Gegenseitige Anziehung kann zu einer Affäre führen

Anziehung ist eine der zuverlässigsten Konstanten des menschlichen Lebens. In einem solchen Moment setzt die Möglichkeit von Intimität viele Menschen unter Hochspannung. Was ist es, das es einigen Menschen erlaubt, der Versuchung zu widerstehen, während andere ihr erliegen? Die Antwort liegt für Shirley P. Glass im komplexen Zusammenwirken von Gelegenheit, Anfälligkeit, Verpflichtung und Werten. Der Psychiater Frank Pittman sagt dazu: „Verliebt zu sein schützt Menschen nicht davor, Lust zu empfinden.“ Mit Sicherheit müssen die Umstände günstig sein. Man muss jemanden treffen, wenn man sowohl Gelegenheit als auch die Neigung hat, sich darauf einzulassen. Erwähnenswert hierbei ist allerdings, dass viele Menschen, die keine Zeit für ihre Ehe haben, es schaffen, Zeit für eine Affäre zu finden. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

Männer ziehen sich als Konsequenz einer Affäre aus ihrer Ehe zurück

Shirley P. Glass erklärt: „Frauen lösen sich oft bewusst aus ihrer Ehe, bevor sie eine Affäre eingehen. Im Gegensatz dazu ziehen sich Männer eher als Konsequenz einer außerehelichen Bindung aus ihrer Ehe zurück.“ Es ist sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein Zeichen von Hingabe an den Partner, wenn sie erst gar nicht über Alternativen nachdenken. Hingebungsvolle Partner schützen ihre Beziehung im selben Maß wie frisch verliebte Paare. Sie leben eingesponnen in ihrer Welt und sind blind gegenüber Versuchungen von außen.

Andere Menschen werden in solchen Fällen als mögliche Bedrohung der Partnerschaft angesehen. Ihre Freundschaften haben verstärkte Mauern, durch die sie ihre Bindung schützen. Doch sogar bei Paaren, die sich einander sehr zugehörig fühlen, kann es sein, dass ein Partner die subtilen Manipulationen eines Dritten, der sich zu ihm hingezogen fühlt, nicht bemerkt. Meist ist es der betrogene Partner, der als Erster bemerkt, dass jemand anderer versucht, durch die Lücke im ehelichen Schutzwall zu schlüpfen.

Grundlos eifersüchtige Menschen sehen nur schwarz

Shirley P. Glass erläutert den Unterschied zwischen grundloser und begründeter Eifersucht: „Grundlos eifersüchtige Menschen sehen Dinge anders als sie zu sein scheinen. Normale Handlungen werden zu strategischen Manövern im Spiel der Verführung; jeder Moment beinhaltet drohenden Verlust. Ein emotional eifersüchtiger Mensch sieht nur schwarz anstatt die abgestuften Farbtöne wahrzunehmen, die dem Leben Farbe geben.“ Der Verdacht grundlos eifersüchtiger Menschen wird meist nach kurzer Zeit von allen anderen abgetan.

Begründete Eifersucht sollte dagegen ernst genommen werden. Manchmal ist Eifersucht kein Zeichen von Paranoia, sondern eine gesunde Reaktion auf einen stichhaltigen Verdacht. Wenn ein normalerweise nicht eifersüchtiger Partner plötzlich anfängt, misstrauisch zu werden, ist die Eifersucht wahrscheinlich durch eine reale Bedrohung begründet. Wachsamkeit kann dem besorgten Partner helfen, mehr Informationen zu sammeln, bevor sie oder er entscheidet, wie mit der Situation umzugehen ist. Ebenso hilfreich ist es, den schwankenden Partner vorzuwarnen, dass er oder sie Gefahr läuft, die angemessenen Grenzen zu überschreiten und seine Partnerschaftsverpflichtung zu brechen. Quelle: „Die Psychologie der Untreue“ von Shirley P. Glass

Von Hans Klumbies

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