Das sexuelle Verlangen stellt sich nicht automatisch ein

Wer Sex für eine natürliche Funktion hält, dem macht die Rolle des Partners mit dem schwächeren sexuellen Verlagen gemäß David Schnarch sicher keine Freude. Er sieht in sich denjenigen, der ein Problem hat, fühlt sich defekt und unzugänglich. Und der Partner mit der größeren sexuellen Energie ist wahrscheinlich der gleichen Ansicht. Für David Schnarch ist es allerdings auch kein Vergnügen, der Partner mit dem stärkeren Verlangen nach Sex zu sein. Er fühlt sich attraktiv, liebevoll und sexy und kann nicht verstehen, warum der Andere nicht völlig selbstverständlich Sex mit ihm haben möchte.

Das sexuelle Verlangen der Partner ist oft unterschiedlich

David Schnarch weist auf eine grundsätzliche Wahrheit über das sexuelle Verlangen hin, die von der Zeit, einer Kultur oder den persönlichen Lebensumständen völlig unabhängig ist: „Es gibt immer einen Partner mit schwächerem Verlangen, ebenso wie es immer einen Partner mit stärkerem Verlangen gibt.“ Diese Erkenntnis ermöglicht es Menschen, ihre Defensivität und ihr Gefühl, unzulänglich oder anders zu sein, aufzugeben.

David Schnarch ist davon überzeugt, dass niemand der verlangensschwache oder verlangensstarke Partner in jeder Hinsicht ist, sondern dass die beiden Positionen je nach Thema unterschiedlich besetzt werden. Der Sexualtherapeut schreibt: „Ist Ihr sexuelles Verlangen stark, ist das Verlangen Ihrer Partnerin möglicherweise hinsichtlich des Bedürfnisses nach Intimität (Nähe) stärker. Oder Sie sind der verlangensstarke Partner bezüglich Sex oder Intimität und der verlangensschwache hinsichtlich Monogamie und Familiengründung.“

Von Hans Klumbies

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