Entscheidungen der reinen Vernunft sind oft nicht die richtigen

Viel zu lange konnte ein riesiger Irrtum sein Unwesen treiben, der da hieß: Emotionen behindern eine vernünftige Entscheidungsfindung. Inzwischen haben Wissenschaftler aber bewiesen, dass es eine enge und unbedingte Zusammenarbeit zwischen kognitiven und emotionalen Vorgängen bei der Beurteilung von Situationen und Aufgaben gibt. Alexander Goebel erklärt: „Entscheidungen werden von beiden Gehirnen getroffen, dem emotionalen und dem kognitiven.“ David Tucker beschreibt in seinem Buch „Die verborgenen psychologischen Dimensionen der Finanzmärkte“, wie emotional beeinflusst die Entscheidungen der Verantwortlichen im Finanzskandal 2008 waren, als sie sich weit mehr von den Vorstellungen des Erfolges ihrer seltsamen und wirtschaftlich völlig unvernünftigen Konstrukte haben leiten lassen als von unternehmerischer Vernunft. Der portugiesische Neurowissenschaftler António Damásio geht davon aus, dass Entscheidungen, die der reinen Vernunft entsprechen und vermeintlich unter Ausschluss von Emotionen getroffen werden, sehr oft nicht die richtigen sind. Alexander Goebel ist seit 40 Jahren erfolgreich im Emotionsgeschäft unterwegs.

Die Intuition ist eine ultraschnelle Erkenntnis

Die Fehlerquote liegt bei der reinen Vernunft höher als jene, die sich ergibt, wenn die Menschen ihren Emotionen freien Lauf lassen. António Damásio geht sogar so weit zu behaupten, dass keine, wie auch vernünftig immer erscheinende, Entscheidung völlig ohne Gefühle entstehen kann. Denn auch wenn Menschen glauben, auf rein rationaler Basis entschieden zu haben, kann man davon ausgehen, dass sogenannte emotionale Marker wesentlich mitbestimmt haben. António Damásio erklärt die Intuition auf die gleiche Weise, als Entscheidungen, die Menschen im Rekordtempo treffen, ohne Konsultation der Ratio.

António Damásio erklärt: „Die Intuition ist lediglich eine ultraschnelle Erkenntnis, die aufgrund von Emotionen und gemachten Erfahrungen entsteht und die dafür an sich benötigte Wissensmenge teilweise unter den Teppich kehrt.“ Wirtschaftlicher Erfolg hängt demnach auch wesentlich von emotionalem Denken ab. Selbst ästhetische Erfahrungen beeinflussen Entscheidungen. Alexander Goebel erläutert: „Demnach ist es für den menschlichen Horizont von kolossaler Wichtigkeit, mit ästhetischen Begegnungen versorgt zu sein, um für Entscheidungen möglichst viele zur Verfügung stehende Instrumente und Vorgänge nutzen zu können.“

Große Vorbilder aus der Wirtschaft vertrauen ihrem Bauchgefühl

Kunst und Kultur dienen der Verankerung von emotionalen Erfahrungen, die als integraler Teil der Entscheidungsprozesse wirken. Das ist die beste wissenschaftliche Erklärung für subventionierte Kultur, die Alexander Goebel kennt. Entscheidungen sind Gemeinschaftsprodukte aller beteiligten Kräfte: Vernunft, Emotion, Imagination, Körper. Alexander Goebel betont: „Nahezu alle großen Vorbilder aus der Welt der Wirtschaft, von Warren Buffet bis Steve Jobs, vertrauen oder vertrauten selbst bei extrem wichtigen Entscheidungen ihrem Bauchgefühl, ihrer Intuition.“

Menschen erzielen wahrscheinlich die besseren Resultate, wenn sie sich erlauben, auch mit dem Bauch zu entscheiden. Ihn ausschalten geht nicht, der Mensch kann höchstens seine Informationen ignorieren. Warren Buffet erklärt immer wieder, wie er Unternehmen kauft: Vorausgesetzt, die faktischen Informationen stimmen, dann entscheidet das Gefühl. Von Steve Jobs ist bekannt, dass er so unerschütterlich an seine Visionen und die dazugehörigen Projekte glaubte, dass er einen ganzen Konzern mitreißen konnte. Quelle: „Gute Gefühle“ von Alexander Goebel

Von Hans Klumbies

 

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