Menschen verarbeiten Krankheiten auf unterschiedlichste Weise

Als erste Verarbeitungsform von Krankheiten nennt Erwin Ringel, ein österreichischer Arzt und Vertreter der Individualpsychologie,  die Regression. Er weist darauf hin, dass fast bei jedem Menschen die erste Reaktion auf eine Krankheit darin besteht, dass der Kranke in gewissem Sinne wieder zum kleinen Kind wird und sich verwöhnen lassen will. Viele Krankheiten sind nichts anderes als der Versuch, einer unerträglichen Konfliktsituation auszuweichen. Nach Erwin Ringel zerbrechen auch viele Menschen an ihrer Krankheit.  Viele alten Menschen sterben laut Erwin Ringel, zum Beispiel wenn sie von ihren Angehörigen in ein Altenheim abgeschoben werden, ohne dass man sagen könnte, woran sie gestorben sind. Vielleicht an gebrochenem Herzen. Sie verlieren jede Hoffnung, sie haben keine Zukunft.

Die Verdrängung der Krankheit ist eine Form schwerer Selbstschädigung

Eine weitere Form des Umgangs mit einer Krankheit ist nach Erwin Ringel die hypochondrische Verarbeitung. Dann gibt es auch Menschen, die ihre Krankheit einfach ausgliedern. Sie weigern sich laut Erwin Ringel, das Bestehen einer Erkrankung zur Kenntnis zu nehmen, und tun so, als wären sie gesund. Das ist ein äußerst gefährlicher Mechanismus, der oft zum vorzeitigen Tod führt und eigentlich eine Form schwerer Selbstschädigung darstellt. Erwin Ringel schreibt: „Die einen zögern solange zum Arzt zu gehen, bis es zu spät ist, die anderen halten sich nicht an ärztliche Vorschriften und Verordnungen und ziehen einen raschen Tod vor.“

Von Hans Klumbies

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