeit des Menschen und begreift diese als ein prekäres Ergebnis kulturellen Fortschritts. Jenes Abstraktum namens „Menschheit“ hat zum ersten Mal in seiner Geschichte in Gestalt durchaus mundaner „Hochkulturen“ Macht und Gewalt großräumig und zum Teil auch dauerhaft etabliert und organisiert. Für Walter Benjamin ist „Barbarei“ stets im Spiel, wo es um Triumpf und Herrschaft geht. Grausamkeit ließe sich sagen, ist jenes Moment, das den Anderen zur Beute und damit zum Vorzeigeobjekt, zum Fetisch absoluter Macht oder auch vollständiger Unterwerfung macht. Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien. <span id="more-4724"></span></p>
<p><strong>Es gibt eine spezifisch männliche Disposition zur Grausamkeit</strong></p>
<p>Dabei ist nicht zu übersehen, dass die westliche Kultur die kultivierte Grausamkeit gern auf andere, orientalische Kulturen verschoben hat. Die Ansicht, wonach insbesondere der kultivierte Mensch ohne Ausnahme zur Grausamkeit fähig ist, bedeutet eine psychologische Zumutung, eine politische Herausforderung, aber auch eine theoretische Mutprobe. Die Psychologin und Neurowissenschaftlerin Kathleen Taylor meint: „Die Menschen sind erschreckend kreativ, wenn es darum geht, andere Menschen zu schlagen und zu töten.“ </p>
<p>Grausamkeit hat zwei Gesichter, ein subjektives und ein objektives, die oft sublime und unsichtbare Intention und das brutale Faktum, der physische und psychisch zugerichtete Mensch. Wolfgang Müller-Funk fügt hinzu: „Darüber hinaus sind die Diskurse der Grausamkeit von oft stummen intentionalen Gewaltakten zu unterscheiden.“ Statistiken legen nahe, dass es eine spezifisch männliche Disposition zur Grausamkeit gibt. Dabei taucht wie von selbst die Frage auf, ob diese universal und biologisch verankert oder die Folge bestimmter soziokultureller Machtstrukturen ist.</p>
<p><strong>Grausamkeit ist der Inbegriff allen menschlichen Übels</strong></p>
<p>Für Kathleen Taylor ist Grausamkeit der Inbegriff allen menschlichen Übels, dem freilich kaum beizukommen sei. Eine weitere These von Kathleen Taylor betont den strategisch-rationalen Charakter von leidvoller Tötung: „Die Täter wissen genau, was sie tun.“ Die Wissenschaftlerin bringt das in einen generellen Zusammenhang, wenn sie davon spricht, dass Grausamkeit im Großen und Ganzen nicht von Verrückten oder „natürlichen“ Bösewichten begangen werden.</p>
<p>Grausames Verhalten sei rational, es entspringt aus kalkulierten Operationen. Zum Zeitpunkt der Tat scheint es für die Täter vorteilhaft, den Anderen zu quälen. In einer bestimmten Situation kann jeder der Täter sein. Außerdem betrachtet Kathleen Taylor sprachliche neben handgreiflicher Aggression selbst als gewaltsamen Akt. Heutzutage gibt es diverse Verbotstechniken, die unter dem Stichwort einer politischen Korrektheit firmieren. Diese zielen darauf ab, aggressive Ausdrücke als auch Formeln zu verbieten und damit auf eine höchst illusorische Weise aus der Welt schaffen zu wollen. Quelle: „Crudelitas“ von Wolfgang Müller-Funk</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Sigmund Freud beschreibt den Todestrieb</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2023 01:00:31 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Destruktivität]]></category>
		<category><![CDATA[Grausamkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Todestrieb]]></category>
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					<description><![CDATA[Sigmund Freud schreibe an Albert Einstein im Jahr 1932: „Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung.“ In „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, verfasst 1915 inmitten des Ersten Weltkrieges, reflektiert Sigmund Freud über die Bindungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, und über die destruktiven Mächte, die diese Bindungen zerbrechen. Judith Butler weiß: „Zu der Zeit, als er die Theorie des „Todestriebes“ entwickelt, ab 1920 und dann&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Sigmund Freud schreibe an Albert Einstein im Jahr 1932: „Ich habe Bedenken, Ihr Interesse zu missbrauchen, das ja der Kriegsverhütung gilt, nicht unseren Theorien. Doch möchte ich noch einen Augenblick bei unserem Destruktionstrieb verweilen, dessen Beliebtheit keineswegs Schritt hält mit seiner Bedeutung.