Der Übergang von der Freundschaft zur Affäre ist fließend

In vielen Fällen vollzieht sich der Übergang von der Freundschaft zur Affäre kaum wahrnehmbar – sowohl für die Beteiligten als auch für die Beobachter. Die Grenzen verschieben sich langsam. Shirley P. Glass schreibt: „In einer festen Partnerschaft errichtet ein Paar rings um sich einen Schutzwall, der es vor jeglichen äußeren Kräften schützt, die es auseinanderbringen könnten. Sie betrachten die Welt außerhalb ihrer Beziehung durch ein gemeinsames Fenster von Offenheit und Ehrlichkeit.“ Das Paar bildet eine Einheit und verfolgt eine einheitliche Linie beim Umgang mit den Kindern, der Verwandtschaft und Freunden. Eine Affäre untergräbt ihr sorgsam errichtetes Sicherheitssystem. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

Die meisten Männer wünschen sich außerehelichen Sex

Es kann sehr leicht passieren, dass enge, herzliche Freundschaften zwischen Männern und Frauen sich in außereheliche Abenteuer verwandeln. Mitte des 20. Jahrhunderts waren Männer und Frauen häufig in unterschiedlichen Bereichen beheimatet: Männer arbeiteten außerhalb des Hauses, Frauen kümmerten sich um Haushalt und Kinder. Persönliche Freiheit wurde durch Regeln für soziales und wirtschaftliches Verhalten unterdrückt. Verheiratete Männer und Frauen hatten nicht oft Gelegenheit, Beziehungen zum anderen Geschlecht zu knüpfen, die auf gemeinsamen Interessen und der Vorliebe, mit dem anderen zusammen zu sein, basierten.

Dies hat sich sehr verändert: Männer und Frauen leben, studieren und arbeiten zusammen und genießen verständlicherweise die Freiheit, das zu tun, was ihnen gefällt. Zwischen männlicher und weiblicher Reaktion auf Gelegenheiten zu einem Seitensprung bestehen erhebliche Unterschiede. Die meisten Männer wünschen sich außerehelichen Sex und bedauern oft den Mangel an Gelegenheit, wohingegen Frauen nicht verstehen, warum jemand, der glücklich verheiratet ist, Sex mit jemand anderen würde haben wollen.

Untreue Partner sind nicht bewusst auf der Suche nach Gelegenheiten

Männer in Beziehungen sind tendenziell eher bereit für eine Affäre als Frauen in derselben Situation. Einer britischen Studie zufolge hatten vierzig Prozent der untreuen Männer eine Affäre mit einer unverheirateten Frau. Natürlich hängt die Gelegenheit zum Teil auch vom jeweiligen Betrachter ab. Shirley P. Glass erläutert: „Eine glücklich verheiratete Frau scheint einen „Filter“ zu besitzen, der andere potentielle Partner ausblendet. Sie sieht sie einfach nicht; für sie existieren sie nicht. Das veranschaulicht wunderbar, dass Interesse Gelegenheit schafft.“

Umgekehrt schafft Desinteresse eine gewisse Blindheit gegenüber Gelegenheiten. Sollte ein Mann einen Versuch starten, misst die Frau dem möglicherweise keinen Wert zu. Die überwältigende Mehrheit aller untreuen Partner in der Praxis von Shirley P. Glass war nicht bewusst auf der Suche nach Gelegenheiten. 82 Prozent der Affären begannen als normale Sozialkontakte mit Nachbarn oder Arbeitskollegen. Die Beteiligten hätten sich nie träumen lassen, dass ihre Freunde und Kollegen zu Mitverschwörern bei heimlichen Rendezvous werden würden. Quelle: „Die Psychologie der Untreue“ von Shirley P. Glass

Von Hans Klumbies

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