Spontankäufe vor der Kasse schaden dem Nachwuchs

Es gibt viele Mitmenschen, die immer quengeln und am Ende scheinbar immer das bekommen, was sie wollen. Schon Kinder merken, dass andauerndes Nörgeln zum Erfolg führen kann. Eltern sollten sich jedoch gut überlegen, ob sie den flehenden Augen der Kleinen wirklich nachgeben wollen. Denn damit vergeben sie eine wertvolle Gelegenheit, ihrem Nachwuchs den richtigen Umgang mit Finanzen beizubringen. Für die Macht des Quengelns haben Psychologen und Verkaufsprofis inzwischen eigen eigenen Begriff geprägt. Sie reden von „Pester-Power“, abgeleitet vom englischen „to pester“ für plagen oder zetern. Diese Macht des geschickten Bettelns ist noch größer als bisher bekannt. Eine Umfrage macht nun das ganze Ausmaß deutlich: Demnach geben bis zu 82 Prozent aller Väter und Mütter dem Quengeln ihres Kindes beim Einkaufen nach.

Im Supermarkt können Eltern ihren Kindern der Wert der Arbeit und der Güter vermitteln

Besonders bedenklich ist dabei, dass es sich für die Knirpse eindeutig lohnt, hartnäckig zu bleiben. Wenn Mama oder Papa nicht beim ersten Mal weich wurde, dann eben beim zweiten oder dritten Jammern. Die Befragung wurde im Auftrag des Cashbackportals Shoop ausgeführt. Besonders leicht lassen sich die Herzen der Eltern erweichen, wenn die lieben Kleinen um Süßigkeiten oder Snacks betteln. Mehr als zwei Drittel erklärten, dass sie die spontanen Wünsche ihrer Kinder an der Ladenkasse immer oder meistens erfüllen.

Bei Experten schrillen angesichts solcher Zahlen die Alarmglocken. So wird eine verzerrte Vorstellung von Kaufkraft befördert, fürchten sie. Das sei praktisch Negativ-Erziehung. Die Politikwissenschaftlerin Kirstin Wulf von der Initiative Bricklebrit.net in Berlin erläutert: „Es ist gut, wenn Eltern ihren Nachwuchs zum Einkaufen mitnehmen. Aber dem Quengeln nachzugeben und überflüssige Spontankäufe zu tätigen, setzt die vollkommen falschen Signale.“ Prinzipiell ist aus der Sicht von Kirstin Wulf der Supermarkt ein gutes Umfeld, um Kindern den Wert von Geld, Arbeit und Gütern zu vermitteln.

Kinder sollten einen Teil ihres Taschengelds beim Einkaufen dabei haben

Kirstin Wulf erklärt: „Ladenregale sind ein Lernort. Hier können Kinder Preise vergleichen und sich klarmachen, dass sie für zwei Euro entweder viel davon oder wenig davon bekommen.“ Allerdings wird dieser Effekt zunichte gemacht, wenn die Eltern sich wahllos zu einem Kauf bequatschen lassen. Die Expertin empfiehlt daher ein anderes Vorgehen: „Besser ist, wenn Kinder einen Teil ihres Taschengelds beim Einkaufen dabei haben. Zum Beispiel zwei oder fünf Euro. Dann können sie über diesen Betrag selbst verfügen.“

Eltern dürfen die Kaufentscheidung der Tochter oder des Sohnes durchaus beratend begleiten, sollten aber nicht aggressiv intervenieren. Kirstin Wulf rät: „Wenn das Kind aus Sicht der Eltern eine unsinnige Ausgabe tätigt, sollten die Eltern das nicht verbieten.“ Den Umgang mit Geld zu erlernen, beinhalte auch Fehlkäufe. Nur einen Fehler dürfen Mama und Papa nicht machen: Wenn das Budget des Kindes ausgeschöpft ist, doch noch mal was drauflegen. Kirstin Wulf betont: „Wichtig ist, dass die Regeln vorher klar vereinbart sind, also bevor die Familie zum Einkaufen fährt.“ Quelle: Welt Kompakt

Von Hans Klumbies

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