“ In „Zeitgemäßes über Krieg und Tod“, verfasst 1915 inmitten des Ersten Weltkrieges, reflektiert Sigmund Freud über die Bindungen, die eine Gemeinschaft zusammenhalten, und über die destruktiven Mächte, die diese Bindungen zerbrechen. Judith Butler weiß: „Zu der Zeit, als er die Theorie des „Todestriebes“ entwickelt, ab 1920 und dann ausführlicher im folgenden Jahrzehnt, war seine Sorge angesichts der destruktiven Fähigkeiten des Menschen ständig gewachsen.“ Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley. <span id="more-4664"></span></p>
<p><strong>Eros schafft menschliche Bindungen</strong></p>
<p>„Sadismus“, „Aggression“ und „Destruktivität“ wurden zu den Hauptvertretern des Todestriebs, der seine reifste Ausformulierung 1930 in „Das Unbehagen in der Kultur“ fand. Was er in „Jenseits des Lustprinzips“ zehn Jahre zuvor einen „unüberwindbaren Teil der menschlichen Natur“ genannt hatte, nimmt mit der Entfaltung einer dualistischen Metaphysik eine neue Form an. Nun steht Eros, die Kraft, die immer komplexere menschliche Bindungen schafft, Thanatos gegenüber, der Kraft, die diese Bindungen zerstört. </p>
<p>Judith Butler stellt fest: „Eine nachhaltige politische Ordnung setzt voraus, dass soziale Bindungen relativ unangetastet bleiben können.“ Wie wird sie dann aber mit der von Sigmund Freud beschriebenen destruktiven Kraft fertig? Destruktivität in einer Form, wie sie im Ersten Weltkrieg angewendet wurde, war bis dahin unbekannt gewesen. Mit neuen Waffen wuchs zwar die Zerstörungskraft gegenüber früheren Kriegen, aber das Ausmaß der Grausamkeit scheint Sigmund Freud das gleiche zu sein.</p>
<p><strong>Grausamkeit allein kann die Destruktivität nicht erklären</strong></p>
<p>Das Problem scheint also nicht darin zu liegen, dass die Menschen grausamer geworden sind, sondern darin, dass die Technik dieser Grausamkeit mehr Zerstörungskraft gibt als zuvor. Ein Krieg ohne diese Waffen wäre weniger zerstörerisch, aber nicht weniger grausam. Sigmund Freud scheint also der Auffassung zu widersprechen, dass die Grausamkeit selbst durch neue Technologien zunimmt. Die Destruktivität nimmt seiner Meinung nach neue und historisch wandelbare Formen an, aber die Grausamkeit bleibt die gleiche.</p>
<p>Menschliche Grausamkeit allein kann also Destruktivität nicht erklären; auch die Technologie spielt dabei eine Rolle. Judith Butler erklärt: „Aber die spezifisch menschliche Fähigkeit zur Zerstörung ist auf die ambivalente psychische Konstitution des menschlichen Subjekts zurückzuführen.“ Für die Frage nach Möglichkeiten der Eindämmung der Destruktivität spielen also, insbesondere im Kontext des Krieges, Ambivalenz und Technologie eine Rolle. Kriegsführung gilt allgemein als für Nationen spezifische Handlung, aber die den Krieg antreibende blinde Wut zerstört eben die sozialen Bindungen, die Nationen erst ermöglichen. Quelle: „Die Macht der Gewaltlosigkeit“ von Judith Butler</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<item>
		<title>Der Antrieb aller Rachesucht ist der Triumph</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 03 Apr 2023 01:00:59 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Psychoanalyse]]></category>
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					<description><![CDATA[Karen Horney (1885 – 1952), prominenteste Vertreterin der Neopsychoanalyse, schreibt: „Der Wunsch, sich angesichts des herausfordernden Triumphes zu rächen, mag letztlich der ausschlaggebende Faktor für jede Sucht nach Erfolg, Prestige und sexueller Eroberung sein. Das Verlangen nach Triumph ist ein grundlegender Antrieb aller Rachesucht. […] Macht zu haben, zu kränken, auszubeuten und zu enttäuschen bedeutet vor allem eines – Triumph. […] Dem Phantom des Triumphes süchtig hinterherzujagen, führt dazu, sich in einem Teufelskreis zu verstricken.