Die besten Kosmetika produziert die Haut selbst

Erstaunlich viele Menschen in Deutschland geben in Umfragen an, unter Kontaktarmut und dem Gefühl zu leiden, zu wenig geliebt zu werden. Für Hautkranke kann das ein Teufelskreis werden, denn sie werden weniger berührt als Menschen mit gesunder Haut. Und weniger Berührung kann zugleich die Symptome bei Hauterkrankungen verschlimmern. Werner Bartens fügt hinzu: „Das Erstaunliche ist: Menschen, die sich selbst ständig berühren und ihre Haut traktieren, damit sie noch besser und perfekter aussieht, sind besonders gefährdet, Hautkrankheiten zu bekommen.“ Volker Steinkraus, Professor für Hauterkrankungen am Hamburger Dermatologikum, erklärt: „Die Menschen machen zu viel mit ihrer Haut. Weniger ist mehr, denn die besten Kosmetika produziert die Haut selbst.“ Werner Bartens ist Autor von Bestsellern wie „Das Ärztehasser-Buch“, „Körperglück“ und „Was Paare zusammenhält“.

Viele Gefühle werden über die Haut offenbart

Periorale Dermatitis entsteht insbesondere bei Frauen, die mehrmals täglich duschen und die Haut anschließend mit viel zu fetthaltigen Kosmetika abdecken. Werner Bartens erläutert: „Wer übertrieben reinlich ist, dessen Haut schuppt nicht nur leichter, ist gerötet und voller Ausschläge, sie infiziert sich auch schneller mit Pilzen und Bakterien. Kontaktekzeme gedeihen besonders gut in Achselhöhlen, die regelmäßig rasiert und täglich mit Duschlotionen, Cremes und Deos traktiert werden.“ Volker Steinkraus empfiehlt die Haut nach Bedarf zu pflegen.

Die Haut ist ein hochempfindliches Organ, mit zwei Quadratmetern Oberfläche zudem das größte des Körpers. Auf Einflüsse von außen wie von innen reagiert die Haut hochsensibel. Mehr als eine Million Tastorgane befinden sich in ihr, außerdem mindestens so viele Nervenenden, die Reize registrieren und weiterleiten. Die Haut ist eine riesige Antenne. Umgekehrt werden viele Gefühle über die Haut offenbart: Neben Erröten und Erblassen funktionieren beim Menschen auch die evolutionär angelegten Muskeln noch, die bewirken, dass sich Haare sträuben.

Hautkrankheiten werden als ansteckend wahrgenommen

Dass seelische Probleme die Haut angreifen können, verwundert angesichts der sensiblen Ausstattung der Oberfläche nicht. Gerhard Schmidt-Ott, Psychosomatiker an der Medizinischen Hochschule Hannover und Experte für Hauterkrankungen, schränkt ein: „Trotzdem lehne ich das eingängige Bild von der Haut als Spiegel der Seele ab. Eine kranke Haut ist nicht gleichbedeutend mit einer kranken Seele, das würde Betroffene nur noch stärker stigmatisieren. Hautkrankheiten würden ohnehin als schmutzig und ansteckend wahrgenommen.“

Gerhard Schmidt-Ott gibt allerdings zu: „Hauterkrankungen können Narben auf der Seele verursachen.“ Das Team von Gerhard Schmidt-Ott hat herausgefunden, dass Hautleiden bei manchen Menschen durch Stress schlimmer werden – aber nicht bei allen. Matthias Augustin, Dermatologe und Professor für Lebensqualitätsforschung an der Universitätsklinik Hamburg, erklärt: „Hautkrankheiten lassen sich provozieren. Spannend ist, dass die Entzündungsreaktion auf Stress bei Patienten mit Neurodermitis stärker ausfällt als bei denjenigen, die keine Hautprobleme haben.“ Quelle: „Wie Berührung hilft“ von Werner Bartens

Von Hans Klumbies

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