Sarah Hrdy: "Babys können süchtig machen"

Die Anthropologin Sarah Hrdy vertritt die These, dass keine menschliche Beziehung auch nur annähernd so spannungsgeladen sei wie das Verhältisten Müttern eingetrichtert wurde, dass wahre Mutterliebe vollständig sein müsse. Die Mütter sollen sich buchstäblich von ihren Babys auffressen lassen.

Viele Frauen entscheiden sich für den Status und gegen das Kind

Laut Sarah Hrdy hat die Evolution den Frauen keinen Kinderwunsch eingepflanzt. Sie schuf das weibliche Geschlecht so, dass es genug Nahrung und Fett für den Eisprung bekommt, Sex haben und dadurch von selbst Kinder bekommen. Und die Mutter Natur legte den Menschen darauf an, andere zu kontrollieren und nach Status zu streben, um so die eigenen Chancen zur Fortpflanzung zu verbessern.

Frauen, welche die Wahl haben, entscheiden sich in der heutigen Zeit natürlicherweise für Statusgewinn und versuchen die erste Geburt so weit wie möglich hinauszuschieben. Manche Frauen verzichten auch ganz auf Kinder. Denn seit der Erfindung der Pille können sie mit ihren Eierstöcken abstimmen, wenn sie von ihrer Umgebung n. Dann gibt es eben keine Kinder.

Frauen müssen sich erst an ihr Baby gewöhnen

Für Sarah Hrdy ist die Idee der unbedingten Bindung der Mutter an ihr Kind ein Mythos. Innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt kann sich eine Mutter ihres Kindes ohne hohe emotionale Kosten entledigen. Viele Kulturen akzeptieren dies, indem sie es der Mutter zugestehen, anfangs gegenüber ihrem Kind indifferent zu sein.

Starke Gefühle zu ihrem Baby entwickelt die Frau meist erst in den Tagen und Wochen nach der Geburt. Sie gewöhnt sich allmählich an ihr Baby, wird geradezu süchtig nach seinem Aussehen und seinem Geruch. Der bloße Anblick von Babygesichtern regt im Gehirn der Mütter das so genannte Belohnungssystem an.

Kurzbiographie: Sarah Hrdy

Sarah Hrdy (63) ist auch engagierte Soziobiologin und beschäftigt sich dabei unter anderem mit der sexuellen Selektion, das heißt mit dem Wettbewerb zwischen Männern um Frauen oder auch den Versuch, die Frauen zu kontrollieren und deren Anstrengungen, der Kontrolle zu entgehen.

Sarah Hrdy ist in Texas geboren und studierte in Harvard Anthropologie. 1984 bekam sie eine Professorenstelle an der Universität von Kalifornien. Im Jahr 2000 erschien ihr Buch „Mutter Natur – die weibliche Seite der Evolution“. Anfang 2010 wird sie das Werk „Mütter und andere“ im Berlin Verlag veröffentlichen.

Von Hans Klumbies

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