“ Für Reinhard Haller ist dies wohl die beste Erklärung für die Entwicklung der Rachespirale. Erich&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Karen Horney (1885 – 1952), prominenteste Vertreterin der Neopsychoanalyse, schreibt: „Der Wunsch, sich angesichts des herausfordernden Triumphes zu rächen, mag letztlich der ausschlaggebende Faktor für jede Sucht nach Erfolg, Prestige und sexueller Eroberung sein. Das Verlangen nach Triumph ist ein grundlegender Antrieb aller Rachesucht. […] Macht zu haben, zu kränken, auszubeuten und zu enttäuschen bedeutet vor allem eines – Triumph. […] Dem Phantom des Triumphes süchtig hinterherzujagen, führt dazu, sich in einem Teufelskreis zu verstricken.“ Für Reinhard Haller ist dies wohl die beste Erklärung für die Entwicklung der Rachespirale. Erich Fromm spricht von „rachsüchtiger Destruktivität“, die er als spontane Reaktion auf intensive und ungerechtfertigte Leiden bezeichnet, die einer Person oder eng verbundenen Gruppe zugefügt wurde. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich). <span id="more-4447"></span></p>
<p><strong>Über Rache werden eigene schwere Verletzungen kompensiert</strong></p>
<p>Diese rachsüchtige Destruktion unterscheide sich von normalen defensiven Aggressionen in zwei Punkten: Da sie sich erst nach Erleiden eines Schadens entwickle, handle es sich nicht um eine Verteidigung gegen die drohende Gefahr und sie sei sehr viel intensiver, oft grausam, lustbetont und unersättlich. Nach Meinung des allerdings nicht ganz unumstrittenen amerikanischen Psychiatrieprofessors und Analytikers Charles Socarides (1922 – 2005) resultieren Rachegefühle aus nicht verschmerzten Verlusterlebnissen. </p>
<p>Reinhard Haller erläutert: „Zorn und Schmerz werden nicht durch Trauer verarbeitet, sondern nach außen auf jemand projiziert. Über die Rache werden eigene schwere Verletzungen kompensiert und damit zusammenhängende Ängste kompensiert.“ Deshalb spüre die rächende Person auch keine Schuldgefühle und lege eine pseudo-mutige Haltung an den Tag, bleibe aber gegenüber neuerlichen Kränkungen extrem empfindlich. Rache sei in erster Linie eine Reaktion auf elementare Verluste in der Kindheit, habe auch mit der Unfähigkeit zu tun, Liebe und Hass zu integrieren. </p>
<p><strong>Die Psychoanalyse weist auf sublimierende Aspekte des Rächens hin</strong></p>
<p>Das Rachebedürfnis sei so stark, dass selbst das eigene Verderben in Kauf genommen werde, wenn dadurch dem Opfer Schmerz und Leid zugefügt werden können. Reinhard Haller stellt fest: „Eine wichtige Aufgabe der Rache wird in der Tiefenpsychologie zudem im Schutz vor Schamempfindungen gesehen. Unerträglich gewordene Scham bringe den Racheprozess in Gang. Unbewusste Scham führe zur Wut.“ Um dies zu verhindern, werden die Racheopfer mit Scham belegt, die der Rächer dann selbst nicht zu empfinden braucht. </p>
<p>Hier sieht die Psychoanalyse eine Ansatzmöglichkeit zur konstruktiven Bewältigung von Racheursachen. Wenn nämlich Scham durch psychologische Aufarbeitung mentalisiert werde, nehme das Rachebedürfnis stark ab und die Bereitschaft zur Versöhnung stark zu. Von psychoanalytischen Seite wird aber auch, und dies ist für Reinhard Haller sehr erfreulich, auf sublimierende Aspekte des Rächens hingewiesen und von einer „positiven Rache“ gesprochen. Quelle: „Rache“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Hass setzt zerstörerische Energien frei</title>
		<link>https://www.psychologie-guide.de/reinhard-haller-ist-hass-eine-psychische-stoerung.html</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Feb 2023 02:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Hass]]></category>
		<category><![CDATA[Sigmund Freud]]></category>
		<category><![CDATA[Todestrieb]]></category>
