Georg Milzner kennt die Kraft der inneren Bilder

Innere Bilder spielen heutzutage eine bedeutende Rolle. Auch in Beratungen und Coachings, und natürlich in Therapien kommen Bilder zum Einsatz: „Visualisieren Sie Ihren Erfolg.“ Solche Formeln kennen viele Menschen gut, sie kennen sich aus Büchern und Videos. Sie alle sollen zeigen, wie man mithilfe der seelischen Kraft Erfolg erringt. So etwas ist gar nicht so schwer. Georg Milzner erläutert: „Die Bilder stellen sich sofort ein; ja es ist so, als hätten sie schon auf uns gewartet. Und ein bisschen stimmt das auch.“ Nur, dass sich das dann erst einmal relativiert. Der Hirnforscher Gerald Hüther spricht zu Recht von der „Macht der inneren Bilder“. Denn die Bilder, die man in sich trägt, haben großen Einfluss. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

Innere Bilder bringen durchaus zweischneidige Urteile hervor

Die inneren Bilder wirken auf das ein, was ein Mensch empfindet. Und mehr noch, sie wirken auf das ein, was man tut. Die inneren Bilder hängen zudem mit der Fantasie eines Menschen zusammen. Georg Milzner erklärt: „Sie sind gewissermaßen kreatives Geschehen – ohne Medien. Allerdings fällt dabei oft auf, dass diese Kreativität oftmals verpufft, ohne dass sie zur Gestaltung unserer Lebenswelt beiträgt.“ So ist es nicht verwunderlich, dass die Produktion innerer Bilder durchaus zweischneidige Urteile hervorbringt.

Denn sie haben nicht nur eine seelisch, fixierende, mitunter lebensprägende Funktion. Einige Autoren bewerten sie allerdings auch als destruktiv, eskapistisch, mitunter krankhaft. Georg Milzners Einschätzung zufolge ist der krankhafte Anteil innerer Bilder jedoch eher gering. Ebenso wenig ist auch das Genießen der äußeren Bilderwelten problematisch. Nicht alles Schauen, nich jedes Aufgehen in einem äußeren Geschehen führen vom eigenen Selbst weg. Ganz im Gegenteil zählen schöne visuelle Reize zu den tiefsten und berührendsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann.

Die inneren Bilder zeigen die Sehnsüchte der Seele

Wohl aber wohnt speziell den inneren Bildern eine Verführungskraft inne. Und dieser Reiz der Verlockung wird umso heikler, je weniger ein Mensch sich selber spürt, Tiefenwahrnehmung besitzt und in sich zu ruhen vermag. Georg Milzner weiß: „Die Erzeugung des künstlichen Selbst wird genau von diesem Verhältnis des Mangels einerseits und der Verführungskraft der Bilder andererseits bestimmt.“ Das innere Bild von sich selbst wird hierbei aufgehübscht, retuschiert sowie, je nach Bedürfnislage mit Merkmalen von Glanz und Glamour oder aber Symbolen der Könnerschaft und der Perfektion versehen.

Und da das Selbstgefühl und ein echtes Selbstinteresse, die dies normalerweise sanft korrigieren und in größere Erfahrungsräume einbetten würden, bei der Entstehung des künstlichen Selbst fehlen, so fällt die Identifikation mit dem so erzeugten Bild verhängnisvoll leicht. In Georg Milzners Arbeit spielen die Bilder der Seele, die nächtlichen ebenso wie die, die ein Mensch tagsüber mit sich herumträgt, eine gewichtige Rolle. Denn in diesen Bildern tut sich oftmals kund, wohin sich die Psyche bewegt, was sie umtreibt und was sie sich ersehnt. Quelle: „Wir sind überall, nur nicht bei uns“ von Georg Milzner

Von Hans Klumbies

Post Comment