Christa Schirl weist auf die wichtige Rolle der Väter hin

Christa Schirl ist fest davon überzeugt, dass sowohl Mütter als auch Väter für eine gesunde Entwicklung der Kinder wichtig sind. Die Psychologin erklärt: „Vaterlos aufwachsende Kinder können Einschränkungen in ihrer Identitäts- und Selbstwertentwicklung, in ihrer Bindungs- und Beziehungsfähigkeit aufweisen.“ Für Christa Schirl gibt es keinen wichtigen oder unwichtigen Elternteil. Zudem bedauert sie sehr, dass viele Väter gar nicht wissen, wie wichtig sie bei der Erziehung ihres Nachwuchses sind. Die Väter sind deshalb für die Identitätsentwicklung so bedeutsam, da eine der biologischen Grundaufgaben des Vater-Seins im Schützen und Anerkennen der Kinder liegt. Christa Schirl ist Klinische und Gesundheits-Psychologin sowie Psychotherapeutin des Kinderhilfswerks. Außerdem hat sie eine eigene Praxis.

In vaterlosen Familien fehlen Modelle für Geschlechterrollen

Je älter Kinder werden, umso mehr suchen sie laut Christa Schirl die Anerkennung der Väter. Jugendliche, die den Stolz des Vaters auf ihre Leistungen spüren, zeigen mehr Selbstsicherheit und ersparen sich deshalb manche jungendliche Dummheit. Christa Schirl fügt hinzu: „Mädchen, die eine gute Vaterbindung haben, gehen als Jugendliche mit Beziehungen viel umsichtiger um, denn sie suchen nicht blind die Bestätigung von jungen Männern. Durch die väterliche Anerkennung sind sie sich ihrer selbst bewusst.“ Gemeinsam müssen Väter und Mütter ja sagen zu ihren Kindern. Sie sollten ihre Eigenheiten, Fähigkeiten und Schwächen akzeptieren.

Mädchen, die ohne Vater aufwachsen, können gemäß Christa Schirl die Erfahrung vermissen, wie man als Frau mit einem Mann in Beziehung tritt. Deshalb fühlen sich diese Mädchen in Beziehungen zum anderen Geschlecht unsicher oder sogar unwohl. Bei den Buben sieht es nicht besser aus. Christa Schirl erklärt: „In vaterlosen Familien fehlen oft Modelle für Geschlechterrollen. Buben sind unsicher, wie sie sich verhalten sollen, und haben oft Schwierigkeiten im Umgang mit Mädchen.“

Christa Schirl vertritt die These, dass die Beziehung zum Vater dem Kind wichtige Ablösungsschritte von der Mutter ermöglicht. Ihrer Meinung nach spürt das Kind bei einem Konflikt mit der Mutter, dass es im Vater über eine zweite Person verfügt, die ihm Sicherheit gibt. Christa Schirl erläutert: „Gibt es nur eine Beziehungsperson, kommt es meist zu einer Überbindung an den vorhandenen Elternteil.“

Von Hans Klumbies

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