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					<description><![CDATA[Hass wird als Aggressionsaffekt, als zerstörerische Energie, als böse Emotion oder rabenschwarze Leidenschaft bezeichnet. Aber ist er auch eine Krankheit, eine psychische Störung, ein seelisches Leiden? Reinhard Haller weiß: „Die Psychologie gibt darauf eher spärliche Antworten, hat aber einige Konzepte zur Entstehung und Entwicklung des Hasses erarbeitet und liefert verschiedene Modelle zum Verständnis des „normalen“ Hasses.“ Zunächst sehen die psychologischen Wissenschaftler im Hass eine aggressive Emotion. Schon das „Universal-Lexicon“ von 1732 zählt Hass zu den „unangenehmen Emotionen, die die Gefühlsruhe stören und zerstörerische Energien freisetzen“. Später hat sich die Forschung&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hass wird als Aggressionsaffekt, als zerstörerische Energie, als böse Emotion oder rabenschwarze Leidenschaft bezeichnet. Aber ist er auch eine Krankheit, eine psychische Störung, ein seelisches Leiden? Reinhard Haller weiß: „Die Psychologie gibt darauf eher spärliche Antworten, hat aber einige Konzepte zur Entstehung und Entwicklung des Hasses erarbeitet und liefert verschiedene Modelle zum Verständnis des „normalen“ Hasses.“ Zunächst sehen die psychologischen Wissenschaftler im Hass eine aggressive Emotion. Schon das „Universal-Lexicon“ von 1732 zählt Hass zu den „unangenehmen Emotionen, die die Gefühlsruhe stören und zerstörerische Energien freisetzen“. Später hat sich die Forschung vor allem auf den triebhaften Aspekt des Hasses konzentriert. Sigmund Freud (1856 – 1939), der mit der Psychoanalyse die maßgebende Theorie über Entstehung und Auswirkungen unbewusster psychischer Prozesse entwickelte, sieht im Hass einen nach außen gerichteten Teil des dem Leben entgegengesetzten Todestriebes. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender. <span id="more-4282"></span></p>
<p><strong>Hass ist ein „Trieb zur Grausamkeit“</strong></p>
<p>Dieser Todestrieb strebe ständig nach Vernichtung des Lebendigen, nach Rückführung des Vitalen in einen anorganischen und unbelebten Zustand, nach Erstarrung und Tod. In der psychotherapeutischen Praxis kommt es selten vor, dass Patienten wegen eigener Hassprobleme zur Behandlung kommen. Das Hass wohl die konzentrierteste Ausdrucksweise des überhandnehmenden Todestriebs darstelle, sprach Sigmund Freud in treffender Weise von einem „Trieb zur Grausamkeit“. </p>
<p>Dieser Interpretation schlossen sich spätere Psychoanalytiker an. So schreibt der marxistische Literaturtheoretiker Terry Eagleton, der als einer der führenden Intellektuellen Großbritanniens zählt, in seinem Buch „Das Böse“ (2011) von einem nach außen gewandten Todestrieb, welcher „seinen unversöhnlichen Hass an einem Mitmenschen auslässt. Doch dieser wütenden Gewalttätigkeit wohnt ein Mangel inne – das unerträgliche Gefühl des Nichtseins, das an dem anderen gewissermaßen abreagiert werden muss.“ </p>
<p><strong>Hass bezieht sich auf eine vorhergehende Demütigung</strong></p>
<p>Reinhard Haller fasst zusammen: „Hass ist also, so die mehr oder weniger einheitliche Interpretation, eine auf Grausamkeit und Zerstörung ausgerichtete Leidenschaft, ein Trieb zum Tod.“ Eine bereits ganzheitliche Analyse liefert der Münchner Individualpsychologe Prof. Karlheinz Witte. Er interpretiert den Hass, dessen wichtigste Ursachen in Kränkung und Demütigung liege, als Gefühlskomplex und stellt folgende Merkmale in den Mittelpunkt: Dem Hass liegt eine Demütigung zugrunde; Menschen die hassen, sind nicht nur gekränkt oder frustriert, sondern gequält worden. </p>
<p>Der Hass ist nicht nur ein jäh aufflammender Affekt wie die Wut, sondern ein andauernder, inhaltlich analysierbarer Gefühlskomplex. Da sich der Hass auf eine vorhergehende Demütigung bezieht, kennt er weder Skrupel noch Reue, sondern allenfalls Furcht vor selbstschädigenden Folgen, die der Hassende aber unter Umständen auch in Kauf nimmt. Der Hass richtet sich grundsätzlich nicht gegen einen Unterlegenden, sondern bekämpft eine Übermacht. Quelle: „Die dunkle Leidenschaft“ von Reinhard Haller</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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		<title>Normen bestimmen das Leben</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Hans Klumbies]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Jul 2022 01:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Aggression]]></category>
