Soft skills spielen in allen Brachen eine immer größere Rolle

Das richtige Management der Gefühle hat, dank des Einsatzes von Arbeitspsychologen, in nahezu jeder Branche Einzug gehalten. Ulrich Schnabel erklärt: „Allerorten sind „soft skills“ gefragt, kommunikative Fähigkeiten, einfühlsames Denken und Begeisterungsvermögen, nicht nur gegenüber Kunden, sondern auch innerhalb eines Unternehmens.“ Insbesondere in den Vorstandsetagen pflegt man einen modernen emotionalen Stil. Mitarbeiter werden heute nicht mehr angebrüllt, sondern motiviert; die polternden Chefs von einst, die ihr Unternehmen mit harter Hand und lautstarker Autorität führten, gehören zunehmend der Vergangenheit an. Die modernen Manager haben gelernt, mit Empathie zu führen. Sie sagen öfters „wir“ als „ich“ und verstehen sich nicht mehr nur als Antreiber. Viele verstehen sich als oberster „Ermöglicher“, der fürsorglich dafür zuständig ist, dass andere ihren Job erledigen können. Ulrich Schnabel ist Wissenschaftsredakteur der Wochenzeitung „Zeit“ und Autor mehrerer erfolgreicher Sachbücher.

Moderne Manager vermeiden jeden Eindruck von Zwang

Und statt auf den Tisch zu hauen und ihre Macht spielen zu lassen, bevorzugen moderne Chefs leise Töne und verwenden am liebsten Wörter, die mit Team beginnen: Teamgeist, Teamwork, Teamerfolg … Die moderne Nettigkeit darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die neuen Chefs in der Regel genau um ihre Macht innerhalb der Hierarchie des Unternehmens wissen. Wenn es darauf ankommt, können sie Mitarbeiter ebenso kaltblütig entlassen wie ihre Vorgänger – nur diesmal eben mit einem netten Lächeln und warmen Worten.

„Personalführung“, so lautet eine gern zitierte Büroweisheit, „ist die Kunst, den Mitarbeiter so schnell über den Tisch zu ziehen, dass er die Reibungshitze als Nestwärme empfindet“ – eine für Ulrich Schnabel durchaus zutreffende Beschreibung des modernen Managementstils. Es gilt zwar, jeden Eindruck von Zwang und Gewaltsamkeit zu vermeiden, aber eben doch zum vorher anvisierten Ziel zu kommen. Das verdeutlichen die Propagandisten der „emotional intelligenten Führung“, wie etwa der amerikanische Erfolgsautor Daniel Goleman.

Die Chefs müssen sich nach allen Seiten absichern

Daniel Goleman fasst zusammen: „Die Kunst der emotionalen Führung besteht darin, Forderungen durchzusetzen, ohne die Leute aus dem Gleichgewicht zu bringen.“ In einer globalisierten Ökonomie, in der große Unternehmen weltweit tätig sind und unvorsichtige Äußerungen sofort getwittert, gepostet und gegoogelt werden, müssen die Chefs sich möglichst nach allen Seiten absichern. Ihnen ist klar, dass sie angesichts der komplexen Anforderungen einer sich ständig verändernden Umwelt vorsichtig agieren müssen.

Es ist für die Manager riskant, mit einsamen Entscheidungen vorzupreschen. Sie müssen sich absichern, brauchen eine gut funktionierende Kommunikation und möglichst viele Unterstützung innerhalb und außerhalb des Unternehmens. Für Ulrich Schnabel ist der moderne emotionale Führungsstil das folgerichtige Ergebnis einer historischen Entwicklung, die bereits vor über hundert Jahren begann. Schon vor dem Ersten Weltkrieg forderten Experten des Managements den Einsatz emotionaler Führungstechniken anstelle der bis dahin üblichen Disziplinarmaßnahmen. Quelle: „Was kostet ein Lächeln?“ von Ulrich Schnabel

Von Hans Klumbies

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