		<category><![CDATA[Normen]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialisation]]></category>
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					<description><![CDATA[Hadija Haruna-Oelker schreibt: „Der Mensch wird und wächst in ständiger Veränderung von Dingen und anderen Menschen um ihn herum. Sich eingliedern beginnt in der Familie, der Beziehung zu Gleichaltrigen, dem Umfeld.“ Die Vergesellschaftung folgt. Mehr Menschen kennenlernen, Verhaltensweisen in sich verankern, Institutionen durchlaufen, Freundschaften schließen. Sich im Denken und Fühlen an soziale Regeln und Abläufe anpassen. Daneben kann man sich den Meinungen und Gefühlen seiner Nächsten nicht entziehen. Man fühlt sich zugehhörig und angehörig. Die Ausprägung des eigenen Seins, der Persönlichkeit ist eingegliedert in die sozialen Orte, in denen man&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Hadija Haruna-Oelker schreibt: „Der Mensch wird und wächst in ständiger Veränderung von Dingen und anderen Menschen um ihn herum. Sich eingliedern beginnt in der Familie, der Beziehung zu Gleichaltrigen, dem Umfeld.“ Die Vergesellschaftung folgt. Mehr Menschen kennenlernen, Verhaltensweisen in sich verankern, Institutionen durchlaufen, Freundschaften schließen. Sich im Denken und Fühlen an soziale Regeln und Abläufe anpassen. Daneben kann man sich den Meinungen und Gefühlen seiner Nächsten nicht entziehen. Man fühlt sich zugehhörig und angehörig. Die Ausprägung des eigenen Seins, der Persönlichkeit ist eingegliedert in die sozialen Orte, in denen man lebt. Bis ins Alter lebt man in Abhängigkeit von Normen und Werturteilen, um sich miteinander zurechtzufinden. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunkt. <span id="more-3722"></span></p>
<p><strong>Mikroaggressionen wirken erschöpfend</strong></p>
<p>Mikroaggressionen nannte der Sozialpsychologe Chester Pierce 1970 die vielen kleinen Stiche, die ständigen verbal und nonverbal abwertenden Botschaften und Erfahrungen, die sich in einem Menschen ansammeln. Hadija Haruna-Oelker erklärt: „Wie kleine Mückenstiche, wenn eine Person jeden Tag gestochen wird, und das immer an der gleichen Stelle. Mikroaggressionen wirken erschöpfend.“ Vor allem, wenn man als Kind und junge Erwachsene keine Worte für das Erlebte hat.</p>
<p>Und wenn man überhaupt erst im Nachhinein realisiert, womit man gerade konfrontiert wurde. Es ist alltäglicher Rassismus, der etwas beschreibt, dass auf der Ebene alltäglicher Szenarien und Nebenschauplätzen passiert. Der Historiker Ibram X. Kendi nennt sie auch „rassistische Angriffe“, weil es alles andere als harmlos ist, wenn man jeden Tag Rassismus erfährt. Die Autorin Alice Hasters bringt vieles davon in ihrem Buch „Was Weiße nicht über Rassismus wissen, aber wissen sollten“ auf den Punkt.</p>
<p><strong>Rassismus verletzt die Betroffenen</strong></p>
<p>Alice Hasters schreibt: „Dinge sind nicht rassistisch, weil sie verletzend sind, sondern verletzend, weil sie rassistisch sind.“ Das erklärt, wie sich still und leise die Verbindung zwischen Bauch und Kopf trennen kann und wie schmerzlich es ist, wenn man sich dessen bewusst wird. Es gibt Menschen, die Schritt für Schritt aufarbeiten, dass andere ihr Aussehen oder Verhalten kommentieren und einsortieren. Dabei haben sie vielleicht gelernt, sich das nicht anmerken zu lassen.</p>
<p>Sie lernen, wie Rassismus zu ihrem Lebensbegleiter wird, mit dem sie sich immer wieder, im Kleinen wie im Großen, arrangieren müssen, weil viele Menschen ihn nicht sehen wollen. Hadija Haruna-Oelker erinnert sich an viele Erlebnisse, die davon berichten, wie es ist, wenn einen Menschen seine Differenz in einer Welt der vermeintlich Gleichen zu einem Anderen macht. Mikroaggressionen treffen auch Menschen, die wegen ihrer Genderdifferenz oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Quelle: „Die Schönheit der Differenz“ von Hadija Haruna-Oelker</p>
<p><em>Von Hans Klumbies</em></p>
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